Dan Simmons: Ilium

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Dan Simmons: Ilium
Verlag
ET (D)
2004
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Ilium
ET (Original)
2003
ISBN-13
9783453878983

Informationen zum Buch

Seiten
827

Serieninfo

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Zorn.

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Handlungsort

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Thomas Hockenberry, ehemaliger Professor für Philosophie an der University of Indiana, wird nach seinem Tod zusammen mit einigen Fachkollegen von den Göttern des Olymp auserwählt, im Auftrag der Muse Melete als Kriegsberichterstatter in Ilium tätig zu werden. Als so genannter Scholiker mit raffinierten High-Tech-Geräten ausgestattet, die es ihm ermöglichen, mitten im Kampfgetümmel zu erscheinen und in Sekundenbruchteilen wieder zu verschwinden, soll er der Muse Zeugnis geben von den Wechselfällen des Trojanischen Krieges.

Hockenberry kennt die "Ilias" allerdings zu genau, um nicht bald zu merken, dass sich zwischen dem, was er sieht, und den Versen Homers beträchtliche Diskrepanzen auftun. Hat sich der berühmte griechische Epiker in sträflicher Weise dichterische Freiheiten erlaubt, oder befindet er, Hockenberry, sich etwa im falschen Krieg? Doch die Wahrheit ist weitaus erschrekcender: Hockenberry wurde nicht auf dem griechischen Olymp wiedererweckt, sondern auf dem Olympus Mons, dem höchsten Berg des Mars. Und es hat ihn nicht in die Antike, sondern in eine ferne Zukunft verschlagen, in der schon vor Jahrhunderten das nackte Grauen Einzug gehalten hat...

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“Ilium” von Dan Simmons ist - gemeinsam mit seinem Nachfolger “Olympos” - wohl einer der hochgelobtesten (und bestverkauften) Science Fiction-Romane der letzten Jahre, und so habe ich mich an diese ersten gut 800 Seiten gewagt, um mir selbst ein Bild zu machen. Vorschusslorbeeren hat das Epos auch deshalb reichlich bekommen, weil der Autor als SF-Literat alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist; unter anderem stammt die Hyperion-Tetralogie (”Hyperion” und “Endymion”) aus seiner Feder, die in diesem Genre inzwischen schon fast zu den Klassikern zu zählen ist.

Simmons ist ein Meister des Fabulierens und der üppig ausgeschmückten Erzählweise, und in Ilium hat er gleich drei Handlungsstränge kreiert, in denen er diese Vorliebe so richtig austoben kann. Da ist - titelgebend - als erstes der “Scholiker” Thomas Hockenberry, ein Historiker aus dem 20. Jahrhundert, der von den Göttern wiedererweckt und beauftragt wird, gemeinsam mit einigen Kollegen den trojanischen Krieg zu beobachten und am Olymp darüber zu berichten. Allerdings muss er in Laufe der Zeit immer mehr Unregelmäßigkeiten im Vergleich zu Homers Ilias feststellen, und als er dann noch von Aphrodite den Auftrag erhält eine ihrer Mitgöttinnen zu töten, beschließt er einen riskanten Alleingang.

Der zweite Handlungsstrang spielt auf dem Mars, von dem ausgehend in den äußeren Gefilden des Sonnensystems höchst merkwürdige und vor allem brandgefährliche Quantenaktivitäten gemessen werden. Die Jupitermonde sind von einer Kultur intelligenter und empfindsamer Cyborgs besiedelt, die nebenbei auch versuchen, die Kultur ihrer menschlichen Erschaffer zu bewahren; diese Cyborgs, genannt Moravecs, senden eine Expedition zum Mars, um die Gefahrenquelle zu lokalisieren und wenn möglich zu vernichten; letztendlich kommen, nachdem ihr Raumschiff in einer Mars-Umlaufbahn von einem Streitwagen abgeschossen worden ist, aber nur zwei der Teilnehmer an ihrem Ziel an: Mahnmut, Erforscher der Meerestiefen auf Europa und Shakespeare-Experte sowie Orphu, ein Hochvakuum-Moravec von Io und Proustkenner.

Die dritte Erzählebene handelt auf der Erde einige tausend Jahre in der Zukunft. Der “blaue Planet” ist nach diversen ökologischen und technologischen Katastrophen nur noch von einigen 100.000 “Altmenschen” bewohnt, die genau 100 Jahre alt werden und während dieses Zeitraums rund um die Uhr von Servitoren und den geheimnisvollen “Voynixen” betreut werden, nicht sterben können, aber auch jegliche Kultur und Geschichte verloren haben - der Vergleich mit den Eloi aus der “Zeitmaschine” drängt sich förmlich auf und wird auch im Text explizit gezogen. Die “Nachmenschen”, technologisch viel weiter entwickelt, sollen in auf Orbitalringen liegenden Städten außerhalb der Erde leben; die ebenfalls dort befindliche “Klinik” kümmert sich um regelmäßige Checkups und Wiederbelebungen im Fall eines Unfalls. Eine kleine Gruppe dieser Menschen rund um den 99-jährigen Harman und die “Ewige Jüdin” Savi macht sich auf die beschwerliche Reise zu diesen Orbitalstädten und stößt auf geheimnisvolle Wesenheiten und viele Fragen - aber auch einige, dafür umso furchterregendere Antworten.

Erst gegen Ende der 800 Seiten werden diese drei Handlungsstränge mit einem furiosen Showdown auf dem Mars zumindest ansatzweise zusammen geführt. Von Anfang an werden viele, viele Fragen geweckt, die im Verlauf der Handlungen nur häppchenweise und wie ein Puzzle beantwortet werden, das man mühsam zusammenfügen muss - ganz davon abgesehen, dass natürlich für den Nachfolger “Olympos” auch noch sehr viel offen bleibt. Verwirrend sind am Anfang vor allem die vielen exotischen Technologien, die Simmons seiner Welt verpasst und nicht erklärt, und die Vielzahl an Namen griechischer Helden, die im Zuge der Ilias-Handlung auftauchen. Überhaupt verlangt Simmons seinen Lesern einiges ab; der inhaltliche und stilistische Bezug zu gleich drei Größen der klassischen Literatur - Homer, Shakespeare und Proust - ist nicht zu übersehen, und deren Kenntnis ist zwar keine Voraussetzung für den Lesespaß, aber sicherlich notwendig wenn man alle in den Berichten Hockenberrys oder den Gesprächen zwischen Mahnmut und Orphu versteckten Andeutungen und Hinweise verstehen will.

Andererseits macht der Autor sich einen Spaß daraus, die besondere Sprache vor allem der Ilias zu karikieren, indem er die griechischen Helden in einem bunten Mix aus homerischem Stil und Umgangssprache parlieren lässt. Diese Szenen bringen Komik in die Geschichten, ebenso wie die Gespräche zwischen den auf dem Mars gestrandeten Moravecs, die von einem herrlich trockenen Humor zeugen. Ansonsten ist der Sprachstil sehr klar und ohne viel Finesse; Brutalität ist als solche eindeutig erkennbar, diese Szenen wirken manchmal sogar ein bisschen derb; andererseits gibt es auch sehr schöne und gefühlvolle Szenen voller Emotion. Die Spannung wird nicht zuletzt durch den abrupten Wechsel zwischen diesen Extremen erzeugt; da wird aus einem Gespräch plötzlich ein Gemetzel und aus einer Annäherung plötzlich eine Fehde bis aufs Blut.

Fazit:

Viel zu meckern gibt es an diesem Wälzer eigentlich nicht, und ein endgültiges Urteil ist sowieso erst nach Lektüre des zweiten Teils zu fällen, von dem zu hoffen ist dass er den Spannungsbogen halten kann und die vielen offenen Fragen beantwortet. Manche der handelnden Figuren blieben beim Lesen für mein Verständnis etwas flach und oberflächlich, was aber bei der Fülle der Pro- und Antagonisten kein Wunder ist. Auch wird bei vielen der teilweise gut versteckten Anspielungen - wie z.B. der auf Nabokov - nicht klar, welche Rolle sie für die Geschichte spielen oder ob sie nur eingebaut wurden, weil Simmons vielleicht gerade “Lolita” o.ä. gelesen hat. Insgesamt aber ist dieses Buch wunderbare, hochqualitative Unterhaltungsliteratur.

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Thomas Hockenberry ist einer von vielen Scholastikern (die in der Übersetzung aus mir noch nicht bekannten Gründen als Scholiker bezeichnet werden), die von Zeus nach ihrem Tode wiedererweckt wurden, um Zeitzeugen des Kampfes um Troja zu sein. Außer Zeus weiß keiner der Götter und Göttinen, die munter in das Geschehen eingreifen und mit dem Leben "ihrer" Menschen spielen, um den Ausgang dieses großen Krieges. Die Scholastiker müssen ihren Musen Bericht erstatten, dürfen jedoch nichts über zukünftige Ereignisse verraten.

In einem weiteren Erzählstrang werden vier Moravecs, darunter Shakespeare Anhänger Mahnmut und Proust-Fan Orphu, zu einem Einsatz auf den Mars einberufen. Die Mission ist so geheim, dass nur der Anführer um den wahren Auftrag weiß.

Auf der Erde in ferner Zukunft finden die Altmenschen Ada, Harmann, Daemon und Savi nach und nach zu ihrer eigentlichen Natur zurück, die von der Bequemlichkeit ihres bisherigen Lebens überschattet wurde.

Nach einem recht zähen Anfang, bei dem man vor lauter griechischer Helden- und Götternamen kaum mehr weiß, wie man selbst heißt und den literarischen Diskussionen um Shakespeares Sonette und dem Eintauchen in Marcel Prousts (oder viel mehr Swanns) Welt fast nicht mehr folgen kann, weiß Dan Simmons diese drei so völlig unterschiedlichen Geschichten im Laufe des Buches geschickt miteinander zu verknüpfen. Der Autor beweist seine Belesenheit mit Andeutungen auf weitere Klassiker der Weltliteratur, doch immer noch ist die "Ilias" DAS Thema des Buches. Allvater Zeus erinnert an einen gutmütigen Onkel, der über eine Horde ungezogener Kleinkinder wacht. Die Götter und Göttinen sehen in den Menschen nicht mehr als Spielzeug, das man nach Herzenslust manipulieren und zerstören kann. Thomas Hockenberry ist ein liebenswerter Antiheld mit überaus trockenem Humor und einer gewissen Schicksalsergebenheit.

Im Jahre 2005 soll die Fortsetzung "Olympos" erscheinen, weshalb "Ilium" natürlich kein wirklich befriedigendes Ende aufweist. Kein Cliffhanger, jedoch noch viele offene Fragen am Ende. Mag das Buch auch noch so langatmig beginnen: Es gewinnt immer mehr an Geschwindigkeit und Spannung, ist allerdings meiner Meinung nach nicht für einen absoluten Science Fiction Neuling zu empfehlen. Zu sehr lässt sich der Autor dazu verleiten, technische Geräte und absurde Begebenheiten einfach ohne Erklärung in den Raum zu stellen. So erfährt man erst spät, um was es sich bei den Servitoren und Voynixen, den Moravecs und den Faxportalen handelt.

Aber ganz ehrlich gesagt: Das ist völlig egal! Die Geschichte ist oft so herrlich bitterböse und schwarzhumor geschrieben, dass man so gefangengenommen wird und sich nur noch nach einem sehnt: "Olympos".

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Story:

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Dr. phil. Thomas Hockenberry, Homer-Experte, ist eigentlich tot. Gestorben in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts. Er wurde jedoch von Zeus und den Göttern des Olymp aus DNA-Resten rekonstruiert und soll nun im Auftrag der Muse Melete mit anderen re-animierten „Scholikern“ als Kriegsberichterstatter in Troja (Ilium) arbeiten – und zwar zur Zeit des von König Agamemnon geführten Angriffs der Griechen! Seltsam nur, dass die Götter nicht auf dem Berg Olymp in Griechenland residieren, sondern auf dem Olympus Mons auf dem Mars, und dass sie Hockenberry und seine Kollegen mit allerlei High-Tech-Hilfsmitteln ausstatten, mit denen die Scholiker sich unerkannt und ungefährdet unter die griechischen und trojanischen Helden mischen können. Noch seltsamer ist der geheime Auftrag, den Hockenberry nach neun Jahren von der Göttin Aphrodite erhält: Er soll die Göttin Athene töten! Dies ist das erste Glied in einer Kette erstaunlicher Ereignisse, die schließlich dazu führen, dass die Geschichte des trojanischen Krieges einen völlig anderen Verlauf nimmt, als die Ilias berichtet, so dass Hektor und Achilles, die sich eigentlich gegenseitig niedermetzeln sollten, gemeinsam gegen die Götter zu Felde ziehen…

In einer anderen Zeit, Jahrtausende nach dem trojanischen Krieg, nehmen die auf den Jupitermonden „lebenden“ Moravecs – intelligente, empfindungsfähige, friedfertige Cyborgs – gefährliche Quantenaktivitäten auf dem Mars wahr und schicken eine Expedition dorthin, die schon gleich zu Anfang beinahe scheitert. Nur Mahnmut, ein kleiner U-Boot-Kapitän mit einer Vorliebe für Shakespeare-Sonette und Orphu von Io, ein riesiger Hochvakuum-Moravec und Proust-Fan, überleben das Desaster. Sie müssen sich allein auf dem Mars durchschlagen, wo sie den KGMs (Kleine Grüne Männchen) begegnen und es nur zu bald mit dem Gott Zeus und seiner Sippschaft zu tun bekommen. Auf der Erde leben derweil nur noch ein paar hunderttausend Menschen, rundum betreut und somit dumm gehalten von Servitor-Robotern. Diese letzten „Altmenschen“ können nicht lesen, haben keine Ahnung von ihrer eigenen Vergangenheit und sind auf den Schutz der geheimnisvollen Voynixe angewiesen, denn die wieder dicht gewordenen Wälder der Erde sind bevölkert von genetisch rekonstruierten Sauriern und anderen prähistorischen Wesen. Man pflegt eine hedonistische, sorglose Lebensweise. Selbst der Tod hat seinen Schrecken verloren, denn selbst tödliche Verletzungen werden umgehend in der „Klinik“ repariert, allerdings kann niemand älter werden als genau 100 Jahre. Eher zufällig begibt eine Handvoll dieser dekadenten Leute sich auf eine Odyssee, die sie bis hinauf in die orbitalen Habitate der längst verschwundenen „Nachmenschen“ führen wird…

Kringels Meinung:

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Ein Wort vorab: „Ilium“ ist der erste von zwei Teilen, der zweite Roman „Olympos“, wird vermutlich erst 2005 erscheinen. Man klappt deshalb das Buch nach einem furiosen Höhepunkt ein wenig unzufrieden zu, denn es bleiben viele Fragen offen – und zwar solche, die sich dem Leser gleich von Anfang an stellen. Einiges von der Verunsicherung, die man in den ersten 150 Seiten des Romans verspürt, legt sich allerdings mit der Zeit, denn Simmons streut immer wieder ein paar Informationshäppchen aus, die man selbst zu einem Puzzle zusammensetzen muss. Zu Anfang versteht man erst einmal überhaupt nicht worum es geht, und wird von all den Namen griechischer und trojanischer Helden, die fast in einem Atemzug mit zunächst unverständlichen (teils fast schon in „Technobabble“ ausartenden) Science-Fiction-Begriffen genannt werden, beinahe erschlagen. Nach und nach klärt sich das Bild, man durchschaut das fiktive Universum ein wenig besser und kommt gut in die Story „hinein“. Die kommt dann so richtig in Gang, man wird gefesselt, möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen – und schon ist es wie gesagt ziemlich abrupt zu Ende. Leser, die in der SF im allgemeinen und im Werk von Simmons im besonderen nicht so bewandert sind, werden sich dann immer noch fragen, was die vielen Begriffe eigentlich zu bedeuten haben, die Simmons ihnen ohne jegliche Erklärung an den Kopf geworfen hat. Vor allem aber bleibt bis zuletzt unklar, welche Ereignisse in der Vergangenheit zu den Verhältnissen geführt haben, mit denen Hockenberry, die Moravecs und die Altmenschen sich jetzt herumschlagen müssen.

Simmons spielt geschickt mit Homers Ilias, die man eigentlich in Form der Gesänge (also nicht als Prosa-Heldensage) gelesen haben müsste, um die Anspielungen und Veränderungen richtig verstehen zu können. Das gilt auch für den Sprachstil – wenn die griechischen Helden z.B. einen Satz so anfangen, wie ihn Homer geschrieben haben könnte, dann aber gleich wieder in moderne Umgangssprache abgleiten, dann kann man die Komik dieser Gegensätze nur richtig würdigen, wenn man die Ilias kennt.

Ohne Zweifel ist „Ilium“ SF auf hohem Niveau. Nach ein paar vielleicht etwas zu lang geratenen Ausführungen über die Ilias, Shakespeare und Proust ist der Roman extrem unterhaltsam, spannend und teils sogar recht derb (in den Kampfszenen) bzw. horrorlastig. Wenn nun noch im zweiten Band alle offenen Fäden logisch verknüpft werden, würde ich mich fast dazu hinreißen lassen, von einem Meisterwerk zu sprechen.

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Seit ich vor vielleicht zwei Jahren erste Gerüchte hörte, Dan Simmons schreibe an einem neuen SF-Roman, habe ich voller Ungeduld auf dieses Buch gewartet, steht doch Simmons' vierbändiger Hyperion/Endymion-Zyklus in meiner persönlichen All-Time-Top-Ten ganz weit oben. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen und sie wurden nicht enttäuscht.

Drei Handlungsstränge ziehen sich durch das Buch, einer seltsamer als der andere. Im Vergleich zu Shakespeare und Proust zitierenden Cyborgs und einem von den Toten erweckten Philosophie-Professor, der, im Auftrag der olympischen Götter, Chronist der Schlacht um Troja werden soll, erscheint da die Situation auf der bis auf wenige "Altmenschen" entvölkerten Erde noch am "normalsten", zu Beginn jedenfalls. Und sind auch die ersten zweihundert Seiten mitunter sehr verwirrend, weil Simmons dazu neigt, dem Leser etliche Phantasiebegriffe an den Kopf zu werfen, ohne sie zu erklären, so gewinnt die Geschichte selbst doch immer mehr an Fahrt, wird die Situation für alle Protagonisten immer bizarrer, gefährlicher und nicht zuletzt auch interessanter. Besonders gelungen fand ich die Kapitel um "Scholiker" Thomas Hockenberry, den Chronisten der Götter, der sich so gar nicht gottesfürchtig benimmt. Der teilweise sehr sarkastische Unterton und insbesondere die fast schon gelangweilten Kommentare zum allgegenwärtigen Gemetzel vor den Toren Trojas reizten mich immer wieder zum Lachen.

Und "Ilium" ist erst der Anfang. Denn wie schon in "Hyperion" macht Simmons just in jenem Moment Schluss, in dem die Geschichte ihren Höhepunkt erreicht. Cliffhanger oder nicht? Immerhin sind gerade so viele Fragen beantwortet, dass das Ende mich durchaus zu befriedigen weiß und doch so viele noch offen, dass ich jetzt schon ungeduldig auf das große Finale in der Fortsetzung "Olympos" warte. Wer von einem guten Buch ein "richtiges" Ende erwartet, sollte also vielleicht auf "Olympos" warten und die beiden Bücher als eines lesen.

Alles in allem ein sehr gelungenes Buch, das meine hohen Erwartungen voll und ganz erfüllt hat: Beste Unterhaltung und darauf kommt es, mir jedenfalls, in erster Linie an. Ich hoffe jetzt nur noch, dass "Olympos" die Qualitäten seines Vorgängers beibehält und die Geschichte zu einem schlüssigen Ende führt.

"Ilium" - mein Buch des Jahres? Das wird sich zeigen, aber eins steht jetzt schon fest: Die Latte wurde um einiges höher gelegt.

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