Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

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Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge
Verlag
ET (D)
2002
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Hyperion, The Fall of Hyperion
ET (Original)
1989
ISBN-13
9783453215283

Informationen zum Buch

Seiten
1449

Serieninfo

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Der Hegemoniekonsul saß auf dem Balkon seines Ebenholzraumschiffs und spielte Rachmaninoffs Prelude in cis-Moll auf einem uralten, aber gut erhaltenen Steinway, während sich große grüne Saurierwesen unten in den Sümpfen drängten und heulten.

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Handlungsort

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Auf Hyperion herrscht das Shrike - ein unüberwindliches Ungeheuer aus den Tiefen von Raum und Zeit. Manche verehren es als Gott, andere sehen in ihm das absolute Böse und wollen es vernichten, aber gefürchtet wird es von allen. Im Tal der Zeitgräber, wo sich riesige Gebilde mit ihren rätselhaften Botschaften aus der Zukunft in die Vergangenheit bewegen, wartet das Shrike. Und es wartet auf sie alle.

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Es gibt Bücher, denen merkt man ihr Entstehungsdatum an. Dan Simmons' "Hyperion" gehört zweifelsfrei dazu. Es wurde 1989 in der Hochzeit der cultural studies publiziert und beinhaltet eine brillant eingefädelte Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus.

Inhalt des Buches ist - grob gesprochen - eine Pilgerreise zu einem geheimnisvollen Ort, den "Time Tombs", die sich außerhalb des Zugriffs der "Hegemony of Man" auf dem abgelegenen Planeten "Hyperion" befinden. Sie sind kultischer Ort der undurchsichtigen "Church of the Final Atonement" und werden von einem Wesen namens "Shrike" bewacht. Der Planet und, so wird schnell klar, vor allem dieser Ort spielen eine ganz entscheidende Rolle für den Fortbestand der Menschheit.

Die von der "Church of the Final Atonement" ausgewählten Pilger könnten auf den ersten Blick seltsamer und unterschiedlicher nicht sein. Einzige Gemeinsamkeit ist, dass keiner von ihnen Mitglied dieser Kirche ist; alle haben hingegen vollkommen disparate Hintergründe: ein Priester, ein Soldat, ein Schriftsteller, ein Wissenschaftler, ein Raumschiffkapitän, eine Detektivin und ein Diplomat.

Nacheinander erzählen sich diese Menschen (mit einer Ausnahme) nun ihre persönlichen Geschichten, bisweilen auch die Geschichten anderer Menschen, die mit ihrem eigenen Leben schicksalhaft verwoben sind. Es wird schnell deutlich, dass die Lebenswege der Protagonisten alle zum selben Ziel führen, um dort ihre Auflösung zu erwarten: nach Hyperion.

Was Simmons entwirft, ist also eine Art "Hexameron". Die Rahmenhandlung ist ziemlich zurückgenommen und eher unspektakulär, im Zentrum stehen die Erzählungen der Pilger, die sich, indem sie sich gegenseitig ihre Geheimnisse anvertrauen, auf den großen Showdown vorzubereiten hoffen. Das anfängliche Misstrauen weicht nach und nach der Einsicht, dass sie alle nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt an genau diesen Ort gerufen werden. Auch kommt die Hälfte der Pilger, so wird im Laufe der einzelnen Geschichten klar, nicht allein...

Ich war von Simmons' Zukunftsentwurf schlichtweg begeistert, wenn ich auch sagen muss, dass er an manchen Stellen den Fallen des Genres nicht ganz entgeht. Es hätten nach meinem Geschmack ruhig die ein oder andere Kampf- oder Liebesszene weniger bzw. die vorhandenen hätten ein wenig gestrafft sein dürfen.

Wer übrigens, wie ich, glaubt, es könne nicht schaden, vor Simmons Hölderlin zu lesen (den ich allerdings recht schnell wieder abgebrochen habe, das war einfach gerade nichts für mich), dem sei gesagt: der Referenzpunkt ist ohnehin ein anderer, nämlich John Keats. Die Anspielungen auf dessen Leben und Werk sind unaufdringlich, doch überdeutlich. Und auch von ihm existiert ein Fragment gebliebener Text mit dem Titel "Hyperion", ein Sagenstoff, der sich mit der Ablösung der Titanen durch die Götter beschäftigt.

Ganz abwegig ist die Idee mit Hölderlin allerdings nicht gewesen, denn Simmons scheint nicht nur sehr belesen, sondern auch nicht ganz unbeleckt von deutscher Geographie zu sein. Wie sonst ist der denkwürdige Satz zu erklären: "Kastrop-Rauxel has no datasphere or sats of any kind." Wobei, war es nicht Bielefeld, das nicht existiert?...



In der Fortsetzung des "Hugo"-prämierten Hyperion, in dem sich eine kleine Schar von Pilgern auf den Weg gemacht hatte, um auf dem rätselhaften Planeten Hyperion Antworten auf die Fragen ihrer jeweiligen Leben sowie auf das Schicksal der Menschheit zu finden, folgen die Leser nun unterschiedlichen Handlungssträngen. Zum einen steht das Geschehen in der durch eine Invasion bedrohten "Hegemony of Man" im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Leser begleitet die Präsidentin dieses Imperiums, Meina Gladstone, bei ihren Entscheidungen rund um den drohenden Krieg mit der Invasionsmacht. Zum anderen wird das weitere Schicksal der Pilger im Tal der "Time Tombs" geschildert. Wie nicht anders zu erwarten, werden die Pilger recht bald voneinander getrennt und müssen einzeln ihre Proben bestehen, in die nicht selten der Shrike eingebunden ist, ein grausames, maschinelles Monster unklarer Funktion.

Verbunden werden diese Stränge durch eine neu eingeführte Person, einen zweiten "cybrid", dessen Geist von den künstlichen Intelligenzen des TechnoCore nach dem Vorbild des englischen Poeten John Keats geformt worden ist. Dieser "cybrid" (genetisch der Mensch Keats, der durch seinen Geist Zugang zur Welt der künstlichen Intelligenzen des TechnoCore hat) träumt von den Pilgern und kann durch diese Träume der Präsidentin Gladstone von den Vorgängen an den Time Tombs berichten.

The Fall of Hyperion gibt tatsächlich einige Antworten; und ich muss sagen, ich bin nicht sicher, was ich von diesen Antworten halten soll. Sicher ist: Was Simmons hier anbietet, ist zum großen Teil so trickreich komponiert, dass er mir selbst bisweilen den Überblick zu verlieren scheint.

Zentral für das Verständnis des Textes ist die mehrfach geäußerte Sentenz: "The best lack all conviction while the worst are full of passionate intensity". Man könnte sie als Absage an das lesen, was aber dennoch das Buch durchzieht und nicht konsequent verneint wird: einen messianischen Gedanken. The Fall of Hyperion ist voller Voraussagen, Prophezeiungen, "Erwählter" und nicht zuletzt Märtyrer - ganz sicher wird dieses Denken aber von Simmons nicht propagiert. Das Buch ist allerdings über weite Strecken mehr theologisch als philosophisch, mehr damit beschäftigt, den Willen einer unsichtbaren Macht zu ergründen; damit, den Platz zu finden, an dem man ihr Instrument sein soll; und weniger mit den Möglichkeiten, die der Einzelne zum Handeln hat, ohne gleich Held, Märtyrer oder sonstwas zu sein. Die Absage an den Messianismus ist nicht absolut, sondern hält sich an die zitierte Sentenz: Der beste Messias ist ein zweifelnder Messias.

Diese These, die ich für die wichtigste des Textes halte, wird aber eben ein bisschen von dem theologischen Ballast erstickt, der eigentlich bis zum Schluss in Kraft bleibt. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich finde, dass Simmons hier die Synthese aus sehr Konträrem gelungen ist, die er offenbar angestrebt hat: Zweifel und Messianismus.

Während ich darüber noch nachdenke, möchte ich aber niemanden vor diesem kurzweiligen zweiten Teil warnen, wenn ich mir vielleicht auch gleichzeitig wünsche, Simmons hätte es bei dem ersten Teil belassen. Ich bin mir nicht sicher. Aber wir wissen ja: The best lack all conviction.

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Dieses Buch von Dan Simmons ist neben Ian Banks, Frank Herbert, Robert Heinlein, und Orson Scott Card und einigen anderen das Beste, was ich in 30 Jahren SF gelesen habe (und ich lese viel und ausschließlich Scinece Fiction). Der Schreibstil ist göttlich, die Ideen fantastisch und unglaublich kreativ. Je besser die klassische historische Bildung und die Philosophiekenntnisse des Lesers (Helenismus usw.) desto mehr Spass hat man beim Lesen!!! Beide Bücher umfassen locker 1500 Seiten und jede Seite ist es Wert, mehrfach gelesen zu werden. Am Ende sagt man sich trotzdem, was, leider schon fertig ;-)

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