Alexa Hofmann: Geh aus, mein Herz

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Alexa Hofmann: Geh aus, mein Herz
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9781503947665

Informationen zum Buch

Seiten
235

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Mathilde sagte "Amen", löste die Finger und legte sie auf ihren Rock.

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Fred ist so schön wie James Dean mit seinen geheimnisvollen Augen und seinen geschwungenen Lippen. Als Mathilde ihn das erste Mal küsst, ist sie fünfzehn Jahre alt und weiß, dass sie ihn lieben wird bis ans Ende ihrer Tage. Der sensible Fred erwidert ihre Gefühle. Doch das Leben hat Anderes mit ihnen vor: Ein Schicksalsschlag macht eine gemeinsame Zukunft unmöglich. Doch die Sehnsucht nacheinander bleibt. Als sie sich dreißig Jahre später zufällig flüchtig begegnen, fasst Mathilde sich ein Herz und ruft Fred an. Sie möchte ihn wiedersehen, koste es was es wolle.

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Was wäre wenn?

Mathildes Vater ist im Krieg geblieben, weshalb sie alleine mit ihrer Mutter in Kassel lebt. Nicht selten verbringt sie freie Zeit bei ihrer Großmutter auf dem Land - dort sieht die Fünfzehnjährige auch zum ersten Mal den gleichaltrigen Fred. Seine Familie und er haben keinen guten Ruf, aber das ist Mathilde einerlei, denn sie verliebt sich in den hübschen Kerl, der an James Dean erinnert. Einziges Problem ist, dass Mathilde nur an Wochenenden oder in den Ferien bei ihrer Oma sein kann und so verdreht eine Andere Fred den Kopf. Dabei beteuert dieser, dass er eigentlich nur Mathilde liebt.
Als Mathilde eines Tages erfährt, dass aus Gerda und Fred doch mehr zu werden scheint, kehrt sie ihrer Liebe den Rücken und geht studieren. In Marburg lernt sie einen jungen Theologiestudenten zu, mit dem sie schließlich eine Familie gründet. Doch ihre Jugendliebe wird sie nie ganz vergessen können...
Kein Wunder also, dass Mathildes Herz auch nach Jahrzehnten und einer zufälligen Begegnung mit Fred erneut in Flammen steht: hat Mathilde damals richtig entschieden und das Leben gewählt, das sie wollte? Wie würde ihr Leben aussehen, hätte sie damals anders entschieden?

Alexa Hofmanns Debütroman erzählt keine wirklich neue Geschichte, denn das Gedankenspiel, was gewesen wäre, wenn man an einer Gabelung des Lebens den anderen Weg gewählt hätte, hat wohl schon jeder mal gehabt. Wäre man dann ein anderer Mensch geworden oder vielleicht glücklicher?
Ebenso wie dieses Gedankenspiel sind auch die Figuren realistisch, ihre detaillierte Beschreibung macht eine Vorstellung der einzelnen Charaktere möglich. Mathilde ist eine nahezu perfekte junge Frau ihrer Zeit - sie nimmt sich zurück, ist eine tolle Enkelin und versucht stets, es allen in ihrer näheren Umgebung recht zu machen. Fred ist ein wenig naiv, denn obwohl er eigentlich nur Mathilde liebt, lässt er sich relativ einfach um den Finger wickeln, trotzdem ist er sympathisch und eher ruhig. Johannes dagegen ist über die Maße strebsam und nötigt sein Wissen nur allzu gerne anderen auf - er ist für mich der deutliche Unsympath.

Alles in allem ist "Geh aus, mein Herz" ein guter Roman, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die Grundidee schon ziemlich ausgelutscht ist. Das Personal ist handwerklich ordentlich entwickelt - man hat das Gefühl, zumindest die Hauptfiguren rasch zu kennen und ihr Denken und Handeln nachvollziehen zu können. Unter dem Strich fehlt mir aber das Besondere, vielleicht auch ein Stück weit der Tiefgang. So ist es ein schnell zu lesender Roman, der mit ein paar nette Lesestunden beschert hat - nicht mehr und nicht weniger.

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Die eine tiefe und wahre Liebe

Mathilde lebt allein mit ihrer Mutter in Kassel, seit der Vater im Krieg gefallen ist. Die Wochenenden verbringt sie bei ihrer Oma, die auf dem Land wohnt und die immer nach Zitrone und etwas Nivea riecht. Dort trifft sie schon als junger Teenager auf den gutaussehenden gleichaltrigen und recht schüchternen Fred, der auf dem Nachbargrundstück lebt und dessen Familie keinen guten Ruf hat. Doch schon als Mathilde ihn zum ersten Mal sieht, hat sie Schmetterlinge im Bauch, so sehr ist sie von seinen blauen Augen und seinen feingliedrigen Händen fasziniert. Leider hat auch die schöne Gerda einen Blick auf Fred geworfen. Und da Mathilde immer nur am Wochenende da ist, kann Gerda ihm den Kopf verdrehen. Aber Fred liebt eigentlich Mathilde und Mathilde liebt Fred. Bei einem erneuten Besuch bei ihrer Oma erfährt Mathilde, dass Gerda schwanger ist von „ihrem“ Fred. Mathilde kehrt Fred den Rücken und wendet sich ihrem Studium in Marburg zu. Dort trifft sie auf den Theologiestudenten Johannes, mit dem sie nach einiger Zeit eine Familie gründet. Doch die Gefühle für Fred begleiten sie ein Leben lang, bis sie ihn zufällig wiedertrifft….
Alexa Hofmann hat mit ihrem Buch „Geh aus, mein Herz“ einen sehr gefühlvollen und unterhaltsamen Roman geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig und lässt den Leser vollumfänglich an Mathildes Leben teilhaben. Die Handlung wird in wechselnden Zeitebenen erzählt. Die eine handelt von der Nachkriegszeit in den frühen 50er Jahren, in denen das Leben auf dem Dorf noch von einfachen Dingen geprägt war, die man zu schätzen wusste. Die andere Ebene berichtet von der Gegenwart, die hier die 90er Jahre wiederspiegeln und das Eheleben von Mathilde und Johannes beleuchten. Die Autorin versteht es gut, dem Leser die vergangenen Zeiten nahe zu bringen, ob es nun das Leben auf dem Dorf ist oder die alten Sichtweisen der Menschen damals.
Die Charaktere sind sehr differenziert ausgearbeitet und individuell in Szene gesetzt worden. Sie haben alle ihre Eigenheiten und wirken gerade deshalb sehr lebensecht und authentisch. Man kann sich in sie hineinversetzen und ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. Mathilde ist eine eher zurückhaltende und schüchterne Frau, denn sie findet sich nicht sehr attraktiv. Sie hat ein besonders gutes Verhältnis zu ihrer Oma und verbringt gern die Wochenenden bei ihr. Sie ist hilfsbereit und harmoniesüchtig, dabei vergisst sie oftmals ihre eigenen Bedürfnisse, was ihr regelmäßig Bauchschmerzen bereitet, doch sie begehrt nicht auf. Fred ist ein ruhiger Mann, der einen Schlag bei den Frauen hat, doch eigentlich nur Mathilde wirklich liebt. Johannes ist ein übereifriger und besserwisserischer Mann, der immer sehr laut wirkt und allen seine Meinung aufdrängt. Er wirkt völlig weltfremd, wenn es um Mathilde oder Gefühlsdinge geht. Alles hat nach seinen Wünschen zu funktionieren. Außerdem fehlt Johannes oft die nötige Empathie und das gewisse Einfühlungsvermögen. Er benimmt sich ständig wie ein Elefant im Porzellanladen. Auch die anderen Protagonisten passen gut in das Setting und bereichern die Handlung durch ihr Erscheinen.
„Geh aus, mein Herz“ ist ein wirklich passender Titel für diesen tiefgründigen Roman über das Thema Liebe und bezieht sich nicht nur auf die Liebesgeschichte zwischen Fred und Mathilde, sondern auch auf die Liebe zur Familie. Alle, die gern etwas kompliziertere Liebesromane lesen, sind hier gut aufgehoben. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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