Lukas Erler: Ölspur

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Lukas Erler: Ölspur
Verlag
ET (D)
2010
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783442743094

Informationen zum Buch

Seiten
336

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Es ist sehr schnell dämmerig geworden.

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Handlungsort

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Der Neuropsychologe Thomas Nyström reist von München nach Hamburg, um seine Geliebte zu sehen, die Journalistin Helen Jonas. Doch er findet ihre Wohnungstür versiegelt vor: Helen Jonas ist tot. Natürliche Todesursache meint die Polizei, doch Nyström glaubt nicht daran, genauso wenig wie die jüngere Schwester der Toten. Tatsächlich entdecken die beiden, dass Helen einem Umweltskandal auf der Spur war, der vor Jahrzehnten eine gigantische Meeresverseuchung zur Folge hatte …

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Ölspur

Zum Inhalt:

Der Münchner Neuopychologe Thomas Nyström und die Hamburger Journalistin Helen Jonas führen eine lockere Beziehung. Richtig zusammensein können sie nicht, aber trotzdem empfinden sie viel füreinander und halten regelmäßigen Kontakt. Dementsprechend besorgt ist Thomas, als er Helen plötzlich nicht mehr erreicht. Er macht sich auf den Weg nach Hamburg und erhält dort eine niederschmetternde Auskunft: Helen ist tot. Angeblich ein Herzinfarkt in der Sauna, also ein natürlicher Todesfall. Doch Thomas kann das nicht glauben, einige Umstände sprechen völlig gegen diese Sichtweise der Polizei, die den Fall zu den Akten legen möchte. Als dann noch Helens Schwester Anna auftaucht und Thomas unterstützt, beginnen die beiden nachzuforschen, woran Helen gearbeitet hat und geraten dabei selber in große Gefahr.


Meine Meinung:

Ich bin normalerweise kein Fan von großen wirtschaftlichen und politischen Verwicklungen in Kriminalromanen. Oft geht so etwas dann zu sehr ins Detail, lenkt von der eigentlichen Handlung ab und droht, mich als Leser zu langweilen. Hier ist dem aber in keinster Weise so. Wie der Titel des Buches schon vermuten lässt, führt die Spur zu Umweltverschmutzung, Ölkonzernen und deren Machenschaften. Auf äußerst spannende Weise gewährt der Autor hier einen Einblick in Dinge, mit denen man sich als Normalverbraucher wohl eher selten beschäftigt. Dadurch, dass Thomas und Anna auf diesem Gebiet ebenfalls Laien sind und sich alles erklären lassen müssten, wird man als Leser wunderbar abgeholt und nicht mit zu vielen Details überfordert. Im hinteren Drittel des Buches kommt ein weiteres Konfliktthema zur Sprache, nämlich der Jugoslawien-Krieg. Aber hierzu möchte ich an dieser Stelle nicht mehr verraten.

Das Spannendste für mich war allerdings die Frage, wie weit gewisse Umstände einen Menschen treiben können? Was muss passieren, damit man selber Dinge in die Hand nimmt, gegen Gesetze verstößt, dem Rechtssystem nicht mehr vertraut? An welchem Punkt ist man bereit, auch Gewalt einzusetzen, um sich selbst und die eigenen Überzeugungen zu schützen?

Meiner Meinung nach gelingt es Lukas Erler hervorragend, diese Entwicklung anhand von Thomas Nyström darzustellen.

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In bester skandinavischer Tradition...

Was für ein toller Krimi! Soviel vorweg - aber nun der Reihe nach:

Thomas Nyström ist Neuropsychologe und Halbschwede und lebt als solcher ganz im Süden dieser Republik, in München. Als sich seine Freundin Helen Jonas einige Tage nicht meldet, reist er etwas überstürzt nach Hamburg, um sie zu besuchen. Und siehe da: sein komisches Gefühl hat ihn nicht getäuscht, denn Helen ist tot aufgefunden worden. Die Polizei ist gerade dabei, den Fall abzuschließen, da sie nichts ungewöhnliches feststellen kann und annimmt, dass Helen einem Herzversagen erlegen ist. Mit Ende dreißig. Okay, vielleicht nichts total ungewöhnliches, aber es gibt dann doch ein paar Punkte, die für Thomas Nyström gegen ein natürliches Ableben seiner Freundin sprechen und er ist bereit, der ein oder anderen Sache auf den Grund zu gehen... Unterstützung bekommt er dabei schon bald von Anna, der kleineren Schwester Helens.
Doch die beiden geraten bei ihren Nachforschungen, die sie ganz auf eigene Faust anleiern, an einen mächtigen Feind und Machenschaften, mit denen wohl keiner gerechnet hätte, die sich aber vor unser aller Augen abspielen...

"Ölspur" ist ein hervorragender Krimi, der ganz in der skandinavischen Tradition steht - betrachtet man seine Gesellschaftskritik und seinen packenden und intelligenten Schreibstil. Wo "Ölspur" allerdings mit den Skandinaviern bricht, dass sind die Hauptfiguren. Denn von der Depressivität eines Wallanders oder der düsteren Alkoholabhängigkeit eines Harry Holes findet man bei Thomas Nyström oder Anna Jonas nichts, rein garnichts. Auch wenn die beiden durchaus in Trauer um Helen sind und in die ein oder andere heftige Situation hineingeraten - diese Destruktivität findet man an keiner Stelle. Dafür entwickeln sich die Protagonisten mit der Handlung; Thomas Nyström fragt sich nicht nur einmal, wie es (mit ihm) so weit kommen konnte... Und diese Entwicklung ist großartig, weil sie mich als Leserin zu mehr als einer Überlegung über das menschliche Handeln und großen Themen wie Rache und Notwehr gebracht hat, und weil sie stets glaubhaft bleibt.
Hinzu kommt, dass die Auflösung zwar nicht völlig überraschend war, aber wie alles zusammenspielt, eben doch. Dass zum Ende noch eine neue Komponente hinzukommt, macht den Krimi und seine Figuren nur facettenreicher - auch wenn eine beinharte Rückblende mit dazugehört... Der Schluß ist perfekt, weil er eben nicht das klassische Schwarzweiß-Muster befolgt, sondern realistisch bleibt. Überhaupt hat mir das nicht alltägliche (Krimi-)Thema rund um Umweltzerstörung durch Ölverschmutzung und das ganz große Geschäft damit, sehr, sehr gut gefallen. Mal schauen, was sich noch für Themen finden lassen? Ich freue mich jedenfalls auf die Lektüre des nächsten Falles um Thomas Nyström!

Kurzum: "Ölspur" ist für alle Liebhaber guter skandinavischer Kriminalliteratur - wenn sie denn auch mal auf die obligatorische depressive Prise verzichten können. Und für alle, die an den großen Machenschaften, die größtenteils legal vonstatten gehen, obwohl sie eine einzige Schweinerei sind, interessiert sind.

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Spannend und lehrreich

Thomas Nyström ist Halbschwede, von Beruf Neurologe und forscht am Max-Planck-Institut in München. Als seine Freundin, die Journalistin Helen Jonas, sich einige Tage nicht bei ihm meldet, fährt er besorgt zu ihr nach Hamburg, um nach dem Rechten zu sehen. Seine Vorahnung hat ihn leider nicht getrogen: Helen ist tot. Gefunden hat man sie in einer Saunakabine. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge ist sie eines natürlichen Todes gestorben – an Herzversagen. Die Polizei verbucht den Fall als abgeschlossen. Thomas jedoch fallen einige Unstimmigkeiten auf, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuten.

Zusammen mit Helens jüngerer Schwester Anna stellt Thomas auf eigene Faust Nachforschungen an. Skeptisch gegenüber der Polizeiarbeit, weihen sie den ermittelnden Kommissar Geldorf nicht in ihr Vorhaben ein.
Sie finden schnell heraus, dass Helen einem Umweltskandal auf der Spur war. Haben sie die Recherchen das Leben gekostet? Bald wird ihnen klar, dass sie gegen einen übermächtigen Gegner kämpfen, der bereit ist, für den Profit über Leichen zu gehen.

Hervorragend recherchiert, befasst sich der Roman mit einer Thematik, die für mich persönlich in dieser Intensität Neuland war: ökologische Katastrophen, ausgelöst durch Havarien von Öltankern. Dabei werden die zweifelhaften Machenschaften der großen Ölkonzerne, Reedereien und Zertifizierungsgesellschaften aufgedeckt und angeprangert. Ein weiteres Thema ist die Kritik an der enormen Macht großer PR-Agenturen.
Außerdem wird noch ein weiteres sehr düsteres Thema angeschnitten: der Jugoslawien-Krieg und seine Grausamkeiten.
Zu einigen Schauplätzen der Geschichte erfährt man durch Annas Leidenschaft für touristische Aktivitäten interessante Details.

Somit empfand ich das Buch als sehr lehrreich. Der Leser wird umfassend und detailreich über das Thema Tankerhavarien informiert und erfährt zudem noch einiges darüber, in welchem skandalös schlechten Zustand viele Öltanker auf den Weltmeeren unterwegs sind. Zumeist werden die Informationen in gut verdaulichen Häppchen in Dialogen und Expertengesprächen vermittelt, wobei die beiden Hauptfiguren Thomas und Anna auf dem selben Wissensstand sind wie die Leser, so dass alle Erklärungen für Laien verständlich sind.

Lukas Erler wurde für diesen Krimi nicht umsonst für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Die Geschichte ist durchgehend spannend, was vor allem dem Gefühl der permanenten Bedrohung geschuldet ist, das durch den übermächtigen Gegner entsteht und für Nervenkitzel sorgt.

Die Protagonisten und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte hat der Autor mit großem psychologischem Geschick gezeichnet. Das Ermittlungsteam Anna und Thomas hat mir sehr gut gefallen.
Thomas ist Neurologe, kommt aber privat nur schwer mit der Alzheimer-Erkrankung seines Vaters zurecht. Ansonsten erscheint er wie ein „typischer“ Wissenschaftler, korrekt und ein wenig unauffällig. Mit Helen verbindet ihn eine etwas kuriose Beziehung. Eine feste Beziehung hat wegen des hohen Freiheitsdranges der beiden wohl nicht funktioniert, so dass sie zum Schluss nur noch eine platonische Liebe verbindet. Diese findet aber weitgehend über e-Mails statt, so dass Thomas nach einigen Tagen ohne Helens elektronische Rückmeldung sehr um sie besorgt ist.
Anna dagegen ist eine Punkerin und Autonome, die der Polizeigewalt sehr skeptisch entgegensteht. So unterscheidet sie sich in ihren Auffassungen und Moralvorstellungen einerseits deutlich von Thomas, andererseits harmonieren die beiden in menschlicher Hinsicht sehr gut miteinander. Beide verbindet die Liebe zu Helen und der Wunsch, die wahre Ursache ihres Todes aufzuklären.

Im Laufe der Handlung verändert sich Thomas drastisch; seine Hilflosigkeit und Angst bringen eine dunkle Seite in ihm zum Vorschein. Der Leser fragt sich mit Gänsehaut, wie weit er wohl zu gehen bereit ist, um seine große Liebe zu rächen. Thomas macht es zu seinem einzigen Lebensziel, Helen zu rächen und die Wahrheit über ihren Tod ans Licht zu bringen. Sein Leben und sein Wesen erfahren durch seine Erlebnisse eine Wandlung, die sich nicht mehr so schnell rückgängig machen lässt. Auch Anna entwickelt sich, wird erwachsener und legt ihre Punk-Attitüde weitgehend ab, behält aber ihre Selbstsicherheit und Schlagfertigkeit, was sie durchaus sympathisch macht, wenn sie auch zuweilen für meinen Geschmack etwas zu ungestüm und impulsiv handelt.

Das Ende hält noch einen überraschenden Twist bereit und ich war recht angetan, zumal der Autor nicht den Fehler macht, die beiden Protagonisten zu unbesiegbaren Superhelden geraten zu lassen, sondern relativ realistisch bleibt. Einige wenige offene Handlungsfäden machen neugierig auf die Folgebände des Krimis.

Fazit: „Ölspur“ ist ein spannender und gleichzeitig lehrreicher Wirtschaftskrimi über die skrupellosen Machenschaften der Reedereien und Ölkonzerne. Besonders hat mich die Zeichnung der Hauptcharaktere überzeugt. Aber auch die Art, wie die Sachinformationen vermittelt wurden, fand ich sehr gelungen. Eine Empfehlung an alle Krimi-Fans.

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