Joan Weng: Das Café unter den Linden

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Joan Weng: Das Café unter den Linden
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783746632940

Informationen zum Buch

Seiten
303

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
"Hey, Taxi!" Ein Fräulein in hellem Nerz, mit weißblondem Bubikopf und blutroten Lippen winkte hektisch, pfiff auf zwei Fingern und stürmte an Fritzi vorbei auf eine Taxe zu.

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Handlungsort

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Frühling 1925: Als Fritzi in Berlin ankommt, bringt sie nicht mehr mit als ein gebrochenes Herz, eine Reiseschreibmaschine und einen Traum: bei der UFA Drehbücher schreiben. In der schillernden Metropole findet sie sich schnell in einem Kreis von Malern, Schriftstellern und Musikern wieder, die das Leben und die Kunst feiern. Und dann trifft sie einen Mann, der alles für immer verändern wird. In einem Café unter den Linden …

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Die Goldenen Zwanziger

Mitte der 1920er Jahre. Fritzi will der Provinz entkommen - nachdem sie ihre Mutter früh verloren, das Leiden des Vaters bis zum Ende erlebt hat und ihre eigene Verlobung geplatzt ist. Sie hat die Hoffnung, in Berlin bei einem Grafen, den ihr Vater aus dem Großen Krieg kannte, unterkommen und für ihn als Tippfräulein arbeiten zu können. Deshalb hat sie auch eine alte Schreibmaschine im Gepäck - naja, und natürlich, um sich ihren großen Traum zu erfüllen und von der UFA als Drehbuchautorin engagiert zu werden.
In der heruntergekommenen Villa des Adligen lebt eine illustre Truppe, die aus Künstlern, Schriftstellern und Musikern besteht, doch Graf von Keller will Fritzi weder beschäftigen, noch in seinem Haus wohnen lassen. Zum Glück helfen Rosa und Wlad, zwei der Bewohner, und lassen die junge Frau auf einem Sofa schlafen… Ist das der ersehnte Weg in ein besseres, aufregenderes Leben für Fritzi?

Joan Weng hat ganz offensichtlich ein Faible für die Zeit der Goldenen Zwanziger. Die Schilderungen dieser ungewöhnlichen Art von Kommune, in der Fritzi nicht nur unterkommt, sondern auch ein Zuhause findet, die Vielfalt, die ihr Freundeskreis mit sich bringt, die Atmosphäre in Berlin, der Hauptstadt, in der nicht nur die Industrie damals in voller Blüte stand, sondern auch Kunst, Kultur und Wissenschaft.

Die Autorin zeigt hier ein unglaublich tolles Gespür für die historische Einbettung ihrer Geschichte - ebenso eine große Leidenschaft für die damalige Zeit und vor allem ihre Romanfiguren. Allen voran natürlich Fritzi, die kein Blatt vor den Mund nehmen mag, und so für den ein oder anderen köstlichen Dialog sorgt. Aber auch ihre Abenteuerlust, ihr Erstaunen, ihre Gefühle - all das kann Joan Weng sehr gut transportieren.

Herrlich, diese teilweise fast schon schrulligen Eigenheiten der einen Figur, die konsequent gelebte künstlerische Freiheit der anderen, der emanzipatorische Drang so mancher Frau oder aber die Details aus der Filmwelt. Aber auch die sich entwickelnden Gefühle zwischen Fritzi und Hans sind einfach großartig eingefangen.
Vor allem die vielen Details der ungewöhnlich schillernden Zeit zwischen den Schrecken der beiden Weltkriege, die chaotischen Feiereien, die teilweise sehr ausgefallene Mode, skandalöse Liasons, tiefe, ehrliche Freundschaften, die Aufregung zwischen all der bunten Vielfalt, die den Gedanken kaum zulässt, wie dunkel es im Deutschen Reich nur zehn Jahre später wurde - all das hat mich in dieses Buch regelrecht eintauchen lassen. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Zeit atme, die Berliner Luft rieche und die Erlebnisse Fritzis teile. Ihr Aufblühen nach all den Niederschlägen in der Provinz habe ich nur allzu gerne miterlebt...

Für mich ist „Das Café unter den Linden“ auf ganzer Linie ein hinreißender Roman, der sehr gelungen die Atmosphäre der Goldenen Zwanziger Jahre und der spannenden, teils sehr widersprüchlichen Berliner Metropole einfängt. Mit extrem gut recherchierter Authentizität und einer gehörigen Portion Humor erzählt die Autorin die Geschichte einer jungen Frau, die ihren eigenen Weg findet.
Selten hat mir ein Roman eine solch gekonnte Zeitreise ermöglicht. Für mich ist dieser Roman ein absolutes Highlight!

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Joan Wengs bisher bester Roman über die Zwanziger Jahre!

Als Kennerin des Œuvres von Joan Weng bin ich zu dem Schluss gelangt, dass sich die Autorin von Buch zu Buch gesteigert hat und die "Roaring Twenties" für sie die optimale Epoche zu sein scheint.

Mit viel Herzblut und Wissen widmet sich Weng ihrer kleinen, aber feinen Geschichte um die Landpomeranze Fritzi, die 1925 in Berlin ihr Glück sucht und eine Stelle als Drehbuchschreiberin bei der UFA anstrebt. Doch zwischen Traum und Wirklichkeit liegen oft Welten und Fritzi bekommt statt einer Anstellung beim Film eine Stelle als Tippfräulein bei dem eigensinnigen, verarmten Grafen Hans von Keller, einem verkappten Literaten. Doch der Adelige findet schnell Interesse am frischen wie unkonventionellen Frauenzimmer aus der Provinz, zumal dieses auch noch dieselben Autoren verehrt und scharfsinnig schreiben kann.

In Berlin blüht Fritzi auf. Denn fernab der langweiligen Heimat und weit weg vom blassen Verlobten Gustav verspricht die deutsche Hauptstadt viel Exotik und Freiheit. Hier lebt sich Fritzi schnell in die Bohèmeszene ein und wird ein Teil von dieser bunten Welt...

MEINUNG
Joan Wengs nunmehr dritter Roman ist einfach ihr bisher bester. Kenntnisreich, feinfühlig und bildreich entführt sie den Leser ins Berlin der Zwanziger Jahre. Hier tummeln sich Künstler und jene, die es gern wären, und das Beste daran ist, alles ist erlaubt.
Weng schafft es dieses freie, unabhängige Lebensgefühl formidabel einzufangen. Dies lag zum einen an Wengs Erzählsprache, die eins zu eins mit der damaligen Art zu sprechen abgestimmt wurde, zum anderen an der Einbindung von zeitgenössischen literarischen sowie musikalischen Werken an passender Stelle. Seite für Seite schreibt sie sich ins Leserherz und hinterlässt dort eine unstillbare Sehnsucht nach einer Zeitreise. Die Lebenswelt der Hauptprotagonisin Fritzi wird eindrücklich, weil 100 Prozent authentisch wiedergegeben. Ob nun ihre Schwärmerei für Hans oder ihre Leidenschaft für Drehbücher, Fritzi ist dem Leser auf Anhieb sympathisch. Darüber hinaus sorgt ihre bunte Entourage, die aus einem Möchtegernfilmstarlet, einem schwulen Haushälterpaar sowie aus einem Sänger besteht, für allerhand Abwechslung und Skandälchen. Zudem mochte ich das legendäre "Café unter den Linden" als Dreh- und Angelpunkt der Handlung sehr. Hier möchte man sofort einmal einkehren und die damalige "Berliner Luft" einatmen bzw. in geselliger Runde den Alltag Revue passieren lassen.

FAZIT
Eine rundum gelungene literarische Zeitreise in die Zwanziger Jahre, die jeder gelesen haben sollte.

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Berlin der goldenen Zwanziger

1925 Berlin. Nach dem Tod der Eltern und einer geplatzten Verlobung kommt die junge Fritzi aus der Provinz in die pulsierende Großstadt Berlin, denn sie hat einen Traum: sie möchte unbedingt Drehbuchautorin für die UFA werden. Doch bis es so weit ist, macht sie sich in der Metropole der goldenen Zwanziger Jahre direkt auf den Weg, um eine Stelle als Tippfräulein bei dem Adligen Grafen Hans von Keller zu ergattern. Dieser lebt in einer etwas heruntergekommenen Villa, in der sich lauter skurrile Menschen treffen, die alle mehr oder weniger mit Kunst zu tun haben und wissen, wie man Partys feiert. Leider will er Fritzi weder Unterkunft noch Job gewähren, aber zwei der Villabewohner, Rosa und Wlad, mit denen Fritzi schon Bekanntschaft geschlossen hat, greifen ihr selbstlos unter die Arme. Alsbald klappt es auch mit dem Hausherrn, der sie als Tippse einstellt und immer mehr an ihrer Person interessiert zu sein scheint, denn Fritzi ist noch unverbraucht, offen und neugierig auf die Welt, vor allem aber hat sie einen scharfen Blick für ihr Umfeld und eine ebenso gefährliche Zunge. Wird es Fritzi gelingen, ihren Traum zu verwirklichen?
Joan Wenig hat mit ihrem Buch „Das Café unter den Linden“ einen sehr unterhaltsamen und gleichsam humorigen historischen Roman vorgelegt, der die goldenen Zwanziger des alten Berlins wieder aufleben lässt. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig, mit witzigen Charme und dem richtigen Gefühl an den passenden Stellen. Schon mit der ersten Zeile ist der Leser an der Seite von Fritzi, erlebt ihre Ankunft in der Metropole Berlin und ihre ersten unsicheren Schritte in abenteuerliches neues Leben. Die Schilderungen über das alte Berlin sind herrlich farbenfroh und lebendig, der Leser hat alles genau vor Augen und fühlt sich gleichzeitig um ein Jahrhundert zeitversetzt. Der Autorin gelingt es auf wunderschöne Weise, die bunte Vielfalt der Künstlerszene von damals wieder auferstehen und den Leser daran teilhaben zu lassen.
Die Charaktere wurden hinreißend ausgearbeitet und individuell in Szene gesetzt. Ein bunter Haufen von skurrilen und chaotischen Gestalten, die lebensecht und sehr authentisch wirken, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Fritzi ist eine sympathische junge Frau, die nach einigen Schicksalsschlägen ihr Leben in die eigene Hand nimmt und mutig einen Schritt ins Unbekannte wagt. Sie will sich ihren Traum verwirklichen und dafür so manchen in Kauf nehmen. Sie wirkt zu Beginn noch sehr naiv und weltfremd, geradezu unbedarft betritt sie das Pflaster der Großstadt. Doch je länger sie in Berlin ist und je mehr Zeit sie in der Künstlerkolonie verbringt, umso mehr blüht sie auf und traut sich etwas. Sie gewinnt das Herz des Lesers auf Anhieb, denn ihr Wortwitz ist einfach unvergleichlich. Hans ist ein griesgrämiger unfreundlicher Mann von verarmtem Adel. Allerdings muss er auch ein gutes Herz besitzen, lässt er doch alles und jeden auf seinem Grund und Boden frei wohnen, vielleicht verbirgt sich ja doch ein großer Star unter ihnen. Außerdem ist er ein Mensch, dem alte Werte wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Freundschaft noch etwas bedeuten. Rosa und Wlad fungieren schnell zu Fritzis Ersatzfamilie und trumpfen mit ihren bisweilen sehr unkonventionellen Ideen auf. Inge entpuppt sich als gute Freundin, die von einer Filmkarriere träumt und unter der etwas spröden Schale so viel Wärme besitzt. Auch die anderen schillernden Gestalten bringen mit ihren kleinen Skandalen und Geschichten Wärme und Authentizität in die Handlung und vermitteln das Gefühl, als Leser etwas von dem Lebensgefühl der damaligen Zeit mitzuerleben.
„Das Café unter den Linden“ ist ein wirklich gelungener historischer Gesellschaftsroman, der mit Humor und tollen Dialogen mitreißt und den Leser auf einer Zeitreise zum Träumen einlädt. Absolute Leseempfehlung für ein Highlight dieses Jahres!

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