Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen

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Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Untertitel
Karnismus - eine Einführung
ET (D)
2013
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Why We Love Dogs, Eat Pigs, And Wear Cows
ET (Original)
2011
ISBN-13
9783981462173

Informationen zum Buch

Seiten
200

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Schlagworte

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In ihrem bahnbrechenden Buch Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen untersucht Melanie Joy, wie wir dazu kommen, manche Tiere als Freunde zu betrachten, andere dagegen als Nahrung ohne dass wir diese Unterscheidung plausibel begründen könnten.Joy erläutert die komplexen sozialen und psychologischen Mechanismen, durch die bestimmte Lebewesen in unseren Augen zu Lebensmitteln werden. Und sie zeigt, dass diese Mechanismen unterschwellig wirken, ähnlich wie bei anderen Formen der Diskriminierung. Für das unsichtbare Glaubenssystem, das darin wurzelt, hat sie einen eigenen Begriff geprägt: Karnismus .Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen ist also kein weiteres Buch, das uns erklärt, weshalb wir kein Fleisch essen sollten. Stattdessen erfahren wir hier, warum wir es tun, und erhalten so die Möglichkeit, unsere Konsumentscheidungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

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Lektüre, die zum Nachdenken anregt

An dieses Buch bin ich sehr skeptisch heran gegangen, war aber gleichzeitig auch sehr neugierig, was mich erwarten würde. Ich esse bis heute gerne Fleisch und bin immer noch nicht wirklich davon überzeugt, dass die rein vegane Ernährung wirklich gesünder sein soll. Trotz allem hat das Buch es geschafft mich zum Nachdenken anzuregen und mir zumindest Gedanken über die Häufigkeit meines Fleischkonsums zu machen und auch darüber von wo ich das Fleisch beziehe.

Vom Inhalt selber hat Melanie Joy einige interessante Fakten dargestellt, die mir so bis jetzt noch nicht bekannt waren und gerade auch die Zustände in den Schlachtbetrieben haben mich wirklich sehr entsetzt. Fließbandarbeit zum Töten von Tieren ist einfach pervers und alleine bei dem Gedanken daran schüttelt es mich immer noch.

Melanie Joy führt den Begriff "Karnismus" ein und vertritt die Hypothese, dass wir nur deswegen Fleisch essen, weil wir es nicht anders kennen. Darüber habe ich lange nachgedacht und bin immer noch zu keiner endgültigen Meinung gekommen. Was auf jeden Fall stimmt ist, dass es nicht nötig ist, dass wir so viel Fleisch essen und wir es damit einfach übertreiben. Wie mit so vielem in unserer Überflussgesellschaft. Damit hat sie mich auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt. Gut finde ich dabei, dass sie viele Inhalte mit Fußnoten versehen hat und dem Leser noch viele Hintergrundinformationen und Quellenangaben liefert.

Insgesamt baut sie das Buch sehr interessant auf und präsentiert interessante Inhalte und Thesen zum Thema "Karnismus" und wieso wir Fleisch essen bzw. vor der Qual der Tiere die Augen verschließen. Gleichzeitig schafft sie es aber nicht das Buch ohne erhobenen Zeigefinger zu gestalten und gerade gegen Ende des Buches wurde es mir dann doch etwas zu viel. Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich zuerst das Bedürfnis mich andauernd zu rechtfertigen, schließlich war ich wütend, aber dann habe ich mal versucht an meinen Emotionen vorbei auf das Buch zu gucken und dabei festgestellt, dass schon viele gute Dinge darin stehen. Das letzte Kapitel ist dann jedoch nochmal ganz stark der erhobene Zeigefinger und ich denke das Buch wäre besser gewesen, sie hätte dieses Kapitel weggelassen.

Alles in allem hat mich das Buch stark zum Nachdenken gebracht, auch gerade über meine eigenen Vorurteile und mich dazu angehalten, mich intensiver mit dem Thema Ernährung und Fleischkonsum zu beschäftigen. Jedoch befürchte ich fast, dass Melanie Joy mit diesem Buch keinen eingeschworenen Fleischesser von etwas anderem überzeugen wird können, da sie dafür zu sehr die Moralkeule schwingt. Eine aufrüttelnde Lektüre, die mir viel Stoff zum Nachdenken und Weiterrecherchieren gegeben hat.

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Es ist an der Zeit aufzuwachen!

"Karnismus ist auch eine gewalttätige Ideologie, denn Fleisch kann nicht ohne Töten produziert werden. Da die meisten Menschen Gewalt ablehnen, haben wir eine Reihe psychologischer und emotionaler Verteidigungsmechanismen entwickelt. Karnismus lehrt einen, wie man nicht fühlt, indem Tiere in "essbar" und "nicht essbar" eingeteilt werden."

Quelle, Interview: "Wir folgen unsichtbarem Glaubenssystem"

Dieses Buch hat mich schlicht und einfach überwältigt. Im Gegensatz zu "Peace Food" ist es sogar fundiert, denn hier wird die psychologisch-wissenschaftliche Seite des Fleischessens beleuchtet - zu 100% esoterikfrei.

Eigentlich dachte ich, dass das für mich eine recht entspannte Lektüre wird, aber weit gefehlt: Mein Kopf rauchte und jede Seite gab mir Stoff zum Nachdenken.

Es teilt sich in folgende Kapitel auf:

1. Lieben oder essen?
2. Karnismus: "Es ist halt einfach so"
3. Wie es in Wirklichkeit ist
4. Kollateralschäden: Die anderen Opfer des Karnismus
5. Fleisch und seine Mythen: Rechtfertigungen des Karnismus
6. Hinter dem karnistischen Spiegel: Der verinnerlichte Karnismus
7. Zeugnis ablegen: Vom Karnismus zum Mitgefühl

"Wie es in Wirklichkeit ist" zeigt die Hintergründe der Tierproduktion. Vieles davon kannte ich bereits und alles davon geht mir sehr zu Herzen. Es sind die Schilderungen, die keiner von uns wissen möchte, vor denen wir immer wieder die Augen verschließen. Dinge, die wir als Tierschutzpropaganda abtun, von denen wir aber dennoch insgeheim wissen: Es ist nur logisch, dass diese geschilderten Szenen der Wahrheit entsprechen müssen. Anders wäre unser Hunger auf Tier nicht zu bewältigen.

Veganer und manchmal auch Vegetarier müssen sich immer wieder vorwerfen lassen, dass sie einer Ideologie folgen, doch ist es nicht genauso Ideologie, etwas nicht zu hinterfragen, sondern zu tun, weil alle es tun und die eine Tierart in "essbar", die andere in "nicht essbar" einzuteilen, ohne dass man diese Einteilung genauer begründen könnte (mit Leid und Intelligenz funktioniert das nämlich nicht - dann hätten Hunde vor allem in Hinsicht ihrer Intelligenz das Spiel gegen die Schweine verloren und müssten auf unseren Tellern landen.

Sehr viele Überlegungen waren für mich ganz neu, obwohl ich mich ja nun schon recht lange mit dem Thema beschäftige. Die Ideologie des Fleischessens hat nun einen Namen erhalten: Karnismus. Damit wird sie benannt und aus dem Schatten geholt, sichtbar gemacht. Bewusst gemacht.

Im Gegensatz zum Vegetarismus oder Veganismus ist der Karnismus eine Ideologie, die auf flächendeckender physischer Gewalt aufbaut. Melanie Joy geht nun der Frage nach, weshalb die Mehrheit einer solchen Ideologie folgt. Dies macht sie durch und durch schlüssig und stattet alle Thesen mit wissenschaftlichen Quellennachweisen aus.

Zwar bezieht sich Melanie Joy im Buch auf die Situation in den USA, doch es gibt Fußnoten des Übersetzers, die klar machen: Deutschland steht dem in nichts nach. So verbringt auch hier der Großteil der Schweine sein Leben eingesperrt auf engstem Raum, obwohl freilebende Schweine täglich bis zu 50 km wandern. Das einzige Mal, dass sie ins Freie kommen, ist auf dem Weg in den Schlachthof. Auch hier werden die Ferkel kurz nach der Geburt ohne Betäubung kastriert und ihre Schwänze werden abgeschnitten (ebenfalls ohne Betäubung).

Viele Hundebesitzer und "Tierschützer" regen sich auf, wenn sie davon hören, dass z.B. Whippet-Welpen (Windhunderasse) kurz nach der Geburt ohne Betäubung die Wolfskralle abgeknippst wird. Genau diese Menschen essen ohne mit der Wimper zu zucken Schweinefleisch. Wo ist da die Logik? Wie kann man dieses Tun begründen?

Und doch ist es wichtig für uns, dass wir diese Unterstellungen, Tiere hätten eine höhere Schmerztoleranz, teilen. Bei Fischen ist das immer noch die gängige Ansicht, obwohl viele Forschungen inzwischen bewiesen haben, dass auch Fische sowohl Intelligenz als auch Schmerzempfinden besitzen. Auch das Leid der Milchkühe wird eindrucksvoll geschildert.

Am 01. Juni ist Weltmilchtag. Melanie Joy schreibt, dass eine Kuh ein natürliches Alter von rund 20 Jahren erreichen kann. In der Milchwirtschaft wird sie höchstens 4 Jahre alt, weil sie bis dahin körperlich völlig ausgepowert ist. Ihr letzter Gang ist der zum Schlachter. Rinderhack besteht übrigens zu einem großen Teil aus Milchkühen. Übrigens: Niedliche Kälbchen tummeln sich in fast jedem Kinderbuch. Doch wie ist die Wirklichkeit? Kälber sind Abfallprodukte der Milchindustrie. Ohne diese würde es wahrscheinlich gar kein Kalbfleisch geben.

Ein perverses, gewalttätiges System, das uns verdummen lässt.

Das Kapitel "Kollateralschäden. Die anderen Opfer des Karnismus" behandelt das noch weniger Offensichtliche: Das Opfer Mensch. Generell ist das alles überhaupt kein neues Thema. Bereits Upton Sinclair schrieb mit "Der Dschungel" ein Enthüllungsbuch über die amerikanische Fleischindustrie, die der deutschen nicht viel voraus hat.

Was hat sich geändert? Vieles: Allerdings wurde nichts besser, sondern schlimmer. Korruption, Profitwahn, Umweltschäden, Menschen- und Tierleid durch immer höhere Tötungszahlen sind seitdem fast explodiert. Viele neue Informationen bietet Melanie Joy. Ich wusste zum Beispiel nicht die Hintergründe der aktuellen "Kontrollmechanismen":

"In den 80er Jahren jedoch übertrugen neue Gesetze die Pflicht zur Qualitätssicherung von der Regierung auf die Betriebe selbst. Das bedeutet, dass heute nicht mehr in erster Linie staatliche Kontrolleure für die Detailkontrollen zuständig sind, sondern unternehmenseigene Mitarbeiter."

Joy bezieht sich hier auf Amerika und ich konnte kaum glauben, dass ähnliche Verhältnisse auch in Deutschland gelten. Doch auch hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht, wie eine Anmerkung des Übersetzers zeigt:

"Diese Aufgabenverteilung gilt seit 1987 auch in Deutschland. Die EU-Schlachtverordnung vom 01.01.2013 legt zudem auch den Tierschutz in die Hände der Schlachthofbetreiber selbst. Statt eines Amtsveterinärs ist nun ein unternehmenseigener Tierschutzbeauftragter für die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Behandlung und Betäubung der Tiere zuständig."

Da fragt man sich doch wirklich: Soll ich jetzt eigentlich lachen oder weinen? Mir war das völlig neu, es zeigt aber zu schön, wie unser System funktioniert.

Natürlich wird auch der ökologische Preis für unser Fleisch genannt. Die Nutztierhaltung zählt nach wie vor zu den zwei oder drei Hauptverursachern der wichtigsten Umweltprobleme (Aussage der Vereinten Nationen). Außerdem ist die Tierindustrie sehr wahrscheinlich der weltweit größte Wasserverschmutzer.

Dass die Meere leergefischt werden, ist bekannt. Viele Menschen essen deshalb lieber aus ökologischen Gründen Fische aus Aquakultur. Auch das ist eine Form von sich selbst in die Tasche lügen. Die meisten Fische aus dem Meer werden nämlich an Fische in Aquakultur verfüttert. Auch Zuchtfische leben in Massentierhaltung und durch diesen hohen Besatz an Tieren muss auch hier Antibiotika gefüttert werden - was bei ans Meer angeschlossenen Becken direkt in die Umwelt gespült wird.

Auf die gesundheitlichen Aspekte kommt Melanie Joy auch zu sprechen und sie stellt die Frage, weshalb auf tierischen Lebensmitteln kein Warnaufdruck angebracht wird (vergleichbar mit Zigaretten - an deren Konsum durchschnittlich weniger Menschen an Krebs sterben als durch Tierkonsum).

Das Kapitel "Fleisch und seine Mythen: Rechtfertigungen des Karnismus" behandelt die drei Ns zur Rechtfertigung: Fleischessen sei normal, natürlich und notwendig. Joy zeigt recht deutlich, dass diese drei Rechtfertigungen eigentlich gar nicht wissenschaftlich fundiert sind, sondern schlicht und einfach zum Prinzip gewalttätiger Ideologien gehören. Mythen als Tatsachen ausgeben und so kritisches Denken unterbinden. Sie untermalt dies auch mit einleuchtenden Beispielen aus der Geschichte der Menschheit. Diese Rechtfertigungen seien in unserem Bewusstsein so tief verankert, dass wir sie auch kaum hinterfragen.

"Denken wir zum Beispiel daran, dass der amerikanische Tierärzteverband AVMA Kastenstände befürwortet, 60 Zentimeter breite Käfige, in denen Sauen während der Schwangerschaft eingesperrt bleiben."

In Kapitel 3 wurde bereits erwähnt, dass genau diese Art der Haltung in mehreren Ländern und einigen US-Bundesstaaten also inhuman gilt, dass sie verboten ist. Übrigens: Auch unsere deutsche Bundestierärztekammer hat sich bisher noch nicht für ein Verbot der Kastenstände ausgesprochen.

Experten, denen die meisten Glauben schenken. Der Bock wird mal wieder zum Gärtner gemacht. Wie diese Sache mit der Ernährungsbildung durch McDonalds auf deutschen Schulen. Beim Lesen des Buches frage ich mich wirklich auf fast jeder Seite, wie ich so lange die Augen verschließen konnte. So viel Zeit, in der mein logischer Menschenverstand auf Urlaub war.

Melanie Joy öffnet die Augen. Sie zeigt, dass wir alle keine sehr freien Menschen sind in unseren Entscheidung. Wir agieren in einem sehr engen Spektrum und die meisten unserer Ansichten wurden uns mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Wer von uns hat sich als Kleinkind dafür entschieden, Babybrei mit Hühnchen zu essen?

Das Faszinierende dabei ist, dass Vegetarier und Veganer offensichtlich genau die Menschen sind, die sich gegen Systeme wehren. Die gesellschaftliche Norm aktiv hinterfragen. In Hollywoodfilmen wären sie vermutlich Helden. In der wahren Welt werden sie bestenfalls belächelt. Was sagt das über uns und unsere Gesellschaft aus? Parallel lese ich gerade "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do", das über die Menschen in Südkorea berichtet. Inzwischen habe ich immer mehr den Eindruck, dass wir ähnlich unfrei sind. Zwar auf eine andere Art und mit weniger Gewalt, die direkt gegen uns gerichtet ist - dennoch leben wir in diesem gewalttätigen System, verschließen die Augen, wiegen uns in Sicherheit und glauben nur das, was wir glauben wollen.

Das Kapitel "Hinter dem karnistischen Spiegel: Der verinnerlichte Karnismus" taucht noch tiefer in die menschliche Psychologie ein und die Autorin scheut nicht davor, diverse Fachbegriffe in den Raum zu werfen, sie in den Kontext zu setzen und anhand des Karnismus zu erklären.

Das Kognitive Trio besteht aus Verdinglichung, Entindividualisierung und Dichotomisierung. Diese Abwehrmechanismen sind psychische Prozesse, die bei übermäßigem Gebrauch zu abwehrbedingten Wahrnehmungsverzerrungen führen. Je mehr wir uns mit jemandem identifizieren können, umso mehr Empathie empfinden wir. Deshalb ist es innerhalb des Karnismus so wichtig, die Tiere nicht als Lebewesen zu sehen, sondern als Objekte. Und ganz besonders die Masse führt zu einer Entindividualisierung.

Kennt jemand das Tolstoi-Syndrom? Es ist im englischen Sprachraum ein gängiger Begriff für das Phänomen, dass wir Dinge mit der Zeit im Geiste wieder relativieren, verharmlosen:

"Ich weiß, dass die meisten Menschen, selbst die intelligentesten, Mühe haben, die Wahrheit - selbst die einfachste und klarste Wahrheit zu erkennen, wenn diese Wahrheit sie zwingt, Ideen für falsch zu halten, [...] auf die sie ihr Leben gegründet haben."
Lew Nikolajewitsch Tolstoi

Und noch ein tolles Zitat aus "Matrix" - Morpheus spricht zu Neo:

Du bist hier, weil Du etwas weißt. Etwas, das du nicht erklären kannst, aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht, was, aber es ist da, wie ein Splitter in deinem Kopf. [...] Ich will deinen Geist befreien, Neo. Aber ich kann dir nur die Tür zeigen. Durchgehen musst du ganz allein.

Jeden Tag treffen wir diese Entscheidung. Die meisten von uns treten nicht durch die Tür. Inzwischen fordert sogar die UN eine weltweite Hinwendung zu einer Ernährung ohne Fleisch und Milchprodukte.

Übrigens wurde die deutsche Ausgabe angepasst. Die amerikanische Ausgabe enthält einige Bezüge auf den Holocaust. In der Übersetzung entfielen einige Zitate, die eine zu direkte Vergleichbarkeit heutiger Formen von Unrecht zum Nationalsozialismus nahelegen.

Ein Buch, das sich in erster Linie an Fleischesser / Allesesser richtet, aber auch Vegetarier und Veganer dürften hier jede Menge Stoff zum Nachdenken bekommen.

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Ein Blick hinter die Kulissen

Inhalt:

Wer bestimmt, welche Tierarten wir essen und welche nicht? Denn seien wir ehrlich: Wer würde einen Hamburger mit Hundefleisch essen? Schweine und Kühe dagegen verputzen wir nur zu gerne. Woher kommt das und vor allem, wohin führt das?

Meine Meinung:

In diesem Buch zerrt Melanie Joy den bis anhin verdeckten Fleischkonsum ans Licht und gibt ihm einen Namen: Karnismus. Bisher wurden nur Vegetarier und Veganer "beim Namen" genannt, der Konsum von Fleisch wird als "normal" betrachtet und muss deshalb nicht extra benennt werden. Joy überschreitet diese Grenze und gibt dem Karnismus einen Namen.

Ebenfalls zeigt die Autorin die Hintergründe des Fleischessens auf: Warum essen wir Fleisch? Wieso wird es als normal angesehen, dass Milliarden von Tiere leiden und sterben, damit wir unsere Gelüste befriedigen können? Wieso aber essen wir keine Hunde?

Joy zeigt die Mechanismen hinter dem Fleischessen auf, unsere Gesellschaft. Zwar ist das Buch aus amerikanischer Sicht geschrieben, doch Fussnuten ergänzen das Buch um die Zustände in Deutschland. Hier kommt ans Licht, was sich eigentlich verstecken wollte: Lobbyismus, Konformitätsdruck und Vorurteile.

Ich habe einiges an neuen interessanten Fakten aus dieser Lektüre gewonnen und konnte einen eindrücklichen Blick hinter die Kulissen unserer Gesellschaft werfen. Dort sieht es nicht schön aus. Nicht für die Tiere, aber auch nicht für die Menschen. Es stimmt: Tierschutz ist auch Menschenschutz.

Als Vegetarier/Veganer bekommt man durch dieses Buch viele neue Hinweise geliefert, die einem vielleicht auch in der einen oder anderen (aufgezwungenen?) Diskussion hilfreich sein kann.

Leider muss ich sagen, dass das Buch damit die Zielgruppe trifft: Vegetarier und Veganer. Eigentlich ist das Buch auch für Narnisten gedacht und auch diese werden hier die Realität vorfinden. Aber leider auch Joys erhobenen Zeigefinger. Ab und an wurde es mir sogar zuviel damit, das letzte Kapitel mochte ich gar nicht mehr lesen.

Dass sich ein Karnist nach der Lektüre von Joys Werk tatsächlich dem vegetarischen/veganen Leben zuwendet - ich weiss es nicht. Ich selber mag den Zeigefinger nämlich auch nicht und wer Fleisch isst, bekommt ihn in diesem Buch deutlich zu spüren.

Fazit:

Ein aufschlussreiches Werk, das mich nachhaltig beeinflusst hat. Zum vollwertigen Veganer werde ich es wohl nicht schaffen, aber ich vermeide nun noch bewusster Milchprodukte als zuvor. Vielleicht hilft das Buch einigen Karnisten dabei, sich mehr Gedanken zu machen, was eigentlich alles nötig war, damit ihr Steak nun so auf dem Teller liegt, wie es das nun eben tut.



Melanie Joy
Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Karnismus - Eine Einführung
TB, 2. Auflage 2013
Compassion Media

978-3-9814621-7-3

Aus dem Amerikanischen von Achim Stammberger
Originalausgabe: Why We Love Dogs, Eat Pigs, And Wear Cows
Conari Press, San Francisco 2010

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Warum wir Hunde lieben ....

Das Thema Essen hat bei mir schon seit Jahren einen großen Stellenwert eingenommen, daher war ich natürlich umso interessierter an dem Buch. Leider könnte man sagen, bin ich doch schon Vegetarierin, aber auch mein Freund, der Allesesser war, bevor ich das Buch angefangen habe, hat sich dazu entschlossen, nun vegetarisch zu leben und ich will es ja mit einem veganen Monat probieren demnächst und gucke, wie es mir damit geht.

Zurück zum Buch:

Natürlich werden nicht alle Aspekte in dem Buch gleichermaßen behandelt, mir hätte eine soziologische Sichtweise, die stärker in den Fokus rückt, auch gefallen. Trotzdem bringt Joy viele spannende Aspekte auf, worüber nachdenken sich auch lohnt. Vor allem statistische Zahlen haben mich immer wieder erstaunt.

Leider hatte ich oftmals das Gefühl, dass viele Sätze bei Menschen, die unter anderem auch Fleisch esse, schlecht ankommen können, da sie viel zu belehrend klingen.

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