Scott Lynch - Die Lügen des Locke Lamora (Gentlemen Bastard 1)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 27 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.


  • Die Figuren: können einfach alles. Unglaubwürdig!


    Das wundert mich, dass du das so siehst. Mir ging es genau umgekehrt. Es hat zwar jeder Charakter seine Stärken, aber auch eindeutige Schwächen! Locke ist z.B. ein ganz schrecklicher Kämpfer, eher mager und unsportlich. Er ist halt gut wenn es ums Schauspielern geht.
    Jean dagegen ist der große Bär, der sich eindeutig gut wehren kann. Er hat halt andere Schwächen. Die Zwillinge sind auch alles andere als perfekt usw. usw.


    Gerade bei Locke aber merkt man - vor allem in der zweiten Hälfte des Romans - dass er beiweitem nicht alles kann. Für seine Schwächen muss er ja auch bitter bezahlen.


    Dass die moderne Sprache in einem Fantasyroman nicht jedermanns Sache ist, kann ich aber verstehen. Ich fand es herrlich, dass alle so schön fluchen, aber das ist natürlich reine Geschmackssache. :zwinker:

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Na ja, die eigentliche Hauptfigur ist nicht Locke oder Jean, sondern das Team an sich. Und das ist mir eben zu perfekt.


    Was die Sprache angeht, ich habe nichts gegen ein paar Flüche. Aber nachdem ich dreimal von Lockes "bestialischen Schmerzen" gelesen habe, hatte ich genug. Wenn mir so etwas in einem Buch auffällt, dann ist es einmal zu oft drin.


    ***
    Aeria

  • Also ich bin momentan seeehr begeistert von Locke und seiner Truppe. Herrlich seine Pläne ... und die Tendenz dazu das sie eventuell schief gehen könnten :err: Ich finde ihn toll und auch die Art wie er jeden hintergeht, das macht mir momentan sehr viel Spaß und hilft mir darüber hinweg das ich die Adrian Mayfield Reihe schon durch habe. *g* Es war nämlich verdammt schwer ein richtig gutes Buch zu finden um den Abschied zu kompensieren.

  • Momentan zieht sich das Buch für meinen Geschmack etwas. Ich bin etwa bei der Hälfte angekommen und irgendwie passiert zwar sehr viel, aber mir fehlt etwas der Schwung. Durch den zweiten Handlungstrang fühle ich mich ausgebremst.
    Dabei finde ich beide eigentlich ziemlich gut, vor allem weil man durch die Hintergrundgeschichte nebenbei sehr interessante Dinge über Locke erfährt.


    Zwar sind bisher keine Frauenfiguren aufgetaucht die selbst größere Sprechpassagen hatten, aber es wurden trotzdem starke Frauen beschrieben. Das versöhnt mich damit das sie eben kaum in Erscheinung treten.


  • Zwar sind bisher keine Frauenfiguren aufgetaucht die selbst größere Sprechpassagen hatten, aber es wurden trotzdem starke Frauen beschrieben. Das versöhnt mich damit das sie eben kaum in Erscheinung treten.


    Scott Lynch ist einer der Autoren, denen ich das auch verzeihe. Ein Buch, das so viel Spaß macht (die Fortsetzung kann damit übrigens absolut mithalten), der darf auch mal auf die Frauen vergessen. In Band 2 gibt es dafür einige wichtige Frauen, die häufig auftreten. Bechdeln darfst du dann für uns, Holden. :breitgrins:

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  • Meine Meinung:
    Einerseits hat sich für meinen Geschmack die Handlung manchmal etwas gezogen, zu dem fand ich die Gefühlsebene von Locke oft nicht so überzeugend. Es hat mich vieles nicht berührt, obwohl es das durchaus hätte sollen. (Das erklärt meinen Abzug bei den Ratten)
    Ansonsten gibts aber nichts zu meckern. Vor allem Locke und seine Bande sind einfach grandios und seine Pläne tollkühn und selbstverständlich vollkommen größenwahnsinnig :err: Das hat einfach extrem viel Spaß gemacht. Außerdem ist Locke eben trotzdem kein braver Bursche. Er hat seinen Charme, aber eigentlich hat er einige Abgründe und trotzdem kann man kaum anders als ihn zu mögen. Diese Ambivalenz machte es für mich erst richtig interessant.
    Das man Lockes und Jeans "Karriere" in zwei Parallelen Zeitsträngen verfolgt war für mich erst kurz irritierend. Sobald ich mich aber dran gewöhnt hatte, fand ich beide Zeitebenen ziemlich interessant, vor allem weil man eine Menge über die Figuren in der Romangegenwart erfährt, ohne das diese Erzählebene gestört wurde. Hi und da hätte ich mir aber gerne mehr Bezugnahme auf die Vergangenheit gewünscht, auch wenn ich die Handlung sonst sehr gut fand.
    Jetzt habe ich nur ein großes Problem: Weshalb hab ich den zweiten Band noch nicht im Regal??? :grmpf: :grmpf:


    4ratten

  • HoldenCaulfield

    Hat den Titel des Themas von „Scott Lynch - Die Lügen des Locke Lamora“ zu „Scott Lynch - Die Lügen des Locke Lamora (Gentlemen Bastard 1)“ geändert.
  • Der Waisenknabe Locke Lamora wurde schon in jungen Jahren in der Kunst des Diebstahls unterwiesen und gehört nun zu dem Trüppchen der "Gentleman Bastards", die mit einem Arsenal an Verkleidungen und viel Phantasie kaum eine Gelegenheit für Diebereien, Betrügereien und andere reizende Beschäftigungen auslassen.


    Eines Tages werden sie unvorhergesehenerweise in politische Verwicklungen hineingezogen und stehen plötzlich zwischen allen Fronten und im Fokus so einflussreicher wie gefährlicher Gegner, allen voran Locke selbst, dem auf einmal ein Ruf vorauseilt, dem er sich selbst so gar nicht gewachsen fühlt, ist er doch weder besonders stark noch besonders schön noch ein besonders guter Kämpfer.


    Fasziniert hat mich an diesem Buch zuallererst der Schauplatz, die Stadt Camorr mit ihren schwimmenden Stadtvierteln, Türmen aus magischem Glas, dekadenten Adeligen und merkwürdigen Zeitvertreiben wie höchst blutrünstigen Kampfdarbietungen mit Mensch gegen Bestie, die an die Zirkusspiele im alten Rom erinnern.


    Die Gentleman Bastards hingegen brauchten eine Weile, um mir ans Herz zu wachsen, erst einmal waren sie mir zu unflätig, zu brutal und grob, und ausgerechnet Locke, die Hauptfigur, bleibt von seinem losen Mundwerk und vielen witzigen Bemerkungen abgesehen erst einmal reichlich blass.


    Es dauerte auch lange, bis ich in dieser hochkomplexen Welt wirklich angekommen war, zumal man sowohl eine Karte als auch ein Glossar vergeblich sucht und sich erst einmal längere Zeit orientieren muss. Und auch die politische Lage in Camorr ist verworren und unübersichtlich, so dass man sich nicht so leicht zurechtfinden kann. Das Verständnis wird zusätzlich noch durch Decknamen und falsche Identitäten erschwert.


    Irgendwann platzte dann aber der Knoten bei mir, während sich die Dinge nach und nach aufklärten, und die zweite Hälfte des Buches konnte dann mit viel Spannung und Dramatik punkten. Erfreulicherweise gewinnt Locke dann auch deutlich an Kontur und Charakter. Auf einen Teil der zahlreichen Kampfszenen hätte ich allerdings verzichten können, das war mir in der Häufung oft zu detailliert und zu unappetitlich.


    Was ich hingegen großartig fand, war Lynchs Ideenreichtum - von entzückend bis ekelhaft ist alles dabei, vieles blutrünstig oder gruselig und alles höchst kreativ. Und als ich sie erst mal gut genug kannte, habe ich mich auch köstlich über den superschwarzen Humor der Gentleman Bastards amüsiert.


    Nach dieser Achterbahnfahrt der Lesegefühle verspüre ich keinen unmittelbaren Drang nach dem zweiten Band, kann aber definitiv sagen, dass mich die zweite Hälfte des Romans ziemlich mit den Anfangsschwierigkeiten versöhnen konnte.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

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    (Agnès Varda)