Magus Magellan / Karl-Heinz Witzko - Das Traumbeben (Gezeitenwelt 5)

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Miramis.

  • Flut bringt Überraschungen, Ebbe zeigt, was verborgen ist.


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    Inhalt


    Wie der Vorbote der Apaklypse entflammt ein neuer Stern am Himmel über Ikarilla, dem Reich der Palmen, der stampfenden Rosse und wehrhaften Ritter. Allein Mojeb, der sich als Kerkerwächter verdingt hat, glaubt nicht an nahendes Unheil. Er gibt sich lieber seinem Rausch hin. Doch als ein Meteoritensplitter die Welt trifft und Chaos und Zerstörung bringt, wird Mojebs Dasein komplett durcheinandergewirbelt. Auf der Flucht vor den unbekannten Schrecken der neuen Welt gerät er in ein magisches Abenteuer, in dem Träume zum Leben erwachen.



    Meine Meinung


    Die Geschichte konnte mich nicht so ganz fesseln, weil ich irgendwie keinen Bezug zu den Figuren aufbauen konnte. Der Stil kam bei mir recht emotionslos an, was auch der Grund dafür sein dürfte, dass es mich nicht "gepackt" hat. Ich musste mich jedoch nicht quälen, das Buch ließ sich angenehm lesen - und es gab ja genug interessante Personen (auch wenn ich zu manchen gerne mehr erfahren hätte).
    Vor allem Mojeb habe ich im Verlauf des Buches besser zu verstehen gelernt, bei Seffenaiu ist mir das nicht immer gelungen. Anfangs waren mir beide nicht wirklich sympathisch, aber durch die Erlebnisse und ihr Verhalten konnte ich die beiden und ihre Ansichten besser kennenlernen und habe mir sogar Sorgen um sie gemacht.


    Am meisten hat mir der Humor gefallen, auch wenn er manchmal etwas makaber war. Es gab so einige Szenen bei denen ich lachen musste, und das Wort "Dingens" führt nun bei mir zu spontanen Heiterkeitsausbrüchen - dank dem Kind der Palmen Berge. ;D
    Gelungen fand ich auch die Darstellung der verschiedenen Bewohner und der Atmosphäre in Sadi. Trotz der bedrückenden Stimmung gab es z.B. hilfsbereite Menschen, und ich konnte mir leicht vorstellen dass Sadi früher ganz anders gewesen sein muss.


    Wie in der Gezeitenwelt üblich gab es auch wieder eine Vielzahl von Fragen, ohne die mir sicher etwas fehlen würde. Aber bei allem Spaß, den das Grübeln und Spekulieren macht, möchte man am Ende zumindest grob einige Dinge wissen bzw. in die richtige Richtung geschubst werden. Da blieben für mich zu viele Fragen offen, was bei mir leider ein unbefriedigendes Gefühl hinterlässt.


    3ratten


    Link zur Leserunde auf www.leserunden.de

  • Diesmal stehe ich vor einem echten Bewertungsproblem. Es gab durchaus gute Ideen und komische Szenen, die mir sehr gefallen haben, dazu gehören v. a. die Auftritte des Geiers Fiiij und Mojebs trockene Kommentare. Mit den surrealen Traumbestandteilen konnte ich allerdings nicht so viel (um nicht zu sagen gar nichts) anfangen. Die Personen waren eigentlich schon interessant, vor allem Mojeb und Seffenaiu, aber zur Identifikation taugten sie für mich beide nicht, weil mir ihre Denkweise fremd geblieben ist. Und viele andere blieben in ihren Auftritten zu kurz und vage, obwohl sie mehr Potential gehabt hätten (v. a. Mojebs Häftlinge und die kleine Makerita).


    Wesentlich besser bin ich mit der allgemeinen Atmosphäre in Sadi zurechtgekommen, da ging es mir ganz ähnlich wie Seychella. Dabei war dann auch der eher spröde Stil förderlich, das nahm dem Düsteren das allzu Bedrohliche. Auch mir sind aber, wie ich im letzten Abschnitt zum Buch schon gepostet hatte, zuviele Fragen zu offen geblieben. Angesichts der Konzeption der Gezeitenwelt kann ich damit leben, nicht alles zu wissen, aber so Knall auf Fall aus der Geschichte entlassen zu werden, das war mir dann doch zu wenig. Sicher, man kann sich auf den Standpunkt stellen, daß die Bewohner von Sadi im allgemeinen oder speziellen auch keine Antwort auf die Fragen haben bzw. hätten, der Erzähler sollte aber mehr wissen und auch etwas mehr offenbaren ;) Von daher kann ich resümieren, daß ich mich zwar ganz nett unterhalten fühlte, aber ein Gefühl der Unzulänglichkeit der Geschichte zurückbleibt. Außerdem fehlte mir etwas der Querbezug zu den anderen Bänden, da hätte ich gerne mehr gehabt. Bis auf die Ziegen auf den Hausdächern in Sadi, die in Das Weltennetz auch schon erwähnt wurden, gab's da leider nichts, weil das Jahr 459 der Abwesenheit Gottes nur durch ein paar dürre Worte in Schwester Dolores' Chronik abgehandelt wird (jedenfalls der Zeitraum, zu dem sich Surjadora mit ihren Leuten und ihrem Schiff in Sadi aufhält).


    3ratten


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Es fällt mir nicht leicht etwas zu dem Buch zu schreiben.
    Der Stil von Karl-Heinz Witzko war erfrischend anders. Die Geschichte war sehr surreal und emotionslos verfaßt, barg aber auch eine Menge Humor.
    Leider blieben mir am Ende zu viele Fragen unbeantwortet um die Lektüre zufrieden zur Seite legen zu können.


    Von daher gibt es auch von mir


    3ratten

  • "Das Traumbeben" war für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis. Selten hat mich ein Buch so intensiv zum Grübeln und Nachdenken gebracht wie dieses.


    Im Mittelpunkt des Romans steht die Wirkung der Gezeitenweltmagie, die sowohl beim Einzelnen als auch in der Masse ihre geheimnisvolle Macht entfaltet. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit erscheinen aufgehoben, so dass sich die Handlung mehr und mehr zu einem surrealen Bild verzerrt. Letztendlich, denke ich, habe ich nicht unbedingt auf allen Ebenen den Durchblick behalten, aber Realitätsverschiebung ist schliesslich keine einfache Sache, wie wir in unserer Leserunde feststellten...


    Dabei hat es mir aber sehr viel Spaß gemacht, die Figuren durch dieses bizarre Szenario zu begleiten. Besonders hervorheben möchte ich Mojeb, der mir durch seine rustikalen Späße und seine jarmatische Weltsicht besonders gut gefallen hat. Fasziniert haben mich die Kapitel, die aus der Sicht des Geiers Fiiij-der-Flinke-Hacker-fiiij geschildert sind; der Autor hat das Geierdenken auch sprachlich sehr überzeugend getroffen.


    Da sind wir auch schon beim Schreibstil, der mir sehr zugesagt und Lust auf mehr Witzko gemacht hat; vor allem der feinsinnige Humor, der immer wieder zwischen den Zeilen hervorblitzt, hat es mir angetan.


    Kurz gesagt: ich fand das Buch klasse! Ich würde es aber nicht uneingeschränkt weiterempfehlen; "Das Traumbeben" ist sicher kein Roman, den man mal nebenbei zur Unterhaltung liest, sondern eine anspruchsvolle Lektüre für Leser, die gerne rätseln, grübeln und auch mal spiralförmig nach oben denken. Wie eigentlich alle Gezeitenweltromane.


    5ratten

    :lesen: Brandon Sanderson - Sturmklänge