William Gibson: Mustererkennung

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William Gibson: Mustererkennung
ET (D)
2004
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Pattern Recognition
ET (Original)
2003
ISBN-13
9783608936582

Informationen zum Buch

Seiten
460

Sonstiges

Erster Satz
Fünf Stunden Zeitunterschied zwischen New York und London.

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Seit einiger Zeit tauchen im Netz geheimnisvolle Filmclips auf, die weltweit einen Kult ausgelöst haben. Auch Cayce fiebert jedem neuen Clip entgegen - was steckt dahinter? Ihre Recherche führt sie ins Machtzentrum unserer globalisierten Gesellschaft.

Cayce Pollard ist eine teure und auf unheimliche Weise intuitive Marketin-Beraterin. Während sie in London einen Auftrag ausführt, wird ihr ein Job angeboten: sie soll jener Serie von geheimnisvollen Filmclips nachspüren. Als jedoch Unbekannte in die Wohnung ihres Freundes, in der sie in London wohnt, eindringen und ihren Computer hacken, wird ihr allmählich klar, dass es um mehr geht, als sie bisher geglaubt hatte. Doch Cayce - das hat sie von ihrem Vater - läuft bei Gefahr zu großer Form auf. Ihr Vater, Win Pollard, wahrscheinlich Ex-CIA, nahm am 11. September ein Taxi Richtung World Trade Center. Er gilt als tot. Sie trauert noch immer um ihn, und er ist einer der Gründe, weswegen sie diesen gefährlichen und unheimlichen Job weiterverfolgt, der sie erst nach Tokio führt und dann nach Rußland.

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Cayce Pollard ist fasziniert von den mysteriösen Film-Clips, in denen immer nur Sekundenbruchteile einer Szene gezeigt werden. Stammen sie aus einem bereits fertigen Film? Oder ist der Film erst - zeitgleich mit dem anonymen Auftauchen der Clips im Internet - in der Entstehung? Werbeboß Bigend hat ebenfalls Interesse daran, den oder die Hersteller der Clips ausfindig zu machen und engagiert dafür Cayce.



William Gibson schreibt nüchtern, unterkühlt und leider oft in kurzen, abgehackten Sätzen. Er verwendet moderne eigene Wortkreationen und reiht sie lieblos aneinander, so dass alles etwas erzwungen scheint. Sollte ich seinen Schreibstil mit einem Raum vergleichen, würde mir sofort ein steriler, weißer, teilweise verchromter Krankenhaussaal einfallen. Vielleicht hat der Autor den Roman ja sogar in einem solchen geschrieben. Man weiß es nicht. Was ich jedoch weiß ist, dass er keinen Gedanken an prosaische Verzierungen verschwendet. Trotzdem wird Hauptperson Cayce fast poetisch, als sie über den Jetlag und ihre im Flug abgehängte Seele grübelt. Doch Cayce ist mehr als poetisch: Sie ist eine Frau, die als sog "Freelancer" arbeitet, Trends entdeckt und dabei Angst vor Markennamen hat. Diese Zwangsneurose geht so weit, dass sie Panikattaken beim Anblick von kleinen Marshmallowmännchen bekommt.





Klingt jetzt alles zuerst recht witzig, nur leider gestaltet sich der Verlauf der Geschichte um die mysteriösen Film-Clips als immer uninteressanter. Nach einem noch vielversprechenden, interessanten und skurrilen Anfang geht es also stetig bergab - zumindest ab dem Zeitpunkt, bei dem man sich an Gibsons Stil gewöhnt hat und sich unvollständige Sätze wie "Leicht angewidert schließt sie den Aktenkoffer mit einer Fingerspitze und bedeckt ihn mit seinem beigefarbenen Überzug. Nimmt das Wasser mit ins Bad, zum Spülen nach dem Zähneputzen. Setzt sich aufs Bett, zieht die Hausschuhe aus, sieht, dass ihr linker Fuß ein wenig geblutet hat, durch den Verband." mit kuriosen Satzkonstruktionen wie "Cayce Pollard erwacht in Camden Town, belauert von den schaurigen, endlos kreisenden Wölfen der Dysrhythmie" abwechseln. Das ermüdet mit der Zeit.



Nach und nach entwickelt sich die Geschichte zu einem Agententhriller mit wenig Spannung und man fragt sich mit Cayce: "Was soll das jetzt alles?" Positiv anzumerken ist jedoch, dass sich das Buch trotz aller stilistischen Eigenheiten erstaunlich flott lesen lässt und manchmal kann man etwas von der vielbesungenen Genialität Gibsons erkennen.

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Gibson´s bisherige Werke, angesiedelt in einer zeitnahen Zukunft, extrapolierten das Zeitgeschehen der Achtziger und Neunziger Jahre, nutzten zukünftige technische Errungenschaften und beschrieben ein glaubwürdiges Horrorszenario der zukünftigen sozialen Entwicklung. Die Bücher wurden zur Kultliteratur eines Genres, dem Cyberpunk. Mit Mustererkennung versucht sich William Gibson bei dem vorliegenden Buch erstmalig an einem Gegenwartsroman. Dieser Schritt in Richtung Mainstream-Literatur hat schon so manchen ehemaligen SF-Autor in den finanziellen Ruin gedrängt, einzelnen Schriftstellern ist dieser Wechsel mehr oder weniger gut gelungen. Die Erwartungen an das neue Buch waren sehr hoch; gilt doch Gibson´s Schreibstil als besonders exklusiv und eigen. Man war gespannt, ob es ihm gelingt, seinen nervösen und hetzenden Stil ausserhalb der SF-Welt zu etablieren.

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Inhaltsangabe (Auszüge aus dem Klappentext)

Seit einiger Zeit tauchen im Netz geheimnisvolle Clips auf, die weltweit einen Kult ausgelöst haben. Auch Cayce fiebert jedem neuen Clip entgegen - was steckt dahinter ? Ihre Recherche führt sie ins Machtzentrum unserer globalisierten Gesellschaft. Cayce Pollard ist eine teure und auf unheimliche Weise intuitive Marketing-Beraterin. Während sie in London einen Auftrag ausführt, wird ihr ein Job angeboten: Sie soll jener Serie von geheimnisvollen Clips nachspüren. Als jedoch Unbekannte in die Wohnung ihres Freundes, in der sie in London wohnt, eindringen und ihren Computer hacken, wird ihr allmählich klar, dass es um mehr geht, als sie bisher geglaubt hatte.

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Die Geschichte nimmt den Leser mit auf eine Reise in das Dickicht des Molochs Tokyo und in die Weiten des neuen russischen Kapitalismus. Während die Szenen im Dschungel der japanischen Großstadt Gibson-typischen Wiedererkennungswert besitzen, wird der Ausflug in das neue Rußland zum erzählerischen Desaster. Der Autor verzichtet an dieser Stelle auf seine Phantasie und liefert eine nüchterne Beschreibung, die nichts mehr von der irrealen Atmosphäre der anderen Schauplätze besitzt. Den Spannungsbogen kann Gibson zwar noch aufrecht erhalten, aber die Geschichte verliert immer mehr an dem, was Gibson´s frühere Werke auszeichnete... die Faszination des Aussergewöhnlichen. Der Handlungsablauf wirkt ab einem gewissen Punkt teilweise erschreckend holprig und offenbart die Schwäche der Geschichte an sich. Was sich anfänglich ganz angenehm als Einstieg in die Welt der Netz-Szene und der Informationsgesellschaft liest, entpuppt sich mit zunehmender Seitenzahl als verworrenes Konstrukt aus Fragmenten von Ideen und einer mässigen Story. Irgendwie wird man auch den Verdacht nicht los, dass die Anschläge vom 11.September nicht in die Planung des Buches passten. Gibson versucht dieses schreckliche Ereignis in die Story zu integrieren, aber es gelingt ihm nicht, einen echten Bezug zur Geschichte zu schaffen. Zwar versucht er gegen Ende, Handlungsfaden und Auswirkung des Anschlags zu verbinden, aber diese Lösung wirkt äusserst improvisiert. Die Fähigkeit Gibson´s, Protagonisten zu erschaffen, die enzigartig anders sind und Eigenschaften bzw. Interessen fernab jeglicher Normalität besitzen, ist ein weiterer Erfolgsgarant seiner Werke. Auch diesmal glänzt sein Können in diesem Bereich besonders stark auf und kann dadurch von der Unzulänglichkeit der Story ein wenig ablenken. Egal ob es die Hauptakteurin Cayce Pollard ist, die neben einem untrüglichen Sinn für Marketingmaßnahmen auch eine Neurose gegenüber bestimmten Markenlogos besitzt, oder die Randfigur eines Sammlers, der aus vielen alten ZX-81 Computern ein Kunstwerk erschaffen will... seine Charaktäre besitzen immer die Aura des Ungewöhnlichen. Das macht sie interessant und wegen ihrer Schwächen oder Eigenheiten liebenswert.

Fazit

Gibson versucht, die Sprache des Cyberpunk zu kultivieren und in der Gegenwart anzusiedeln. Er bemüht sich um einen sprachlichen Konsens zwischen der früheren Computergeneration, die vor 20 Jahren seine CP-Storys begeistert gelesen hat und seinem älter gewordenen Publikum, das sich seit Erscheinen von Neuromancer weiterentwickelt und mittlerweile seine Werte neu definiert hat. Dieser Versuch ist gelungen. Seine nervöse und hetzende Art, in kurzen Sätzen stakkatoartig ein Gefühl zu beschreiben oder einen Umstand zu erklären, funktioniert auch hier. Seine Stärke, fiktiven Romanpersonen durch manchmal absurde Leidenschaften und Eigenheiten Leben einzuhauchen, hat etwas Einzigartiges.

Leider ist der Wechsel zur Gegenwartsliteratur mangels einer gut durchdachten Story nur ein Teilerfolg geworden. Das Konstrukt von Teilgeschichten, die für sich alleine eine gewisse Faszination besitzen, zusammengebaut und auf Roman-Niveau gestreckt, hinterlässt den Eindruck des Unfertigen. Die hochgesteckten Erwartungen, die man an dieses Buch hatte, werden nur ansatzweise erfüllt und es bleibt dem Leser zu entscheiden, ob Gibson´s herausragender Stil die eklatanten Schwächen der Story zu einem kleineren Übel degradiert.

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