Zoë Beck: Schwarzblende

 
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Zoë Beck: Schwarzblende
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783453410435

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Niemand lief mit einer Machete durch London.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Ein grausamer Mord an einem Soldaten erschüttert London – und der junge Kameramann Niall gerät als Zeuge zwischen die Fronten

London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.

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Brandaktuelles Thema

Die Kameramann Niall Stuart wird zufällig Zeuge, wie zwei Anhänger des Islamischen Staats einen englischen Soldaten in zivil in aller Öffentlichkeit hinrichten. Da Niall die Szene mit seinem Handy aufzeichnet, wird er zusammen mit den beiden Attentätern verhaftet, aber kurz darauf wieder frei gelassen. Wenig später erhält Niall den Auftrag, eine Dokumentation über die Attentäter zu drehen – er und sein Team stoßen dabei auf Geheimnisse, deren Aufdeckung einige Personen verhindern wollen.

Bei diesem Buch handelt es sich nicht um einen klassischen Kriminalroman – es wird auch als „Roman“ angegeben. Dennoch ist das Buch nicht weniger spannend, da es sich mit aktuellen Themen des religiös begründeten Fanatismus und Terror beschäftigt. Dabei begibt sich die Autorin auf eine Gratwanderung und beleuchtet die sozialen und familiären Hintergründe der Attentäter, zeigt mögliche Antworten auf, warum die jungen Männer, gebürtige Engländer, zu glühenden Anhänger des IS wurden, ohne sie dabei aber in die Opferrolle zu stecken.

Meiner Meinung nach ist der Autorin diese Gratwanderung sehr gut gelungen, behält sie die Gräueltaten des IS und das Opfer, den Soldaten, weiterhin im Auge. Vielmehr wird der Leser aufgefordert, kritisch zu bleiben, wenn es um die Frage geht, im Namen der Sicherheit die eigene Freiheit und Privatsphäre mehr und mehr aufzugeben. Nicht immer ist es so offensichtlich, wie es scheint bzw. die Politik es darstellt.

Zudem setzt sich das Buch kritisch mit den Gefängnissen für Terrorverdächtige auseinander, in denen die Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden. Zugegeben, auch mir hat eine leise Stimme im Kopf zugeflüstert, was es mich juckt, wenn die Menschenrechte bei solch brutalen Attentäter nicht so genau genommen werden. Andererseits ist Gewalt niemals eine Lösung!

Niall Stuart ist ein junger Mann, der aufgrund seiner familiären Situation hin- und hergerissen ist: er ist erst mal gegen alles, was sein Vater befürwortet, um dann nach etwas Nachdenken doch einzulenken. Aber auch ich war anfangs hin- und hergerissen, was Niall angeht: es irritiert mich immer sehr, wenn Menschen bei Katastrophen oder Mord einfach mit der Kamera drauf halten können, um das Video anschließend ins Netz zu stellen. So auch bei Niall, allerdings ist er Dokumentarfilmer – außerdem hat er Gründe, warum er so handelt, die ich wiederum nachvollziehen kann. Auch das ist wieder so eine Gratwanderung, ebenso die Arbeiten an der späteren Dokumentation.

Die Figuren finde ich sehr gelungen und detailliert dargestellt – hinter manchem Charakter steckt mehr, als man auf den ersten Blick denkt.

„Schwarzblende“ ist ein Buch, das zum Nachdenken auffordert – es wird mich noch einige Zeit beschäftigen.

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Niall Stuart ist Kameramann. Meist wird er mit eher kleinen, unscheinbaren Aufträgen bedacht, der große Durchbruch ist nicht in Sicht. Doch dann bemerkt er eines Tages zwei Männer, die mit Macheten bewaffnet mitten durch die Londoner City laufen. Ohne sich wirklich bewusst zu sein, warum er das tut, folgt er ihnen und filmt sie mit seiner Handykamera. Als sie in einen Park gehen und dort auf einen jungen Mann, der offensichtlich Soldat in zivil ist, treffen, eskaliert die Situation, die beiden Männer bringen den dritten um. Niall hält immer weiter mit der Kamera drauf und anscheinend ist es genau das, was die Täter wollen. Sie fordern ihn anschließend sogar auf, den Film im Internet hochzuladen, sie wollen Öffentlichkeit! Niall tut, was sie von ihm verlangen. Als die Polizei eintrifft, wird er ebenfalls verhaftet und verbringt eine Nacht als Terrorverdächtiger – ohne Rechte und der Willkür der Beamten und Wachen ausgesetzt!

Als er wieder freikommt, erhält er den Auftrag, eine Dokumentation über die beiden Täter zu drehen. Ihm wird ein Team an die Seite gestellt und auf einmal hat er das Sagen. Doch wie soll er vorgehen? Wie soll er dokumentieren, was Menschen zu so einer Tat bringt?
Niall tastet sich langsam voran, wirkt dabei oft hilflos und unvorbereitet. Sein Team, insbesondere die tatkräftige Beth, treibt ihn immer wieder an und auch von anderer Seite wird er geschoben und gelenkt. Dass Niall gute Kontakte in alle möglichen Bereiche hat, erweist sich nach und nach sowohl als Segen als auch als Fluch.

Die Autorin schildert in diesem Roman, der viel mehr ist als nur ein Krimi, wie junge Menschen radikalisiert werden, wie unsere Gesellschaft dafür sorgt, dass aus völlig normalen und unauffälligen jungen Menschen Terroristen werden können. Mithilfe von Interviews tastet sich Niall an die Geschichte der Attentäter heran, deckt Hintergründe auf und zeigt ihre Entwicklung, aber auch ihr Umfeld sowie dessen Reaktionen.

Ein spannendes, aktuelles und verstörendes Thema!

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Entlarvte Gesellschaft

Als der Fotograf Niall gerade Aufnahmen für ein Projekt macht, wird er auf zwei junge Männer aufmerksam, die zwar entspannt wirken, aber Macheten mit sich herum tragen. Unruhig geworden, folgt er den beiden Männern bis in einen Park. Dort greifen die beiden einen jungen Mann an und köpfen ihn vor dem entsetzten Zufallspublikum. Niall, ganz Fotograf, filmt die Szene und wird sogar von den Männern aufgefordert und die beiden setzen sich vor ihm in Szene. Die Männer werden überwältigt und verhaftet. Niall erst mal auch. Doch als er aus dem Gefängnis kommt, ist er eine kleine Berühmtheit und beginnt an einer Doku über die beiden Attentäter.

Zoë Beck gelingt mit Nialls Erlebnis ein fulminanter Auftakt in einen spannenden Thriller, der sich um Terror, Gewalt und Radikalisierung dreht. Nialls Dokumentation taucht ein in die Hintergründe der Täter. Sind es Täter? Sind es Opfer? Sind es Mitläufer? Wer waren die beiden und warum haben sie getan, was sie getan haben? Das Dokumentationsteam geht zu den Familien, den Hinterbliebenen und beleuchtet den Hintergrund.

Niall ist ein wenig initiativlos. Er lässt sich von seinem Vater zu der Dokumentation überreden und das Team um ihn herum übernimmt jegliche Recherche und Terminvereinbarungen. So überrascht es nicht, das Niall meist nur leidlich vorbereitet die Leute interviewt und befragt. Von ihm hätte ich mir ein wenig mehr Eigeninitiative gewünscht. Die Doku bzw. die Arbeit daran rüttelt aber nicht nur unangenehme Fragen auf, sondern es werden auch Drohungen ausgestoßen und eine Entführung geschieht. Die Geschehnisse werden immer brisanter und spitzen sich auf ein Ende zu, welches Überraschungen bereit hält, aber nicht völlig überrascht.

Das vorherrschende Thema ist Terror im Namen des Islam. Gerade zu einer Zeit, in der die IS vermehrt in den Nachrichten ist, ein brandaktuelles Thema. Frau Beck gelingt es, den Schrecken der Beteiligten an der Doku darzustellen, indem sie diese stundenlang Werbevideos der Terroristen sehen lässt, aber auch die Panik der Bevölkerung aufzuzeigen. Sie zeigt eine Gesellschaft, die Muslime ausgrenzt – aufgrund Unwissenheit, Angst und Hass. Diese Klima erzeugt ein Gegenklima: die Radikalisierung von – vor allem – jungen Muslimen. Es scheint eine ausweglose Situation zu sein und der dargestellte Imam kann sie nicht retten. Für die radikalen hält er sich zu wenig an den Koran, für die restlichen ist es fast zu viel. Sie versuchen in England unterzutauchen, nicht aufzufallen. Denn wer auffällt, wird beschimpft und ausgegrenzt, deren Gebet wird gestört und im Pub sind sie schon gar nicht willkommen. Klar ist, dass Zoë Beck hier ein starkes Bild, aber hoffentlich kein komplettes Bild zeichnet. Es mag Gegenden und auch Menschen geben, die dieses Bild prägen, doch es gibt auch andere. Nichtsdestotrotz zeigt sie auf, wie es zu Anhängern der IS und Selbstmordattentätern kommen kann und wie viel Anteil der „normale“ Bürger daran trägt. Ein schwieriges, aber auch ein mutiges Thema welches Frau Beck spannend verpackt serviert.

Fazit:
„Schwarzblende“ ist nicht nur ein spannender Thriller um das Thema Terrorismus im Namen des Islam gespickt mit privaten Geheimnissen und Verschwörungstheorien, sondern auch ein Buch, das einen grübeln lässt und nachdenklich macht.

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