Max Frisch - Stiller

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 21 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von dodo.

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    Hallo :winken:


    Ich wollte mal fragen, ob außer mir noch jemand hier "Stiller" von Max Frisch gelesen hat? Vielleicht gibt es sogar den einen oder anderen Frisch-Fan hier?


    Ich meine mich an eine Bemerkung von Nimue zu erinnern, dass sie zumindest eines seiner Bücher im Regal stehen hätte. :zwinker:


    Liebe Grüße
    Nightfever

    Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit!<br />Der Hauptmann der Räuber

    Einmal editiert, zuletzt von fairy ()

  • Huhu Nightfever,


    Zitat von "Nightfever"

    Ich meine mich an eine Bemerkung von Nimue zu erinnern, dass sie zumindest eines seiner Bücher im Regal stehen hätte. :zwinker:


    Ja...aber "Homo Faber" - ungelesen. Schatz hat das Buch allerdings in der Schule durchgenommen und es hat ihm gut gefallen.


    Liebe Grüße
    nimue

  • Hi!


    «Homo Faber» habe ich vor ein paar Jahren mal gelesen und es hat mir nur mässig gefallen. Was mich am meisten gestört hat, ist dieser Faber: Der machte einen ziemlich unordentlichen Eindruck auf mich und ich lese nicht gerne Geschichten über Leute, die ihr Leben nicht im Griff haben und sich irgendwie gehen lassen oder nur Träumen nachhängen... Das tut Faber zwar nicht direkt, aber irgendwie hatte ich beim Lesen ständig den Eindruck, dass er vom Leben keine Ahnung hat.


    Ich habe mich wohl aus Furcht vor anderen solchen Charakteren noch nicht an andere Bücher meines berühmten Landsmannes gewagt :zwinker:


    Gruss


    Alfa Romea

    Wer anderen folgt, wird nie zuerst ankommen.

  • "Homo Faber" hab ich auch gelesen, ist aber schon fünf oder sechs Jahre her.
    Ich erinnere mich, dass es mir ziemlich gut gefallen hat (für ne Schullektüre :breitgrins: ).


    Ich glaube, ansonsten hab ich von Max Frisch nichts mehr gelesen.

  • "Homo Faber" haben wir vor Jahren in der Schule gelesen und es hat uns recht gut gefallen. "Stiller" dagegen war für mich, besonders beim zweiten Durchlesen, eine rechte Qual.


    Trotzdem - oder gerade deswegen - suche ich nach Leuten, die anderer Meinung sind als ich :breitgrins:


    Liebe Grüße
    Nightfever

    Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit!<br />Der Hauptmann der Räuber

  • Hallo Nightfever,


    "Stiller" liegt seit geraumer Zeit auf meinem SUB.
    Aufgrund deines Beitrags schätze ich mal, dass es dir gefällt :zwinker:
    Was findest du daran so toll?


    Schöne Grüße
    N.

  • Da haben sich unsere Beiträge wohl überschnitten...


    Ich schätze an "Stiller", das Max Frisch ein recht guter Autor gewesen ist - er verwendet eine spannende Darstellungstechnik ("Prisma") und kann sehr farbig (im wahrsten Sinne des Wortes) beschreiben. Beeindruckend z.B. die Stelle, wo er eine kunterbunte Wüstenlandschaft auf die weiße Zellenwand projiziert.


    Mir geht es hier ansonsten ähnlich wie Alfa Romea mit Faber: Stillers Probleme gingen mir irgendwann ziemlich auf den Senkel ;-)


    LG
    Nightfever

    Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit!<br />Der Hauptmann der Räuber

  • Huch ja, da haben sich unsere Beiträge wirklich überschnitten! :breitgrins:


    "Homo faber" habe ich auch in der Schule gelesen. Mir hats gefallen.


    Und weil mir bei "Stiller" der erste Satz gefiel, dachte ich, so schlimm kann da der Rest auch nicht sein.


    bye N.

  • Homo Faber habe ich auch gelesen und sogar mein Abitur drüber geschrieben (da bin ich immer noch stolz :breitgrins: )
    Gefallen hat es mir allerdings nicht... Ich fand den Protagonisten einen ziemlichen Aufreger...


    Stiller habe ich noch irgendwo rumliegen, das Thema hat mich angelacht - gelesen habe ich es allerdings (noch) nicht. Ich sollte das Buch mal suchen gehen :rollen:


    LG, Elke :blume:

  • In meiner Phase der stürmischsten Adoleszenz zählte Stiller zu meinen absoluten Topfavoriten... Weshalb wohl?? Tja, es gibt wohl kaum noch ein Buch, ausser gerade den Gantenbein von Frisch, das sich so vehement und nachdrücklich mit Identität und daraus entstehenden Leiden auseinandersetzt. Müsste es wieder mal lesen, fand es damals ja sowas von grandios!
    Homo Faber ist heftig, find ich, aber auch toll, Gantenbein ist der halt auch bekannt, nicht ganz so gut wie Stiller. Ich gehöre anscheinend zum relativ kleinen Frisch-Lese-und-gut-finde-Klub :zwinker:


    Gruss
    Macondo

  • Stiller ist das einzige Buch, das ich bisher von Max Frisch gelesen habe.
    Ist schon eine Weile her, es hat mir vom Stil her sehr gut gefallen.


    LG
    Camille

  • Ich bin auch 25 Jahre später immer noch Frisch- und vor allem Stillergeschädigt! Ich hatte in der Oberstufe - leider - einen LK Frisch; das ganze Halbjahr NUR Frisch. Grauenhaft, sag ich euch. Gut, das lag natürlich zum Großteil an meiner Deutschlehrerin, die es beinahe geschafft hätte, mir den Spaß am Lesen zu nehmen, teilweise aber auch an Frisch selbst. Stilistisch hat er mir zwar gefallen, aber mit den Personen konnte ich überhaupt nichts anfangen. Besonders habe ich da noch just Stiller vor Augen: normalerweise las ich alle Schullektüre sofort nach Bekanntgabe. In Stiller guckte ich mal kurz rein, schmiss ihn in die Ecke, und las ihn erst in der Nacht vor dem Montag an dem wir ihn gelesen haben mussten. Und das zooooog sich! So furchtbar dick ist das Buch eigentlich nicht, aber es nahm nie ein Ende.
    Konsequenz: Nie wieder werde ich freiwillig eine Zeile Frisch lesen.


    Grüße, Saltanah

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Ich habe Stiller gelesen (bis jetzt mein einziges Buch von Max Frisch) und es hat mich sehr beeindruckt. Auch mein Lieblingszitat stammt aus dem Buch:


    "Trotz ist das Gegenteil von wahrer Unabhängigkeit!"


    Mich hat die eigenartige Stimmung in dem Buch fasziniert.

  • In der Schule war "Bidermann und die Branstifter" Pflichtlektüre, mit all den damit zusammenhängenden Interpretationen. Lehren, etc.


    Mir persönlich hat "Andorra"sehr gut gefallen, und es ist wohl auch jetzt aktuell wie nie zuvor. Es geht um Intoleranz, Fremdsein - Vorurteile etc. Absolut lesenswert!


    Vor einigen Wochen habe ich "Mein Name sei Gantenbein" gelesen. Dazu muss ich sagen, dass die Leserei doch eher qualvoll war, sehr mühsam und die Geschichte irgendwie verwirrend. . Aber es hat sich wohl gelohnt, man versteht erst nachher die Zusammenhänge usw.


    Die Werke von Max Frisch geben auf alle Fälle viel zum Nachdenken, Interpretieren, usw. auf. Ich schätze ihn sehr.

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative

  • Ich finde, dass "Stiller" fulminant beginnt und dann ziemlich abstürzt. "Homo Faber" fand ich um Klassen besser, und das überhaupt beste Stück von Frisch ist "Andorra" - das ist einfach ein Klassiker, der nie untergehen wird und bestimmt auch noch in 200 Jahren aktuell ist.

  • Hei!


    Hatte gestern Staatsexamensprüfung über Frisch und wollte mal eben meinen Kommentar abgeben.
    Also, wenn ich Bücher lesen muss, dann tue ich mich meistens sehr schwer damit. Ich kannte den Homo Faber (der mich beim ersten Mal nicht vom Hocker riss, beim zweiten Lesen schon besser gefiel (teilweise wirklich sehr gut, teilweise sehr zäh) und Biedermann, nach wie vor mein absolutes Lieblingsstück (um das meine Schüler mal nicht drumrum kommen werden :breitgrins:). Dann musste der Stiller sein und ich muss sagen, dass ich mit ihm nicht warm geworden bin. Mir gingen all diese Identitätsfindungsprobleme nach einiger Zeit mächtig auf den Keks. Gerade eine solch bitterböse Selbstentlarvung wie in Biedermann oder auch bei Andorra habe ich vermisst. Vielleicht war sie zu tief vergraben, ich weiß es nicht. Habe mich mit Primär- und auch Sekundärliteratur zu Stiller arg gequält und bin froh, dass in der Prüfung nur zu Andorra und Frischs Tagebüchern gefragt wurde. Glück gehabt. Wenn ich irgendwann mal wieder Lust auf "Klassiker" habe, werde ich sein Gesamtwerk sicherlich noch vollenden. Sind wirklich richtige Schätze darunter.


    Ansonsten dann doch lieber Dürrenmatt, dessen Witz irgendwie offensichtlicher ist. Aber Literaturwissenschaft war noch nie mein Lieblingsfach. :zwinker:


    Grüße!


    P.S.: Ich kann nichts dafür, dass Staatsexamen so dargestellt wird, aber ich kann es auch nicht ändern, denn es heißt nun einmal Staatsexamen und ohne das "-sex" wäre es ja ein Staatamen und das wäre ja falsch :breitgrins: :winken:


  • P.S.: Ich kann nichts dafür, dass Staatsexamen so dargestellt wird, aber ich kann es auch nicht ändern, denn es heißt nun einmal Staatsexamen und ohne das "-sex" wäre es ja ein Staatamen und das wäre ja falsch :breitgrins: :winken:


    Mach Dir nix draus, das ist das berühmte Vögele des Forums ... es ist halt manchmal ein wenig prüde :breitgrins:


    Irgendwo lässt sich in den persönlichen Einstellungen die Wortzensur aber abstellen ;)

    If you get tired, learn to rest, not to quit.

    (Banksy)

  • Inhalt: Ein Mann ist auf der Durchreise und wird in Zürich aufgehalten. Er wird als der vor langer Zeit verschollene Anatol Ludwig Stiller identifiziert, was er vehement abstreitet. 'Ich bin nicht Stiller!' Eine Aussage, die ihm niemand glaubt und dann gibt es da noch einen Verdacht gegen ihn aus älterer Zeit. So kommt der Mann, der sich selbst 'White' nennt in die Untersuchungshaft und wird fast wahnsinnig an seiner Umwelt, an alten Freunden und Liebhaberinnen und einer Ehefrau, die alle in ihm den verschollenen Stiller sehen und sich nicht belehren lassen wollen.



    Meine Meinung: Den Anfang fand ich genial, an der Mitte habe ich eine Woche lang gesessen und das Ende war wieder gut mit einigen Längen darin. Ich gehöre zu der (anscheinend seltenen?) Gattung, die Frisch-Figuren mag. Stiller als Person empfand ich als großartig, der Stil war es sowieso (wunderbare Beschreibungen, wunderbares Einsetzen der Sprache als Mittel um verschiedenste Dinge zu implizieren, ohne sie auszusprechen) und ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich so viele Sätze doppelt und dreifach unterstreichen wollte. Beim nächsten Mal lesen werde ich einen Rotstift zur Hand haben.
    Mein Problem mit dem Buch war, dass mir viele Erzählungen auf die Nerven gegangen sind. Mich haben die Geschichten, die Stiller seinem Wärter Knobel erzählt nicht die Bohne interessiert und die Passage, in der die Ehe aus der Perspektive von seiner Frau Julika geschildert wird (der ich so gerne den Hals herum gedreht hätte, wie noch nie irgendeinem Ekel in irgendeinem Werk), hat mich tagelang davon abgehalten überhaupt darin zu lesen.
    Stiller erinnert in Sprache und Art der Darstellung stark an Homo Faber (auch hier handelt es sich um einen Bericht, ein Protokoll der Ereignisse, in der der Schreibende selbst erst gewisse Einblicke erhält).
    Das Buch zieht sich und ich bin sehr erleichtert, es durch zu haben, aber man wird mit vielen genialen Passagen belohnt und einen weiteren Blickwinkel auf das Identitätsproblem, das Frisch anscheinend überall irgendwie verwurstelt.


    Fazit: Nicht das Beste von Frisch, aber mit vielen guten Denkanstößen und bestimmt noch mal um Längen besser, wenn man beim zweiten Mal lesen immer mal wieder 20 oder auch 50 Seiten überspringen kann. :zwinker:


    3ratten


    Mein Lieblingsbuch von Frisch ist im Übrigen Gantenbein (*streichel* *lieb hab* *knuddel*), das auf jeden Fall bei meinen Fünf Lieblingsbücher dabei ist. Andorra fand ich damals in der Schule sehr beeindruckend und Homo Faber war gut, aber etwas seltsam. Dafür hat es mir damals die Sprache von Frisch angetan und dafür gesorgt, dass ich etwas von ihm lesen wollte, ohne fragwürdige Interpretationen meines Deutschlehrers zu übernehmen. :zwinker:

    Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr.<br />~ A. Einstein<br /><br />Man umgebe mich mit Luxus; auf das Notwendige kann ich verzichten. <br />~ Oscar Wilde

  • Unverhältnismäßig lange fünf Tage habe ich gebraucht, um mich durch dieses Buch zu lesen, was vor allem daran lag, daß ich regelmäßig drohte, darüber einzuschlafen. Dabei fand ich den Anfang und die aufgebaute Grundkonstellation durchaus vielversprechend. Aber das hörte mit Stillers Zweitem Heft sehr schnell auf und wurde bis zum Ende auch nicht mehr besser, auch wenn es vereinzelt Abschnitte gab, die mich zu interessieren vermochten. Sie waren nur leider zu vereinzelt.


    Stiller und Julika wirkten auf mich die ganze Zeit, und das betrifft nicht nur ihre rückblickend erzählte Ehe, sondern auch das, was man aus dem Nachwort des Staatsanwaltes entnehmen kann, wie zwei lebensuntüchtige, in der Pubertät steckengebliebene Egomanen. Kein Wunder, daß eine solche Beziehung schlechterdings nicht funktionieren kann. Und noch viel weniger als die Probleme dieser beiden Jammerlappen hat mich die Ehe des Staatsanwalts interessiert, jedenfalls rechtfertigte diese banale Angelegenheit keinesfalls, sie auch noch in dieser Breite und aus der Sicht beider Partner erzählt zu bekommen. Auch hatte ich nicht unbedingt damit gerechnet, mich in Davos in ein Sanatorium begeben zu müssen, dann hätte ich lieber gleich noch einmal zum Zauberberg gegriffen.


    Abgesehen davon also, daß ich die Personen wie auch ihre Beziehungen zueinander als auch vor allem Stillers Identitätskrise schnarchlangweilig fand, hat mich Frisch auch spätestens nach dem ersten Drittel verloren, weil ich mich im falschen Genre wähnte. Aber solche Formulierungen wie diese Beschreibung Julikas (und das ist kein Einzelfall) erwarte ich doch eher in anderen Büchern:


    Zitat

    (...) Stiller selbst (...) war für muntere Geselligkeit, entkorkte die nächste Flasche, in seiner liebenswerten Art besorgt, daß alle zu trinken hatten, auch die schöne Julika in der Ecke, die, zum erstenmal in jenem Atelier, sich mit ihren großen und so ungemein schönen Augen umsah, ohne viel zu trinken, ohne etwas zu sagen; ihr Beitrag, wie so oft, war ihr köstliches Haar mit dem rötlichen Glanz ...


    :boahnee:


    Homo Faber fand ich ganz in Ordnung, auch wenn es mich nicht vom Hocker gerissen hat. Aus der Oberstufe habe ich hervorragende Erinnerungen an das Theaterstück Die chinesische Mauer, aber das Verdienst muß ich wohl zu wesentlichen Teilen meinem exzellenten Deutschlehrer zuschreiben, aber zu einem Theaterstück würde ich vielleicht auch noch einmal greifen. Jedoch war das jetzt mein zweiter und auch definitiv letzter Versuch mit Frischs Romanen, dafür war diese Lektüre einfach zu gruselig.


    1ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    Schönen Gruß
    Aldawen

    Einmal editiert, zuletzt von Aldawen ()

  • Stiller von Max Frisch

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    Max Frisch, 1911 in Zürich geboren und 1991 ebendort gestorben, erzählt in seinem Roman "Stiller" von Mr White, welcher bei seiner Einreise in die Schweiz festgenommen wird, weil er für die Grenzpolizei mit dem verschwundenen Bildhauer Anatol Ludwig Stiller identisch ist. Frühere Freunde, sein Bruder, seine Frau Julika und der Staatsanwalt bestätigen in Aussagen und gemeinsamen Erinnerungen diesen Verdacht. Die Aufzeichnungen des Mr. White in der Untersuchungshaft aber wehren sich gegen diese Festlegung mit der Behauptung (zugleich auch der erste Satz des Buches): "Ich bin nicht Stiller!"


    Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was mich geritten hat, als ich zustimmte Max Frisch auf meine Maturalektürenliste zu setzten. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich als Schweizerin das Gefühl hatte, ich müsste jetzt doch endlich einmal was von ihm lesen.
    Gedacht, getan. Auf die Liste kamen Homo Faber und Stiller. Homo Faber habe ich zuerst gelesen, das Buch hat mir auch sehr gut gefallen und ich hatte es eigentlich sehr schnell durch. Es gab immer wieder Stellen, die mich überrascht haben und die Lektüre wurde nie langweilig. Aber ich will ja jetzt nicht von Homo Faber reden, sonder eine Rezi zu Stiller schreiben. Ich musste aber mit dem Homo Faber anfangen, weil ich sonst nicht ausdrücken kann, wie sehr mich Stiller erstaunt hat. Stiller war irgendwie sehr anders. Ein Buch mit "nur" 438 Seiten (was ich sonst sehr schnell gelesen habe), für welches ich mehr als drei Tage hatte. Trotz der, im Vergleich zu anderen Büchern, geringen Seitenzahl, ist dieses Buch ein selten schwerer Brocken. Es zieht und zieht sich, ab Seite 300 habe ich das Ende nur noch erhofft. Manche Stellen sind wirklich furchtbar öde.


    Vielleicht liegt es daran, dass das Buch 1954 geschrieben wurde und ja wirklich nicht mehr ganz unserem Zeitgeist entspricht, oder einfach daran, dass ich in Sachen Ehe und Liebe und Treue und was weiss ich, noch nicht die selbe Erfahrung habe wie Stiller sie scheinbar zu haben gedenkt und daher nicht ganz alles verstehen konnte. Aber ehrlich gesagt lag es auch daran, dass ich Stiller nicht ausstehen kann.
    Er ist für mich dieser Typ Mann, der mich anwidert. Witzigerweise denkt er das ja auch von sich selbst.
    Daher muss ich doch sagen: Frisch hat da einen interessanten Charakter erschaffen, der viel Tiefe hat, nicht durchsichtig ist, der einen interessieren kann, über den man mehr erfahren will und der eigentlich sehr menschlich wirkt. Aber er ist mir trotzdem nicht symphatisch, weil er meiner Meinung nach einfach ZU viele Schwächen hat. Da mochte ich den Staatsanwalt schon lieber.
    Was die Charaktere ansonsten angeht, so hasste ich auch Sybille. Sie ist für mich ganz einfach die Verkörperung der immer unzufriedenen bünzli Schweizerhausfrau. Ich kann sie nicht ausstehen, ehrlich nicht. Julika badete mir zu sehr im Selbstmitleid und sie hat eine seltsame Vorstellung von Liebe, ansonsten fand ich sie ganz okay. Die Geschichte um Julika fand ich überhaupt am interessantesten.
    Die einzelnen Geschichten, die Mr White/Stiller niederschreibt, sind, jedenfalls zu Beginn des Buches, sehr interessant. Ich mochte die Geschichte, wie er Julika kennenlernte und wie sie sich im Sanatorium aufhielt, wie er sie dort besuchte und alles, sehr gerne. Mir gefielen auch seine Erzählungen von Amerika. Jene mit der Mulattin oder auch die Geschichte in der Höhle in Texas fand ich ganz stark. Was mich aber nicht im Geringsten interessiert und sich dann leider zum Inhalt des Buches mauserte, war diese Geschichte um Sybille, seine Affäre, und ihren Mann, den Staatsanwalt. Es interessierte mich ganz einfach nicht. Ich hielt eigentlich alle Beteiligten für kindisch, obwohl ich den Staatsanwalt noch am ehesten verstehen konnte. Ich konnte Sybille einfach von Anfang an nicht ausstehen und fand es dann auch sehr seltsam, dass die drei (Sybille, Staatsanwalt Rolf und Stiller) am Ende Freunde werden. Hallo, ich würde mich jedenfalls nicht mit der Affäre meiner Frau anfreunden?! Das war seltsam.


    Ein weiterer Punkt, der mich anfangs faszinierte, dann einfach nur noch nervte, war Stillers Kritik an der Schweiz. Zu Beginn fand er da wirklich sehr passende Angriffspunkte. Ich war fasziniert, wie Frisch hier scheinbar seine Heimat so genau unter die Lupe genommen hatte und so treffend zu charakterisieren wusste. Ich fand es auch lustig, dass manche Dinge noch heute zutreffen. Aber dann begann es allmählich auszuarten. Dieser Stiller motz ja nur noch an der Schweiz rum und ich konnte das mit der Zeit echt nicht mehr tragen. Ist ja nicht so, dass ich eine Patriotin wäre oder Kritik an meinem Land nicht vertrage, aber irgendwann ist es einfach mal genug. Ich hoffe ihr versteht, was ich meine... Ausserdem umschreibt er das immer so... soll er doch einfach ausrasten und sagen: Ich hasse die scheiss Schweiz, alles nur Fassade! Aber nein, er umschreibt dass dann innerhalb von etwa 10 Buchseiten und das ödet dann einfach nur noch an.


    Was möchte ich noch erwähnen? Ich muss sagen, dass ich dieses Buch mit geteilter Meinung beendet habe. Der Anfang war sehr vielversprechend. Ich fand den Aufbau der Geschichte sehr gut, ich mochte diese Verwirrung (Ist er jetzt Stiller oder nicht?), die Frisch gekonnt streute, sehr gerne. Mir gefällt Frischs Stil nach wie vor, er schreibt sehr bildhaft, die Charaktere sind auch interessant. Aber irgendwann begann mich alles zu langweilen. Zu lange Reden über die Nichtigkeit der Schweiz und der Ehe, all das langweilte mich einfach nur. Ausserdem halte ich Stiller für eine Memme und es ist meistens mühsam, wenn man den Protagonisten unerträglich findet.


    Zusammenfassend: Bis etwa Seite 250 ist das Buch wirklich toll, Frischs Stil mag ich nach wie vor. Die Charaktere sind alle sehr interessant, können aber gehörig auf die Nerven gehen. Irgenwann wurde mir die Kritik an der Schweiz und das Gelabber über Ehe und Liebe einfach zu viel. Zu lange, öde Passagen haben mir das Lesen dieses Buches echt erschwert. Ein ziemlicher Brocken. Am Ende war ich nur noch froh es durch zu haben und das, obwohl es so vielversprechend angefangen hatte.


    2ratten