Dan Simmons: Olympos

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Dan Simmons: Olympos
Verlag
ET (D)
2006
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Olympos
ET (Original)
2005
ISBN-13
9783453521230

Informationen zum Buch

Seiten
960

Serieninfo

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Helena von Troja erwacht kurz vor Tagesanbruch vom Geheul der Luftschutzsirenen.

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Die Fortsetzung von ,,Ilium: Dies ist die Geschichte von Thomas Hockenberry, Philosophie-Professor und Homer-Experte, der nach seinem Tod im Auftrag der griechischen Götter vom sagenumwobenen Trojanischen Krieg berichtet. Es ist die Geschichte eines Ereignisses, das die Welt für immer verändert hat. Und es ist die Geschichte unserer Zukunft."

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Spoileralarm: Einige Kritikpunkte in dieser Rezension beziehen sich auf explizite Textstellen, deren Erwähnung für das Verständnis essentiell ist. Wer auf die Kenntnis dieser Textstellen keinen Wert legt sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen.

Inhalt:

Der zweite Teil dieses Science Fiction-Epos ist ein großes, allerdings nicht ganz ungetrübtes Lesevergnügen. Die Handlung von Homers Ilias, von griechischen Göttern vom Mars aus beobachtet und vom wiedererschaffenen Scholiker Thomas Hockenberry manipuliert, ist gegen Ende des ersten Teils dieses Epos zum Krieg der Menschen gegen die Götter geworden. Im zweiten Teil kehren sich die Fronten nun erneut um, es kämpfen die Menschen wieder gegeneinander, und die Götter des Olymps spalten sich in zwei rivalisierende Gruppen auf, die ihren Konflikt nun mit dem Ziel gegenseitiger Vernichtung direkt austragen. Im Zuge der Kampfhandlungen kommt es zu einem Zusammenbruch der Verbindung zwischen dem Mars mit dem Olymp und der Erde. Die Moravecs und die meisten Griechen schaffen es, rechtzeitig zu fliehen; nur Achilles bleibt auf dem Mars zurück und begibt sich mit Hephaistos’ Hilfe auf eine aberwitzige Reise durch die Unterwelt und zurück.

An anderen Schauplätzen ist die Handlung ähnlich aberwitzig und verworren. Die Altmenschen auf der Erde haben ebenfalls einen Krieg zu bestehen: Setebos, “Vater” von Caliban und ein haushohes gehirnförmiges Monstrum aus einer anderen Dimension, hat sich, nachdem Prospero ihn für Jahrtausende in einem Marsmeer gefangen gesetzt hat, nun auf die Erde begeben. Dieses Wesen ernährt sich von all dem menschlichen Leid und Unglück, das in der Biosphäre gespeichert ist; Orte wie Hiroshima oder Auschwitz sind also bevorzugte Futterplätze. Gleichzeitig greifen Heerscharen der bisher so friedlichen und servilen Voynixe die Altmenschen an; hochtechnisiert und absolut gewalttätig, sind sie den Menschen haushoch überlegen, so dass deren Bevölkerungszahl rapide schrumpft. Doch dann finden Daeman und Ada heraus, dass die “Larven” des Setebos die Voynixe in Schach halten können, allerdings auch eine große Gefahr für die Menschen darstellen. Während seine Freunde ihren Kampf ums Überleben ausfechten, wird Harman von Ariel, einer Verkörperung der Biosphäre entführt und mit Prospero auf eine besondere Reise geschickt.

Auch die Moravecs sind nicht untätig angesichts der bedrohlichen Aktivitäten auf Mars und Erde. Sie entführen den Odysseus aus dem trojanischen Krieg und starten mit ihm eine Expedition zur Erde, wo sie schlussendlich wesentlich in das Geschehen eingreifen.

Meinung:

Eigentlich ist es müßig, diesen 900-Seiten-Wälzer in einer Inhaltsangabe zusammenfassen zu wollen; die Perspektiven, Handlungsstränge und Protagonisten wechseln so schnell (und zunächst scheinbar zusammenhanglos), dass es kaum möglich ist den Überblick zu behalten. Die aus Teil 1 bekannten drei Handlungsstränge werden (zumindest teilweise) zusammengeführt, aber auch wieder in Einzelszenarien aufgesplittet. Simmons’ Strategie, die Spannung bis (fast) zum Schluss zu halten geht auf: Immer wieder wird der Leser episodenhaft mit Informationshäppchen gefüttert, die scheinbar zur Aufklärung beitragen, das Gesamtbild aber nur noch verwirrender erscheinen lassen. Als ob man ein Puzzle zusammen setzt, bei dem man gar nicht weiß was für ein Bild am Ende herauskommen soll. Zu diesem Eindruck trägt auch der Science Fiction-übliche “Technobabble” bei; Simmons wirft mit Fachausdrücken um sich, die man auch in astro- und quantenphysikalischen Lehrbüchern finden wird, die aber dem Normalleser wenig bis nichts bedeuten werden. Allerdings kann man sich manchmal auch die Frage nicht verkneifen, ob der Autor die Theorien wirklich selbst versteht, die er zur Erklärung seiner hochtechnisierten Welt verwendet.

Auch in diesem Buch wird wieder eindeutiger Bezug auf Werke der klassischen Literatur genommen, deren Kenntnis das Verständnis vieler Feinheiten zumindest erleichtert. Nicht nur sind Orphu und Mahnmut mit ihren (ebenso amüsanten wie tiefsinnigen) Diskussionen über Shakespeares Sonette und Proust wieder dabei, Orphu outet sich zu allem Überfluss auch noch als Joyce-Experte. Außerdem stellt sich heraus, dass fast alle handelnden Moravecs in Doppelleben als Trekkies führen (auch wenn dieser Bereich der menschlichen Kultur vielleicht nicht gerade unter “klassische Literatur” einzuordnen ist). Weiters tauchen mit Prospero, Setebos, Caliban und Sycorax die Protagonisten aus Shakespeares “Sturm” auf, sogar in ähnlichen “Verwandtschaftsverhältnissen”, außerdem ist natürlich Homers “Ilias” sprachlich und inhaltlich eine wichtige Referenz.

Großartig gezeichnet sind in diesem Band die Charaktere in ihrer ganzen Vielfalt. Viel mehr als im ersten Teil gewinnen Personen wie Hockenberry (der Beobachter mit dem merkwürdigen Loyalitätsverständnis), Achill (der Göttersohn mit dem Heldenanspruch) oder Daeman (der sich vom verwöhnten Bengel zum verantwortungsvollen Draufgänger wandelt) ein Gesicht und eine Persönlichkeit.

Leider ist es aber bei diesem Zweiteiler wie bei vielen anderen auch: Der zweite Teil kann nicht (ganz) halten, was der erste versprochen hat. Vor allem gegen Ende bekommt man das Gefühl, dass Simmons sich mit der Fülle seiner Einzelgeschichten, Handlungs-, Zeit- und Raumebenen und Protagonisten vergaloppiert und selbst den Überblick verliert. Vor allem der Schluss ist mehr als unbefriedigend; zwar bietet Simmons auf den letzten zweihundert Seiten einige Erklärungen an und löst einige Zusammenhänge auf, allerdings bleiben viel zu viele Fragen offen. Der finale Ausblick auf das zukünftige Leben der Altmenschen lässt sich schon fast metaphysisch an, während das Schicksal vieler Protagonisten im Gegenzug schlicht und einfach offen bleibt. Auch wird die Verwirrung, die durch die vielen Zeit- und Raumebenen in mehreren Dimensionen geschaffen wurde, nicht vollständig aufgelöst.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die extreme Gewaltdarstellung in Olympos; war schon “Ilium” kein wirklich pazifistisches Leseerlebnis, greift Simmons im Nachfolger noch öfter und für meinen Geschmack zu oft zu diesem “Stilmittel”. Dabei geht es weniger um die großen Schlachten, die das Geschehen bestimmen, sondern vielmehr um die explizite und extrem brutale Gewaltdarstellung in Einzelfällen. Beispiele wären z.B. die “Opferung” des Gottes an Paris’ Scheiterhaufen, das Duell zwischen Achill und den Amazonen oder Zeus’ Rachefeldzug an seinen Mitgöttern. Da wird gemordet, geschlachtet und gemetzelt, dass die ansonsten durchaus vorhandene Ästhetik des Ausdrucks dabei leider auf der Strecke bleibt.

Fazit:

Durchgehend spannende Lektüre mit einer Fülle von interessanten Ideen, geschrieben in einem großartigen, mitreißenden Stil - allerdings mit einem unbefriedigenden Ende.

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