Sobo Swobodnik: Die Nacht schweigt

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Sobo Swobodnik: Die Nacht schweigt
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783839218921

Informationen zum Buch

Seiten
281

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Es ist der 24. März 1945.

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Handlungsort

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Eine junge Wiener Studentin recherchiert im Burgenland den Mord an fast 200 jüdischen Zwangsarbeitern kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Rechnitz ist ein Ort mit einem dunklen Fleck in der Geschichte. Als die Studentin spurlos verschwindet, wird dem Ermittler Hài klar: Einige Verbindungen von damals scheinen noch intakt. Und selbst über 70 Jahre nach dem Massenmord hat jemand ein Interesse daran, dass die Geheimnisse der Vergangenheit verborgen bleiben.

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Sehr wichtiges Thema, enttäuschende Umsetzung

Das Burgenland, damals und heute.

Im März 1945 wurden in einer Nacht in einem Ort im Burgenland, der direkt an der Grenze zu Ungarn liegt, rund 200 Zwangsarbeiter ermordet. Dieses Verbrechen, dass als "Massaker von Rechnitz" bezeichnet wird, ist ein sogenanntes "Endphaseverbrechen', das nie aufgeklärt wurde. Die Erschießungen wurden von Besuchern eines Schlossfestes verübt, das die Bewohnerin des Schlosses und Gastgeberin Margit von Batthyány für SS-Leute und andere NSDAPler organisiert hatte. Schon zuvor wurde das Schloss immer wieder entsprechend genutzt, da von Batthyány dort zuvor eine Erholungsstätte für Waffen-SSler eingerichtet hatte. Die Tochter Heinrich Thyssens konnte nach Kriegsende in die Schweiz entkommen und wurde Zeit ihres Lebens nie zur Verantwortung gezogen. Doch nicht nur, dass sich die Verantwortlichen allesamt der Gerichtsbarkeit entzogen, nein, bis heute wurden die allermeisten der Opfer nicht gefunden...

So viel zu den Fakten. Sobo Swobodnik lässt in der Gegenwart eine Studentin aus Wien an den grausamen Geschehnissen aus den letzten Kriegsmonaten forschen. Doch als Linda plötzlich verschwindet, rückt Detektiv Hài auf den Plan: er wird engagiert, um die junge Frau zu finden und begreift sehr schnell, dass das dunkelste Kapitel der österreichischen Geschichte bis heute seine Schatten wirft...

Der Autor greift zu einer - für mich - etwas ungewöhnlichen Erzählweise, da er auf vier Ebenen erzählt, die er als 'Es', 'Ich', 'Du' und 'No' betitelt. Bei 'Es' handelt es sich um die Ebene, die zu Ende des Zweiten Weltkrieges spielt und verschiedene Blickwinkel einfängt, 'Ich' schildert die Sichtweise und die Erlebnisse des Ermittlers Hài, 'Du' beleuchtet die Perspektive der vermissten Studentin und 'No' zu guter Letzt die ihrer Schwester Nora. Was sich anfänglich etwas schwierig darstellte, denn ich musste mich arg darauf konzentrieren, wer gerade erzählen durfte. Aber sobald der Szenenwechsel halbwegs geläufig ist, liest sich diese Erzählvariante ziemlich gut und entwickelt auch eine sehr gute Eigendynamik. Doch damit legen sich nicht alle Startschwierigkeiten, denn nachdem die Spannung etwas zugenommen hat, sind die grausamen Fakten des "Massakers von Rechnitz" ziemlich schnell erzählt. Klar liegen sie vor einem, auch die offenen Fragen - zum Beispiel, warum nie jemand zur Rechenschaft gezogen werden konnte und warum selbst intensive Suchen - zuletzt in den 90ern - nach den Opfern ergebnislos verliefen. Jetzt müsste Swobodnik mehr aus dem historischen Fakten und den Schatten, die bis heute reichen, machen, doch stattdessen verfranzt er sich in Belanglosigkeiten. Hài bedient sich nicht nur fragwürdiger Methoden, sondern lebt auch noch in ausufernder Art seine sexuellen Bedürfnisse im Wiener Rotlichtmilieu aus. Dazu kommen noch Drogensucht, Homosexualität und Abstrusitäten, die mich an der ein oder anderen Stelle echt den Kopf haben schütteln lassen. Ganz ehrlich, ich muss den Protagonisten eines Krimis nicht mögen, um Gefallen an der Lektüre zu finden - aber das war mir wirklich zu hanebüchen.
Vielleicht habe ich zu viel erwartet: das Thema ist mir wichtig und ich fände es großartig, wenn man endlich in der Lage wäre, die menschlichen Überreste der Opfer zu finden und sie angemessen zu bestatten. Stattdessen lese ich dann über einen Detektiv, der sich mit Prostituierten wie auch immer vergnügt...

Fazit: Für einen Krimi hat "Die Nacht schweigt" zu wenig Spannung, das Potential der interessanten Erzählstruktur geht irgendwann leider auch unter und ein sehr wichtiges Thema bekommt in meinen Augen nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hätte, sondern dient in erster Linie als Aufhänger. Schade, hier wurde viel verschenkt.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch dennoch das Interesse an der Vergangenheit weckt!

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Zu viel Drumherum

Hài ist ein Detektiv aus Deutschland, der vom Anwalt der Familie Prohaska engagiert wird die verschwundene Linda zu finden. Bis auf die Mutter der Familie glaubt eigentlich niemand an ein Verbrechen, daher ermittelt auch die Polizei nicht. Der Bruder der Verschwundenen, Konstantin, ist sich sogar sicher, dass Linda aus Absicht verschwunden ist um seinen Wahlkampf zu sabotieren.

Aufgebaut ist das Buch dabei in vier Ebenen mit unterschiedlichen Erzählperspektiven.
Zum einen haben wir die Ebene des „Es“. Hier wird die Geschichte von 1945 neutral erzählt. Ohne großen Gefühle oder anderem Beiwerk erfährt der Leser nach und nach wie sich die Ereignisse damals angeblich zugetragen haben.

Dann haben wir die Ebene des „Du“. Hier wird Lindas Geschichte erzählt. Sie ist eingesperrt in einem Keller und ihre Version ist auch in der Du-Form geschrieben, was anfangs sehr gewöhnungsbedürftig ist zu lesen.

Die dritte Ebene “Ich“ ist jene von Hài. Dieser Strang ist in der Ich-Form geschrieben, genauso wie der vierte von Nora, „No“, Lindas Schwester.

Durch die unterschiedlichen Perspektiven hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten in das Buch zu finden. Nach rund 30 Seiten war das aber kein Problem mehr. Der Autor lässt dem Leser Zeit sich mal einzufinden, daher passiert in den ersten Seiten auch nichts nennenswertes, aber dann könnte es eigentlich losgehen mit der Spannung. Leider dauert es bis Seite 80 bis Spannung wirklich aufkommt. Das ist bei einem Buch von nur 280 Seiten einfach zu lang, da muss früher schon Action passieren.

Und nun zu meiner Hauptkritik: Anscheinend hat der Autor sehr schnell gemerkt, dass die Story von 1945 einfach keinen ganzen Roman trägt. Daher baut er extrem viel Beiwerk in die Story rein, die ich für störend und teils unnötig fand.

Hài zum Beispiel ist ein sexsüchtiger Mann, der sich neben seinen Ermittlungen mit den Prostituierten in Wien vergnügt. Nora ist anscheinend schizophren, die zu ihrer Drogensucht auch noch für jeden Typen die Beine breit macht und der schwule Sohn des Anwalts lebt mit seinem Freund zusammen was dem Papa gar nicht passt. Mir war da einfach zu viel Sexuelles in dem Buch, das irgendwie total unnötig war.

Wie Hài die Ermittlungen gegen Ende des Buches führt fand ich auch noch sehr unrealistisch. Das Ende an sich ist dann wieder halbwegs ok. Allerdings hätte ich mir ein Nachwort gewünscht in dem die Fakten von der Fiktion getrennt werden, denn vor allem am Schluss weicht der Autor sehr von den belegbaren Fakten ab.

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Grausames Verbrechen

Linda Prohaska, eine junge Studentin aus Wien, verschwindet bei Recherchen im Burgenland. Sie wollte mehr über den Mord an fast 200 jüdischen Zwangsarbeitern kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs herausfinden. Die Mutter vermutet ein Verbrechen, doch darauf gibt es keine Hinweise und damit auch keine Ermittlung durch die Polizei. Daher wird der Detektiv Hài von der Familie engagiert, um Linda zu finden.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Die Kapitelüberschriften zeigen an, aus welcher Perspektive erzählt wird: Ich, Du, No und Es. Hài berichtet uns seine Sicht in der Ich-Form. Noras Kapitel sind mit „No“ überschrieben. Sie ist Lindas Schwester. Lindas Sicht erfahren wir in der ungewöhnlichen Du-Form und die Vergangenheitsberichte sind mit „Es“ überschrieben. Ich habe mich sehr schwer damit getan, weil ich es sehr verwirrend fand, auch wenn ich mich mit der Zeit daran gewöhnte. Sprachlich war mit einiges einfach zu direkt.
Was in der Vergangenheit geschehen ist, wird sehr neutral und sachlich – eben als Bericht – geschrieben. Margit von Batthyány hatte ein Fest für verschiedene Gruppen von Nationalsozialisten veranstaltet, bei dem die Zwangsarbeiter erschossen wurden. Dieses Verbrechen wurde nie aufgeklärt, die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen und sehr viele der Opfer nicht gefunden.
Linda ist eingesperrt in einem dunklen Keller und erfährt durch Umhertasten, dass sie eingemauert ist. Sie weiß, dass sie lebt, solange sie noch atmet. Sie reagiert für mich untypisch, denkt nach und ist ziemlich ruhig. Überhaupt dauert es, bis Spannung aufkommt.
Die Charaktere sind mir alle nicht sympathisch, jeder hat seine Probleme. Nora schläft wild durch die Gegend und hängt an Drogen, aber auch Hài holt sich seinen Kick bei den Prostituierten in Wien. Sein Vorgehen ist oft bedenklich. Konstantin unterstellt seiner Schwester, dass sie ihm mit ihrem Verschwinden schaden will.
Es geht um grausame historische Fakten, doch die Geschichte Drumherum hat mich nicht überzeugt. Mir fehlte da Tiefe. Aber vielleicht waren auch nur meine Erwartungen zu groß.

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