Bewertungsdetails

Liebe & Erotik 1194
Berührend und gut recherchiert
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0
München in den letzten Kriegstagen 1945. Paul ist nach einem verheerenden Bombenangriff völlig auf sich alleine gestellt, als er ein Mädchen zwischen den Ruinen entdeckt. Zuerst hält er sie für seine Schwester Rosalie, doch dann erkennt er, dass die beiden sich nur verblüffend ähnlich sehen. Der Elfjährige erkennt sofort, dass das Mädchen in der gleichen Notlage wie er selbst steckt und ist erstaunlich pragmatisch: warum sollten sie sich nicht als Geschwister ausgeben? Im Koffer, den Paul als einziges Überbleibsel seines alten Lebens bei sich führt, finden sich die nötigen Papiere - und wer sollte sich an dieser Notlüge stören? Wenn es den beiden Kindern doch so besser geht, weil sie zumindest einander haben. Folglich schließen die beiden diesen Pakt und aus Sarah wird Rosalie - nicht ahnend, wie folgenschwer diese eine Lüge für ihr weiteres Leben sein wird...

Lilli Beck hat mit "Wie der Wind und das Meer" einen Nachkriegsroman geschrieben, der es in sich hat. Zum einen, weil sie anhand des Lebens der beiden Waisen die Traumata, aber auch das alltägliche Leben ab 1945 eingefangen hat, das deutlich macht, wie glücklich wir heutzutage sein können, dass wir in einem sicheren und demokratischen Deutschland groß geworden sind. Zum anderen, weil eine kindliche Entscheidung, die nur einem positiven Zweck folgt, zu einer Spirale, ja, letztlich sogar zu so etwas wie einer Falle wird.
Die größte Stärke der Autorin ist meines Erachtens der Blick auf den Alltag nach dem Zweiten Weltkrieg, die Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Umgang mit den beiden Kindern. Nicht selten war ich fassungslos, wenn ich gelesen habe, wie mit Rosalie und Sarah, die alles verloren haben, umgegangen wird. Lilli Beck beweist hier nicht nur, dass sie sehr gut recherchiert hat, sondern auch, dass sie einen mitfühlenden, sehr bildlichen Blickwinkel hat, der mich bewegt hat. Und so erzeugen sowohl Geschichte als auch Schreibstil einen unwiderstehlichen Sog...
Besondere Tragik erhält der Roman durch die Tatsache, dass ein Elfjähriger und ein noch jüngeres Mädchen, die gerade beide ihre Familie verloren haben, nicht ermessen können, welche Tragweite eine einzelne Lüge bekommen kann. Wenn man mal bedenkt, dass das so mancher Erwachsener nicht kann - wer kann es zwei Kindern, die rein aus der emotionalen Not heraus so handeln, verdenken?

Kurzum: "Wie der Wind und das Meer" ist ein eindringlicher Roman, der mich vor allem aufgrund der realistischen Schilderungen des Nachkriegsalltags und der großen Emotionalität, die die Autorin für ihre Figuren aufbringt, überzeugt hat. Ich wünsche diesem Roman viele LeserInnen!
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