Stephan R. Bellem: Welt aus Staub

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Stephan R. Bellem: Welt aus Staub
ET (D)
2012
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783800095537

Informationen zum Buch

Seiten
397

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Schlagworte
Erster Satz
Elaine nahm den breitkrempigen Hut vom Kopf und klopfte sich damit den Staub von der Hose.

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Im Jahr 2177 ist die Erde ein toter Planet. Ein Pilz hat sämtliche Vegetation vom Angesicht der Welt getilgt, und die überlebenden Menschen in die Zuflucht der Megacitys gezwungen. Einige wenige Reiche herrschen über Millionen von Mittellosen. In dieser dunkelsten Stunde der Menschheit erheben sich vier Menschen, um das Schicksal des Planeten zu verändern: Danny, ein junger Ingenieur in der einzigen Firma, die Lebensmittel herstellt; Tessa, eine Prostituierte, die sich Nacht für Nacht auf den Straßen einer der letzten Städte des Planeten durchschlägt; Elaine, eine Schmugglerin, die den sterbenden Planeten nach lebendigen Pflanzen absucht, die sie an den Meistbietenden verkaufen kann; und schließlich Sam, der an der ersten oberirdischen Plantage arbeitet, die die Menschheit vom Pilz befreien könnte. Wenn ihr Leben bis zu ihrer ersten Begegnung schon kein Zuckerschlecken war, so beginnt danach der Ärger erst richtig.

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Welt aus Staub

"1. Wer unverschuldet in den Besitz einer Pflanze jedweder Form, Größe oder Art gerät, hat dies unverzüglich zu melden und die Pflanze den Behörden zu übergeben.

Auszug aus den Notstandsgesetzen zur Eindämmung der Seuche von 2057"

Im Jahr 2177 haben sich die Menschen in Megacitys zurückgezogen. Die Natur ist komplett zerstört, nur nachgemachte Gerüche und Parks voller Kunstrasen erinnern noch entfernt an alte Zeiten. Vor den Toren der Stadt ist die Katastrophe noch deutlicher. Eine staubige, trockene Landschaft mit einem Pilz überzogen, erwartet die Mutigen, die sich auf die Suche nach echter Natur machen. Elaine ist eine von ihnen. Eine Jägerin die ihr Geld mit dem illegalen Handel und Verkauf der seltenen Pflanzen verdient. Diese sind längst zu einer begehrten Ware geworden, für die es sich auch zu sterben lohnt. Gemeinsam mit Tessa, einer jungen Prostituierten, kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die weitreichende Folgen für die Bewohner der Stadt haben könnte.

Ich als großer Dystopiefan bin hier natürlich gut aufgehoben. Mir gefällt das Setting einer pilzverseuchten Welt. Detaillierte Beschreibungen ließen mich sofort mit dem Roman warm werden und in diese Welt einfühlen. Dem Autor gelingt es mit Worten, die Selbstverständlichkeit der Natur als plötzlichen Luxus begreiflich zu machen. Wie riecht Holz und wie fühlt es sich an? Und was wird künstlich erzeugt, um den Menschen eine halbwegs normale Welt vorzugaukeln? Hierbei sind auch die Charaktere gut gelungen. Ihre Leben laden zum Spekulieren ein. Sie hinterfragen! Vorerst unabhängig voneinander bekommt man als Leser Einblicke in alle Gesellschaftsschichten.

"Welt aus Staub" regt zum Nachdenken an und beinhaltet passend zum harten Leben auch brutale Szenen und derbe Sprache. Als Dystopie für Jugendliche ist der Roman deshalb nur eingeschränkt zu empfehlen. Ich fand die Geschichte gut durchdacht von Anfang bis Ende, herrlich düster und mit überraschenden Wendungen abgerundet.

Ich habe bisher alle Romane von Stephan R. Bellem gelesen. Was bei "Die Wächter Edens" und "Portal des Vergessens" nicht gänzlich gelungen ist, ist hier deutlich besser. Endlich konnte auch ein Einzelroman völlig überzeugen. Danke, weiter so!

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Eine spannende und interessante Dystopie

Im Jahr 2177 ist nichts mehr so, wie wir es kannten. Fast alle Vegetation wurde von einerzerstörerischen Pilzkrankheit vernichtet und die seltenen Pflanzen, die es noch vereinzelt gibt, werden zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft. Elaine ist eine Pflanzenschmugglerin, immer auf der Suche nach dem kostbaren Gut draußen in der staubigen Wüste. Sam und Danny arbeiten für Food Corp., ein Unternehmen, das Mais in speziellen Gewächshäusern anbaut und so die Nahrungsgrundlage für die Menschen schafft. Tessa ist eine sehr junge Prostituierte, die sich dem täglichen Kampf um das Überleben stellen muss. Das Schicksal führt die Wege dieser vier Menschen zusammen und langsam kommen sie einer großen Verschwörung auf die Spur.

Stephan R. Bellem beschreibt ein Welt, in der es nur noch wenige Moralvorstellungen oder Ethik gibt. Lebensmittel sind Kunstprodukte, die Parks bestehen aus Plastikbäumen und Waldduft wird durch mechanische Bestäuber simuliert. Es ist eine sehr trostlose Dystopie, die der Autor und da vorlegt - und doch schimmern immer wieder hoffnungsvolle Momente durch:

"Er glaubte an eine bessere Welt, die es zu erreichen galt. Und sein Beitrag an ihr nährte seine Hoffnung auf eine solche Welt. Er hatte es ihr einmal mit einfacher Mathematik zu erklären versucht: "Wenn jeder nur an sich denkt, Elaine, dann ist an alle gedacht, richtig? Aber wenn jeder an all seine Mitmenschen denkt, dann ist an jeden Menschen fast eine Milliarde Mal gedacht."

"Welt aus Staub" wurde vom Jugendbuchverlag Ueberreuter veröffentlicht und der Autor verriet mir auf der Buchmesse Leipzig, dass seine Geschichte deshalb etwas entschärft werden musste. So viel sei gesagt: Man merkt es dem Buch nicht an. Teilweise kommt es höchst brutal und gewalttätig daher und man ist erstaunt über die derbe Ausdrucksweise. Mehr als überrascht hat mich der Autor dann weiterhin damit, dass er seine Protagonisten nicht schont und auch den einen oder anderen sehr sympatischen Charakter sterben lässt.

Es geht um Freundschaft und Heldenmut, Karma, Courage und den Gedanken, ob es sich für eine bessere Welt zu sterben lohnt. Doch die Menschen sind zuerst gefangen in der scheinbaren Normalität, ihrem gewohnten Alltag, der sie in Sicherheit wiegt:

"Das Zerrbild einer perfekten Idylle. Der Versuch, die Massenhaltung von Menschen mit dem Charme einer Vorstadt aus dem letzten Jahrtausend erträglich zu machen."

Das Buch wirft die Frage auf, ob der Mensch die Natur wirklich endgültig zerstören kann, oder ob die Natür schließlich über den Menschen triumpiert. Wir schaffen so unendlich viel Leid in Massentierhaltungen, Schlachtfabriken und mit der vollkommen respektlosen Behandlung unserer Umwelt. Doch ich glaube, dass die natur stärker ist, als wir es glauben. Sie wird sich immer erholen und alles zurückerobern, was der Mensch ihr abgerungen hat - spätestens dann, wenn es gar keine Menschen mehr gibt. Und wer weiß? Vielleicht kommt über uns auch eines Tages eine Pilzkrankheit - die Rache der Natur?

Insgesamt ist "Welt aus Staub" eine spannende und interessante Geschichte, die glücklicherweise keine Erwartungen auf eine Fortsetzung weckt. Ein paar sprachliche Mängel sind verzeihlich und auch, dass einiges im Verlauf der Erzählung vorhersehbar erscheint, mag daran liegen, dass sich das Buch vor allem an Jugendliche richtet. Zur Figur "Tessa" hätte ich mir weitere Hintergrundinformationen gewünscht, denn da bleiben einige Fragen offen. Aber letzten Endes muss auch nicht jeder Gedanke bis zum bitteren Ende geführt werden und so lässt mich das Buch mit einem zufriedenen Gefühl zurück.

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Blüht uns ein ähnliches Schicksal?


"Welt aus Staub" - Der Titel ist Programm, denn in Stephan R. Bellems Buch ist im Jahre 2177 sämtliche Flora vom Erdboden verschwunden, denn ein Pilz breitet sich aus und zerstört alles Grün von dieser Welt. Und die Menschen suchen Zuflucht in den Städten.

In einem dieser Orte lernen wir die Hauptfiguren kennen. Auf der einen Seite lernen wir Sam, Paul und Danny kennen, die ihren täglichen Arbeiten bei der Food Corps. nachgehen und somit ein geregeltes Einkommen haben und sich um Armut keine großen Gedanken machen müssen. Die drei Männer kennen sich schon von Kindheit an, somit ist ihre Freundschaft auch tiefgreifend.

Auf der anderen Seite lesen wir von Tessa und Elaine. Tessa, eine Prostituierte, die für ihr täglich Brot ihren Körper zur Verfügung steht und Elaine, eine "Försterin", sie sammelt außerhalb der Komplexe Pflanzen um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Die beiden fristen ihr Leben auf der Straße, doch sind es zwei gegensätzliche Persönlichkeiten, Elaine ist eine Kämpferfigur, die sich nicht scheut, in gefahrvollen Situationen sich mit aller Gewalt freizukämpfen, wovon wir während ihrer Entführung eine eindrucksvolle Kostprobe bekommen konnten, aber damit fingen ihre Schwierigkeiten so richtig anfingen.

Tessa hingegend scheint mir meist, wenn sie nicht ihrer Arbeit nachgeht, eine introvertierte bzw. ängstliche Person zu sein, der es im privaten Bereich an Durchsetzungsvermögen zu fehlen scheint. Aber Elain nimmt sich ihrer an und versucht sie zu beschützen, aber leider muss Tessa ihr Leben lassen, und Elaine versucht herauszufinden, was Tessa zu verbergen hat.

Auch auf der anderen Seite gibt es Verluste, Sams Freund Danny bringt sich um, aber im Verlauf kommen Sam Zweifel daran, ob es nicht doch ein Mord gewesen sein könnte und auch sein derzeitiger Stand in der Gesellschaft sieht er später kritischer, denn die Food Corp. bekommt auch ihr Fett weg, denn dort scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen, durch Rationierungen und Sanktionen bei Pflanzenbesitz und -handel kann sie sich die Macht sichern, die sie unabhängig von der Regierung auszuüben scheint. Auch wenn Sam in mancher Situation überhastet ängstlich handelt, so bekommt er gegen Ende seine Chance, mehr Mut zu zeigen.

Am Ende sind es sehr gegensätzliche Figuren, die sich zusammenschließen, um sich fur das Gute einzusetzen.

Stephan R. Bellem fügt die anfangs parallel laufenden Handlungsstränge gut zusammen, einerseits Sams Geschichte und andererseits Elains & Tessas Geschichte. Und mit fortschreitender Handlung kam auch die Spannung nicht zu kurz, man kann gut spekulieren, was es sich mit der Food Corp. auf sich hat und ob die Erde eine neue Chance bekommt, das alles bespickt mit sympathischen Hauptfiguren, aber auch mit traurigen Momenten.

Mein Fazit:
Ich war voh positiv überrascht, es gibt keine Längen, die den Lesefluss stocken, der Handlungsbogen ist nachvollziehbar und in aktuellen Diskussionen um Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und Umweltschutz fügt sich diese düstere Zukunfsvision gut ein, denn man bekommt ein Beispiel dafür, was passieren könnte, wenn wir weiterhin mit der Natur so gewissenlos umgehen.

Und von allen Personen, die her auftreten, bleibt mir Elaine am stärksten im Gedächtnis, denn sie befindet sich in ständiger Gefahr und tritt ihr mit einem starken Willen und einem Kampfgeist entgegen, den ich bei den anderen Personen etwas vermisse. Auch Sam ist anfangs sehr zögerlich und er kommt mir etwas grau daher, vielleicht weil er, zumindest in meinen Augen, etwa spießig wirkt und mehr mit seinen Gedanken und zu sehr mit seiner Trauer beschäftigt beschäftigt ist, als mit wirklich nennenswerten Aktionen.

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