Jeffrey Eugenides: Middlesex

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Jeffrey Eugenides: Middlesex
ET (D)
2003
Ausgabe
CD
Format
Originaltitel
Middlesex
ET (Original)
2002
ISBN-13
9783899402810

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In einem griechischen Bergdorf am Hang des kleinasiatischen Olymp fing alles an. Ein junger Mann und eine junge Frau, die Geschwister Eleutherios und Desdemona Stephanides, fliehen vor den Türken nach Smyrna und, als die Stadt brennt, weiter nach Amerika. Es ist das Jahr 1922. Auf dem Schiff, weit weg von allem, erschaffen sie sich als einander Unbekannte neu: Sie heiraten, verbringen ihre erste gemeinsame Nacht in einem Rettungsboot.

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Ungeahnte Folgen hat die Liaison der Geschwister Eleutherios und Desdemona Stephanides zwei Generationen später: Ihre vermeintliche Enkelin Callie wird als Hermaphrodit geboren. Callie bzw. Cal erzählt in diesem Roman seine Lebensgeschichte, wie er als Mädchen aufgezogen wurde und nun als 41jähriger Mann in Berlin lebt. Dabei springt er zwischen seinem derzeitigen Leben, in dem er sich in eine asiatischstämmige Amerikanerin verliebt, und seiner Familiengeschichte. Hier holt er sehr weit aus und fängt damit an, wie sich seine Großeltern ineinander verlieben und wie sie schließlich nach Amerika kommen. Das Leben seiner Eltern wird genauso geschildert, wie Callies Leben als Kind und Teenager.

Spannend wird es dann vor allem, als Callie merkt, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Obwohl der Ich-Erzähler zwischendurch das Geschlecht wechselt, fiel es mir trotzdem nicht schwer, mich mit ihm/ihr zu identifizieren. Auch die anderen Charaktere sind sehr lebhaft, humorvoll und individuell gezeichnet. Es fällt auf, dass Eugenides sich von seiner eigenen Familiengeschichte zumindest hat inspirieren lassen. So ist er ebenfalls in Detroit geboren, seine Großeltern sind aus Griechenland und er hat sogar einige Jahre in Berlin gelebt. Auch wenn der Roman mit Sicherheit nicht autobiographisch ist, so trägt Eugenides’ Hintergrund sehr zur Authenzität des Geschilderten bei.

Der Autor packt sehr viel in sein Buch. Die Zerstörung von Smyrna, die eintönige Fabrikarbeit bei Henry Ford, die Rassenunruhen der 60er Jahre, das sind nur einige der zahlreichen Themen, die gestreift werden. Doch dies tut er so gekonnt, dass die Geschichte nicht überladen wirkt und man der Handlung fast atemlos folgt. Dennoch bietet das Buch viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren – ein Kunststück, das nicht vielen Autoren gelingt.

Bei mir hat sich fast sofort ein Lesefluss eingestellt und die über 700 Seiten flogen nur so dahin. Nur bei manchen Stellen habe ich etwas gestockt, z.B. bei den Rassenunruhen oder zum Ende hin, als Cal nach San Francisco abhaut. Auch hätte ich gerne mehr über Cals Zeit zwischen seinem 15. und 40. Lebensjahr gelesen. Dennoch hat der Roman ein stimmiges Ende, zumindest was die Erzählebene der Gegenwart betrifft.

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Die griechischen Geschwister Desdemona und Eleutherios, kurz Lefty, leben in einem kleinen Dorf, in dem es keine große Auswahl geeigneter Heiratskandidaten gibt. Als Lefty dennoch auf Brautschau geht, merken die beiden, dass sie mehr füreinander empfinden, als es Geschwistern erlaubt ist. Doch dann marschieren die Türken in Griechenland ein und als der Krieg immer näher kommt, verschlägt es Desdemona und Lefty bei der Flucht auf ein Schiff nach Amerika - von nun an sind sie nicht mehr Bruder und Schwester, sondern Mann und Frau.

Im gelobten Land angekommen, erblickt auch bald das erste Kind das Licht der Welt. Sohn Milton wächst zu einem stattlichen Sohn heran, doch Desdemona wird vom schlechten Gewissen über den geheimen Inzest geplagt. Milton bricht nicht mit der "Familientradition" und heiratet Cousine Tessi. Als sich das junge Ehepaar nach einem Sohn ein kleines Mädchen wünscht, bewahrheiten sich Desdemonas schlimmsten Befürchtungen: Wunschkind Calliope wird vom ältlichen Arzt als Mädchen identifiziert - ist in Wahrheit jedoch ein Hermaphrodit - ein Mensch, dessen Geschlecht nicht eindeutig ist.

Jeffrey Eugenides erzählt zwei Handlungsstränge parallel. Zum einen handelt die Geschichte von Cal - Calliope -, der als Mädchen aufwächst, dessen Gene aber überwiegend männlich sind. Cal erzählt seine Geschichte, erzählt, wie man sich als Hermaphrodit - als Missgeburt fühlt und welche Schwierigkeiten er in der Pubertät hatte, als sich alle Mädchen weiterentwickelten, man selbst aber "stehenbleibt". Zum anderen wird die Geschichte von Desdemona und Lefty, Tessi und Milton erzählt, die sich im Amerika der 20er bis 90er zurechtfinden müssen.

2003 wurde Jeffrey Eugenides mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet - amerikanische Familiensagen sind ja recht beliebt, wie wir bereits am Erfolg von Frantzens "Korrekturen" sehen konnten. Und ich muss zugeben: Ich kann mir nicht erklären, weshalb das Buch diese hohe Auszeichnung verdiente. Da soll nun nicht heißen, dass es nicht interessant wäre, denn das ist es durchaus. Dennoch fand ich es nicht so tiefschürfend und originell, dass ich mehr darin sehen würde als einige Stunden gute Unterhaltung. Doch dieses Prädikat gilt für viele Bücher. Erzähler Ulrich Matthes hat eine wunderbare Art, das Buch vorzulesen - Augen zu und genießen. Dies hilft dann sogar über einige Längen hinweg.

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Jeffrey Eugenides ist mit diesem Buch meiner Meinung nach ein Meisterstück gelungen. Ich würde es sofort wieder lesen und empfehle es unbedingt weiter. Eugenides beschreibt das Familienleben von drei Generationen und kommt dabei bei keinem wichtigen Thema zu kurz. Es ist wirklich sehr interessant und enthält viele kleine Details. Interessant ist auch der Schreibstil, es werden einige nicht alltagsgebräuchliche Wörter verwendet.

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Was tun, wenn ein Gendefekt über 250 Jahre unbemerkt von einer Generation zur nächsten vererbt wird und ausgerechnet bei DIR der Makel seinen Ausbruch findet? Was tun, wenn der untersuchende Arzt lieber in das Gesicht seiner Assistentin schaut, als die Genitalien eines Neugeborenen zu untersuchen? Als Mädchen geboren, durchlebt die hübsche Calliope Stephanides eine unbeschwerte Kindheit. Bis zur Pubertät. Während sich ihre Freundinnen langsam zu jungen Frauen entwickeln, passiert bei Calliope gar nichts; keine Monatsblutung, keine Brustentwicklung. Die daraus entstehenden Minderwertigkeitsgefühle und ein verstärktes emotionales und sexuelles Interesse an anderen Mädchen, stellen Calliopes Identität in Zweifel. Mehr durch Zufall erfährt sie, was sie tief im Herzen eigentlich schon ahnte: genetisch gesehen ist sie männlich, auch wenn die primären Geschlechtsorgane nicht voll entwickelt sind - ein Hermaphrodit. Aus Calliope wird Cal, aus einem zum Mädchen erzogenen Kind wird ein Mann. Die Selbstfindung des Protagonisten ist gebettet in eine über 70 Jahre umfassende Familiengeschichte. Gemeinsam mit den Romanfiguren verlässt der Leser auf der Flucht vor den Türken ein kleines griechisches Dorf, startet ein neues Leben im amerikanischen Detroit, erlangt Wohlstand während der Prohibition und entwickelt eine typisch amerikanische "vom Tellerwäscher zum Milionär"-Mentalität. Drei Generationen einer Familie leben gemeinsam in einem Haus; griechische Tradition und Aberglaube auf der einen Seite und moderner Lebensstil und Fortschrittsdenken auf der anderen führen zu lustigen, bewegenden und auch dramatischen Situationen. Dieser Roman ist voller Bilder, Erinnerungen, Ängste und Sehnsüchte. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte, die einfach nur erzählt und nicht bewertet wird. All das wird getragen durch den einnehmenden Schreibstil des Autors, der den Leser erst loslässt, als Cal seine Geschichte beendet hat. Ein sehr schönes und befriedigendes Buch.

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