Rebecca Gablé - Das Spiel der Könige (Waringhamsaga 3)

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 42 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kritty.

  • Guten Morgen,


    ich lese seit Anfang des Monats "Das Spiel der Könige" und bin wieder in den typischen Gablé-Sog geraten. Umso trauriger bin ich, dass ich momentan fast keinen Kopf zum Lesen habe. Es gibt zwar einen allgemeinen "Das Buch erscheint" Thread, aber ich denke, dafür können wir ruhig einen neuen aufmachen. Mich wundert, dass das noch niemand von euch gemacht hat?


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Klappentext:


    England 1455: Der achtzehnjährige Julian of Waringham ist der Schandfleck der Familie, weil er lieber den Duke of York auf dem Thron sähe als den jämmerlichen König Henry aus dem Hause Lancaster. Erst als der Kampf um Englands Krone offen ausbricht und Julian unverhofft Earl of Warinham wird, erkennt er, auf welche Seite in diesem bitteren Konflikt zwischen Lancaster und York er gehört. - Auch Julians Zwillingsschwester Blanche ist ein schwarzes Schaf: Auf der Flucht vor dem englischen Gesetz verschlägt es sie nach Wales, wo sie ausgerechnet mit Jasper Tudor, König Henrys Halbbruder, eine Liaison eingeht. In England wie in Wales führen die Lancastrianer einen verzweifelten Kampf, bis schließlich mit Edward IV. der erste König aus dem Hause York die Krone erringt. Für Julian und Blanche brechen schwere Zeiten an, und mit dem Widerstand gegen das neue Regime riskieren sie nicht nur ihr eigenes Leben. Denn in den Klauen der Yorkisten wächst in Wales ein Junge heran, der Englands letzte Hoffnung sein könnte.


    [hr]


    Die ersten 200 Seiten sind wie schon erwähnt typisch Gablé: Spannend, mitreissend, wunderbar. Ich freue mich sehr aufs Wochenende, wo ich hoffe, etwas mehr Zeit und Kopf für das Buch zu haben. Wer hat es denn von euch schon gelesen und wie fandet ihr es im Vergleich zu den anderen Büchern?


    Liebe Grüße
    nimue

    "Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt", schrieb Laschet, "wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das Paradies auf Erden schaffen will."


    Ein Muster-Katholik führt künftig die CDU


    "Sorry, ich sags wie es ist. wer cdu wählt, handelt gesellschaftlich verantwortungslos. cdu-wähler*innen stehen für mich auf einer stufe mit masken- und impfverweigerern. und nein: unwissenheit lass ich nicht gelten. sich zu informieren gehört zur gesellschaftlichen verantwortung. Michael Seemann

    Einmal editiert, zuletzt von nimue ()

  • Huhu nimue,


    Zitat

    Wer hat es denn von euch schon gelesen und wie fandet ihr es im Vergleich zu den anderen Büchern?


    auch wenn der erste Teil immer noch mein Liebling ist, haben Teil zwei und drei auch ihre ganz besonderen Reize. Zu Beginn haben mich die vielen Personen etwas verwirrt, was sich jedoch schnell gelegt hat. Schnell im gabléschen Sinne - nach ca. 200 - 300 Seiten. :-) Ein wenig ärgere ich mich, daß ich das Buch so gierig verschlungen habe. Aber gut, dann ist ev. kurzfristig ein zweiter Durchgang fällig.


    Liebe Grüße - cat


    P.S. Kannst Du bitte den Titel im Startposting noch anpassen, nimue?

    Liebe Grüße - Inge


    ~ Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. ~

  • Hi nimue,


    ich hab das Buch auch schon beendet und bin schwer begeistert. Ich denke, es ist mit "Der König der purpurnen Stadt" mein Lieblingsbuch von Gablé, wobei es ja eigentlich kein Buch (bei den hist. Romanen) von ihr gibt, wo ich das nicht jedes Mal denke :breitgrins:). Ich finde es ist zwar ein typischer Gablé, aber doch in einigen Punkten erfrischend anders.


    Ausführliche Rezi folgt irgendwann in den nächsten Tagen oder Wochen. Hab sie schon im Kopf, aber momentan noch keine Zeit gehabt, sie zu schreiben.


    lg
    kathrin

  • Ich habe das Buch ja direkt nach Erscheinen hier in der Leserunde gelesen, aber irgendwie kriegte ich die Eindrücke nicht zu einer vernünftigen Rezi geordnet (September war ein Rezi-Tief-Monat :rollen: ).


    Insgesamt habe ich auch dieses wieder sehr gerne gelesen, wenngleich es für mich nicht ganz an die anderen beiden Bände herankam. Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem sehr gut war ;)

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen






  • Ich habe das Buch ja direkt nach Erscheinen hier in der Leserunde gelesen, aber irgendwie kriegte ich die Eindrücke nicht zu einer vernünftigen Rezi geordnet (September war ein Rezi-Tief-Monat :rollen: ).


    Ja, geht mir genauso.


    Ich fand das Buch wieder toll. Sicher ist in diesem dritten Teil der Schwerpunkt eindeutig in Richtung Politik gerutscht, aber dass hat bei mir dem Gesamteindruck keinen Abbruch getan. Ich denke aber nicht, dass es gegenüber Band eins und zwei abfällt, es bietet den Zugang zu den Charakteren weniger auf der persönlichen sondern auf der politischen Ebene.

    Liebe Grüße<br />Galadriel<br /><br />Das Lächeln ist eine Kurve, die manches gerade biegt.


  • Mich wundert, dass das noch niemand von euch gemacht hat?


    Ich wollte soeben zur Tat schreiten, aber du bist mir um ein paar Stunden zuvorgekommen :zwinker: Ich habe es heute fertig gelesen, hier ist meine Meinung:


    Inhalt:
    Das Buch begleitet uns durch die englischen Rosenkriege (1455 – 1485). Geschildert werden die Ereignisse aus Sicht er fiktiven Adelsfamilie Waringham, die man schon aus «Das Lächeln der Fortuna» und «Die Hüter der Rose» kennt. Im Wesentlichen geht es darum, dass sich die Häuser York und Lancaster um die englische Krone streiten. Ein tiefer Riss zieht sich durch die englischen Adelsgeschlechter, auf den Schlachtfeldern stehen sich oftmals Verwandte gegenüber, es ist ein schrecklicher und blutiger Bruderkrieg, der viel Opfer fordert.
    Julian of Waringham ergreift wie schon seine Vorfahren die Partei des Hauses Lancaster und versucht, sich und seine Familie möglichst unbeschadet durch die schwierige Zeit zu bringen.



    Meine Meinung:
    Wer sich schon mal nur ein bisschen mit den Rosenkriegen beschäftigt hat, merkt bald, dass es praktisch unmöglich ist, den Überblick zu behalten, weil zum einen sehr viele Personen mit komplizierten verwandtschaftlichen Verhältnissen daran beteiligt waren und zum anderen alle entweder Henry, Edward oder Margaret heissen.


    Rebecca Gablé schafft es jedoch, die Geschichte so zu beschreiben, dass man (meistens) den Überblick behält. Und wenn man kurz die Übersicht verliert, sind die Stammbäume der Häuser York und Lancaster im Buch allzeit griffbereit. So kann man dem Geschehen folgen und aus einem verwirrenden Stück englischer Geschichte wird plötzlich eine fesselnde Story, die einem schon fast zu wild erscheint, um wirklich wahr zu sein. Die Atmosphäre ist meist düster, da keiner keinem mehr trauen kann, Loyalitäten gewechselt werden, spioniert und gemordet wird. Bei Letzterem wird auch vor königlichem Blut oder Kindern nicht Halt gemacht.


    Hoffnung auf ein Ende des Bruderkrieges und Frieden in England gibt es lange nicht. Erst als Henry Tudor, genannt Richmond, ein Lancaster, der von York als Geisel gehalten wird, erwachsen wird und staatsmännische Qualitäten zeigt, zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab.
    «Das Spiel der Könige» umfasst fast 1200 Seiten und ist im Vergleich zu seinen Vorgängern «Das Lächeln der Fortuna» und «Die Hüter der Rose» sehr kriegs-, schlachten- und politiklastig. Beschreibungen vom Leben auf dem Gut Waringham fehlen fast ganz, da der Gutsherr und seine Familie selten dort anzutreffen sind und zwischenzeitlich auch enteignet werden. Statt langer Beschreibungen der Pferdezucht und diverser Romanzen nutzt Gablé den Platz, dem Leser die politischen Geschehnisse verständlich zu machen. Das ist gut für die Leser, die sich für diese Zeit interessieren und etwas darüber erfahren wollen. Wer in dem Roman in erster Linie Unterhaltung sucht, ist zwar nicht komplett falsch, könnte aber ein wenig enttäuscht werden.


    Anderes ist jedoch ähnlich wie in den vorhergehenden Bänden: Gablés erzählerisches Talent, symphatische Charaktere und das Gefühl, das Buch nicht mehr weglegen zu können.


    4ratten für ein weiteres gelungenes Werk


    Alfa Romea

    Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.

  • Huhu Alfa,


    deine Rezi hört sich für mich jetzt extrem positiv an - warum die Ratte Abzug?
    Hach, am liebsten würde ich das Buch am Wochenende komplett platt machen! Ich habe ja auch nur noch 900 Seiten vor mir :elch:


    Liebe Grüße
    nimue, die sich jetzt noch mehr auf das Buch freut.

    "Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt", schrieb Laschet, "wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das Paradies auf Erden schaffen will."


    Ein Muster-Katholik führt künftig die CDU


    "Sorry, ich sags wie es ist. wer cdu wählt, handelt gesellschaftlich verantwortungslos. cdu-wähler*innen stehen für mich auf einer stufe mit masken- und impfverweigerern. und nein: unwissenheit lass ich nicht gelten. sich zu informieren gehört zur gesellschaftlichen verantwortung. Michael Seemann


  • deine Rezi hört sich für mich jetzt extrem positiv an - warum die Ratte Abzug?


    Weil die Literaturschockler ihre Ratten zu leichtfertig vergeben. :breitgrins:


    Natürlich hätte ich nach den gültigen Forenmassstäben 5 Ratten vergeben müssen, auf meiner zehnstufigen Skala hat es jedoch 8 Punkte erhalten und das gibt dann halt 4 Ratten. Den Abzug gabs, weil das Buch zwar sehr schön ist, aber das allerletzte Quäntchen "drin versinken und die Welt rundherum ignorieren" gefehlt hat. Von rund 120 von mir rezensierten Büchern haben gerade mal 5 die Maximalpunktzahl 10 erhalten. Entsprechend versuche ich das jetzt hier im Forum mit den Ratten umzusetzen :smile:


    Aber mit 4 Ratten (oder 8 Punkten nach der Alfa-Skala) ist das Buch immer noch für einen Re-read vorgesehen. Geniess es also ruhig, du machst nichts verkehrt :zwinker:


    Lieber Gruss


    Alfa Romea

    Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.

  • Geniess es also ruhig, du machst nichts verkehrt :zwinker:


    Das weiß ich eh' schon :elch:
    Ich kann nämlich schon gut drin versinken und die Welt um mich herum ignorieren - wenn ich denn nur etwas mehr Lesezeit hätte :-)


    Liebe Grüße
    nimue

    "Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt", schrieb Laschet, "wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das Paradies auf Erden schaffen will."


    Ein Muster-Katholik führt künftig die CDU


    "Sorry, ich sags wie es ist. wer cdu wählt, handelt gesellschaftlich verantwortungslos. cdu-wähler*innen stehen für mich auf einer stufe mit masken- und impfverweigerern. und nein: unwissenheit lass ich nicht gelten. sich zu informieren gehört zur gesellschaftlichen verantwortung. Michael Seemann

  • Habe das Buch auch sofort verschlungen und kann alfa nur zustimmen. Viel Politik, viele Charaktere aber mit den Stammbäumen geht es ganz gut.
    ICH hätte ja zwei Bücher draus gemacht udn doch noch ein bisschen mehr Alltag dazwischen geschoben.
    Aber auf jeden Fall wieder ein tolles Buch.


    LG, Doro

  • Hallo zusammen,


    hab jetzt endlich geschafft, meine etwas länger geratene Meinung über dieses Werk fertigzustellen.


    Lange hat es gedauert, doch die Wartezeit wurde belohnt und wieder war es ein riesengroßer Genuss, den neuesten historischen Roman von Rebecca Gablé in den Händen halten und lesen zu dürfen. Es war nicht nur lesetechnisch ein Hochgenuss, sondern auch wieder layout-technisch, die Ehrenwirth-Hardcover sind einfach wunderschön gestaltet, feines, nahezu weiches Papier aber eben auch wieder diese von mir so sehr geliebten Extras wie Stammbäume, Personenregister und langes Nachwort der Autorin. Da geb ich das Geld wirklich gerne für aus!!!


    Bei jedem anderen Buch von Rebecca Gablé käme jetzt der Satz „Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht“, aber hier war es dann doch eher so, dass ich das Buch nach 20 Seiten an die Wand pfeffern und nicht weiterlesen wollte. Zunächst musste ich ja nur leise schniefen, dann wurde das Schniefen immer lauter, dann musste ich erstickungsähnlich schluchze. Das wurde selbst in Gegenwart einer sehr sehr guten Freundin langsam peinlich und so hatte ich schon ein Tempo in der Hand und wollte leise vor mich hinbrabbeln, dass ein Buch doch nicht SO anfangen kann. Raus kam aber kein leises Vorsichhinbrabbeln, sondern ein hysterischer, schriller Schrei "SO KANN DOCH KEIN BUCH ANFANGEN", schrill, laut und hysterisch, total unkontrolliert...und dabei war John doch noch nicht mal mein Liebling, das war doch Raymond...wie sollte das bloß weitergehen, das Buch hat doch noch über 1100 Seiten und auch wenn ich in Geschichte kein Ass war, so weiß ich doch, was mit den Rosenkriegen in England so alles auf uns Leser zukommen würde.


    Letztenendes habe ich das Buch natürlich nicht zur Seite gelegt, wie auch, ich hab mich ja schließlich zwei lange Jahre auf diesen dritten Teil der Waringham-Trilogie gefreut. Und wie gesagt zu recht gefreut, denn das Buch war im Gegensatz zu den anderen Büchern von Rebecca Gablé erfrischend anders. Wo man zwischen „Das Lächeln der Fortuna“ und „Die Hüter der Rose“ vielleicht noch zu viele Parallelen gefunden haben kann, so sind hier doch einige wesentliche Punkte unterschiedlich und ein absoluter Plus-Punkt dieses Romans. Durch die Wirren der Rosenkriege ist das Buch sehr geschichtlich und politisch geworden und die Geschehnisse in Waringham, dem Gestüt und dem Dorf treten ein wenig in den Hintergrund, sind allerdings keineswegs vergessen. Vermutlich ebenso bedingt durch die Wirren der Rosenkriege fehlt in meinen Augen die dominierende hochadelige Hauptfigur, wie John of Gaunt oder Kardinal Beaufort, am ehesten schlüpft vielleicht der Earl of Warwick in diese Rolle, aber er dominiert lange nicht so wie ein John of Gaunt, aber wer kann schon gegen den „anstinken“.


    Auch die männliche Hauptfigur auf Seiten der Waringhams ist im Gegensatz zu seinem Großvater Robin und Vater John doch mit ziemlich vielen Ecken und Kanten ausgestattet, es dauert, bis er erkennt, warum seine Ahnen Lancasterianer waren und er selbst sich dazu bekennt. Aber diese Unentschiedenheit, die in ihm deutlich wird, die Tatsache, dass er in Henry VI einen schwachen und geisteskranken Mann auf dem englischen Königsthron erkennt und vermutlich ein wunderbarer Freund für den späteren Yorkistenkönig Edward IV hätte werden können, ist gering im Gegensatz zu seinem Verhalten gegenüber seiner Frau. Himmel, bis kurz vor Schluss hätte ich Julian in seinen Allerwertesten treten können, so bescheuert hat er sich da teilweise verhalten. Seine Verhaltensweisen machen ihn manchmal zu einem Buch mit sieben Siegeln und das macht ihn soooo spannend, wenn auch nicht zwingend sympathisch. Es ist erfrischend, dass er mal kein so ein Waringham-Held ist, wie Robin oder John. Klar, auch John und Robin hatten ihre Fehler, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich einen von ihnen mal so richtig bescheuert fand. Ich finde, dass Julian am realistischsten von allen Waringhams gezeichnet ist … John und Robin, na und vor allem Raymond hab ich immer gleich alles wieder verziehen. Aber Julian...neee, der ist echt ein anderes Kaliber! Ich glaub ich bin ein wenig auf diese schwierigen und vor allem "Nicht-Schwiegersöhne-Typen" gepolt. Julian ist einfach so spannend.


    Eine weitere Neuheit war die zweite Hauptrolle auf Seiten der Waringhams, die durch Julians Zwillingsschwester Blanche verkörpert wurde und mit ihr ist Rebecca Gablé eine absolut tolle Figur gelungen. Blanche hab ich mit ihrem ersten Auftreten liebgewonnen und das hat gehalten bis zu Schluss, auch wenn ich extreme Angst um sie hatte! Das schöne hier ist, dass wir nicht nur eine zweite Hauptfigur auf Seiten der Waringhams haben, sondern dass diese auch mal weiblich sein darf, denn bislang kennen wir bei Gablé ja nur männliche Helden.


    Bei den wichtigen Nebenfiguren, wenn man sie überhaupt als Nebenfiguren bezeichnen kann, haben mir vor allem Jaspar Tudor und Lucas Durham gefallen. Jaspar Tudor ist mindestens mal so klasse wie seine Vater Owen *hach* und dass Rebecca Gablé eine Verbindung zu den Durhams aus „Der König der purpurnen Stadt“ hergestellt hat, dafür werde ich ihr für immer und ewig dankbar sein. Mir kommt es hier so vor, als ob sie nochmal alle liebgewonnenen Nebenfiguren aus Teil 1 und 2 mit ihren Nachkommen auf die Bühne holt um den Kreis zu schließen. Mit Julians Rittern (Algernon Fitzroy, Lucas Durham und Frederic of Harley) wurden Edward Fitzroy und Leofric nochmal "lebendig", mit Lucas wie gesagt Jonah und dann lernen wir auch noch Mortimer Welles kennen, ein Nachfahre von Mortimer Dermond bzw. eher seinem Sohn, den wir Gablé-Leser ja viel lieber mochten als seinen Vater.


    Aber auch bei den noch kleineren Rollen sind einige dabei, die ich wirklich mag, u.a. Annabel und Kates Sohn Roland, aber gut, der ist ja auch wieder ein Waringham *hach*, aber der hat wirklich einen ganz tollen Charakter und ein großes Herz!!!


    Neben den vielen Nachkommen der liebgewonnenen Charaktere aus „Das Lächeln der Fortuna“ und „Die Hüter der Rose“, hat mir besonders gut gefallen, dass Rebecca Gablé auch andere „Kleinigkeiten“ aus diesen Büchern wieder an Tageslicht geholt hat, so beispielsweise eine Nachricht John of Gaunts an Robin oder Mortimers Gedichteband. Das war herrlich, ebenso der alte Baum im Kloster St. Thomas, der Robin bei seiner Flucht und jetzt Julian so nützlich war. Und dann hat Julians Sohn Robin auch noch wie sein Urgroßvater an Dreikönig das Licht der Welt erblickt.. Ach ja, irgendwie schließt sich der Kreis, auch wenn ich es nicht so richtig wahrhaben will, dass jetzt erst mal mit den Waringhams Schluss sein soll. Ich bilde mir ein, das eine oder andere offene Hintertürchen in dem Buch gefunden zu haben und vielleicht kehrt die Autorin ja doch irgendwann wieder zu den Waringhams zurück. Es wäre so schön, denn irgendwie ist Waringham wie ein zweites Zuhause für mich und die Familie ein Teil der Familie geworden. Und außerdem will ich nur mal eins anmerken, der alte Bergfried von Waringham ist NICHT hässlich, auch wenn die Bewohner das immer wieder standhaft behaupten. Aber wer wissen will wie die Burg aussieht sollte mal bei Rebecca Gablé auf der Homepage nachschauen, da gibt es weitere schöne Extras!


    Es ist ein wunderbares Buch, das mir viele Nächte meinen Schlaf geraubt hat und ich hätte wirklich nichts gegen eine Roman zur Zeit der Tudors, vielleicht mit einem Robin junior, der von all unseren Lieblingen ganz viel mitbekommen hat:
    Den Namen vom Uropa, er kämpft auf dem Feld wie sein Opa John, er versteht die Wirren der Politik wie sein anderer Opa, Bischof Beaufort, er ist ein Herzensbrecher wie Raymond *hach* und und er wird wohl als Ältester Waringham erben. Und wenn Edward dann noch im Dienste Seiner Majestät Seefahrer spielen darf, dann würde ich mich echt auf eine Wiederlesen freuen, aber was auch immer die Autorin in den nächsten Jahren angehen will: ich freu mich drauf!!!


    Bewertung:
    5ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


    lg
    kathrin

  • Meine Meinung


    „Das Spiel der Könige“ ist der Abschluss der Waringham-Trilogie und hat mir fast genauso gut gefallen wie seine Vorgänger. Rebecca Gablé zeigt wieder einmal, dass sie zu Recht die Königin des historischen Romans genannt wird. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich fasziniert, gefesselt und vor allem in das ausgehende Mittelalter Englands versunken.


    Julian Waringham - ein Enkel Robins und Sohn Johns - steht im dritten Teil im Mittelpunkt des Geschehens. Julian lebt mitten in den Wirren der Rosenkriege und ist hin und her gerissen, auf welche Seite er sich schlagen soll: auf die der Lacastrianer mit ihrem schwachen König Henry VI., wie seine Ahnen es immer getan hatten, oder auf die der Yorkisten, die ihren Thronanspruch um jeden Preis in die Tat umsetzen wollen. Julian entscheidet sich und steht zu seiner Entscheidung, was mir an ihm am meisten imponiert hat. Wem er seine Gefolgschaft schenkt werd ich nicht verraten, das soll jeder schön selbst herausfinden.


    Zu Beginn fehlten mir ehrlich gesagt ein wenig die altvertrauten Gesichter. Mit Julian hatte ich ein wenig Anlaufprobleme, aber mit seiner Zwillingsschwester Blanche war ich sofort warm. Sie zählt definitiv zu meinen Lieblingsfiguren, genau wie der junge Henry VII.
    Auch wenn ich Julian erst im Laufe der Geschichte ins Herz schließen konnte, hat Rebecca Gablé wieder einmal bewiesen, welch großartige, facettenreiche Figuren sie schaffen kann. Nie sind sie nur schwarz oder weiß, jede Figur hat ihre guten und auch schlechten Seiten und strahlen allesamt so viel Leben aus, als wären sie real. Ich liebe die Charaktere der Autorin sehr. Nicht nur, dass sie keine Stereotypen schafft, sie versucht auch durch vererbte Charaktereigenschaften die Familienbeziehungen zu verdeutlichen und gibt mir damit das Gefühl, dass die Waringham tatsächlich gelebt haben könnten. Selten habe ich eine so gut durchdachte bis ins kleinste ausgearbeitete Familiensaga gelesen, die drei Generationen umfasst.


    Die Handlung, also die der Rosenkriege, ist äußerst fesselnd, wenn auch manchmal durch die vielen ähnlichen Namen etwas verwirrend. Zwar hat sich Rebecca Gablé bemüht, die ganzen Edwards und Margarets so zu charakterisieren und mit Spitznamen zu versehen, dass es dem Leser leichter fällt, ihr zu folgen, aber hin und wieder musste ich wirklich eine Weile überlegen. Zumal ich zu den Lesern gehöre, die die Generationen und Verwandtschaftsbeziehungen aufdröseln müssen. Dank der Stammbäume der York, Neville, Tudor und Lancaster viel mir das nicht allzu schwer.
    Die Geschichte ist in sich schlüssig, glaubwürdig und wirklich sehr packend. Zwischenzeitlich musste ich als eingefleischter Lancastrianer doch sehr stark sein, denn auch ich konnte mich dem Charme von Edward IV. nicht ganz entziehen. Ich finde es sehr gelungen, wie Rebecca Gablé versucht, den Leser so zu „manipulieren“, dass er nachvollziehen kann, warum sich so viele Anhänger des Hauses Lancaster dann doch noch Edward zuwandten.


    Was mich ein wenig gestört hat ist, dass es bei diesem dritten Teil am schwersten ist, auseinander zu halten, was erfunden ist und was den historischen Tatsachen entspricht. Gerade die Szenen, in denen es um Richmond (Henry VII.) geht, konnte ich nicht als wahr oder fiktiv einordnen. Was an seinem Exilleben war wohl erfunden? Zwar gibt es auch dieses mal wieder ein Nachwort, aber ausnahmsweise war es mir nicht ausführlich genug und kann meine Frage nicht beantworten.
    Ich glaube, aus diesem Grund, kann „Das Spiel der Könige“ nicht an seinen Vorgänger heranreichen.


    Neben der erwähnten Stammbäume und dem Nachwort, hat der Roman ein ausführliches Personenverzeichnis und im Schutzumschlag einen ausklappbaren Stammbaum der Waringham zu bieten. Ich bin froh, dass ich die gesamte Trilogie als Hardcover besitze, sie sind einfach so wunderschön aufgemacht.


    Das Ende war gelungen, wenn ich auch nicht ganz zufrieden war. Für mich hätte das Buch durchaus noch ein oder zwei Jahre weitergehen können. Dann wäre ich mit einem zufriedenen Seufzer in die Gegenwart zurück gekehrt. Ich bin unendlich traurig, dass die Trilogie nun beendet ist. Ich kann mich nur schwer von den Waringham und Lancaster lösen und hoffe sehr, dass sich Rebecca Gablé einen Ruck gibt und irgendwann einen vierten Teil schreibt, über Henry VII. und einem Sohn Julians.


    Bewertung


    5ratten

    Liebe Grüße<br />Melli

  • Hallo


    ich war gestern auf einer Lesung der Autorin und sie hat auch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Wie es aussieht überlegt Rebecca Gablé einen 4. Teil der Waringhamsaga zu schreiben. :klatschen: Zurzeit arbeitet sie an einem Buch, dass im 12 Jhd. spielt und 2009 erscheinen wird. Nächstes Jahr im August kommt ihr Sachbuch übers Mittelalter raus. Wir können also gespannt sein :breitgrins:


    LG Alisha-Jolie :winken:

    Liebe Grüße<br /><br />Alisha-Jolie

    Einmal editiert, zuletzt von Alisha-Jolie ()


  • Hallo


    ich war gestern auf einer Lesung der Autorin und sie hat auch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Wie es aussieht ist Rebecca Gablé am überlegen einen 4. Teil der Waringhamsaga zu schreiben. :klatschen: Zurzeit arbeitet sie an einem Buch, dass im 12 Jhd. spielt und 2009 erscheinen wird. Nächstes Jahr im August kommt ihr Sachbuch übers Mittelalter raus. Wir können also gespannt sein :breitgrins:


    LG Alisha-Jolie :winken:


    JAAAAA!!!!!


    :klatschen:


    Das wäre suuuuuper!!!



    soft

  • Bist Du aus dem Ruhrgebiet oder aus der Schweiz? :breitgrins: :breitgrins: :breitgrins:


    Ich tippe auf die Eifel. Wir sind da auch immer am überlegen und am machen und am tun... :zwinker:

    Lesen ist die schönste Brücke zu meinen Wunschträumen.

  • Tut man das tatsächlich nicht im gesamten deutschen Sprachraum?


    Im englischen auch: Das ist dann die -ing Form :elch:

    "Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt", schrieb Laschet, "wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das Paradies auf Erden schaffen will."


    Ein Muster-Katholik führt künftig die CDU


    "Sorry, ich sags wie es ist. wer cdu wählt, handelt gesellschaftlich verantwortungslos. cdu-wähler*innen stehen für mich auf einer stufe mit masken- und impfverweigerern. und nein: unwissenheit lass ich nicht gelten. sich zu informieren gehört zur gesellschaftlichen verantwortung. Michael Seemann

  • Im englischen auch: Das ist dann die -ing Form :elch:


    Ich bin am Überleging? Klingt nach Frick Turnersticks Chinesisch ... ;)


    Ach ... öhm ... ich glaub' wir sind off-topic ... :wegrenn:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)