Christoph Brandhurst: Das geheime Zimmer

Christoph Brandhurst: Das geheime Zimmer

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Christoph Brandhurst: Das geheime Zimmer
ET (D)
2006
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783936708264

Informationen zum Buch

Seiten
121

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Schlagworte

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Handlungsort

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Carmen steht vor der Tür in dem kleinen Zimmer, zumindest glaubt sie das. Tiefe Dunkelheit umgibt sie. Als wenn sie die Freiheit hätte, irgend etwas zu entscheiden! Allein dieser Gedanke versetzt sie wieder in Rage; sie ballt ihre Hände zu Fäusten. »Lass es!« warnt Claudia. »Provozier′ ihn nicht!« Carmen weiß, was dann passiert. Sie will reden, und zwar nur mit IHM. Sie vermeidet es, seinen Namen zu nennen; das hat er ihr verboten. Er hat ihr untersagt, ohne Aufforderung zu sprechen. Sie weiß auch, was andernfalls geschieht. Ihre Pobacken schmerzen noch vom letzten Mal. Er weiß sehr genau, wie er zuschlagen muss, damit seine Hände keine Spuren hinterlassen und trotzdem der Schmerz heiß wie eine Brandwunde pocht. Trotzdem möchte Carmen mit ihm reden. Vielleicht hört er ihr diesmal zu. Vielleicht erkennt er, dass es ein Irrtum ist. Vielleicht, vielleicht, vielleicht ...

 

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(Aktualisiert: 24 Juli 2012)

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Eine echte Überraschung für mich

Carmen hat ihr gewöhnliches Leben auf dem Dorf satt. Die Eltern nerven sie mit dem ewigen Traum vom sittsamen Familienleben mit Eigenheim und drei, vier, fünf Kindern, doch die gerade mal Zwanzigjährige will mehr. Ihr Freund Jens ist langweilig - wie alle Männer in dem Kaff namens Dorf-Erbach. Nur ein einziges Mal wird sie wachgerüttelt: Nämlich dann, als Jens sie nicht nur verfüht, sondern zum Sex zwingt. Obwohl sie diesen Akt teilweise als Vergewaltigung erkennt, ist sie erschüttert über ihre eigenen Gefühle, denn sie empfand dabei zum ersten Mal Lust und Befriedigung. Diese Erfahrung verändert ihr Leben. Carmen sucht nun nach Männern, die sich nehmen, was sie wollen und schließlich findet sie Jos, der das Mädchen zu einer devoten Sexsklavin ausbildet.

Das Thema BDSM ist gerade sehr angesagt, durch den Hype "50 Shades of Grey" mehr als trendy. Mir reicht es nicht, nur einem Hype zu folgen, nein, ich will ihn auch verstehen und mit anderen Büchern vergleichen können. Mein Wissen zu dem Thema hält sich stark in Grenzen. Ich kenne den Klassiker "Justine" von dem Meister himself: Marquis de Sade. Außerdem ziert mein Regal die Dornröschentrilogie von Anne Roquelaure, die ich mir vor gefühlten Jahrzehnten einzig aus dem Grund gekauft habe, weil es sich bei der Autorin um ein Pseudonym der von mir sehr geschätzten Anne Rice handelt. "Das Delta der Venus" von Anais Nin könnte ich der Aufzählung noch hinzufügen - aber ich glaube, das ist schon kein BDSM mehr.

Wikipedia meint: "Der Begriff BDSM, der sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“ zusammensetzt, umschreibt eine sehr vielgestaltige Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen in Zusammenhang stehen können."

"Das geheime Zimmer" beinhaltet zwei Erzählstränge. Einmal Carmens Ausbildung - schon fast eine Charakterstudie - auf der einen Seite und schließlich parallel dazu die Geschichte der beiden jungen Frauen Carmen und Claudia, die von einem Mann gefangen gehalten werden und in dessen Haus/Kerker brutalsten Folterungen ausgesetzt sind. Das Buch steuert immer weiter auf die Frage hin: Wie konnte es so weit kommen? Es handelt sich weniger um erotische Literatur, sondern mehr um die Verküpfung von Thrillerelementen mit einem Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche. Ein perfides Spiel, doch vor allem aber ist "Das geheime Zimmer" für mich eine Geschichte über Abhängigkeit.

Zur beschriebenen Brutalität: Ja, das Mädel wird gefoltert, aber ich habe manch brutaleren Thriller gelesen (Mo Hayder, Tess Gerritsen usw. - viel ekelhafter, finde ich) und auch die obligatorischen Vergewaltigungen in historischen Romanen sind oft detaillierter. Bei diesem Buch hat mich vor allem die Entwicklung der Geschichte fasziniert. Wie konnte es soweit kommen? Was wäre wenn? Die Charaktere sind faszinierend, allen voran natürlich Carmen, die den dörflichen Zwängen (Kinder, Küche, Kirche) entfliehen will und dabei mehr oder weniger zufällig entdeckt, dass sie sexuell anders tickt als andere Leute. Manche Rezensionen, die ich dazu finden konnte, reduzieren das Buch auf Gewalt und nicht vorhandene (BDSM)Erotik, aber ich finde, dies wird ihm nicht gerecht. Es wird zwar erwähnt, was Carmen angetan wird (Daumenschrauben, Brustklammern, Peitsche usw.) - aber der Autor weidet sich nicht an allzu detaillierten Beschreibungen.

Das Ende hat mich überrascht und erschüttert, denn Christoph Brandhurst alias Martin Krist alias Marcel Feige spielt hier nicht nur mit seinen Protagonisten, sondern auch mit den Eindrücken und Empfindungen der Leser. Ein interessanter Einblick in eine mir unbekannte Welt. Ein kleines Manko hat sich leider eingeschlichen - und jetzt werden wieder einige mit den Augen rollen bei meiner Korinthenkackerei, aber: Ich mag das Denglisch einfach nicht. Immerhin verwendet der Autor insgesamt nur je einmal "nicht wirklich" und "es macht Sinn". Ein positiver Gesamteindruck bleibt, obwohl ich etwas ganz anderes erwartet hatte.

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