Lena Blaudez: Spiegelreflex

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Lena Blaudez: Spiegelreflex
ET (D)
2005
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783293003446

Informationen zum Buch

Seiten
266

Sonstiges

Erster Satz
Die feuchte Hitze traf sie wie ein Hammerschlag.

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Handlungsort

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Ada Simon ist Fotoreporterin. Afrika ist ihre zweite Heimat. In Cotonou, der größten Stadt in Benin, scheint alles so zu sein wie immer. Doch nachdem Adas bester Freund, der Politiker Patrick, vor ihren Augen ermordet wird, verwandelt sich ihr Alltag zusehends in einen Albtraum. Immer tiefer verstrickt sich Ada in die afrikanische Realität und die kalte Realpolitik, bei der sich alles um fette Kredite aus Brüssel und die Gier nach Schürfrechten dreht. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann. Wider Willen wird Ada zum Spielball entgegengesetzter Interessen. Schließlich versucht sie in einem Akt der Verzweiflung, der tödlichen Gefahr zu entrinnen.

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Was für ein übler Start für Ada Simon im Benin: Schon die Anfahrt vom Flughafen auf Cotonou gerät beinahe zu einem Fiasko, aus der sie nur ihre weiße Haut und eine mutige Reaktion retten. Kaum davon erholt, muss sie den Tod ihres guten Freundes Patrick miterleben. Zwar bleibt sie verschont, aber die Dienstreise, wegen der sie eigentlich gekommen ist, bereitet sie mit Bauschschmerzen vor. Der Tod wird nicht sonderlich engagiert verfolgt und auch Patricks Schwester Elise zeigt sich trotz ihrer Trauer lieber verschwiegen. Selbst die Auftraggeber für ihre Fotoreportagen mahnen Ada dazu, im Tagesgeschäft fortzufahren. Also versucht sie, ihre Tätigkeit normal wieder aufzunehmen, doch irgendwer klebt an ihren Fersen. Egal, wohin sie fährt, alleine ist sie nie und während einer Fahrt zu einem Dorf wird sogar ein Anschlag auf sie verübt.

Mit Ada Simon steht eine hervorragende Reiseführerin zur Seite. Das Besondere ist freilich, dass sie sich einerseits auf afrikanischem Terrain sehr gut auskennt, doch andererseits als Weiße immer eine auffällige Gestalt bleiben wird. Mit dieser Ambivalenz kriegt sie es hin, dem Leser gleichzeitig das Land vorzustellen und seine Fremdartigkeit plastischer zu machen. Einfach, weil ihre Schilderungen immer wieder zeigen, dass sie genau weiß, dass sie zum Beispiel bestimmte Fakten nie erfahren wird oder zu bestimmten Menschen kaum Zugang finden wird. Doch Ada ist offen und neugierig, sodass sie irgendwann auch mit dem allgegenwärtigen Vodou Bekanntschaft machen wird.

Ich schätze es auch immer sehr, wenn von den Einflüssen westlicher Geschäfte berichtet wird. Da sind die großen Projekte, die die geldsüchtigen Mächtigen zwecks Geldvermehrung anlocken und die unabhängig vom realen Nutzen in die Wege geleitet werden. Da gibt es kleine Kreditgaben, die langsam aber sicher eine sinnvolle Wirtschaft nachhaltig aufbauen helfen. Und da gibt es internationale Spendenorganisationen, die sich nach der Anlieferung einer an sich hilfreichen Maschine verabschieden und die nie soweit denken würden, dass eines Tages Ersatzteile oder Reparaturen nötig sein könnten.

Streng genommen ist 'Spiegelreflex' kein Krimi im klassischen Sinn. Um die Ermittlungen im Mordfall Patrick geht es nicht wirklich. Ada gerät schlicht wegen ihrer Bekanntschaft mit dem unbequemen Politiker ins Fadenkreuz der Hintermänner und de wollen sich absichern: Was weiß Ada und besitzt sie womöglich brisante Unterlagen? Deshalb wird Adas Reportagereise gefährlich und das Buch dreht sich vorrangig darum, wie die zunächst ahnungslose Ada langsam aber sicher mit ihren Beobachtungen und Fragen die richtigen Schlüsse zieht - vor allem, um ihre eigenen Haut zu retten.

Ich kann 'Spiegelreflex' nur empfehlen, weil ich die Kombination aus Landeskunde und "Fall" sehr gut gemacht fand. Ada hat für meine Begriffe etwas getan, was vermutlich viele Menschen erleben: Sie sind auf sich selbst gestellt, wenn sie überleben wollen, denn wer größeren finanziellen Zielen im Weg ist, lebt womöglich nicht mehr lange. Die Polizei hat im Benin vermutlich schon was zu tun, aber nicht unbedingt immer das, was man vermutet, erwartet oder erhofft.

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"Spiegelreflex" hinterlässt mich etwas zwiegespalten, denn zwar habe ich die Beschreibungen von Land und Leuten gerne gelesen, konnte mit der Krimihandlung aber nur wenig anfangen. Man merkt deutlich, dass Lena Blaudez zahlreiche eigene Erlebnisse in das Geschriebene einfließen ließ, der Mordfall wirkt darin allerdings wie ein Fremdkörper. Der Alltag hält mehr Spannung bereit als die Mörderjagd, und darüber hinaus noch einige witzige oder aufschlußreiche Begebenheiten.

Leider verschenkt Blaudez also ein wenig Potential. Eine Fotoreporterin, die nicht nur durchs Land reist, sondern sich auch mit den Sitten und Gebräuchen auskennt und gute Kontakte pflegt, ist unbestritten eine gute Wahl für die Protagonistin. Ada Simon hat auch ein sehr gutes Auge für Details, doch schafft sie es nicht unbedingt, diese auch im großen Gesamtbild unterzubringen. Der Leser ist ihr dadurch häufig einen Schritt voraus. Außerdem kam mir persönlich ihr beruflicher Alltag ein wenig zu kurz, ist aber für die meisten Leser wahrscheinlich gut dosiert. Zu viel Platz hingegen nahmen mir die ständigen Flirts ein - hin und wieder peppt dies eine Geschichte auf, aber Ada scheint die (europäische) Männerwelt zum Schmelzen zu bringen.

Also zurück zur Stärke des Romans, der Darstellung Benins. Neben den fundierten und detailreichen Beschreibungen fasziniert mich vor allem, das Blaudez durchweg einen neutralen Ton behält. Westliche Überheblichkeit sucht man vergebens, stattdessen findet man neben der Faszination fürs Fremde eine gewisse Zuneigung zu Land und Leuten. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Lesen des nachgestellten, kurzen Interviews mit der Autorin. Aufschlussreich ist zum Beispiel Adas Haltung der Hauptreligion gegenüber, Vodou. Ist sie anfangs zwar aufrichtig interessiert, aber skeptisch, veranlassen die Ereignisse sie dazu, die Vodougötter um Beistand zu bitten. Eine aus der Situation heraus schlüssige Handlung und eine gute Gelegenheit, als Leser mehr über diese Religion zu erfahren.

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Ada Simon ist Photoreporterin, immer auf der Suche nach Aufträgen. Sie freut sich, als sie wieder einmal nach Benin kommt, um dort Entwicklungshilfeprojekte zu dokumentieren. Die Taxifahrt vom Flughafen führt sie aber zunächst auf einen Hinterhof von Händlern mit menschlichen „Ersatzteilen“, sie entkommt dem vor allem dank ihrer Hautfarbe. Am nächsten Tag trifft sie sich mit einem alten Bekannten, Patrick, und dessen Cousine Elise. Als Ada gerade die Bar verlassen hat, fallen Schüsse – Patrick ist tot. Und von da an überschlagen sich auch für Ada die Ereignisse. Eine Menge Leute interessieren sich mehr oder weniger auffällig und mehr oder weniger zudringlich für sie bzw. ihre Photos. Nicht einmal eine Tour ins Landesinnere, Teil ihres Auftrages, Frauen bei traditionellen Beschäftigungen und Handwerken zu dokumentieren, erlaubt ihr, ihre Verfolger abzuschütteln. Sie entgeht nur knapp Anschlägen auf ihr Leben. Es zeichnet sich ab, daß es um wirtschaftliche Interessen geht: Entwicklungshilfegelder und Lizenzen für den Rohstoffabbau ...

Trotz beschränkter Vergleichsmöglichkeiten würde ich sagen: Wer einen gut konstruierten Krimi mit vollständiger Auflösung sucht, sollte diesen Roman vielleicht besser nicht lesen. Zum einen hatte ich am Ende durchaus das Gefühl, daß noch ein paar (kleinere) Lücken hinsichtlich der Beteiligten und ihrer jeweiligen Rolle klafften, zum anderen war die Handlung doch etwas arg geradlinig und dank sich wiederholender ähnlicher Szenen bzw. Reaktionen auch vorhersagbar. Mir war jedenfalls lange vor Ada klar, warum ihr das „Pech“ auf dem Fuße folgt, das war doch recht ärgerlich.

Wenn der Roman aber schon als Krimi keine ausgesprochenen Qualitäten entfaltet, so kann ich ihn durchaus empfehlen, wenn man einen Blick auf das Alltagsleben in Benin werfen möchte. Die Stimmung in Cotonou (nicht die Hauptstadt, aber Regierungssitz und ökonomisches Zentrum des Landes) ist wohl gut eingefangen, jedenfalls deckt sich das mit vielem, was ich aus Büchern afrikanischer Autoren kenne. Auch über das ländliche Leben und die Arbeiten vor allem der Frauen auf dem Land erfährt man dank Adas Profession und Auftrag einiges. Das ist wirklich interessant und manches vielleicht auch verblüffend, wenn man sich mit den Bedingungen noch nie beschäftigt hat.

Die Krimihandlung zwischen diesen Abschnitten, die man fast als Landeskunde bezeichnen könnte, wirkte auf mich eher wie ein Fremdkörper, um Adas Tour erstens einen Grund und zweitens einen dramatischen Verlauf geben zu können. Die Tatsache, daß der Roman in der metro-Reihe des Unionsverlages erschienen ist, verweist zwar bereits darauf, daß man hier auch keinen „klassischen“ Krimi erwarten sollte, aber ein bißchen weniger konstruiert, ein bißchen natürlicher im Ablauf hätte es schon sein dürfen. Ich wäre zwar nicht abgeneigt, auch den zweiten Band um Ada zu lesen, der in Kamerun spielt, das aber eher wegen der zu erwartenden Beschreibungen von Land und Leuten, da ich bei afrikanischen Schauplätzen ja leicht schwach werde.

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