Leo Tolstoi - Anna Karenina

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 69 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kati.

  • Leo Tolstoi: Anna Karenina. Insel Verlag. 1204 Seiten.


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    Die 1200 Seiten lange Geschichte gehört zu den großen Werken der Weltliteratur. Es ist eines der großen Liebesromane. Im Mittelpunkt stehen die Geschichten von vier Personen, zwei Männer Lewin und Wronskij sowie zwei Frauen, Anna und Kitty, die miteinander verbunden sind. Die Geschichte konzentriert sich bei den Frauen auf ihr Liebesleben, ein richtiges Berufsleben gab es ja damals auch noch nicht für sie und bei den Männern wird zusätzlich ihr berufliches Leben beleuchtet. Dabei wird in den immer kurzen, 5 - 10 Seiten langen Kapiteln, zwischen den verschiedenen Figuren hin- und hergesprungen. Typisch für Tolstois Stil ist die genaue, detaillierte Beschreibung einer Szene, z.B. ein Ball oder ein Pferderennen, um dann am Ende des Kapitels mit nur wenigen Sätzen, die Handlung mit einem manchmal überraschenden Ereignis voranzutreiben.


    Das Buch habe ich trotz des großen Umfangs auf allen Seiten mit Spannung gelesen. Es ist zudem einfach lesbar, da das Buch ohne schwierige Metaphern und philosphische Exkurse auskommt. Es gibt zwischendurch auch Ausführungen zum Wirtschaftssystem oder zur Jagd, aber auch diese Stellen fand ich interessant zu lesen, sie bilden die Grundstimmung des Buches, auf dem dann die ganz unterschiedlichen Liebesgeschichten aufsetzen. Gelangweilt habe ich mich nie, im Gegensatz zu Manns Zauberberg, auch bei Proust fand ich einige Stellen recht langweilig. Das ist die Stärke, aber auch zugleich die Schwäche des Buches. Mich reizt das Buch zumindest derzeit nicht zum Wiederlesen, ich kenne nun die im Vordergrund stehende, ergreifende Handlung, die durch ein sehr gutes Ende den Roman richtig abrundet ohne in Kitsch zu verfallen. Bei Mann und Proust habe ich nach der Lektüre anders empfunden. Da blieb etwas Geheimnisvolles zurück. Zudem klingt die Sprache meiner gewählten Übersetzung nicht immer elegant. Andere Autoren machen auf dieser Ebene erheblich mehr Spaß.


    Zur Ausgabe: Ich habe die Insel-Übersetzung gelesen, da ich mehrere Übersetzungen durch meine russische Kollegin habe prüfen lassen und ich diese von der Wortwahl her am nähesten am Original dran war, ob das natürlich auch für die "Stimmung" der Übersetzung gilt, mag ich nicht beurteilen. Bei Diogenes gab es aber beispielsweise zusätzliche Nebensätze, die im Original gar nicht vorkamen. Dennoch war ich mit dieser Ausgabe nicht richtig zufrieden. Zunächst einmal enthält sie keinerlei Anmerkungen, so dass die (wenigen) fremdsprachigen Passagen nicht übersetzt werden. Dann kommen Rechtschreibfehler hinzu. Der gewählte Buchstabensatz wirkt alles andere als schön, an vielen Stellen werden keine Ligaturen gesetzt, so dass zusammen geschriebene Wörter wie getrennt wirken. Ich würde daher eher die neue Ausgabe bei Manesse empfehlen.


    Trotz der erwähnten Kritikpunkte gebe ich die Höchstpunktzahl, da das Buch in der 1. Liga mitspielt. In der Champions League würde ich es aber nicht sehen.


    5ratten


    Gruß, Thomas



    EDIT: Betreff etwas angepasst. LG Seychella

    Einmal editiert, zuletzt von Seychella ()

  • Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben faellt mir sehr schwer, da ich nicht einmal weiss, ob es mir gefallen hat, oder nicht. Mein Kopf und mein Gefuehl sagen mir da zwei verschiedene Dinge.


    Auf der einen Seite ermoeglicht die detailreiche Schilderung einen Einblick in verschiedene Lebensweisen- und auffassungen der damaligen Zeit in Russland, auch durch die zahlreichen Diskussionen und die Gedanken der Protagonisten.
    Die Charaktere selbst sind vielfaeltig und zwiegespalten, es gibt keinen Helden in der Geschichte, niemandem, dem ich vorbealtlos saemtliche Sympatien zu- oder abgesprochen haette. Die zwei Liebesgeschichten, die sich hier gegenueberstehen sind alles andere als 'verkitscht', sondern sehr realistisch dargestellt, mit allen Fehlern, mit aller Unvernunft, allen Problemen und Zwietracht, die Anna zum Untergang, Lewin und Kitty zu Glueck und Ausgeglichenheit fuehren.
    Das ist es, was mir sehr gut gefallen hat, denn ich kann mit schwarz-weiss Malerei nichts anfangen. Beide Handlungsstraenge habe ich mit dem gleichen Interesse verfolgt, womoeglich den um Lewin und Kitty ein wenig mehr.
    Die ersten zwei Drittel habe ich verschlungen, und auch wenn ich das Buch zur Seite gelegt habe, hat es mich noch beschaeftigt.


    Andererseits bin ich auch der Meinung, dass man den Charakteren so viel Sympatie entgegenbringen muss, dass man deren Schicksal nicht mit einem gewissen Mass an Gleichgueltigkeit verfolgt. Das sagt mein Gefuehl.
    Und ich muss sagen, dass ich mich vor allem am Ende sehr ueber Lewins Ausfuehrungen ueber das Wirtschaftssystem gelangweilt habe. Seine Zerissenheit im Hinblick auf das Leben und den Tod interessierte mich, aber seine Wirschaft konnte mich nicht fesseln. Ich denke, weniger, klarere Worte im Hinblick darauf haetten auch gereicht.
    Und es gibt eine Stelle im Buch, bei der ich schon verstehe, warum es so ist und nicht anders, die mich aber trotzdem geaergert hat.
    Nach dem emotionalen Hoehepunkt des Buches, in dem der Leser die ganze Verzweiflung, die ganze Zerrissenheit Annas versteht und dann der schreckliche Moment, in dem sie sich klar wird, einen Fehler zu begehen, als es zu spaet ist- und das ganze naechste Kapitel widmet sich der Veroeffentlichung des Buches eines Nebenprotagonisten. Dabei hat sich der Tolstoi bestimmt ins Fauustchen gelacht, dachte ich mir gestern nacht, doch auf der anderen Seite halte ich das Ende schon fuer gelungen.


    Das ist meine wiederspruechliche unqualifizierte Meinung zu dem Buch. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es eins der Buecher ist, ueber das ich noch ein wenig nachdenken und dann zu einem anderen, oder zumindest klareren Schluss kommen werde.


    Viele Gruesse,
    Anna

  • Mir hat Anna Karenina damals sehr sehr gut gefallen auch wenn ich sicher drei Monate mit diesem Buch verbracht habe. Aber ein Roman den man mal eben nebebei liest ist es ja nicht. So habe ich ihn in Häppchen gelesen und am Ende richtiggehend genossen. Ich hatte nur Probleme mit den vielen Namen, irgendwann hab ich mir dann eine Liste gemacht und nach und nach hatte ich dann einen Überblick der mir doch recht hilfreich war.

  • "Anna Karenina" ist mein absolutes Lieblingsbuch. Wie oft ich es gelesen habe kann ich nicht mehr sagen, aber bei jedem Lesen (ich bin sicher schon deutlich im 2-stelligen Bereich) finde ich neue Details, die mir vorher nicht aufgefallen sind, gehen meine Gedanken in neue Richtungen. Vor etwa 3 Jahren las ich es zum letzten Mal, ich merke schon es wird langsam wieder Zeit.


    Phistomefel
    Auch wenn du schreibst, du weißt nicht so wirklich was du von den Buch halten sollst, gefällt mir deine Rezi sehr gut. Du bringst deine zwiespältigen Gefühle gut zum Ausdruck und belegst sie mit Beispielen. Für mich ist "Anna Karenina" ein Buch, dass sich in Kopf erst "setzen" muss. Es hat den Anschein, bei dir arbeitet es auch noch nach. :zwinker:

    Liebe Grüße<br />Karthause :schmetterling:<br /><br />Die Kunst zu lesen, in ein Buch hineinzufallen, darin zu versinken, kaum noch auftauchen zu können, ist ein Stück Lebenskunst. <br />Elke Heidenreich

  • Ich habe bis jetzt 300 Seiten von Anna Karenina gelesen und bin total begeistert.


    Man erfährt so viel über das Leben in Russland und wie die Leute ihre Zeit verbracht haben.


    Und die Romanze rund um Anna Karenina berührt mich auch total.

  • Die Figuren in "Anna Karenina" wirken so lebendig, dass man sie sich förmlich vorstellen kann. Überhaupt nimmt einen die Geschichte so mit, dass man die russische Landschaft, die Städte und die Gutshöfe vor seinem inneren Auge sieht. Ich weiß zwar nicht, ob es schon eine Verfilmung gibt aber wenn nicht, hoffe ich, die lassen die Finger davon und zerstören nicht die Bilder und Vorstellungen, die sich im Laufe des Leseprozesses formatieren...


  • Die Figuren in "Anna Karenina" wirken so lebendig, dass man sie sich förmlich vorstellen kann. Überhaupt nimmt einen die Geschichte so mit, dass man die russische Landschaft, die Städte und die Gutshöfe vor seinem inneren Auge sieht. Ich weiß zwar nicht, ob es schon eine Verfilmung gibt aber wenn nicht, hoffe ich, die lassen die Finger davon und zerstören nicht die Bilder und Vorstellungen, die sich im Laufe des Leseprozesses formatieren...


    Doch, soweit ich weiß, gibt es eine Verfilmung. Hab sie aber noch nicht gesehen.

  • Oh, na war ja klar. :smile:Ist aber wahrscheinlich ne ältere?

  • Also laut amazon gibt es mehr als eine Verfilmung^^


    Die neueste dürfte mit Sophie Marceau sein. Die habe ich mal gesehen und fand sie nicht schlecht. Sie beschränkt sich aber stark auf die Liebesgeschichte, ich denke das dies bei allen Verfilmungen der Fall ist.


    KLICK

  • Ich habe mir Anna Karenina in den Ferien vorgenommen, da mir doch immer nur die eine Meinung von anderen in Erinnerung war: Tolstoi liest sich sehr sehr schwer. Das war aber absolut nicht mein Eindruck, ganz im Gegenteil. Der Stil erinnert mich doch sehr (und das soll jetzt kein Sakrileg an die Literatur sein) an Vom Winde Verweht, was eines meiner liebsten Bücher ist! Beide sind fiktive Geschichten im historischen Kontext mit wirklich interessanten Frauenfiguren, und der Schwierigkeitsgrad beim Lesen ist einigermaßen vergleichbar.


    Zum Thema Übersetzung, ich habe AK auf englisch gelesen, in der Übersetzung von Pevear und Volokhonsky. Die beiden sind preisgekrönte Übersetzer und haben sich auf die großen russischen Autoren spezialisiert; außerdem ist die Ausgabe annotiert, sodass alles über Politik, Wirtschaft etc kurz erklärt ist. Sogar eine Liste der Hauptfiguren mit Empfehlungen zur Aussprache findet sich darin. Ich kann die Ausgabe wärmstens empfehlen.


    Es macht mir wirklich Spaß, dieses Buch zu lesen. Allerdings muss ich persönlich der Aussage widersprechen, Tolstoi fände sich gut in die Frauenpsyche ein. Wenn ich beispielsweise an Hardy und Tess of the D'Urbervilles denke, finde ich dort ein viel tieferes Verständnis. Zeitweilen ist mir AK ein bisschen zu oberflächlich. Das macht es zu einem besseren Unterhaltungsroman als Tess, aber letzteres hat mich weitaus mehr bewegt.

  • Handlung:
    "Anna Karenina" erzählt die Geschichte der Frau des Staatsbeamten Karenin, welche sich in den Grafen Wronskyij verliebt und mit ihm eine Affäre beginnt. Damit zieht sie automatisch die Missgunst der russischen Adelsgesellschaft auf sich und ihren Liebhaber.
    Zur gleichen Zeit kriselt es auch in der Ehe von Anna Kareninas Bruder Spepan Oblonskij und dessen Frau Dolly.
    Einzig und allein der Freund von Stepan Oblonskij, Konstantin Ljewin, ist eigentlich guter Dinge, ist er doch unsterblich in die junge Prinzessin Kitty Schtscherbazkaja verliebt.
    Dann überhäufen sich die Ereignisse.
    Wird sich das Ehepaar Oblonskij wieder zusammenraufen und wird Konstantin Ljewin die Dame seines Herzens erobern können? Und wird Anna Karenina endlich ihr persönliches Glück finden und behalten können?

    Meine Meinung:

    "Anna Karenina" ist eines der großen Werke von Leo Tolstoi aus dem Jahr 1877/1878 in welchem er über Liebe, Ehe und Moral im Russland des 19. Jahrhunderts schreibt. Neben langen Dialogen über die Wirtschaft findet man hier in insgesamt acht Teilen auch Jagdszenen und wunderschöne Landschaftsbeschreibungen.
    Auf 1300 Seiten erzählt Tolstoi die Geschichten von drei Familien, die, teilweise verwandt und teilweise befreundet, eng miteinander verbunden sind. Er beschreibt jede einzelne seiner Hauptfiguren charakterlich sehr ausgeprägt und spart auch nicht an Details und für das Gesamtbild wichtigen Handlungssträngen.
    Wer kein Französisch kann, sollte eine Ausgabe mit Übersetzungen lesen, da im 19. Jahrhundert in Russland oft Französisch gesprochen wurde und Tolstoi diese Redewendungen in der Originalsprache wiedergegeben hat. Auch an (teilweise groben) Rechtschreibfehlern darf man sich bei manchen Übersetzungen nicht stören.
    Wer Tolstois "Anna Karenina" liest, erhält somit einen detaillierten Einblick in die politische, wirtschaftliche und soziale Welt des russischen Adels und lernt diese Welt kennen und lieben. Wer "Anna Karenina" nur um Annas Geschichte willen liest, wird allerdings vom 8. und somit letzten Teil des Romans sehr enttäuscht sein.
    "Anna Karenina" ist nicht nur ein Roman für lange Winternächte. Wer ihn gelesen hat, wird ihn weiterempfehlen wollen.


    Mein Fazit:
    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus: (der 8. Teil verdient eine halbe Ratte Abzug)


  • Wer "Anna Karenina" nur um Annas Geschichte willen liest, wird allerdings vom 8. und somit letzten Teil des Romans sehr enttäuscht sein.


    Finde ich nicht, auch die Geschichte Annas finde ich bis zum Schluss faszinierend.


    Gruß, Thomas

  • Finde ich nicht, auch die Geschichte Annas finde ich bis zum Schluss faszinierend.


    Ich auch nicht. Soweit ich mich erinnern kann, hat mich der letzte Teil sogar besonders beeindruckt.


    :winken: kat

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    Dieses Buch bietet so viel Diskussionsstoff, dass es gar nicht möglich ist, hier in Kürze alles anzusprechen. Hier also nur ein kleiner Ausschnitt meiner Meinung:


    Was soll ich sagen? Ich habe dieses Buch vor zehn Minuten beendet und bin total geflasht. Ich schwebe zwischen Trauer (dass ich viele liebgewonnene Figuren jetzt verlassen muss), Freude (über ein gelungenes und emotionales Leseerlebnis) und ein kleines bisschen Stolz (dass ich ein so dickes Buch geschafft habe).


    Trauer
    Wie gesagt, mir werden die ganzen Charaktere noch eine Weile fehlen. Für meine Verhätlnisse habe ich sehr viel Zeit mit ihnen und ihrer Geschichte verbracht und jetzt von ihnen Abschied zu nehmen, fällt mir schwer.
    Die ganze Atmosphäre rund um die Handlung hat mich gefangen genommen. Tolstoi vermochte seinen Figuren durch seine vielen, kleinen Beschreibungen Leben einzuhauchen und sie aus verschiedenen Blickwinkeln heraus dem leser zugänglich zu machen. Keine der Personen ist in seinem Handlen und Denken perfekt, trotzdem hat jeder etwas Nettes oder zumindest Positives an sich. So gibt es auch keine Figur, von der ich sagen könnte, dass ich sie total verabscheue, denn letztendlich handeln alle aus ihrem Innersten heraus und nicht aus Bösartigkeit.
    Ljewin und Kittys Geschichte hat mich dabei sogar noch mehr berührt als Anna und Wronskijs. An einigen Stellen musste ich mir glatt eine Träne verdrücken, ich weiß jetzt schon, dass ich beim Film heulend dasitzen werde. Als Kitty erkennt, dass sie den "Falschen" abgewiesen hat, Ljewins und Kittys Versöhnung und ihr gemeinsames Leben danach mit all ihren Höhen und Tiefen ... ganu großes Kino! Besonders sympathisch finde ich dabei Ljewins Erkenntnis, dass auch eine Heirat aus Liebe nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen mit sich bringt. Auch die Geburtsszene ist zu köstlich, man sieht Ljewin richtig vor sich, wie er aufgeregt hin- und herflattert. :breitgrins:
    Aber auch die Liebesgeschichte rund um Anna und Wronskij hat mich mitgerissen. Die Beschreibungen ihrer entflammten Liebe und der unaufhaltsame gesellschaftliche Abstieg Annas bis hin zum Scheitern ihrer Beziehung haben mich immer wieder den Atem anhalten lassen. Ich finde es wunderbar, wie Tolstoi sich in die Gedanken der Personen einfühlen kann und diese beschreibt. Einziger Kritikpunkt: Warum hat Anna sich nicht vor ihrer Reise nach Italien scheiden lassen? Damit wäre so viel Leid verhindert worden!
    Allgemein finde ich aber, dass die Charaktere aus ihrer Situation und ihrem Stand heraus recht schlüssig gehandelt haben, was mir wirklich sehr gut gefallen hat.


    Freude
    Im Nachhinein (und auch Zwischendurch) habe ich mir oft überlegt: "Das Buch hat 1200 Seiten ... da muss man doch irgendetwas weglassen können!" Aber ehrlich gesagt, fällt mir nichts ein, das man weglassen könnte. Gut, einiges an politischen und wirtschaftlichen Diskussionen hätte man vielleicht kürzen können, allerdings ist das eine rein persönliche Meinung. Ich kenne mich mit dem Zaren-Russland überhaupt nicht aus und fand deshalb keinerlei (oder nur sehr geringen) Zugang zu diesen Diskussionen. Aber ansonsten finde ich sämtliche Ereignisse wichtig und auch unterhaltsam, so dass ich mich sehr selten gelangweilt habe.
    Überhaupt war dieses Buch ein besonderes Leseereignis. Ich freute mich mit den Figuren, litt mit ihnen und hoffte ständig auf ein gutes Ende (obwohl ich schon vorher wusste, wie es ausgeht). Ein bisschen nervig fand ich Annas Eifersuchtsanfälle zum Ende hin, allerdings kann ich sie auch teilweise verstehen. Sie fühlt sich sehr, sehr einsam und der Mann, für den sie all ihr Leid in Kauf nahm, kümmert sich recht wenig um sie. Dazu noch das Morphium und die Trennung von ihrem Sohn ... da verliert man schon mal die Nerven.
    Erstaunlich fand ich übrigens, dass ein Mann zu Tolstois Zeiten sich mit dem Denken und Fühlen einer Frau beschäftigt und das meiner Meinung nach auch gut gelingt.


    Stolz
    Ja, ich bin tatsächlich ein kleines bisschen stolz darauf, dass ich ein so dickes und gewichtiges Buch gelesen habe. Hätte ich schon vorher gewusst, wie viel Freude es mir bereiten würde, hätte ich es schon viel früher gelesen. Aber gut, dass denke ich mir bei vielen Büchern. :breitgrins:


    Insgesamt ein Buch, dass jetzt nicht nur als "gelesen" abgestempelt wird, sondern bestimmt für längere Zeit in meinem Herzen und meinen Gedanken verweilen wird.


    4ratten

    "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)

    Einmal editiert, zuletzt von mondy ()

  • Ich versteh es nicht... ich habe mich mühsam bis zur Hälfte durchgeqält und es doch bei Seite gelegt. Nachfolgende Versuche, es wieder zur Hand zu nehmen sind fehlgeschlagen. Mir will es einfach nicht gefallen. Es ist langatmig und für mich auch nicht spannend. Die ewig langen (Neben-)Sätze nerven. Gern würde ich diesen "Klassiker der Weltlitertaur" zu Ende lesen, aber ich kann mich einfach nicht dazu überwinden...

    :lesen: Sabine Weigand - Die Tore des Himmels

    Einmal editiert, zuletzt von Nicole89 ()

  • Dann lass es links liegen, eine Durchquälerei bei der man fast einschläft hat ja nicht viel Sinn... wer weiß, vielleicht nimmst du es in einigen Jahren wieder zur Hand und bist begeistert davon :zwinker: Ging mir bei Dostojewski so. Und wenn nicht, dann halt nicht... nicht jedes Buch kann jedem gefallen.


    Anna Karenina steht schon sehr lange auf meiner zu Lesen Liste (wie sehr viel anderes von Tolstoj). Aber ich habe den leidigen Tick, mich vorher bei solch Klassikern mit dem Autor zu beschäftigen zu wollen, sprich, zumindest eine Biographie zu lesen. Diese steht aber schon daheim und wartet auf mich, viel zu lange schon...

    "Man hat in der Welt nicht viel mehr, als die Wahl zwischen Einsamkeit und Gemeinheit." A. Schopenhauer

    :blume::engel::katze:

  • Oh, ich liebe Anna Karenina! Was für ein Buch. Ich kann mich erinnern, als ich es las... in 2 Tagen war ich durch. Ich konnte es gar nicht mehr weglegen!!!! So schön! Vorallem die schöne Sprache hatte es mir angetan! Absolut: Prädikat wertvoll!

  • Ich bin in den letzten Zügen und absolut begeistert.
    Ist man einmal drin in der Geschichte lässt sie einen nicht mehr los.
    Tolstoi versteht es den Leser die Romantik und Dramatik der beiden Liebesgeschichten mitspüren zu lassen!
    Man braucht ein wenig Zeit ,Ruhe und Konzentration um einzusteigen ,aber dann ist es einfach nur schön!


    :klatschen: