Thomas Mann - Der Zauberberg

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Es gibt 155 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Schlemihl.

  • 1.) Studiere ich nicht Germanistik, war ein Wahlfach


    Ich glaube nicht, dass die Aussage von vulkan gegen jemand persönlich gerichtet war. Aber mich beschleicht hier im Forum ein ähnliches Gefühl. Die Germanistik-Studenten lesen (zumindest meinem Gefühl nach) weniger Klassiker als mancher Nicht-Germanistik-Student. Das kann doch eigentlich nicht sein, oder? Oder ist das nur eine falsche Wahrnehmung?


    Gruß, Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von Klassikfreund ()

  • Thomas,
    bezüglich Chil hat es sich um ein Missverständnis gehandelt, für das ich mich bei Chil bereits entschuldigt habe.


    Ansonsten habe ich einige Male (allerdings nicht in diesem Forum) den Eindruck gehabt, dass Studenten oft den Weg um die eigentliche Materie herum suchen. Das betrifft nicht nur Germanistikstudenten, sondern ebenso Geschichts- und Politikstudenten, die lieber Sekundärliteratur als Originalquellen und -texte lesen. (Ganz zu schweigen von Studenten der Musikwissenschaft, die praktisch keine E-Musik kennnen, geschweige denn über musiktheoretisches Wissen verfügen.) Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht, spielt jetzt aber hier auch keine Rolle, da ich diesen Zauberbergs-Fred nicht weiter missbrauchen möchte zu einer allgemeinen Diskussion über Studiengänge und Gebaren von einigen Studenten.


    Ich verspreche, sobald ich mit dem Zauberberg durch bin, werde ich noch mal versuchen, etwas Konkreteres hier zu schreiben - als Wiedergutmachung für mein Ablenkungsmanöver! :redface:
    Momentan bin ich an der Stelle, wo Castorp endlich seine Abreise verschiebt aufgrund seines "fiebrigen Katarrhs". Ich bin gespannt, wie sich Castorp, der bisher ja wie ein menschlicher Schwamm beschrieben wurde, der alles aus seiner Umgebung aufsaugte, ohne besondere eigene Persönlichkeitszüge zu zeigen, weiterentwickelt.


  • Ich glaube nicht, dass die Aussage von vulkan gegen jemand persönlich gerichtet war. Aber mich beschleicht hier im Forum ein ähnliches Gefühl. Die Germanistik-Studenten lesen (zumindest meinem Gefühl nach) weniger Klassiker als mancher Nicht-Germanistik-Student. Das kann doch eigentlich nicht sein, oder? Oder ist das nur eine falsche Wahrnehmung?


    Gruß, Thomas


    Ich glaube eher, dass die Forumuser es nicht unbedingt mitbekommen. Ich zB studiere auch jetzt Germanistik mit Literaturwissenschaft und die meisten [nicht alle Bücher], die ich für die Uni lese, rezensiere ich gar nicht. In meinen Übungen rede ich schon genug über die Bücher, so dass ich nicht auch noch ne Rezension darüber schreiben muss. :rollen: Und ich habe während meiner drei Monate Studium wesentlich mehr für die Uni als privat gelesen. [Ich glaube auch, manche Leute unterschätzen das, was man alles lesen muss für die Uni - neben den Büchern, die man dann noch liest, um sich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen, wie bei mir zB "Ödipus", weil es einfach die Tragödie schlechthin ist.]

  • Ich muss bei dieser Diskussion immer an die Worte einer alten Freundin (und seinerzeit Germanistikstudentin) denken, die mal zu mir gesagt hat: "Wenn Du Deine Freude am Lesen, an Büchern, an der Literatur behalten willst, dann studiere bloß nicht Germanistik."


    Das hat mir ziemlich zu denken gegeben...

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.


  • Ich muss bei dieser Diskussion immer an die Worte einer alten Freundin (und seinerzeit Germanistikstudentin) denken, die mal zu mir gesagt hat: "Wenn Du Deine Freude am Lesen, an Büchern, an der Literatur behalten willst, dann studiere bloß nicht Germanistik."


    Das hat mir ziemlich zu denken gegeben...


    Diese Befürchtung hatte ich auch und sie war tatsächlich der Hauptgrund, warum ich mich gegen ein Literaturstudium entschieden habe.


    Ich kannte diesen Effekt bei mir bereits von der Kunst und hatte Angst, dass es mir mit der Literatur genauso gehen könnte.

  • Ich lese das Buch auch mal wieder seit langer Zeit und bin doch sehr begeistert. Trotzdem ist mir einiges zu ausgewalzt. Was mich aber ärgert, ist, daß ich nur ein paar Brocken Französisch kann. Der erste Band kulminiert ja in der Begegnung von Hans Castorp und Madame Chauchat - nur ist dieses längere Gespräch auf Französisch und ich verstehe nur Bahnhof. :grmpf:Ist das jemals übersetzt worden?

  • Ich habe eine 15 Jahre alte Ausgabe, auch da ist im Anhang übersetzt.


    Gruß, Thomas

  • Ich muss bei dieser Diskussion immer an die Worte einer alten Freundin (und seinerzeit Germanistikstudentin) denken, die mal zu mir gesagt hat: "Wenn Du Deine Freude am Lesen, an Büchern, an der Literatur behalten willst, dann studiere bloß nicht Germanistik."


    Is' aber auch Unsinn, sorry ... Ich wollte, ich hätte Musik studiert, damit ich auch verstehe, was ich höre ...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Wenn Dein zweiter Satz ironisch gemeint ist, sind wir doch gar nicht so weit voneinander entfernt.


    Was ich sagen will: Ich muss nicht immer verstehen, was ich höre (oder lese usw.). Mir reicht manchmal die naive Freude an den Dingen, ohne genau wissen zu müssen, warum ich Freude empfinde. Wenn ich eine Sache eingehend studiert habe, komme ich u.U. nicht mehr aus dem Analysieren heraus, statt zu genießen. Ich saß mal mit einer Freundin im Kino, die seinerzeit in einem Synchronstudio am Schneidetisch gearbeitet hat. Ich war spätestens nach einem Drittel des Films völlig entnervt, weil sie mich ständig auf Fehler in der Synchronisation des Filmes aufmerksam gemacht hat. Richtige Freude kann sie im Kino - zumindest bei synchronisierten Filmen - wohl nicht mehr haben...

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.

    Einmal editiert, zuletzt von MacOss ()

  • Hallo Mombour, hallo Klassikfreund,


    schön, daß es übersetzt wurde. Meine sehr schöne gebundene Ausgabe ist mindestens schon 20 Jahre alt und tut es nicht. Ich werde mir mal eine neue Ausgabe aus der Bibliothek holen. Danke für die Auskunft :winken:


    Gruß Martin

  • Guten Morgen,


    jetzt hat es mich doch interessiert und ich habe mir aus der Bibliothek den "Zauberberg" geholt. Interessanterweise steht am Klapptext, dass man das ja beim 2ten lesen genießen kann, laut Thomas Mann. Hmm. Ich las bis Seite 33 und dann fielen mir die Augen zu. Aber diesmal, weil ich wirklich müde war.
    Den Humor Manns kann ich nicht teilen. Es tut mir leid. Jetzt weiß ich nämlich wieder, warum ich dieses Buch nicht mag. Anfangs dieses "Gelächter" und die "Tränen in de Augen", weil die Leichen auf der Bobbahn runtergebracht werden. Hahaha...ich lache mit und sich über irgendeine Alte lustig machen, die alle Fachausdrücke falsch sagt, ist wahrlich überheblich und dann das makabre, wo in dem Zimmer die Frau gestorben ist. Das finde ich ja wahrlich "lustig". Nein, ich teile diesen Humor ganz und gar nicht. Aber, ich werde weiterlesen, weil ich will dann erklären, warum ich es langweilig finde. Ist doch schon lang her...


    Wie auch immer. Vielleicht ist das der Schlüssel - andere Zeiten, andere Sprache, anderes Denken und soweiter.
    Vielleicht war das damals "lustig"? Vielleicht hatte man so einen Humor? Vielleicht muss man einfach umdenken?


    Vielleicht wollen das viele nicht? Wer weiß.

  • cori, dein Beitrag gefällt mir. Ich schaue auch noch mal rein und erkläre, warum der Zauberberg durchaus Spaß machen kann (zugegebenermaßen erinnere ich mich auch an manche Länge, aber ich war noch ziemlich Literatur unerfahren als ich ihn las).


    Gruß, Thomas

  • Danke Tom, denn ich gebe zu, man kann seine Meinung ja 10 Jahre später durchaus ändern. Und ich bin auch unsicher geworden, was Mann angeht. Heinrich mag ich wirklich sehr gern, das weiß ich definitiv, aber Thomas habe ich immer mit Widerwillen gelesen. Jetzt ergründe ich WARUM.
    Und, ich werde berichten, wie es mit meinen Emotionen weitergehen wird. Makabres mag ich durchaus, jedoch nicht, wenn es um Krankheiten geht.


    Lg cori

  • cori, die Begründung deiner kritischen Haltung zum Zauberberg finde ich sehr interessant, habe dies über das Buch noch nie gehört oder gelesen. Natürlich zeigt es mir auch einmal mehr, wie unterschiedlich der Zugang ist, den Leser zu Literatur haben, und wie problematisch es sein dürfte, ernsthaft DEN Zugang zu propagieren.


    Ich kann genau sagen, warum mir der Zauberberg gefällt. Als meine Deutschkenntnisse so gut waren, dass ich mich an Bücher dieser Liga heranwagen konnte und den Zauberberg lesen wollte, stand die Rechtschreibreform vor der Tür, die unter solchen Bedingungen sehr irritierend wirken konnte, wenn Deutsch nicht die eigene Muttersprache war. Für mich war Manns Buch zu dieser Zeit unter sprachlichen Aspekten interessant, weniger unter inhaltlichen. Vielleicht wie ein Gemälde, dessen Motiv mich nicht sonderlich anspricht, dessen faszinierende Gestaltung mich jedoch das Motiv vergessen lässt. Der Zauberberg ist für mich noch immer eins der Bücher, die mir - im positiven Sinne - gezeigt haben, wozu ein Schriftsteller im Umgang mit der deutschen Sprache fähig sein kann. Nahe bei diesem Ansatz bleibend, haben mich auch die theoretischen Diskurse mehr gereizt als die Handlung. Wie ich das Buch bei erneuter Lesung inhaltlich bewerten würde? Vielleicht sollte ich es bald wieder lesen.

  • Ja, Mohan, wahrlich liest (Gott sei Dank) jeder anders.
    Ich mag Bernhard sehr gern, weil Bernhard eine "TASCHE in die Hand nimmt" und Thomas Mann eine "braune Tasche - die zuvor Herr X dorthin gestellt hat - und er sieht eine Abschürfung darauf und normalerweise würde er so eine Tasche nie in die Hand nehmen".
    Bitte! Das ist doch EGAL! Ich behaupte, der Zauberberg wäre halb so dick ohne diesen Bemerkungen.
    Und das kann langweilen.


  • Ich mag Bernhard sehr gern, weil Bernhard eine "TASCHE in die Hand nimmt" und Thomas Mann eine "braune Tasche - die zuvor Herr X dorthin gestellt hat - und er sieht eine Abschürfung darauf und normalerweise würde er so eine Tasche nie in die Hand nehmen".
    Bitte! Das ist doch EGAL! Ich behaupte, der Zauberberg wäre halb so dick ohne diesen Bemerkungen.
    Und das kann langweilen.


    Andererseits sagt es sehr viel über den Autor aus: detailversessen. Er will jedes Detail genau beschreiben, für den einen langweilig, für den anderen interessant.


    Vielleicht sollte ich dem Schinken ja doch noch mal eine Chance geben.


    Katrin

  • Tom: WIeso erst in 10 jahren?


    Also, Detailverliebtheit mag ich ja! Ich mag die Beschreibung des Berges und der Zugfahrt, sowas mag ich sehr, aber ich mag so Zusatzbemerkungen nicht, die nicht umbedingt hineingehören.
    Also, so, er sagt: "Greif meine Wangen an" (oder so) und gleichzeitig genierte er sich, weil das nicht seine Art war. Ich möchte mir selbst ein Bild über den Protagonisten machen und nicht, dass mir der Autor die Figur "zu Tode" beschreibt, bis nur noch seine Gedanken den Meinen überwiegen.

    Einmal editiert, zuletzt von cori ()

  • Weil sich die Wahrnehmung über ein Buch ständig ändert, was einem heute gefällt, muss nicht in 10 Jahren so sein, und da ich den Zauberberg in den letzten vier Jahren drei mal angefangen und nie beendet habe, scheint noch nicht die richtig Zeit zu sein :breitgrins:


    Katrin