Ricarda Martin: Winterrosenzeit

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Ricarda Martin: Winterrosenzeit
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783426519790

Informationen zum Buch

Seiten
477

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Schwer drückte der Zementsack auf seinen Schultern.

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Handlungsort

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Auf einem Beatles-Konzert verliebt sich der junge Deutsche Hans-Peter 1965 in die Engländerin Ginny – und ins »Swinging London«, wo alles so viel lockerer ist und freier als in der dörflichen Enge seiner süddeutschen Heimat. Als er jedoch wenig später endlich die Wahrheit über seinen Vater erfährt, kann Hans-Peter nur eines tun: Ginny freigeben und sein geliebtes England verlassen. Denn Martin Hartmann ist keineswegs in den letzten Kriegstagen gefallen, sondern steht seit über zwanzig Jahren auf der Fahndungsliste der Kriegsverbrecher. Wie aber könnte Ginny den Sohn eines Mörders lieben? hat ihre Liebe noch eine Chance?

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Die 60er Jahre zwischen Prüderie und Freiheitsdrang

Hans-Peter reist Mitte der 60er Jahre zu einem Beatles-Konzert nach London, auf dem er sich in die junge Engländerin Ginny verliebt.
Der junge Deutsche, dessen Vater im Krieg gefallen ist und der als kleines Kind mit seiner Mutter bei der einzigen Angehörigen auf der Schwäbischen Alb untergekommen ist, empfindet die britische Hauptstadt als weltoffen und frei - im Gegensatz zur Enge des heimischen Dorfes. Kann er einfach auf der Insel bleiben und ein Leben mit Ginny führen?
Die Familie Ginnys reagiert ablehnend auf Hans-Peter - zu frisch sind noch die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg, zu bedrückend die Erinnerungen an Verlust, Schmerz und Zerstörung.
Und schließlich erfährt Hans-Peter auch noch, dass sein Vater Martin Hartmann mitnichten als Soldat gefallen ist, sondern seit Kriegsende auf den Fahndungslisten für Kriegsverbrecher steht.
Bei einer zweiten Reise nach Farringdon Abbey, dem Zuhause von Ginny und ihrer Familie, möchte Hans-Peter nicht nur um Ginnys Hand anhalten, sondern auch reinen Tisch machen und so erzählt er von seinen Nachforschungen zu seinem Vater…

Ricarda Martin hat mit „Winterrosenzeit“ einen berührenden Roman geschrieben, der in den 60er Jahren spielt - also einer Zeit, die noch deutlich prüde geprägt war, gleichzeitig aber durch die Jugend eine Rebellion erlebt. Beatmusik und Rock’n’Roll liegen in der Luft - viele jungen Leute wollen tanzen und die Fesseln von Biederkeit, strengen Regeln und muffigen Kleidungsvorschriften abstreifen und einfach glücklich und frei sein. Dennoch ist die Zeit noch mehr oder weniger stark von den Kriegserlebnissen geprägt. Da scheint es unvorstellbar, dass eine junge Frau mit einem Mann des Tätervolkes eine Beziehung eingeht.

Die Figuren sind wirklich toll gezeichnet - allen voran natürlich Ginny und Hans-Peter, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte. Ginnys Familie ist adelig und widmet sich seit Generationen mit der Rosenzucht, die die Tochter einmal übernehmen soll. Hans-Peter kommt aus einem schwäbischen Dorf, in dem er wie ein Rebell auffällt - er hat lange Haare, trägt Jeans und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Sein Leben als Jurastudent versucht er sich mit Jobs auf dem Bau während der Semesterferien zu finanzieren. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden scheint ihre Liebe zur Musik der Beatles zu sein.
Die Protagonisten sind sehr glaubhaft, was vor allem daran liegt, dass sie absolut als Kinder ihrer Zeit beschrieben werden. Sie werden mit Problemen konfrontiert, die wir heutzutage nur noch schwer nachvollziehen können, und haben mit den Konventionen ihrer Zeit zu kämpfen. Vermutlich eine Situation, die sich fast jede Generation einmal stellen muss - hier aber ist die Bewältigung des Kriegstraumas ein gewichtiger Punkt, der alles zusätzlich erschwert. Doch die Autorin Ricarda Martin gelingt diese Aufgabe definitiv! Die historischen Fakten und die durch die grausamen Erfahrungen der 30er und 40er Jahre veränderten Menschen fließen in „Winterrosenzeit“ ein und stellen einen herben Kontrast zu den jungen Menschen, die ihr Leben in vollen Zügen genießen möchten.

Fazit: Eine schöne Liebesgeschichte, die in einer eher ungewöhnlichen Zeit, den 60er Jahren, spielt und für berührende Unterhaltung sorgt!

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Liebesdrama in 60er Jahren

1965. Für den Studenten Hans-Peter wird sein kleines schwäbisches Heimatdorf zu klein. Er will die Musik der Beatles hören, Blue Jeans und lange Haare tragen und ein anderes Leben führen als seine Eltern. Als er hört, dass die Beatles in England ein Konzert geben, sieht er darin die Chance mal etwas Neues kennenzulernen. So begibt er sich auf die Reise zu dem Konzert der Beatles.

Für die Adelsfamilien in England ist schon seit Langem eine neue Zeit angebrochen. Um Besitz und Land erhalten zu können, müssen diese schon seit einigen Jahren arbeiten. Auf Farringdon Abbey werden so schon in dritter Generation Rosen gezüchtet. Auch die junge Ginny ist eingearbeitet und soll die Rosenzucht irgendwann übernehmen. Neben den Rosen hegt Ginny ebenfalls eine Leidenschaft für die Beatles und freut sich schon sehr auf das baldige Konzert...

Die beiden Protagonisten Hans-Peter und Ginny können auf den ersten Blick kaum aus unterschiedlicheren Verhältnissen kommen. Dennoch ist es Liebe auf den ersten Blick, als sie sich das erste Mal trafen. Davon ausgehend werden die Familiengeschichten und die damit verbundenen Geheimnisse erzählt und aufgedeckt. Dabei wird der Leser langsam in die Geschichte eingeführt und mit den Figuren bekannt gemacht, bevor es dann ans Eingemachte geht und der Spannungsbogen rasant in die Höhe schießt. Man sollte sich also nicht von der anfänglichen Harmonie blenden lassen! Wer also lieber eine ereignislose Liebesgeschichte lesen möchte, sollte sich ein anderes Buch suchen. Für jeden, der darüber hinaus noch einen Plot haben möchte, ist hiermit gut bedient.

Die Figuren werden sehr lebhaft skizziert - sowohl die Protagonisten als auch die Nebendarsteller. Sie alle wurden gut in den historischen Kontext eingebettet und sind mit den damaligen Problemen konfrontiert und das auf eine realistische Art und Weise, die all die Widersprüche aufzählt, die aus heutiger Sicht vielleicht ein Kopfschütteln auslösen mag. Daraus ergibt sich fast natürlich die Geschichte mit vielen Wendungen, die sich im Laufe der Geschichte abzeichnen.

Der Stil der Autorin sorgt für ein Wohlfühlgefühl. Mit schönen Beschreibungen im locker gehaltenem Ton fliegen die Seiten nur so dahin, so dass man ohne es zu merken, schon wieder ein Kapitel gelesen hat.

Also für alle Liebesgeschichtenfans, bei denen der Roman darüber hinaus auch Unterhaltung bieten darf, kann ich den Roman empfehlen!

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Nichts ist so wie es scheint

Die Autorin Ricarda Martin entführt uns in ihrem Roman "Winterrosenzeit" in die Zeit der 60iger Jahre. Mit Hans-Peter lernen wir einen jungen Mann aus Süddeutschland kennen, der für eine kurze Zeit sein Jurastudium unterbrochen hat, um sich auf dem Bau Geld zu verdienen für seinen Traum, eine Reise nach England, genauergesagt zu einem Konzert der Beatles. In England lernt Hans-Peter die junge Engländerin Ginny kennen, die mit ihren Eltern und ihrer Großmutter auf Farringdon Abbey lebt.

Zwischen den beiden funkt es gleich. Auch wenn sie aus unterschiedlichen Welten kommen, verbindet sie die Liebe zur Musik. Auf Einladung von Ginny schließt sich Hans-Peter der Gruppe junger Leute an und reist mit ihnen nach London.

Hans-Peter ist überwältigt von seinen Eindrücken von England. Alles ist viel freier als in seiner süddeutschen Heimat, wo er sich nicht mehr wohlfühlt, nachdem er erfahren hat, daß er adoptiert wurde.

Nach Deutschland zurückgekehrt, macht sich Hans-Peter daran, nach seinem leiblichen Vater zu forschen.

Haben Hans-Peter und Ginny eine Chance auf gemeinsames Glück?

In diesem Roman ist nichts so wie es anfänglich scheint. Der Leser wird zurückversetzt in eine Zeit, die wir schon fast vergessen haben, in eine Zeit nach dem Krieg, als es noch viele Ressentiments gab, gegen die Engländer, gegen die Deutschen. Bei vielen Leuten hatte sich Hass in die Herzen eingefressen.

Die Autorin hat es sehr gut verstanden, die Zeit wiederaufleben zu lassen und uns in Erinnerung zu bringen. Die jeweilige Atmosphäre, der Zeitgeist in den Familien wurde sehr gut dargestellt. Auch vor Grausamkeiten wurde nicht Halt gemacht.

Die beteiligten Personen wurden lebhaft dargestellt, so daß man ihnen gut folgen kann.

Sowohl auf Hans-Peters Seite als auch auf Ginnys Seite sind viele Widerstände zu überbrücken. Und je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr fiebert man mit Hans-Peter und Ginny, im Kampf um ihr Glück, um ihre Liebe.

Dieser Roman hat mich sehr gefesselt. Zeitweise konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Ich kann diesen Roman über eine Liebe in zwei Ländern sehr empfehlen.

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Die 60er Jahre, die Beatles - und eine Liebesgeschichte

Wir schreiben das Jahr 1965! Die Beatles feiern in England ihre ersten Erfolge und auch in Deutschland beginnen die jungen Leute, sich für die Pilzköpfe, ihre neue Musikrichtung und für das zu interessieren, was damit einhergeht und den Beginn einer neuen Zeit einläutet.
Doch die ältere, die Kriegsgeneration, wehrt sich vehement gegen das, was sie als "Hottentottenmusik" bezeichnet, der man im besten Falle skeptisch gegenübersteht. Je tiefer die Provinz, umso ablehnender zeigt man sich.
Das bekommt auch der junge Student der Rechtswissenschaften Hans-Peter aus einem Dorf im Schwäbischen zu spüren, dessen großer Traum es ist, die Beatles live im englischen Blackpool zu erleben. Dafür schuftet er auf dem Bau, - und macht sich gegen den Willen seiner Mutter und des Stiefvaters per Anhalter auf den Weg nach England!
Dass er dort alsbald in der bezaubernden Ginny die große Liebe finden würde, hätte er sich nie träumen lassen. Doch scheint diese Liebe unter keinem guten Stern zu stehen. Hans-Peter ist als Deutscher für viele Engländer in jener Zeit, denen der von seinen Landsleuten angezettelte Zweite Weltkrieg noch in allen Knochen steckt, eine persona non grata!
Und als sich dann auch noch herausstellt, dass sein wirklicher Vater keineswegs, wie seine Mutter ihm glauben gemacht hatte, als Soldat der Wehrmacht in Ostpreußen gefallen ist, sondern im Gegenteil ein untergetauchter, ruchloser ehemaliger SS-Mann ist, der auf der Fahndungsliste der Kriegsverbrecher steht und, wie Hans-Peter bei seinen Nachforschungen entdeckt, noch am Leben ist, scheint eine Zukunft mit Ginny ausgeschlossen!

Um es vorweg zu sagen - die Autorin Ricarda Martin hat mit "Winterrosenzeit" einen hervorragenden Roman voller Dramatik und voller Gefühl geschrieben, der die 60er Jahre so authentisch wieder auferstehen lässt, dass die Generation, die diese Zeit miterlebt hat, sich unwillkürlich zurückversetzt fühlt. Erinnerungen kommen aus der Versenkung hervor, Bilder erscheinen vor dem inneren Auge, die man fast mit Händen greifen kann!
Für die jüngeren Leser, die die muffigen, prüden 60er nur aus Erzählungen ihrer Eltern oder gar Großeltern kennen, ist es sicher kaum vorstellbar, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass etwa die Jeans ein verpöntes Kleidungsstück waren, oder dass die Moral eines Menschen an seinem Haarschnitt festgemacht wurde.
Es war die Zeit des braven deutschen Schlagers, der guten, einfallslosen Hausmannskost, junge Männer liefen in Anzügen oder biederen Stoffhosen und sauber geknüpften Hemden ohne jeden Chic umher. Alles Ausländische wurde mit Misstrauen beäugt. Spießbürgertum und nicht hinterfragte Gehorsamkeit den Eltern gegenüber - das war es, was man von den jungen Leuten widerspruchslos erwartete!

Und dann kommt so einer wie Hans-Peter daher, der seine eigene Meinung vertritt, der aufmüpfig ist und über den Tellerrand schaut! Der muss doch verdorben und komplett missraten sein!
Da geht der auch noch nach England und verliebt sich in eine Ausländerin! Nein, das ist wirklich unerhört!
Doch Hans-Peter lässt sich nicht beirren. Nicht nur die Liebe findet er fern seines schwäbischen Dorfes, sondern zu seinem Erstaunen auch ein viel freieres, ungezwungeneres Leben.
Ja, die Autorin hat Recht: England hat die schweren Nachkriegsjahre bereits Ende der 50er Jahre überwunden, es feiert das Leben, es tanzt und swingt. Die Zukunft gehört der neuen Leichtigkeit, die es in vollen Zügen auszukosten gilt!
Und diese unter und über der Oberfläche gleichsam brodelnde Atmosphäre ist ebenso plastisch, so fühl- und erlebbar eingefangen, wie die Zeit in Deutschland zwischen dem Anhaften an die alte und dem Aufbruch in eine neue Zeit! Die Autorin schafft es mühelos, den Leser mitten hinein zu katapultieren!

Mit dem aufrechten Hans-Peter hat Ricarda Martin darüberhinaus einen durch und durch glaubhaften Protagonisten geschaffen, dem die anderen Hauptfiguren in nichts nachstehen!
Ob es die deutschen oder die englischen Charaktere des Romans sind - man nimmt gleich Anteil an ihrem Leben, an ihren Entwicklungen, fühlt sich angezogen oder abgestoßen, bleibt nie gleichgültig.
So authentisch, wie die Autorin die Zeit schildert, in der die Romanhandlung angesiedelt ist, so authentisch sind auch die Menschen, die sich in ihr bewegen. Sie wirken vertraut, erinnern an Nachbarn, Freunde, flüchtige Bekannte, deren Nähe man sucht oder denen man lieber aus dem Weg gehen möchte. Fehlerlos ist keiner, falsche Entscheidungen mit verheerenden Folgen treffen nahezu alle von ihnen. Kurz und gut - sie sind wie aus dem Leben gegriffen!

Auch dem schwierigen und sensiblen Thema Krieg und der Kriegsbewältigung stellt sich Ricarda Martin und beschreibt einfühlsam die Empfindlichkeiten der ehemaligen Feinde, die gerade erst begonnen haben, sich einander anzunähern und dabei immer wieder Rückschläge erleiden, je tiefer man in das Herz eines erschütternden Geheimnisses vordringt, dass die Feinde von einst auf verhängnisvolle Weise verbindet und das wie ein Menetekel über den Köpfen aller, vor allem aber über Hans-Peter und Ginny schwebt und ihrer aller Leben zu zerstören droht.

Während man zwar entgegen allem Anschein darauf hofft, dass sich für die beiden Liebenden noch ein Weg zueinander auftut, ist die Autorin immer für Überraschungen und unerwartete Wendungen gut! Und so kann man sich bis zum Schluss nicht sicher sein, ob sie den längst lieb gewonnenen Helden aus der Patsche hilft oder ob sie den Ausgang einer Tragödie gewählt hat, die manchem Leser am plausibelsten erscheinen mag, angesichts dessen, was sie trennt.
Aber um das herauszufinden, sollte man sich das Lesevergnügen gönnen und selbst den Roman aufschlagen!

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Wahrheit hat ihren Preis

60er Jahre. Nach dem Krieg schlug sich Hildegard mit ihrem kleinen Sohn Hans-Peter zu ihrer Cousine in die Schwäbische Alb durch, wo sie bald darauf in dem kleinen Ort den ortsansässigen Bürgermeister und Besitzer der Sägemühle heiratete und fortan ein recht wohlhabendes Auskommen hat. Hans-Peter, der sich mit seinem Stiefvater nie gut verstanden hat, hat keine Erinnerungen mehr an seinen Vater, von dem die Mutter nur erzählte, dass dieser im Krieg gefallen sei. Nun ist er ein junger Student der Rechtswissenschaft und fiebert einem Konzert der Beatles in Blackpool entgegen, für die Reise dorthin hat er wochenlang auf dem Bau gearbeitet. Beim Trampen lernt Hans-Peter die junge Ginny und ihre Clique kennen, die ebenfalls zum Konzert wollen. Zwischen Ginny und Hans-Peter knistert es sofort. Auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland steht er weiterhin per Brief mit Ginny in Kontakt und plant schon die nächste Reise, um sie endlich wiederzusehen. Doch Ginnys Eltern sind gegenüber Deutschen sehr ablehnend eingestellt, ihr Großvater und ihr Onkel sind im Krieg gefallen, Ginnys Vater Gregory kam als deutscher Flüchtling nach England, voller Blessuren und Folterspuren. Sowohl Ginny als auch H.-P. sehen sich einer gewaltigen Aufgabe gegenüber, die Eltern von ihrer Liebe zu überzeugen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, das Leben der beiden jungen Leute gerät komplett aus den Fugen, denn alles, was sie für die Wahrheit gehalten haben, entpuppt sich als Lüge…

Ricarda Martin hat mit ihrem Buch „Winterrosenzeit“ einen wunderschönen Gesellschaftsroman voller Geheimnisse vorgelegt, die sich erst nach und nach wie Rosenblätter entfalten und die Wahrheit preisgeben. Der Schreibstil ist flüssig und fesselt von der ersten Seite an. Immer im Wechsel wird die Geschichte zwischen Ginny und Hans-Peter erzählt und fügt sich erst am Ende wie ein Puzzle zusammen. Die Landschaftsbeschreibungen, aber auch das Beatles-Konzert sind so lebendig beschrieben, als wäre der Leser live vor Ort und könnte alles mit eigenen Augen sehen und miterleben. Der Spannungsbogen wird gemächlich aufgebaut, steigert sich aber im Verlauf der Handlung immer mehr, hat zum Teil fast sogar kriminalistische Elemente, die Geschichte bleibt bis zum Schluss sehr aufregend. Auch der Hintergrund der Romanhandlung ist sehr interessant gehalten, spiegelt er doch den Zeitgeschmack, die politischen Ansichten und die Entwicklung nach dem Krieg wider. Jeder, der in den 60er Jahren aufgewachsen ist, findet das ein oder andere aus seiner Kindheit und Jugend wieder.

Die Charaktere sind sehr verschieden und vielschichtig angelegt, dadurch wirken sie sehr authentisch und lebendig, der Leser kann sich gut in die einzelnen Protagonisten einfühlen und leidet mit ihnen oder wünscht ihnen die Pest an den Leib. Hans-Peter ist ein sympathischer, ehrlicher junger Mann, der vielseitig interessiert ist und sich voll und ganz seinem Jurastudium widmet. Die Musik der Beatles hat es ihm angetan und tut alles für seinen Traum, diese einmal im Konzert zu erleben. Zu seinem Stiefvater hat er ein schwieriges Verhältnis, denn der hat andere Vorstellungen vom Leben, doch Hans-Peter will seine eigenen Träume verwirklichen. Ginny ist eine liebe junge Frau, die behütet aufwuchs und die Arbeit mit Rosen liebt. Sie hat ein enges Verhältnis zu ihrem Vater, ist beliebt und aufgeweckt, allem Neuen gegenüber offen ohne Vorurteile. Hildegard ist eine unterwürfige Frau, die es jedem recht machen will, sie hat kein Durchsetzungsvermögen und ist auch ihrem Sohn keine große Hilfe bei den Streitigkeiten mit dem Stiefvater. Susanne ist eine enge Freundin von Hans-Peter, sie kennen sich seit der Kindheit, aber sie ist auch rettungslos in ihn verliebt, wovon Hans-Peter gar nichts weiß. Gregory, Ginnys Vater ist ein netter Mann, der ein Geheimnis in sich trägt und sich nur um die Rosen und seine Familie kümmern möchte. Auch die Nebenprotagonisten untermalen nicht unwesentlich mit ihren kleinen Episoden und Geschichten die Handlung, machen sie dadurch auch spannender.

„Winterrosenzeit“ ist ein fesselnder Gesellschafts- und Liebesroman der jüngsten deutschen Nachkriegsgeschichte und unterhält mit einer Vielzahl von Themen, die alle zusammen eine sehr spannende Handlung ergeben. Alle, die Familiengeheimnisse und gut gestrickte Liebesgeschichten lieben, in denen man sich regelrecht fallen lassen kann, werden mit diesem Roman viel Freude und gute Unterhaltung haben. Absolute Leseempfehlung!

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