Titus Müller: Nachtauge

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Titus Müller: Nachtauge
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783896674586

Informationen zum Buch

Seiten
480

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Eric Knowlden schaltete das Radio aus.

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Handlungsort

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Akribisch recherchierter Tatsachenroman und packender Spionagethriller

Seit drei Jahren macht der britische Geheimdienst MI5 Jagd auf „Nachtauge“. Hinter diesem Codenamen verbirgt sich eine deutsche Spionin, die Schienen und Brücken zerstört und Verfolger kaltblütig umbringt. Jetzt steht sie vor ihrem größten Coup: der Aufdeckung einer womöglich kriegsentscheidenden großen Operation der britischen Luftwaffe. Diese bereitet die Bombardierung der größten deutschen Stauseeanlagen vor. Erstes Ziel: die Möhnetalsperre.

Hier arbeiten über tausend ukrainische Frauen unter entwürdigenden Bedingungen in einer Munitionsfabrik. Im Lager unterstehen sie dem Befehl von Georg Hartmann. Er gerät unter Druck, weil Gerüchte kursieren, dass er nicht hundertprozentig auf Parteilinie sei. Tatsächlich ist er bei den Arbeiterinnen weit weniger gefürchtet als die brutalen Männer vom Werkschutz. Ahnt Hartmann, dass einige Frauen, unter ihnen auch die ihm sympathische Nadjeschka, einen spektakulären Fluchtversuch planen?

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Agentenroman und Liebesgeschichte

Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 ist seit Jahren hinter der deutschen Spionin Nachtauge her, die hinter etlichen Anschlägen in Großbritannien steht. Nachtauge steht kurz davor, die geplante Operation Chastise aufzudecken, die strengster Geheimhaltung unterliegt und zu einer Wende im Kriegsgeschehen des Jahres 1943 führen könnte. Für den britischen Agenten Eric Knowlden beginnt ein Wettrennen mit der Zeit.

Zur selben Zeit verliebt sich Georg Hartmann als Leiter eines Arbeitslagers mit ukrainischen Frauen in eine seiner Insassen. Georg, ein ehemaliger Lehrer, der mit der Nazi-Ideologie nicht so übereinstimmt, wie das gewünscht wäre, hat den Posten als Lagerleiter in Nordrhein-Westfalen über seinen Schwager Axel, einen Gestapo-Beamten, erhalten, um dem Kriegsdienst an der Front zu entgehen. Die junge Nadjeschka erwidert nach anfänglichem Zögern Georgs Gefühle. Die Liebesbeziehung zwischen den Beiden ist allerdings in der damaligen Zeit nicht ohne Gefahr, da auf Rassenschande Konzentrationslager oder der Tod steht.

Das Buch „Nachtauge“ von Titus Müller ist eine gekonnte Mischung aus Agentenroman und Liebesgeschichte, bei dem er sehr geschickt historische Fakten und Fiktion miteinander verknüpft. Die Handlung spielt auf 2 Ebenen im Jahre 1943: in Großbritannien verfolgt der Leser die Jagd des MI5 auf die deutsche Agentin Nachtauge und die Vorbereitungen zur Operation Chastise, deren Ziel die Sprengung mehrerer Staumauern in Nordrhein-Westfalen ist. In Neheim, nahe der Möhnetalsperre, erlebt man die Entwicklung der Beziehung zwischen dem Lagerleiter Georg Hartmann und der ukrainischen Zwangsarbeiterin Nadjeschka.
Geschickt schafft es der Autor, diese beiden Handlungsstränge zum Schluß miteinander zu verbinden.

Was mir an dem Buch sehr gut gefallen hat, daß nicht nur die geplante Sprengung der Staumauern authentisch ist, sondern die Liebesgeschichte ebenfalls eine reale Vorlage hat. Der Schreibstil ist flüssig und spannend.

Die Beschreibung der Charaktere fand ich ebenfalls sehr gelungen, da sie vielschichtig dargestellt und nicht nur in Gut und Böse unterteilt werden. Die Beweggründe der einzelnen Charaktere werden sehr gut herausgearbeitet, ebenso ihre Zweifel und Ängste. Georg Hartmann beispielsweise ist nicht der strahlende Held, sondern eher der introvertierte Lehrertyp und manchmal etwas naiv, wenn man bedenkt, daß sein parteitreuer Schwager bei der Gestapo arbeitet.

Ein tolles Buch, das ein Stück deutscher Geschichte erzählt, die mir so gar nicht geläufig war.

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Operation Chastise

"Nachtauge" ist eine deutsche Spionin in London während des Zweiten Weltkriegs. Bisher hat sich der britische Geheimdienst an ihr die Zähne ausgebissen, doch dem jungen Agenten Eric Knowlden gelingt es schließlich, sich auf ihre Fährte zu setzen. Denn offensichtlich ist Nachtauge einer großen Sache auf der Spur, deren Weitergabe an die Deutschen eventuell kriegsentscheidend sein könnte. Eric arbeitet nicht nur gegen eine skrupellose Feindin, sondern auch gegen die Zeit!

Parallel zu der spannenden Hetzjagd in Großbritannien wird eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in Deutschland erzählt. Georg ist ein nazikritischer ehemaliger Lehrer, der sich von seinem Schwager auf einen kriegswichtigen Posten hat setzen lassen, um der Einberufung zu entgehen und nun ein Lager voller osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen leitet. Als die hübsche und intelligente Ukrainerin Nadjeschka ins Lager kommt, fühlt er sich zu ihr hingezogen und auch sie entwickelt nach anfänglicher Skepsis Gefühle für den feinfühligen Mann. Doch eine Liebe wie ihre ist in diesen Zeiten ein Unding, Rassenschande, auf die als Strafe das Konzentrationslager oder gleich der Tod steht. Dennoch gehen die beiden, insbesondere Georg, mit einer erstaunlichen Naivität vor, bei der man als Leser schnell fürchtet, dass das kein gutes Ende nehmen kann.

Die Verbindung der beiden Handlungsstränge liegt in der Möhnetalsperre, in deren unmittelbarer Nähe sich Georgs Heimatort Neheim und das Lager befinden, und der Operation Chastise, in der die Briten im Mai 1943 die Talsperren angegriffen haben, um die deutsche Rüstungsindustrie zu schwächen.

Beide Handlungsstränge beruhen auf historischen Tatsachen und der Autor verknüpft diese Gegebenheiten äußerst geschickt mit seinen fiktiven Geschichten. Die unglaubliche Liebesgeschichte hat ein reales Vorbild, wie der Autor im Nachwort schildert, die Spionin Nachtauge entspringt hingegen seiner Phantasie.

Sehr gut beschrieben fand ich die Umstände der damaligen Zeit. Durch diverse Nebenfiguren bekommt man als Leser einen tiefen Einblick die die Gedanken der Menschen damals, sowohl der überzeugen Nationalsozialisten als auch deren Gegner. Obwohl vieles sicherlich als bekannt vorausgesetzt werden kann, waren es für mich gerade diese kleinen Einblicke, die die Geschichte so persönlich und fesselnd machen!

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Spannend und bewegend

Titus Müller erzählt hier ein Stück deutsche Geschichte, geschickt verpackt in einen Agententhriller und eine auf Tatsachen beruhende Liebesgeschichte.

Die Gradwanderung zwischen Realität und Fiktion gelingt ihm mit Bravour. Mit seinem Blick für die Details des Alltags macht Titus Müller seine Geschichte so lebendig und kommt mir so greifbar nah. Gerade die Kleinigkeiten haben mir so gut gefallen. Titus Müller ist ein grandioser Erzähler. Er legt so viel Herzblut in seine Bücher und man spürt seine Erzähllust zwischen jeder Zeile.

Die Kombination zwischen Tatsachenroman und Spionagethriller ist perfekt. Der Strang um die deutsche Spionin Nachtauge ist gnadenlos spannend und der Strang in Deutschland ist so tragisch, aber nicht anklagend. Gerade in so einer Geschichte, in der die Bösen von vorneherein feststehen, gibt Titus Müller mir als Leser die Gelegenheit, zu verstehen. Viele hatten ja gar keine Wahl. Das ist so bedrückend, jedes Mal aufs Neue, wenn ich Geschichten aus dieser Zeit lese und das fand ich sehr besonders an diesem Buch. Denn es gibt trotz allem kein eindeutiges „Schwarz und Weiß“.

Die jeweilige Atmosphäre hat Titus Müller so gut eingefangen. Er erzählt so lebendig. Der am Beginn beschriebene Luftangriff auf London ließ mich frösteln und im Laufe der Geschichte gab es sehr viele emotionsgeladene Situationen. Mit dem Bewusstsein, dass vieles so passiert ist, musste ich oftmals heftig schlucken, aber manchmal auch schmunzeln.

Titus Müller hat sehr vielschichtige Charaktere geschaffen, er erzählt die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln und lässt viele seiner Charaktere in der 3. Person zu Wort kommen. So erstellt er für mich ein sehr komplexes Bild. Die spannende Story um die deutsche Agentin Nachtauge hat mich sehr gefesselt und die aussichtslose Liebesgeschichte zwischen Georg und Nadjeschka ging mir sehr nahe. Und es gibt bis in die kleinste Nebenrolle so viele interessante Menschen, die mir in diesem Buch über den Weg laufen. Das macht diese Geschichte so glaubhaft und beeindruckend.

Ein sehr bewegendes und nachdenklich machendes Buch, grandios mit viel Feingefühl und einem Blick für Details erzählt.

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Titus Müller - Nachtauge

Inhalt:

London während des Zweiten Weltkrieges: Seit drei Jahren fahndet der britische Geheimdienst MI5 jagd auf eine deutsche Spionin, die sich Nachtauge nennt. Während Nachtauge an einem grossen Plan feilt, ist ihr Eric Knowlden dicht auf den Versen.

Unterdessen tobt aber auch in Deutschland der Krieg. Der passionierte Lehrer Georg Hartmann leitet hier das Gefangenenlager, in welchem sich russische und ukrainische Gefangene die Seele aus dem Leib schuften. Als Georg auf die Gefangene Nadjeschka trifft, passiert Unglaubliches: Die Beiden verlieben sich...

Meine Meinung:

Titus Müller hat mich "Nachtauge" einen Roman geschrieben, der einen von der ersten Seite an mit seiner Dichte und seiner Atmosphäre packt. Ich fühlte mich direkt in die Zeit des Zweiten Weltkrieges versetzt, erlebte die Schrecken und Ängste mit und knabberte unterdessen im 21. Jahrhundert an meinen Fingernägeln.

Dass einen dieses Buch so packt, liegt vor allem daran, dass Müller wie kaum ein anderer Autor Fakten und Fiktion verbinden kann. In dieser Geschichte steckt nicht nur sehr viel Leben, sondern auch sehr viel Liebe zum Detail. Man merkt, dass der Autor sich intensiv mit dem Material beschäftigt hat. Vor allem der Anhang hat es mir angetan, in welchem erklärt wird, was Realität ist und was der Fantasie des Autoren entspringt.

Wirklich toll fand ich auch, dass man den Krieg aus jeder Sicht erlebt. Wir haben die geheimnisvolle und talentierte Nachtauge, den einfühlsamen Georg, der mit dem Krieg nichts anfangen kann, man trifft auf Vollblutnazis und auf Mitläufer. Sie alle tragen ihren Teil zur Geschichte bei. Zwar konnte ich mich nicht mit Nadjeschka anfreunden, sie ging mir sogar ziemlich auf die Nerven, aber sie konnte mich nur deshalb so gut nerven, weil sie so lebendig geschildert wurde.

Ich fühlte und litt mit den Figuren und der Geschichte mit und zwar bis zum grossen, tragischen Finale, über das ich hier aber nicht berichten werde, damit ihr das Buch ebenfalls lest!

Fazit:

Ein genial recherchierter Roman über den Zweiten Weltkrieg, der es schafft, zu unterhalten ohne zu urteilen. Ein bravouröses Stück Literatur!

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