Jörg Juretzka: Prickel

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Jörg Juretzka: Prickel
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783434540427

Informationen zum Buch

Seiten
301

Serieninfo

Sonstiges

Erster Satz
Ich kann mich nicht entscheiden.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Prickel ist ein bißchen langsam und kriegt selten einen ganzen Satz auf die Reihe. Sein Freund Det ist schlauer und nimmt ihn nach einer Kneipentour mit zu Nina. Dann ist Nina tot, und Prickel steht mit einem blutigen Messer in der brennenden Wohnung. Det hat sich verabschiedet. Der "Schlächter von Bottrop" wird in die Irrenanstalt eingeliefert. Die schönste aller Anwältinnen Mülheims und vielleicht sogar des ganzen Reviers beauftragt den schäbigsten aller Privatdetektive, den dauerverkaterten Ex-Knacki und Ex-Junkie Kristof Kryszinski. Er soll nach Entlastungsmaterial für Prickel suchen. Entsprechend hemdsärmlig sind seine Methoden. Zwischen Frühschoppen mit Autoschraubern, Lunch-Joints mit Computer-Fantasy-Freaks und Schlummertrunks mit Motorrad-Polizistinnen reitet er mit getunten Schüsseln durch das Stadtgestrüpp zwischen Mülheim und Ratingen. Eine unausrottbare Allergie gegen Knäste aller Art läßt in ihm einen aberwitzigen Befreiungsplan für Prickel reifen...

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Abgefahren und abgewrackt

In Bottrop wird nach einem Wohnungsbrand eine zerstückelte Gelegenheitsprostituierte identifiziert, als mutmaßlicher Mörder wird ein Mann verhaftet, der geistig etwas zurückgebliebene und langsame Prickel. Daß dieser mit einem anderem Mann, dem fixen Schläger Det, zusammen unterwegs war, glaubt außer Prickels Betreuer zunächst keiner und so landet Prickel in einer geschlossenen Anstalt in Ratingen. Seine Anwältin, die ihn jedenfalls auch nicht für den Mörder hält, beauftragt Privatdetektiv Kristof Kryszinski, sich das mal etwas näher anzuschauen. Kryszinski stößt schon bald auf ein paar Merkwürdigkeiten rund um den Anstaltsleiter, die ihm auch eine ordentliche Tracht Prügel eintragen. Aber davon läßt er sich nicht aufhalten und entwickelt einen irren Plan, Prickel aus der Anstalt zu holen, bevor die dortige „Behandlung“ völlig Mus aus dessen Gehirn gemacht hat. Da auch Kryszinski inzwischen an diesen ominösen Det glaubt, wählt er zudem noch einen ungewöhnlichen Weg, diesen zu finden, wobei er gleich noch weitere erschreckende und schmerzhafte Erkenntnisse sammelt. Und nebenbei muß er für seinen Freund und Autoschrotthändler Heiner Sültenfuss auch noch verschwundene Motoren suchen ...

Kryszinski ist schon ein sehr eigener Typ: Ex-Knackie, Ex-Junkie, Schnodderschnauze und mit unkonventionellen Ideen zur Lösung seiner Fälle. Im Grunde fand ich ihn gar nicht mal unsympathisch, aber viel länger als die rund 300 Seiten des Romans hätte ich ihn am Stück wohl auch nicht mehr ertragen, dafür war einfach zu vieles an dieser Figur dann doch überzeichnet. Auch die Handlung bewegte sich für mein Empfinden jenseits aller Glaubwürdigkeit und hatte streckenweise eher Slapstick-Charakter, was an und für sich nicht ganz meiner Art von Humor entspricht. Irgendwelche halbwegs normalen Typen tauchten gar nicht auf, mit Ausnahme vielleicht eines Mülheimer Hauptkommissars. Insgesamt war das alles also ziemlich abgefahren und ich kann nicht leugnen, daß es irgendwie Spaß gemacht hat, nachdem ich mich gedanklich damit arrangiert hatte. Aber insgesamt war es mir dann doch zu überzogen, und ich habe nicht unbedingt das Bedürfnis, dieses Erlebnis in absehbarer Zeit mit einem weiteren Roman um Kryszinski zu wiederholen, was aber sicher auch damit zusammenhängt, daß Krimis eher selten zu seinem Leseprogramm gehören.

Hauptgrund für die Lektüre war für mich auch der Handlungsort. Es ist schon ganz witzig, wenn man die Straßen, durch die da gerade gefahren oder gelaufen wird, auch aus eigener Anschauung kennt. Direkt am Anfang war auch von einem Sexshop in unmittelbarer Bahnhofsnähe die Rede. Den gab es dort tatsächlich mal, inzwischen hat allerdings ein Friseur die Räumlichkeiten inne. Manchmal hatte ich aber auch den Eindruck, daß Juretzka die Geographie, absichtlich oder unabsichtlich, etwas durcheinander geraten ist. Denn von Ratingen kommend auf der A3 Richtung Oberhausen zu fahren, führt unter keinen Umständen über das Hexbachtal, dafür müßte man die Autobahn um ein paar Kilometer nach Osten verlegen. Das weiß ich sicher, weil ich als Kind im nahegelegenen Hexbachtal gespielt habe ... Und das im gleichen Zusammenhang ins Spiel gebrachte Hengsbachtal gibt es hier meines Wissens gar nicht. So bin ich dann bei meinen Versuchen, die Handlungsorte zu lokalisieren auch mal ausgebremst worden, was mich immerhin daran erinnerte, daß ich schließlich auch einen Roman und keine Reportage lese. In einem allerdings hat Juretzka irgendwie recht, deshalb muß ich das hier einfach wiedergeben. Es geht darum, sich als Ortsfremder in Mülheim den Weg erklären zu lassen:

„In Mülheim, zum Beispiel, kriegt man als Ortsfremder ja überhaupt keine Antwort mehr. Seit sich eine Handvoll Wahnsinniger im Stadtplanungsamt vorgenommen hat, die Verkehrsführung dieser Stadt bis zu einem sämtliche Grenzen der Phantasie sprengenden Maße zu verkomplizieren, und sie dies auch seit zwanzig Jahren mit der für einen komplett aus dem Ruder gelaufenen Behördenapparat typischen Sorgfalt übereifrig in die Tat umsetzen, haben es sich die Mülheimer angewöhnt, bei Fragen nach dem richtigen Weg regelmäßig ihre Herkunft zu leugnen.“

Hier habe ich wirklich lachen müssen. Aber was soll man schließlich auch tun, wenn man sich selbst in den wirren Verkehrsführungen kaum noch zurechtfindet? Erklären man das an vielen Stellen wirklich niemandem mehr.

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