Jens Lubbadeh: Unsterblich

 
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Jens Lubbadeh: Unsterblich
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783453317314

Informationen zum Buch

Seiten
448

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Der Regen sah aus, als würde er niemals aufhören.

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Der Traum der Menschheit vom ewigen Leben ist Wirklichkeit geworden: Dank Virtual-Reality-Implantaten können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch Marlene Dietrich ist als Star wiederauferstanden und wird weltweit gefeiert – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Eigentlich unmöglich! Für den Versicherungsagenten Benjamin Kari wird aus der Suche nach ihrem digitalen Klon ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel.

Mit "Unsterblich" legt der Wissenschaftsjournalist Jens Lubbadeh einen Debütroman vor, der die Hybris unserer digitalisierten Gegenwartswelt schonungslos und packend entblößt.

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Stillstand: Unsterblich - Jens Lubbadeh

Im Jahre 2044 hat sich die Menschheit einen Traum erfüllt: ewiges Leben. Allerdings nicht als Mensch, sondern als virtuelle Kopie. In der Lebenszeit trägt man einen Lebenstracker, der alle Daten aufzeichnet und nach dem Ableben kann dann eine exakte Kopie erstellt werden. Natürlich mit einigen wenigen Einschränkungen. Und natürlich auch nur gegen entsprechende Geldmittel, wobei es natürlich attraktive Angebote für die ärmeren Schichten gibt, keine Sorge, ihr müsst nur Eure Seele verkaufen…. Immortal heißt die Firma sprechenderweise, die diese Verlängerung des Lebens möglich gemacht hat. Benjamin Kari ist Mitarbeiter der Firma Fidelity, einem Ableger von Immortal und kümmert sich um die Ewigen. Sein Fachgebiet: Schauspieler und Regisseure. Denn die Technik ermöglicht es nicht nur, dass jetzt lebende Menschen eine virtuelle Kopie erhalten, sondern auch schon verstorbene Persönlichkeiten, deren Weiterleben beantragt werden kann. Ben Kari zertifiziert diese dann – also er prüft, ob die Erstellung einwandfrei ist, ob Fehler vorliegen, ob der oder die Ewige so reagiert, wie es die echte Person auch getan hätte, anhand von Film- oder Textdokumenten und ähnlichem. Auch Marlene Dietrich hat er vor einiger Zeit zertifiziert. Doch nun ist sie verschwunden und nicht nur der alternde Regisseur Lars von Trier macht sich Sorgen, sondern auch Immortal und Fidelity – denn der Schwund eines Ewigen rüttelt an ihrem perfekt aufgestellten Businessplan.

Wenn ein Konzern Träume realisiert… dann kann da was nicht stimmen. Benjamin Kari ist natürlich ein Verfechter der Ewigen und allem, was dort dran hängt. Die Blended Reality, welche über die Realität gelegt wird und mit speziellen Linsen von allen gesehen werden können, macht die Ewigen erst möglich. Die Ewigen haben kein Spiegelbild, können nicht von normalen Kameras aufgezeichnet werden – sie existieren nur in der Blended Reality. Eine Regel von Immortal ist die Todessperre. Damit sich kein Ewiger über seinen Tod Gedanken machen muss, sind Algorithmen programmiert, mit denen der Ewige dieses Thema umschifft. Und dann gibt es noch andere Regeln, Regeln von denen niemand weiß, auch Benjamin Kari nicht.

„In Wahrheit war die Blended Reality alles andere als demokratisch. Ein einzelner Konzern gab die Gesetze vor. Niemand war anonym. Aber in der Post-NSA-Realität war Anonymität ohnehin längst Vergangenheit.“ (S. 160)

Benjamin Kari macht sich auf die Suche nach der verschwundenen Marlene Dietrich, verbündet sich mit einer Journalistin, kommt einem Hacker auf die Spur, zweifelt immer mehr an seinem Arbeitgeber und der in Aussicht gestellten Zukunft… Kari ist ein nachdenklicher Charakter, auch wenn er in seinen Überzeugungen verhaftet ist, lässt er neue Denkanstöße zu. Aber er hadert immer mehr mit dem Weltbild, welches bisher sein Leben beherrscht hat. Zudem stecken hinter mächtigen Konzernen auch immer mächtige Verfolger. Von Killdrohnen über „ganz normale“ Ex-Soldaten, die ihn mit schwerer Bewaffnung in den Schoß der Firma zurück bringen möchten. Somit ist auch das Death Valley und die dort herrschende Hitze nur ein Feind, der ihm dort auflauert, als er dort kurzfristig strandet. Mit Kari fliegt man um die halbe Welt, aber auch unter und über die Erde, sowohl in echt, als auch in seinem Avatar. Wirklich geschickt, so eine virtuelle Realität.

Zugegeben, der Plot ist nicht unbedingt neu, wobei ich überrascht war, dass jemand bestimmtes nicht das Ende des Buches überlebt. Doch neben der spannenden und actiongeladenen Handlung, die immer wieder von Karis Überlegungen eine Auszeit bekommen, regt das Buch vor allem zum Nachdenken an. Will man ewig leben? Und wenn ja, will man das als virtuelle Kopie? Als nicht freie virtuelle Kopie, denn an den eigenen Tod denken, geht ja schon nicht. Und warum wollen wir Lebende mit ewigen Kopien leben? Klar, der Tod eines Menschen ist schmerzhaft, aber ein Ewiger bleibt so alt wie er ist – d. h. ein ewiges Mädchen bleibt ein Mädchen. Eine Oma eine Oma. Es gibt keinen Fortschritt, es herrscht Stillstand. Und auch wenn man die Beatles, Queen oder Michael Jackson mag oder gar verehrt hat, ist das 75. Album dann nicht einfach ein paar zu viel? Hindern die Ewigen nicht eher die Lebenden daran, sich weiter zu entwickeln und zu forschen? Zu entdecken und zu formen? Wenn die Plätze in den Charts sowieso immer von den Ewigen besetzt sind, wer will dann neue Musik entdecken und einspielen? Wenn JFK die USA seit Jahrzehnten leitet, wer strebt dann schon die Präsidentschaft an?

„Aber die Leute wollten es ja nicht anders. Sie wollten das, was sie kannten. Deswegen hatten sie JFK und Helmut Schmidt gewählt, hörten immer noch Michael Jackson, Madonna, U2 und die Stones, hängten sich diese hässlichen Picasso-Bilder ins Haus und kauften immer noch alles, was Steve Jobs fabrizierte, obwohl der qua Algorithmus schlicht unfähig war, wirkliche Innovation zu produzieren. Alles, was die Ewigen beherrschen, waren Variationen des Gewesenen. Die Leute wussten das, aber es kümmerte sie nicht.“ (S. 134)

Die Fragen, die ich mir hier stelle, so weit geht das Buch gar nicht, auch wenn es Andeutungen in die Richtung gibt (siehe Zitat). Die Lösung im Buch geht einen anderen Weg. Ich wäre eher auf der Seite der Thanatiker, einer leider nicht weiter auftretenden Gegenbewegung im Buch. Ich muss gar nicht ewig leben, schon gar nicht als beschnittene Kopie, in einer Gesellschaft, die sich selbst zum Stillstand verdammt hat. Nichtsdestotrotz hat der Autor hier ein richtig spannendes Thema aufgegriffen und in einer aufregenden Geschichte ein paar nachdenkliche Sequenzen verpackt. Oft meckere ich, dass mir die Zukunft nicht ausgereift genug dargestellt wurde – nun, hier vielleicht auch nicht, aber es gibt eine Erklärung: warum sollte noch weiter geforscht und erfunden, weiter entwickelt und an die Zukunft gedacht werden, wenn eh alle in der Vergangenheit leben? So verquer sich das für einen Zukunftsroman anhört. Und genau dieses Verbiegen der Gedanken, das nachdenklich Stimmende, das Störrische hat mich begeistert.

Fazit:
Ein Blick in die Zukunft, in der wir ewig leben, als virtuelle Kopien. Eine Zukunft, die Stillstand bedeutet und Rückkehr zu Vergangenem und Altbewährten. Eine merkwürdige Zukunft, die mich zum Nachdenken angeregt hat – so ganz neben der spannenden Handlung.

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Science-Fiction nahe an der Gegenwart

Inhalt
Die Welt im Jahre 2044: Durch eine neuartige Technologie sind die Menschen quasi unsterblich geworden. Zwar sterben sie nach wie vor, doch nach ihrem Tod werden sie als virtuelle, leicht perfektionierte Kopien wiedergeboren. Die meisten Menschen unterstützen dieses System, zumal lange verstorbene Stars wie John F. Kennedy oder Michael Jackson nun ebenfalls wieder auf der Erde wandeln. Doch es gibt auch Gegner, denn die Kopien verändern sich nicht mehr, können nicht dazulernen oder außerhalb ihrer einprogrammierten Handlungsweisen agieren.
Als eines Tages die Kopie von Marlene Dietrich spurlos verschwindet, ist die Aufregung groß. Ihr Erschaffer Benjamin Kari wird sofort darauf angesetzt, sie wiederzufinden, denn eigentlich ist ein Verschwinden der Klone unmöglich. Kari ahnt nicht, dass dies erst der Anfang einer Hetzjagd ist, der er sich schon bald nicht mehr entziehen kann.

Meine Meinung
Das Thema des Buches trifft genau den Nerv unserer Zeit: Virtual Reality hält bereits Einzug in unser alltägliches Leben, Datenspeicherung wird heiß diskutiert (oder auch nicht) und von den Machenschaften großer Firmen wollen wir gar nicht erst anfangen. Lubbadeh kombiniert all das mit der Frage nach dem ewigen Leben und erschafft so einen durchaus lesenswerten Science-Fiction-Roman, der vielleicht gar nicht mehr so "Science-Fiction" ist. Gerade deshalb macht man sich als Leser automatisch seine Gedanken: Möchte ich unter diesen Umständen ewig leben? Lohnt es sich, dafür sein eigentliches Leben quasi aufzugeben? Möchte ich, dass jeder meiner Schritte gespeichert wird? Fragen, die man sich durchaus auch heute schon stellen kann.

Eingebettet sind diese Themen in eine spannende, schnelllebige Handlung. Besonders gut haben mir dabei die Beschreibungen des Lebens in der Zukunft gefallen. Nach und nach erfährt man Genaueres über die Handhabung der Kopien bzw. wie man im Alltag mit ihnen umgeht. Ich fand die Überlegungen dazu durchdacht und interessant zu lesen, denn wie geht man mit jemandem um, den man nicht einmal berühren kann? Doch auch darüber hinaus hat das Buch einiges zu bieten. An Action wird nicht gespart, so dass einem eigentlich nie langweilig wird. Gut gefallen hat mir auch, dass bei den ganzen Verfolgungsjagden, Schießereien und Morden auch die Seite der "Guten" Federn lassen muss. Man kann sich also nicht darauf einstellen, dass alle Sympathieträger überleben ... für mich ein klarer Pluspunkt, weil es einfach realistischer ist und natürlich die Spannung hochhält.

Über die Charaktere gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Die meisten kann man klar der Kategorie "Gut" oder "Böse" zuordnen und diese Sichtweise ändert sich über das Buch hinweg kaum. Einzig Kari verändert sich, er beginnt, über seine Arbeit zu reflektieren und hinterfragt nach und nach das ganze System. Hier hätte ich mir vielleicht etwas mehr Varianz gewünscht, teilweise bleiben die Charaktere etwas blass. Aber eigentlich trägt sich die Handlung auch so.

Nicht wirklich überzeugt hat mich die aufgebauschte Verschwörungsszenerie. Man weiß eigentlich von Anfang an, was Sache ist, zumindest war die Auflösung für mich kein Aha-Erlebnis. Dennoch hat mir das Buch insgesamt gut gefallen, da die Themen einfach hochaktuell sind und die Handlung mitreißen kann. Ich vergebe 4 Sterne.

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