Joan Didion: Süden und Westen

 
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Joan Didion: Süden und Westen
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
South and West
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783550050220

Informationen zum Buch

Seiten
160

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
In New Orleans ist die Luft im Juni schwer von Sex und Tod, kein brutaler Tod, aber Tod durch Verfall, Überreife, Verrotten, Tod durch Ertrinken, Ersticken, Fieber unbekannter Herkunft.

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Ein feinsinniges Porträt uramerikanischer Landschaften, in dem sich bereits die Bruchlinien andeuten, an denen entlang sich das heutige Amerika spaltet: Im Sommer 1970 unternahm Joan Didion gemeinsam mit ihrem Mann John Gregory Dunne eine Reise in die amerikanischen Südstaaten, mit der vagen Idee, darüber zu schreiben. Das Stück ist nie erschienen, aber ihre Notizen blieben erhalten und werden nun erstmals veröffentlicht. Wie in ihren hochgelobten Essays und Reportagen zeigt sich auch in diesem ursprünglichen Material die Beobachtungsgabe, der Scharfsinn und das Gespür für beiläufige und doch vielsagende Szenen sowie Didions präzise, unwiderstehlich rhythmisierte Sprache, die ihre Texte so einzigartig macht. Ergänzt werden Didions Reisenotizen um bisher ebenfalls unveröffentlichte Aufzeichnungen, die 1976 entstanden, als sie in San Francisco im Auftrag des Rolling Stone den Prozess beobachtete, der der Millionenerbin Patty Hearst wegen Bankraubs gemacht wurde.

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(Aktualisiert: 07 Juli 2018)
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Lesenswert - vor allem der erste Teil, eine Reisebeschreibung

Die Journalistin und Schriftstellerin Joan Didion hat in ihren Notizbüchern Gedanken aber auch Gespräche und Entwürfe für Artikel oder Bücher festgehalten. Mit „Süden und Westen“ wurden Auszüge aus Tagebüchern der 1970er Jahre veröffentlicht und mit ihnen ein umfassender Blick auf die damalige Gesellschaft mit ihren politischen wie kulturellen Aspekten.

Beim ersten Teil des vorliegenden Werkes kann man Joan Didion und ihren Mann John Gregory Dunne, ebenfalls Schriftsteller und Journalist, bei einem Roadtrip durch Alabama, Mississippi und Louisiana begleiten. Ihre Gespräche mit unterschiedlichsten Einheimischen, ihre Beobachtungen in den Kleinstädten beleuchten die Themen, die das Erbe der Südstaaten darstellen: Rassismus und extreme gesellschaftliche Unterschiede. Und nicht selten musste ich innehalten und mich fragen, wie viel sich von den Eindrücken Didions in den 70ern zu heute wohl verändert hat - nur um zu den Schluss zu kommen, dass es mitunter nicht viel sein dürfte…
Der zweite Teil ist eine Sammlung von Notizen zu einer Auftragsarbeit über den Patty Hearst-Prozess für den Rolling Stone, die allerdings nie veröffentlicht wurde. Die Millionenerbin Hearst wurde 1974 von einer linken Gruppe entführt, schloß sich allerdings wenige Monate später selbst der Gruppe an und beging mit ihr einige Überfälle. 1976 wurde sie in besagtem Prozess in San Francisco zu 35 Jahren verurteilt, später wurde die Strafe herabgesetzt und schlussendlich wurde Hearst begnadigt.

Der erste Teil umfasst den Hauptteil des Buches und zeigt Didions Sprachwitz und ihre Beobachtungsgabe, die nicht nur mit den Beschreibungen der Menschen, denen sie begegnet, besticht, sondern vor allem auch den Umständen der Reise, den Details der jeweiligen Umgebung.

„Süden und Westen“ ist mehr als bloß ein Notizbuch. Nein, dieses Buch zeigt das Talent einer großen Essayistin und dürfte sicherlich auch ein Hinweis der Autorin Jahrgang 1934 sein, denn ich bin mir sicher, dass sie mit der Freigabe ihrer Texte etwas bewirken wollte. Vielleicht ja, dass wir erkennen, wie wenig wir uns in den letzten vier Jahrzehnten entwickelt haben? Wenn überhaupt - betrachtet man eben diese Regionen nach einem Jahr Trump’scher Präsidentschaft…

Ein lesenswertes Werk, wenn auch sicherlich kein massenkompatibles.

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