Robert Corvus: Feuer der Leere

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Robert Corvus: Feuer der Leere
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783492704397

Informationen zum Buch

Seiten
496

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Wer kämpfte, war immer allein.

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Handlungsort

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Zwischen den Sternen tobt ein Krieg um tote Welten. Die letzten Menschen fliehen auf Großraumschiffen durch die Galaxis, gejagt von einem erbarmungslosen Feind. Um Nahrungsmittel aufzunehmen, muss die Flotte auf Cochada zwischenlanden, einem Planeten, der überraschende Ähnlichkeit zur Erde aufweist. Doch was bedeutet dieser Kontakt für die Bewohner des Planeten – ihren Untergang oder eine Blüte ihrer Zivilisation? Und während die Menschen um ihre Existenzsicherung kämpfen, ereignet sich auf der SQUID, dem einzigen außerirdischen Raumschiff der menschlichen Flotte, Unglaubliches. Denn die SQUID ist eine riesige Lebensform und Ugrôn, ein Besatzungsmitglied und Priester des Void, lauscht auf den Gesang des Schiffes in seinem Fleisch. Er betritt einen Pfad, den niemals zuvor ein Mensch beschritten hat.

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Die Zukunft der Menschheit

Die Erde wurde vor langer Zeit von den Giats vollständig zerstört. Die Menschheit, eine Million an der Zahl, lebt seither auf mehrere große Raumschiffe verteilt, die zusammen den Schwarm bilden. Der Schwarm dient der gemeinsamen Verteidigung gegen die Giats, denn der Konflikt zwischen Menschen und Giats hält nach wie vor an. Ansonsten haben sich auf den einzelnen Raumschiffen eigene Gesellschaftsstrukturen etabliert und auch die evolutionäre Entwicklung ihrer Menschen weicht voneinander ab. Ein Verlassen des Schwarms ist undenkbar, da damit die Verteidigung der Menschen entscheidend geschwächt würde. Ebenso steht immer wieder die Frage im Raum, was ein Mensch in seinem Menschsein ausmacht ob bestimmte Optimierungen oder Veränderungen an den Besatzungsmitgliedern notfalls mit Gewalt unterbunden werden müssen. Die Admiralin Demetra Egron steht voll und ganz hinter der traditionellen Haltung, dass Eingriffe in die Biologie des Menschen zu einer Schwächung der Spezies führt, aber ausgerechnet ihre beiden Kinder Starn und Rila beginnen, eigene Wege zu gehen.

Das Buch beginnt mit einem fulminanten Angriff der Menschen auf den Planeten G'olata, einem wichtigen Stützpunkt der Giats – im Rest des Buches spielen jedoch Weltraumschlachten eine untergeordnete Rolle, was mir gut gefällt, da ich am liebsten Science Fiction-Romane lesen, die mich zum Nachdenken anregen. Bei „Feuer der Leere“ geht es um die Zukunft der Menschen und ob das Zusammenleben in dem Schwarm die einzige mögliche Alternative ist, um gegen die Giats bestehen zu können. Wie würde sich der Mensch, dessen Evolution auf einem Planeten begann, entscheiden, wenn er plötzlich die Wahl hat, auf einem Planeten mit Schwerkraft oder weiterhin in einem Raumschiff in Schwerelosigkeit zu leben? Wenn das Leben in einem Schiff und in Schwerelosigkeit seit langer Zeit Normalität ist?
Ich konnte jedenfalls Starns Begeisterung, als er das erste Mal einen erdähnlichen Planeten betritt und ohne Maske atmen kann, sehr gut nachvollziehen, auch wenn die Raumschiffe jeglichen Komfort anbieten.

Die einzelnen Raumschiffe des Schwarms sind sehr unterschiedlich: da gibt es die MARLIN, die zwar eher militärisch straff geführt wird, aber per Mehrheitsbeschluss über anstehende Projekte entscheidet. Die SQUID wirkt dagegen sehr exotisch, handelt es sich bei ihr doch um ein organisches Wesen, welches den Menschen in ihrem Inneren Unterschlupf bietet. Mit ihren langen Greifarmen ähnelt sie einem Kalmar. Als einziges Schiff herrscht in ihr Schwerkraft – warum das so ist, ist ein Geheimnis, das bisher nicht gelüftet wurde.

Und dann gibt es noch die ESOX, deren Bewohner sich seit Jahren mit dem Computer des Schiffes verbunden und ihren menschlichen Körper technisch optimiert haben. Das jedoch führte innerhalb des Schwarms zu Unmut und hatte eine blutige Zerschlagung dieser Entwicklungen durch die restlichen Schwarmmitglieder zur Folge. Starn Egron war damals an diesem Einsatz beteiligt, jedoch haben die Erlebnisse dazu geführt, seine militärische Laufbahn aufzugeben – sehr zur Enttäuschung seiner Mutter, der Admiralin der MARLIN.

Starn hat sich seither auf das Gebiet der Xenobiologie verlegt, welches zur Aufgabe hat, Saatgut für die Verpflegung des Schwarms zu entwickeln und Planeten zu finden, die über geeignete Voraussetzungen für ein Ausbringen des Saatguts und spätere Ernte der Nahrungsmittel verfügen. Denn die Beschaffung bzw. Produktion von Nahrungsmitteln bei einem Leben in Raumschiffen stellt die Menschheit vor völlig andere Herausforderungen, wie bei einem planetengebundenen Leben. Das war etwas, über das ich mir zu Beginn des Romans kaum Gedanken gemacht hatte, welches aber eines der zentralen Themen des Buches ist.

Und immer beherrscht die Gefahr durch die Giats das Leben der Menschen: selbst, wenn sich ein Planet finden würde, auf dem die Menschen leben könnten, müssten sie fürchten, dass die Giats auch diesen Planeten wieder zerstören würden. Das Gleiche gilt für die Ernteflächen, welche von den Giats unbemerkt bleiben sollten.

Als Leser habe ich mich gefragt, ob dieser schon so lange anhaltende Konflikt überhaupt noch zu stoppen ist, ob es irgendwann eine Chance auf Waffenstillstand zwischen den beiden Völkern geben kann. Und auch auf diese Thematik wird in dem Buch eingegangen.

Wenn man bisher noch keinen oder nur wenige Romane aus diesem Genre gelesen hat, fühlt man sich sicherlich durch die vielen technischen Begriffe erstmal erschlagen – mir ging es nicht anders vor wenigen Jahren, als ich nach langer Zeit meine ersten Science Fiction-Bücher gelesen habe. Aber man kommt im Laufe der Lektüre immer besser rein und außerdem haben die technischen Details wenig Auswirkung auf das Verständnis der Handlung. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen im Anhang des Buches gegeben hätte. Der Autor hat jedoch im Rahmen unserer Leserunde diese Anregung aufgegriffen und ein Glossar auf seiner Homepage eingerichtet.
Ich muss hier lobend herausheben, dass es dem Autor mühelos gelingt, nüchtern-sachliche technische Informationen neben nahezu poetischen und philosophischen Überlegungen zu platzieren.

Die Charaktere sind wie gewohnt vielschichtig und über so manche Figur musste ich meine erste Meinung im Laufe des Buches revidieren. Ihre Entwicklungen haben mir jedenfalls gut gefallen.

Besonders gut gefallen haben mir die Erlebnisse von Starn und seinen Kollegen auf dem Planeten Cochada, mit dessen Bewohnern sie neue Handelsbeziehungen knüpfen wollen, um die Verpflegung der Menschen in nächster Zukunft sichern zu können. Zudem machen die Menschen auf Cochada eine verblüffende Entdeckung, mit der ich niemals gerechnet hatte.

Es werden viele Fragen aufgeworfen und nicht alle beantwortet, was allerdings bei der Komplexität der angesprochenen Themen und der Weite des Weltalls und des Rotraums nicht möglich sein kann. Das Buch ist als Einzelband ausgelegt, aber ich könnte mir vorstellen, dass es noch weitere Bücher zu diesem Universum geben könnte, in denen auch die anderen Schiffe des Schwarms eine Rolle spielen könnten.

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Spannende Reise im gnadenlosen Universum

Zugegeben - unerfahren auf dem Gebiet der Science-Fiction Literatur, hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, mit dem Roman vertraut zu werden! Wobei das Genre an sich nicht die Hauptschwierigkeit darstellte, sondern vielmehr die durchweg sehr detaillierten technischen und naturwissenschaftlichen Ausführungen.
Und ist man auf diesen Gebieten nicht ausreichend versiert, betrachte ich "Feuer der Leere" nicht unbedingt als ideales Einstiegswerk für Neulinge.

Doch hat es sich für mich gelohnt, mich, wenn auch mühsam, in die Materie und somit in den Roman hineinzudenken, was nicht zuletzt der hervorragenden Erzähltechnik eines Autors zu verdanken ist, dessen bildgewaltige Vorstellungskraft, überbordende Phantasie und fundierteste Sachkenntnisse mir das Lesen letztendlich zu einem fesselnden Abenteuer gemacht haben.
Ein Abenteuer auch deswegen, weil abgesehen von Technik und Naturwissenschaft die Protagonisten und ihre Interaktionen beim Leser zwangsläufig ein Nachdenken über grundlegende Fragen der Menschheit provozieren, das weit über die eigentliche Handlung hinausgeht und bei dem einen oder anderen nachhaltige, vielleicht sogar beunruhigende Wirkungen hat.

Die Handlung des Romans ist auf einige Monate begrenzt und konzentriert sich weitgehend auf eine Handvoll Protagonisten, die in dieser Zeitspanne allesamt einschneidende Erfahrungen machen, die ihr Leben grundlegend verändern werden. Am Ende des Buches haben sie nur noch wenig gemein mit denen, die sie zu Beginn der Reise durch die unermesslichen Weiten des gnadenlosen Weltraums waren, in den Robert Corvus den Leser bereits auf der ersten Seite seines beinahe 500 Seiten umfassenden Romans hineinwirft.
Er entwirft eine Welt, in der die Erde nicht mehr existiert und in der die, an der heutigen Bevölkerungszahl gemessen, wenigen überlebenden Menschen auf Großraumschiffen im Flottenverband durch die Unendlichkeit reisen, - auf der Suche nach Nahrung einerseits und auf der Flucht vor übermächtigen Feinden andererseits, die, wahre Tötungsmaschinen, die Menschen erbarmungslos jagen und die im Roman zwar zumeist unsichtbar, aber dennoch allgegenwärtig sind. Ein trostloses Leben, so mag es einem erscheinen, ein Leben, in dem es einzig ums Überleben geht, in der die Furcht vor dem Morgen ein ständiger Begleiter ist.

MARLIN, SQUID, ESOX - auf diese drei Großraumschiffe konzentriert sich die Haupthandlung; eine Nebenhandlung findet auf dem Planeten Cochada statt, der eine Atmosphäre besitzt und auf dem erdverwandte Lebensbedingungen herrschen. Auf dem aber auch seltsame Lebensformen, deren Herkunft vorerst im Dunkeln bleibt, ihr ebenso seltsames Leben fristen...
Sowohl auf dem Planeten als auch auf den Raumschiffen wird der Leser mit einer Art von Leben, vielleicht besser Existieren konfrontiert, das seine Vorstellungskraft übersteigt, das ihn verblüfft, erschreckt, in Erstaunen versetzt ob der technischen, heute - noch - undenkbaren Entwicklung oder in Entsetzen ob der Fremdartigkeit, angesichts derer er sich die Frage stellen mag, ob man hier überhaupt noch von Menschen sprechen kann. In besonderem Maße trifft dies auf das ungewöhnlichste der Raumschiffe, den lebenden Organismus SQUID zu, deren Bewohner körperliche Merkmale des Schiffes angenommen haben, das sie beherbergt...

Wie funktioniert ein Zusammenleben in der Zukunft, im Weltraum? Ist eine Koexistenz möglich mit all den Wesen, die das All bevölkern? Welche Wertvorstellungen sind unter so krassen Lebensbedingungen, in der Schwerelosigkeit, der Koexistenz und dem Überleben förderlich? Wie sieht das mit der emotionalen Ebene aus?
Immer wieder werden wir vor diese Fragen gestellt... Und es gibt keine einfachen Antworten...
So haben wir hier einen sehr komplexen Roman vor uns, der es dem Leser niemals leicht macht, der ihn aber auch bis zur letzten Seite nicht loslassen wird!

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Rezension "Feuer der Leere"

Die Zukunft im Weltraum scheint dystopisch zu sein. Jedenfalls im Roman "Feuer der Leere" von Robert Corvus. Die Menschen, die die Angriffe ihrer Feinde, der Giats, überlebt haben, leben auf 30 Großraumschiffen im All verteilt. Die Handlung des Romans kreist um einige Protagonisten, wie etwa der Soldatin Rila und ihrem Bruder, dem Xenofarmer Starn, der aufgrund eines Schicksalsschlages seine Soldatenlaufbahn beendete. Auf der SQUID, die eher ein gigantisches Lebewesen, als ein Raumschiff zu sein scheint, lebt Ugrôn, ein Priester der Kirche des Void, die die Leere als zentrales Element ihrer Religion ausmacht. Sie alle werden durch diverse Handlungsstränge miteinander verbunden.

Robert Corvus schreibt mit "Feuer der Leere" einen Science Fiction-Roman, der durch eine detailverliebte und mitunter sehr poetische Sprache zu glänzen weiß.
Dennoch muss man mit diesem Roman vorsichtig sein. Einerseits kann einen diese Detailverliebtheit aber auch zu schaffen machen. Gerade der Einstieg fällt hier recht schwer, da mit technischen und militärischen Fachbegriffen nicht gegeizt wird. Man wird sich auch als Neuling oder Unerfahrener auf dem Gebiet der Science Fiction dennoch in diesen Roman einarbeiten können, allerdings würde ich hier ein vorheriges Probelesen dringend empfehlen um zu sehen, ob man mit diesem Stil klar kommt.
Zudem erhält dieser Roman eine hohe philosophische und soziologische Komponente. Die zentrale Frage der philosophischen Aufklärung, was denn der Mensch ist und was ihn ausmacht, schwebt als grundlegende Frage über "Feuer der Leere". Damit sollte auch klar sein, dass es sich hierbei nicht um einfach gestrickte Unterhaltungsliteratur handelt, sondern um ein komplexes Werk, das das Mitdenken des Lesers nicht nur fördert, sondern meist auch fordert. Wem das nicht liegt, sollte sich eingestehen, dass "Feuer der Leere" wohl nicht der richtige Roman für ihn ist.

Wer jedoch mit diesen beiden "Hürden" des Romans klar kommt, findet eine sehr schöne Science Fiction-Geschichte vor, die zum Nachdenken und selbstkritischen Hinterfragen anregt.

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