Thomas Mann - Der Zauberberg

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Es gibt 155 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Schlemihl.

  • Hallo!
    Ich lese jetzt schon seit Juli den Zauberberg. Und ich komme überhaupt nicht damit zurecht, will ihn aber trotzdem zu Ende lesen.
    Mich macht das Buch leider immer nur total zornig. Dabei fand ich Tod in Venedig trotz des Schreibstils sehr sehr gut. Das war das erste Buch, das mir TROTZ der Erzählweise gefallen hat. Da dachte ich, das wird beim Zauberberg schon auch so sein. Wenn ich mich erst mal durchgekämpft habe, wird es schon besser werden... Aber es wird nicht besser.
    Und ich habe jetzt eine Frage an jene, die dieses Buch wirklich lieben, denen es wirklich etwas vermittelt:
    Versteht ihr Passagen wie diese hier: ‎"Die alchimistische Logenobservanz hat viele edle, suchende Geister in späteren Jahrzehnten zu diesem Ziele geführt, - ich muss es nicht nennen, denn es kann Ihnen nicht entgangen sein, dass die Rangsstufenfolge der schottischen Hochgrade ...nur ein Surrogat ist der Hierarchie, dass die alchimistische Weisheit des Meister-Maurers sich im Mysterium der Wandlung erfüllt und dass die geheime Führung, die die Loge ihren Zöglingen angedeihen ließ, sich ebenso deutlich in den Gnadenmitteln wiederfindet, wie die sinnbildlichen Spielereien des Bundeszeremoniells in der liturgischen und baulichen Symbolik unserer heiligen katholischen Kirche" "Ach so!" (Naphta+Castorp)
    Ich lese immer wieder ein paar Seiten darin, finde es sehr interessant, es gefällt mir sogar. Und dann kommt wieder eine Passage, über die ich erstmal ein paar Tage nachdenken muss (wenn Settembrini über Religion spricht zum Beispiel. Da muss ich als Christ erst mal drüber nachdenken) und dann kommen solche Passagen wie die eben zitierte und die machen mich so wütend.
    Mir scheint ja schon Hans Castorp nicht so der allerhellste zu sein und ich als Leser fühle mich dann total dumm.
    Der Zauberberg beraubt mich um mein Selbstwertgefühl. Das ist nicht gut, oder? Obwohl ich ihm immerwieder auch ein paar positive (einzelne) Seiten abgewinnen kann.
    Diese Zeitlosigkeit, dieser Schwebezustand, diese Unverbindlichkeit, das Nachdenken über die Zeit, das finde ich alles sehr schön.


    Bitte gebt mir einen Tipp, wie ich mit "Diese -Fremdwort Fremdwort-schon mal gehört-keine Ahnung wovon er da spricht - ah jetzt redet er wieder Französisch- ach und nun latein - von jeher miteinander verbunden und daher - keine Ahnung was das jetzt bedeutet - so ist."-Sätzen zurecht kommen soll.

  • In der FAZ hat Frank Schirrmacher einen schönen Artikel über den Zauberberg geschrieben und blickt hundert Jahre zurück auf das Jahr 1913, Hans Castorps vorletztes Jahr im Berghof, bevor wir ihn kurze Zeit später im Schlachtgetümmel des Ersten Weltkriegs aus den Augen verlieren. Ein Resümee der damaligen Ereignisse im Berghof, eine Liebeserklärung an den Roman und ein Plädoyer für seine Wichtigkeit und Aktualität, auch und gerade heute noch.


    FAZ 23.2.2013 - Sein letztes Jahr

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.

    Einmal editiert, zuletzt von MacOss ()

  • Und hier noch der Hinweis auf ein nettes kleines Büchlein von Uwe Timm mit einem Vortrag warum der Zauberberg lesenswert ist.


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    Auf Amazon leider nicht verfügbar, aber im Buchhandel konnte ich ein Exemplar in Augenschein nehmen. Der Preis beträgt acht überschaubare Euro.


    Gruß, Thomas

  • Anlässlich dieser Monatsrunde und der zeitgleich gestarteten Zauberberg-Leserunden werden wir hier den Zauberberg dem Bechdel-Test unterziehen.


    Meine Ausgabe enthält ein Vorwort, das schon mal mit Pauken und Trompeten durchfällt. Es ist von Thomas Mann und richtet sich an die Studenten der Universität Princeton (die sein Buch durcharbeiten müssen), und es beginnt mit der Anrede "Gentlemen." Tja, und dabei bleibt es auch. Ob 1939 noch keine Studentinnen da waren?


    Auch die von Mann erwähnten anderen Werke sind allesamt von Männern geschrieben, und die in seinem Roman vorkommenden Personen, die er erwähnt, sind mit einer Ausnahme männlich.


    Vorwort: :tse:

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

  • Was ich bisher so von Thomas Mann mitbekommen habe ist, dass er sehr in einer männlichen und auch chauvinistischen Welt unterwegs war. Außerdem war er eher egozentrisch. Zusätzlich soll er ja auch noch ein verkappter Homosexueller (oder bisexuell?) gewesen sein. Zudem war auch die Welt 1939 absolut männlich gepraegt. Es war die Zeit von Hitler...! Tja, wo bleibt da noch Platz für Frauen?


    Mein Opa war ein ähnlicher Typ Mensch und fuer ihn waren neben ihm andere Menschen und das andere Geschlecht weniger wert und interessant. Nur ihm intellektuell gleichgestellte oder über ihm angesiedelte waren "genehm". Und das waren ausschließlich Männer. Frauen waren Beiwerk.

    Gruß suray

    Einmal editiert, zuletzt von suray ()

  • Hallo ihr Lieben.


    Hier wird es jetzt schon spannend. :breitgrins: Suray hat natürlich völlig Recht und ich würde mich nicht wundern, wenn während des ganzen, dicken Buches, kein einziges Mal zwei Frauen über etwas anderes als einen Mann reden. Andererseits ist es bei älteren (und da reichen schon eine oder zwei Generationen) Büchern auch nicht allzu verwunderlich. So lange ist es noch nicht her, dass wir Frauen so viele Rechte haben wie heute.
    Wenn ich an Klassiker denke, fallen mir nur weibliche Autorinnen ein, die den Test eventuell bestehen könnten, aber selbst bei Jane Austen bin ich mir nicht sicher, ob die Massen an Frauen oft über andere Dinge reden als Männer. :elch:


    Ich folge euch jedenfalls höchst gespannt in eurer Lese- und Bechdel-Testrunde.

    Jahresziel: 2/52<br />SLW 2018: 1/10<br />Mein Blog

  • Ich fürchte auch, dass suray recht hat. Es ist zwar schon einige Jahre her, dass ich den Zauberberg gelesen habe, aber an Frauen kann ich mich nicht wirklich erinnern :sauer: Aber bestimmt huschen ein par Frauen durch die Handlung und reden auch das eine oder andere Wort. Ich drücke die Daumen.

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.

  • Clawdia Chauchat ;)

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Aber bisher muss die "arme" Clawdia ja nur als Objekt für die Begierden von Hans herhalten. Ich habe aber auch nur ein Viertel des Buches gelesen.

    Gruß suray


  • Mein Opa war ein ähnlicher Typ Mensch und fuer ihn waren neben ihm andere Menschen und das andere Geschlecht weniger wert und interessant. Nur ihm intellektuell gleichgestellte oder über ihm angesiedelte waren "genehm". Und das waren ausschließlich Männer. Frauen waren Beiwerk.


    Meine Großeltern benutzten auch gelegentlich die Worte, dass Enkelin ... ja nur ein Mädchen sei... Noch heute, über 40 Jahre später, steigt meiner Mutter beim Erzählen die Zornesröte ins Gesicht. :grmpf:

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

  • Erstes und zweites Kapitel: :tse:
    nicht bestanden. Es gibt nur eine schweigende, abweisende Frau im Restaurant als Gast und in Hansens Kindheit eine treusorgende Haushälterin.

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

    Einmal editiert, zuletzt von Kiba ()

  • Nicht aufgeben. Bei so vielen Seiten muss doch ein Gespräch unter zwei Frauen drin sein!

    Es kommt darauf an, wie du dein Leben mit Leben füllst.

  • Nicht aufgeben. Bei so vielen Seiten muss doch ein Gespräch unter zwei Frauen drin sein!


    Ich bin nicht mal sicher, ob im ganzen Werk von Thomas Mann ein Gespräch zwischen zwei Frauen vorkommt.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Ich bin nicht mal sicher, ob im ganzen Werk von Thomas Mann ein Gespräch zwischen zwei Frauen vorkommt.


    :breitgrins: Was haben die auch zu sagen. Wie auch mein Großvater immer zu seiner Frau zu sagen pflegte: Halt den Mund!

    Gruß suray

  • Ich bin nicht mal sicher, ob im ganzen Werk von Thomas Mann ein Gespräch zwischen zwei Frauen vorkommt.


    Ich bin nicht sicher, es ist schon lange her, dass ich die Buddenbrooks gelesen habe.
    Aber dort kommen verhältnismäßig viele Frauen vor und ich bin fast sicher, dass es Gespräche z.B. zwischen Toni und Klara Buddenbrook.
    Oder aber Tonis Ferienaufenthalt an der Ostsee - ich komme nicht auf den Namen -, aber gab es nicht Gespräche zwischen der dortigen Wirtsfrau und Toni... Ich meine mich auch an ein Gespräch zwischen Toni und ihrer Mutter zu erinnern, als es um das Werben von Herrn Grünlich ging.
    Wie gesagt, ich kann mich irren, dafür müsste ich es mal wieder lesen. :smile:

    &#128012;

  • Kandida
    Bei diesem Test geht es ja auch darum zu zeigen das sie sich über ein anderes Thema als Männer unterhalten und das wäre bei diesem Gespräch nicht gegeben. :breitgrins: Und irgenwie gehts Toni ja immer irgendwie darum das sie heiratet und um ihre Brüder...


  • Kandida
    Bei diesem Test geht es ja auch darum zu zeigen das sie sich über ein anderes Thema als Männer unterhalten und das wäre bei diesem Gespräch nicht gegeben. :breitgrins: Und irgenwie gehts Toni ja immer irgendwie darum das sie heiratet und um ihre Brüder...


    Stimmt! :breitgrins:
    Hatte ich wohl verdrängt.

    &#128012;