Karen Duve: Anständig essen

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Karen Duve: Anständig essen
Verlag
ET (D)
2010
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783869710280

Informationen zum Buch

Seiten
335

Sonstiges

Schlagworte

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Lebt es noch oder isst du es schon? Ein Selbstversuch. "Die dringendste Frage zu Beginn meiner Bio-Phase: ob ich weiterhin Cola-Light trinken kann. Davon gehe ich nämlich aus. Cola-Light besteht doch sowieso ausschließlich aus Chemie. Da dürfte sich die Bio-Frage eigentlich gar nicht erst stellen." Karen Duve gehörte nicht eben zur Gesundheitsfraktion. Bratwürstchen und Gummibären wanderten genauso in ihren Einkaufswagen wie Schokolade und Curryketchup in 1-L-Plastikflaschen. Doch dann zog sie mit jemandem zusammen, der schnell den Spitznamen Jiminy Grille erhielt - nach dem personifizierten Gewissen der Holzpuppe Pinocchio. Denn Jiminy schrie auf, wenn Karen Duve nach der "Grillhähnchenpfanne für 2,99" griff.

Und Karen Duve musste einräumen, dass das Leben der "Grillhähnchenpfanne" vor ihrer Schockfrostung wohl eher unerfreulich gewesen war. So stellten sich vor der Tief kühltruhe schnell grundlegende Fragen: Darf man Tiere eigentlich essen? Und wenn Tiere nicht, warum dann Pflanzen? Wo beginnt die menschliche Empathie, und warum? Was sind wir bereit aus Rücksicht auf die Mitlebewesen zu opfern? Oder können wir sogar einen persönlichen Gewinn daraus ziehen, unsere Gewohnheiten zu ändern? Irgendwann wollte Karen Duve es wirklich wissen: Jeweils zwei Monate lang testet sie seitdem Ernährungsweisen mit moralischem Anspruch: Biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und am Ende sogar frutarisch, also nur das, was die Pflanze freiwillig spendet.

Parallel dazu setzt sie sich mit der dahinterstehenden Weltsicht auseinander - und liefert sich mit Jiminy Grille die unausweichlichen Verbalduelle. Erst kurz vor der Veröffentlichung dieses Buches wird sie eine Lebensentscheidung treffen - die, wie sie sich weiter ernähren und weiter leben will. Schonungslos und mit der ihr eigenen knochentrockenen Komik setzt sie sich jenseits aller Ideologien mit der Frage auseinander: Wie viel gönne ich mir auf Kosten anderer?

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Vollgepackt mit Informationen und Emotionen

Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war, eine wesentliche Änderung in der Ernährung als Experiment durchzuführen. Meist steht man nicht wirklich dahinter, es fehlt die innere Einstellung dazu. Viele Menschen übernehmen die Änderungen nicht in ihren Tagesablauf, nachdem der Versuch abgeschlossen ist. Sinnvoller wäre es m. E., die Umstellung langsam und maßvoll vorzunehmen, weil für das Gewohnheitstier Mensch der sanfte Weg weniger beschwerlich erscheint. Karen Duve hat es anders gemacht und darüber hinaus in wenigen Monaten gleich mehrere Ernährungsvarianten mit allen Konsequenzen durchprobiert. Angefangen bei Bioprodukten hat sie den Konsum von tierischen Produkten immer weiter eingeschränkt und zuletzt nur noch Früchte gegessen. Wie sie sich dabei körperlich fühlte (zumeist positiv), nimmt im Buch eine eher untergeordnete Rolle ein. Stattdessen stehen ihre Empfindungen im Mittelpunkt, die mit zunehmender Aufklärung über die fragwürdigen Methoden der Fleischproduzenten immer intensiver wurden. Duve hat sich umfassend informiert, mit vielen Beteiligten gesprochen und wurde im Lauf der Zeit immer kritischer, nicht zuletzt mit ihrem eigenen Verhalten, das sich bis vor dem Selbstversuch kaum von dem vieler anderer unterschied. Hat man einmal angefangen, in die Details einzutauchen, kann man die Augen vor den Tatsachen nicht mehr verschließen. Veranschaulichende Beispiele für die unzureichende Behandlung der Tiere gibt es im Buch genug. Es lässt sich leicht nachvollziehen, wie einer gedankenlosen Konsumentin langsam die Augen geöffnet werden und ein Prozess des Umdenkens einsetzt. Die Botschaft ist eindeutig:

Von fleischloser Ernährung profitieren nicht alleine Tiere, sondern auch Menschen. Die Umwelt wird durch Fleischproduktion in vielerlei Hinsicht geschädigt, und das ist kein Geheimnis mehr, sondern wird mehr und mehr thematisiert. Man muss nur Augen und Ohren offen halten und wird immer wieder darauf stoßen. Es ist ein globales Problem, zu dessen Lösung jeder Einzelne einen kleinen Beitrag leisten kann. Man darf nicht darauf setzen, dass Gesetze erlassen werden, die die fleischverarbeitende Industrie zwingt, anders mit den Tieren umzugehen. Jeder hat es selbst in der Hand, Einfluss darauf zu nehmen, indem er kein oder zumindest weniger Fleisch isst. Zuletzt bleibt die Frage, ob es überhaupt noch vertretbar ist, für den eigenen kurzen Genuss das Leid und den Tod vieler Tiere in Kauf zu nehmen.

Stilistisch ließ das Buch anfangs zu wünschen übrig. Karen Duve bedient sich einer sehr einfachen Sprache, die ihre Ernsthaftigkeit teilweise sehr in Zweifel zog. Das eine oder andere Mal kam doch der Verdacht auf, dass im Vordergrund nur das nächste Buch steht, auf das die Fans warten, und nicht das Thema. Mit dem Fortschritt des Experiments und einem gründlicheren Blick hinter die Kulissen wurde die Sprache ernsthafter und bekam mehr Sachbuchcharakter. Die immer wiederkehrenden teils kuriosen Berichte über ihre eigenen Haustiere verhindern aber, dass es inhaltlich zu einseitig wird.

Dieses Buch ist vollgepackt mit Informationen und Emotionen, abwechslungsreich und humorvoll geschrieben. Wer sich nicht sicher ist, ob er vegetarisch oder vegan leben könnte oder möchte, wer noch Gründe sucht, sollte es lesen. Zur reinen Unterhaltung ist es nur bedingt geeignet, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nach der Lektüre noch mit reinem Gewissen ein Schnitzel essen mag. Man mag sich die Autorin als Vorbild nehmen, die für sich selbst einen Kompromiss gefunden hat, um sich anständig zu ernähren. Es wäre zumindest ein Anfang.

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Nach Jonathan Safran Foers "Tiere Essen" gibt es nun auch ein Buch aus Deutschland, das sich mit mit diesem Thema auseinandersetzt. Karen Duves Herangehensweise ist allerdings ganz anders. "Tiere Essen" liefert hauptsächlich gut recherchierte Informationen zur Massentierhaltung, Karen Duve plaudert lieber übr ihr eigenes Leben.

In einem Selbstversuch ernährte sie sich jeweils zwei Monate lang nur von Bio-Produkten, dann vegetarisch, vegan und am Ende sogar fruktarisch. An ihren Erlebnissen und Erfahrungen lässt sie den Leser in ihrem Buch teilhaben. Es geht allerdings nicht annähernd nur um ihr Essverhalten. Viel Platz nehmen auch Episoden aus ihrem Privatleben ein, sie erzählt von ihren Haustieren, ihrer Mitbewohnerin, die den Anstoß zu diesem Experiment gab und auch von ihrer Familie, die meist wenig Verständnis aufbringt.

Das Buch ist durchaus unterhaltsam geschrieben, liest sich über weite Strecken mehr wie ein Roman, liefert aber trotzdem viele interessante Informationen über unser Essen. Viele Menschen machen sich leider keine Gedanken darüber, wo das Schnitzel herkommt, das mittags auf dem Teller liegt. Vielleicht kann Karen Duves Buch da einige Denkanstöße liefern.

Mir waren viele Dinge schon bekannt, die in "Anständig essen" thematisiert werden. Über Massentierhaltung hatte ich mich vorher schon eingehend informiert, interessant fand ich deshalb hauptsächlich die Kapitel über vegane Ernährung. Ein komplettes Kapitel ist zum Beispiel dem Verzehr von Milch gewidmet, die möglicherweise gar nicht so gesund für uns ist, wie man uns gerne einreden möchte. Eigentlich war mir auch klar, dass Kühe nicht freiwillig von ihren Kälbern getrennt werden und uns Milch liefern und auch die Hühner (sogar Bio-Hühner) nicht glücklich auf der Wiese stehen und hin und wieder ein Ei legen. Man muss das aber nochmal in aller Deutlichkeit gesagt bekommen, um seine Gewohnheiten und seine Ernährung vielleicht einmal kritisch zu betrachten und zu überdenken.

Für mich ist "Anständig essen" ein wichtiges Buch, das zwar für Leser, die sich mit dem Thema schon beschäftigt haben, nicht viel Neues liefern kann, vielen anderen aber in einem nicht belehrenden oder moralisierenden Ton die Augen öffnen kann. Mir persönlich war es aber gerade am Anfang des Buches zu viel Geplauder und zu wenig Information.

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