Hilal Sezgin: Artgerecht ist nur die Freiheit

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Hilal Sezgin: Artgerecht ist nur die Freiheit
Untertitel
Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen
ET (D)
2014
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783406659041

Informationen zum Buch

Seiten
301

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Schlagworte

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Tierquälerei ist schwer erträglich. Trotzdem lassen wir es stillschweigend zu, dass unzählige Tiere in Versuchslaboren gequält und in Mastställen und Schlachthöfen angeblich ?artgerecht? misshandelt werden, weil wir uns ein Leben ohne ?tierische Produkte? nicht vorstellen können. Wem dieser Widerspruch keine Ruhe lässt, der sollte Hilal Sezgins Augen öffnendes Buch lesen. Sie geht der Frage nach, ob wir Tiere im medizinischen Interesse malträtieren und ob wir sie einsperren, töten und essen dürfen. In einer lebhaften Auseinandersetzung mit anderen (tier-)ethischen Positionen plädiert sie dafür, Tiere als Individuen mit eigenen Rechten anzuerkennen ? auch in unserem eigenen Interesse. Am Ende dieser engagierten Tierethik steht die Vision einer Menschheit, die sich die Erde gerecht mit anderen Tieren teilen kann. Eine fulminant geschriebene Einladung zum Umdenken, der man sich nur schwer entziehen kann.

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Was ist artgerecht?

Die Schriftstellerin, Publizistin und Journalistin Hilal Sezgin fühlt sich bei den Themen Feminismus, Islam und Islamophobie in Europa, Tierrechte und Tierethik am wohlsten. Sie schreibt Artikel für verschiedene Zeitungen (ZEIT, taz etc.) und hat mehrere Bücher veröffentlicht und kommt auch im TV hin und wieder zu Wort - manche kennen sie vielleicht von Diskussionsrunden in "Hart aber fair". In "Artgerecht ist nur die Freiheit" widmet sie sich nun intensiv den Fragen der Tierethik.

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel und ich möchte hier gerne einige der Ansätze zusammenfassen.

1. Was heißt hier Ethik?

Um welche Tierarten geht es, wenn wir von Ethik sprechen? Und welche Grenzen werden denn überhaupt gesetzt, wenn wir von "Moral" reden? Haben Pflanzen nicht ebenso Gefühle? Diesen manchmal scherzhaft, manchmal durchaus ernst gemeinten Vorwurf dürfte jeder Vegetarier und Veganer schon das eine oder andere Mal im Leben gehört haben. Wo beginnt die moralische Verantwortung? Worin unterscheidet sich die Tatsache, ob jemand moralisch berücksichtigt werden muss zu der Frage, ob der andere überhaupt ein moralisches Wesen ist? Muss Moral alles Leid beseitigen? Ist es wichtig, eher ein Individuum oder eher die Spezies moralisch zu berücksichtigen?

2. Dürfen wir Tiere quälen? (Tierversuche)

Hier geht die Autorin unter anderem auf den Punkt Tierversuche ein. Es ist unbestritten, dass Tierversuche höchste Qualen für Tiere bedeuten. Doch passiert dies wirklich im Dienste der Menschheit und rechtfertigt so eine Qual das überhaupt? Natürlich beantwortet sie auch die Frage der persönlichen Betroffenheit, sobald der Satz in dieser Debatte hervor gekramt wird: "Diese Argumente mögen gut und schön sein, solange man nicht betroffen ist, aber wenn es mein Kind wäre, würde ich sogar tausend Mäuse dafür morden." Hilal Sezgin bringt entscheidende Einwände hervor, die gegen medizinische Tierversuche sprechen und man kommt nicht umhin, sie für ihre rethorischen Fähigkeiten zu bewundern.

3. Dürfen wir Tiere töten?

Wie romantisch kann der Tod sein? Ist Tiere töten wirklich natürlich? Und was ist überhaupt "Natürlichkeit"? Die Frage, dass man etwas essen muss, gibt keine Antwort auf die Frage, wem ich mit meinem Konsum schaden darf. Worin besteht der Wert des Lebens? Gibt es hierfür tatsächlich eine Checkliste, die man abhaken kann, um dann zu entscheiden: Dieses Leben ist es wert genommen zu werden - zu meinen Gunsten. Für einen kurzen Genuss?

4. Dürfen wir Tiere nutzen?

Hier begeben wir uns auf einen kurzen Ausflug zu Hof Butenland, dem sogenannten Kuh-Altersheim in der Nähe der Nordsee und besonderen Blick richtet Hilal Sezgin auf die dort lebenden Schweine. Weiterhin widmet sie sich dem Gedanken: Dürfen wir Tiere nutzen, ohne sie vorher zu quälen und schließlich zu schlachten? Dies ist eine Frage, die sogar viele Veganer immer wieder umtreibt. Wie definiert sich das "Tierwohl"?

5. Wie können wir mit Tieren leben?

Dieses Kapitel hat etwas von einem Résumé des Vorangegangenen, doch auch hier geht Hilal Sezgin auf weitere Fragen ein. Ist es nötig, dass wir die Natur vor sich selbst schützen? Oft argumentieren Landwirte, dass es den Kühen mit einem Dach über dem Kopf, regelmäßigem Futter und gesundheitlicher Kontrolle doch viel besser ergehe, als den Wildtieren. Der Tod im Schlachthaus nach so einem angenehmen Leben sei doch allemal besser, als von Wolf oder Löwe gerissen zu werden oder an Darmparasiten zugrunde zu gehen. Welche Verantwortung tragen wir als Menschen gegenüber der Umwelt und der Natur? Wie sehr ist die Gewalt gegenüber Tieren bereits institutionalisiert in unserer Gesellschaft?

Eine Bewertung des Buches fällt sehr schwer, denn Hilal Sezgin geht allen Fragen konsequent, logisch und wissenschaftlich fundiert nach. Allerdings wird ihr genau das manchmal zum Verhängnis. Die von ihr beschriebenen Thesen mögen alle stimmen - doch wie realistisch ist die Welt, die sie zeichnet? Alle Ansätze sind ebenso richtig wie die Aussagen "Kriege sind schlecht" oder "Rauchen schadet der Gesundheit". Trotzdem zeichnet sie eine Utopie und der Weg zur Realisierung wird für sehr lange nur einer sehr kleinen Menge von Menschen gangbar erscheinen. Kurzfristig umsetzbare Lösungsansätze fehlen - doch auch mir würde keine Alternative einfallen.

Das Buch rennt offene Türen ein bei Menschen, die sich mit Tierrechten und Tierethik befassen. Doch was ist die Zielgruppe? Ich tue mich mit solchen Büchern inzwischen schwer, denn für mich schreibt Hilal Sezgin logisch. Ich kann ihre Punkte nachvollziehen und lebe sogar weitgehend danach. Doch was ist mit den anderen? Denjenigen, die Tiere töten, nutzen und quälen - immer im Gedanken, das tun zu müssen, weil es die Natur oder die Gesellschaft oder auch einfach nur die Gewohnheit so vorgibt? Werden sie dieses Buch lesen? Werden sie es nachvollziehen können, sofern sie es wirklich tun? Ich weiß es nicht. Ich würde es mir aber sehr wünschen.

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