Miguel de Cervantes - Don Quijote (1. Buch, Vorrede & Kap. 1 - 17)

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 94 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von schokotimmi.

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    Kurzbeschreibung:
    Seit fast vierhundert Jahren zieht der "sinnreiche Junker" Don Quijote, der Ritter von der traurigen Gestalt, durch die Weltliteratur, um seinen Idealen von Gerechtigkeit und Liebe zum Sieg zu verhelfen. Dem närrischen Abenteurer zur Seite steht der treue Knappe Sancho Pansa, dessen praktischer Lebenssinn den schönsten Kontrast zur Realitätsferne seines Herrn bildet. Auch wenn schließlich der Ritter den Zusammenbruch seiner Trugwelt erleben muss, mündet die große Enttäuschung am Ende glücklich in eine neue Selbsterkenntnis, und in heiterer Gelassenheit stirbt er als Alonso Quijano der Gute.


    Mit dem 1605 und 1615 in zwei Teilen erschienen Romane ließ Cervantes die ursprüngliche Idee einer bloßen Parodie auf den Ritterroman weit hinter sich. Er verschmolz sämtliche damals bekannten Erzählformen zu dem spanischen Roman, der auf die Schriftsteller, Komponisten, Maler und Illustratoren Europas bis ins 20. Jahrhundert hinein großen Einfluss ausübte.



    Don Quijote de la Mancha liegt schon seit Ewigkeiten auf meinem SuB. Doch bisher hatte ich nicht den "Mut" mich über diesen sehr bekannten und umfangreichen (über 1000 Seiten) Wälzer herzumachen.
    Deswegen würde ich mich freuen, wenn eine gemeinsame Leserunde zustande käme, denn ich bin mir sicher, dass dieses Buch für sehr viel Diskussionsstoff sorgen kann! :smile:


    Starttermin: 5. Juli


    Teilnehmer:


    Saltanah
    illy
    foenig
    Aldawen(?)
    Juggalette
    So-called Chaos
    Doris
    aquacat
    schokotimmi(?)
    chil
    Myriel
    gretchen
    Lullyblue
    Paula
    Avila
    jääkaappirunous
    Boudiccaa
    Ninette
    Hildegunst


    [hr]


    In diesem Bereich könnt ihr zum 1. Buch, Vorrede und Kap. 1 - 17 schreiben.

    Wir sind irre, also lesen wir!

    Einmal editiert, zuletzt von Saltanah ()

  • Ich habe diese Ausgabe (Tieck-Übersetzung)

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    Nach Vorrede und den ersten 2 Kapiteln kann ich schon mal sagen, dass es mir sprachlich ganz gut gefällt, da dürfte ich mit zurecht kommen. (Nach leichten Befürchtungen)


    Die Vorrede hat schon für leichtes Amüsement gesorgt, ich fand es sehr hübsch, wie Cervantes Freund darüber herzieht, dass die Gelehrsamkeiten anderer Bücher doch nur Schwachsinn sind und er den Umgang mit gelehrten Zitaten doch ebenfalls so locker sehen soll. (das hat mich ein bisschen an Fieldings "Tom Jones" erinnert, da gab es auch diese kritischen Anmerkungen zur Konkurrenz.) Recht hat er.


    Hinten im Buch ist bei mir der Abschnitt aus Kindlers Literaturlexikon zum Buch, dort steht, dass Rosinante (bzw. Rocinante) so etwas bedeutet wie "der früher ein Klepper war" und die Geschichte deutet ja auch so etwas an bezüglich der Namenswahl. Das finde ich ziemlich interessant, ich hatte mir nie Gedanken über den Namen gemacht und fand Rosinante ziemlich lächerlich. Übersetzerin Lange zum Thema auf ARTE

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

  • Hallo,


    auch ich habe schon angefangen und fand die Vorrede sehr amüsant, er empfindet sein Buch also nicht als vollständig, wenn er keine Vorrede oder sonstige "gelehrte" Ergüsse einfließen läßt. Und die Sonette, die dann folgen, einfach herrlich.


    Die Sprache ist ganz OK, aber ein bisschen einlesen musste ich mich schon.


    Die Infos zum Pferd Rocinante sind klasse - danke dafür. Ich stürtze mich auf diese Dinge, denn ich habe keine Anmerkungen in meiner (zugegeben günstig erstandenden) Ausgabe vom Patmos Verlag.


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    Grüße
    schokotimmi


    EDIT: Eine Sache fällt mir noch ein: Ich hoffe ich habe es nicht irgendwo überlesen oder vergessen. Woher kommen die verschiedenen Schreibweise: Don Quijote, Don Quichote, Don Quixote - deutsch, spanisch und?

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

    Einmal editiert, zuletzt von schokotimmi ()

  • Ach, ich würd´so gern mit euch mitlesen, aber ich hab leider keine Zeit für so einen Wälzer :traurig:. Auf jeden Fall werde ich gespannt eure Leserunde verfolgen! Viel Spaß mit dem Buch euch allen! :winken:

  • Hey,


    ich hab heute früh mit dem Vorwort angefangen und bin fast mit dem 1. Kapitel fertig. Ich glaube, ich brauch noch ein paar Seiten, um mich einzulesen.


    Ich lese die Übersetzung von Braunfels aus dem Könemann-Verlag, kann aber kein Bild bei amazon zu meiner Ausgabe finden. Es sind 2 Bände im Schuber, gebunden, dunkelblau - mit Illustrationen.


    Die Sprache macht mir etwas zu schaffen. Teilweise musste ich die Sätze im Vorwort zweimal lesen, um sie zu verstehen. Ich hoffe, dass lässt nach, wenn ich mich eingelesen habe. Bisher ist es etwas anstrengend, aber noch kenne ich ja theoretisch auch den Junker noch nicht so richtig und ich hatte vorher eher leichte Lektüre.


    Kapitel 1 war schon besser als das Vorwort und gibt einen guten Überblick über die Lebenssituation, aus der heraus unser Held wohl losziehen wird.

    Ein Leben lang lesen ist nicht genug!<br /><br />Top 3:<br />1. &quot;Die Brautprinzessin&quot; von William Goldman<br />2. &quot;Männer&quot; von Dietrich Schwanitz<br />3. &quot;1984&quot; von George Orwell

  • Ich hab bisher das Vorwort und die ersten beiden Kapitel gelesen.


    Vorwort


    Mir erging es genauso wie lullyblue was die Sprache im Vorwort betrifft. Ich musste mehrfach lesen und selbst danach war ich mir nicht ganz sicher ob ich auch wirklich das verstanden habe, was er mitteilen wollte...ich hab es jedenfalls so aufgenommen, dass er sich über die üblichen Umgangsformen (Sonette,Zitate etc.) mit Witz und Bescheidenheit lustig macht.


    Nebenbei kennt denn jemand solche Bücher in denen es typisch ist ein Sonett am Anfang vor die Geschichte zu packen?Mir ist spontan keins eingefallen :rollen:


    Zudem haben mich diese ganzen Aufzählungen und Vergleiche mit alten Philosophen und Mythengestalten etwas verwirrt....einige kannt ich andere nicht...naja da hab ich etwas schnell drüber gelesen.



    1 u 2 Kapitel


    Das Lesevergnügen ist sofort gestiegen.Ich hatte auch keine Probleme mehr mit der Sprache und einige große Lacher hat es auch schon gegeben wie zum Beispiel das ihm vom lesen der Ritterromane das Gehirn ausgetrocknet ist und die Szene als er in der Schenke eintrifft find ich auch zu komisch wenn zwei Prostituierte als edle Jungfrauen bezeichnet werden :D!




    Ein guter Start würde ich sagen....

  • Genial, Boudiccaa, denn ich dachte schon, ich wäre bescheuert :zwinker:


    Ich bin jetzt weiter vorgedrungen und lese mich zunehmend ein. Dennoch bereitet es mir immer noch Schwierigkeiten, mit dem Ritter mitzufühlen oder ihn gar zu verstehn. Sagen wir mal so: Bisher hab ich ihn noch nicht so richtig ins Herz geschlossen. Aber es ist ja auch noch früh. Ich stecke jetzt im 3. Kapitel, wohl kurz vor seinem Ritterschlag und staune ab, was der Wahnsinn so alles zulässt und auch entschuldigt. Es ist schwer, wahrscheinlich wegen der Sprache, völlig in dem Buch zu versinken, meine Gedanken schweifen immer mal wieder ab und mir fallen die Volksmusik und diverse Soaps ein und Menschen, die der Meinung sind, das Fernsehen wäre das wahre Leben. Ob das vergleichbar ist? Ist Don Quijote nur ein Opfer der Massenmedien der damaligen Zeit? Ist das nicht alles ein Widerspruch? Diese verschnörkelten Sätze, die er aus seinen Ritterbüchern zitiert - also, wie kann ein so jämmerlicher Haufen wie er (und so wird er doch dargestellt) in diesen Sätzen einen Sinn finden? Ich find das gar nicht so einfach. ABER trotz allem find ich diese Sätze genial ... nächstens muss ich mich mal eingehender mit Cervantes beschäftigen. Der Mann scheint sympathisch.


    Bücher mit einem Sonett am Anfang fallen mir gerade keine ein, aber es gibt ja viele Bücher, die vor jedem Kapitel Zitate oder Verse oder Gedichte anderer Prominenter enthalten. Oder auch nur zum Einstieg in das Buch. Da fällt mir spontan "Bonjour Tristesse" ein und wenn ich mal wahllos neben mich auf den Sub greife, seh ich, dass auch "Der Pate" ein Eingangszitat sein eigen nennt.

    Ein Leben lang lesen ist nicht genug!<br /><br />Top 3:<br />1. &quot;Die Brautprinzessin&quot; von William Goldman<br />2. &quot;Männer&quot; von Dietrich Schwanitz<br />3. &quot;1984&quot; von George Orwell

  • Hm, anscheinend ging es mir bisher als einzige so, dass ich das Vorwort langweilig fand ... :rollen: Die ganze Schwafelei darüber wie ein Buch aufgebaut werden sollte, ob mit Zitaten, Erläuterungen, Sonetten etc pp hat mich schon zum Gähnen gebracht.


    Wie gut, das es "nur" 20 Seiten langwar und nicht wie bei "Herr der Ringe" sich über Seiten erstreckte. :rollen:


    Mit der Sprache habe ich keine wirklichen Probleme. Da finde ich andere Autoren schwieriger. Die Sätzen sind vielleicht etwas länger als bei anderen Autoren [aber selbst das empfinde ich noch nicht mal allzu sehr], doch sind sie ähnlich strukturiert. Einige Wörter sind ein wenig altertümlich, aber für mich noch alles im verständlichem Rahmen. Eingelesen hatte ich mich nach den ersten paar langatmigen Seiten des Vorwortes.


    So, ich bin jetzt in der Mitte des 2. Kapitels und nun scheint es loszugehen, wobei sein erstes Tag als Abenteurer ja noch nicht so ergiebig. ist. ;) Also, ich bin gespannt ...


    Ach ja, und ich müsste diese oder eine ähnliche Ausgabe lesen

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    Mein Bild sieht ein wenig anders aus und die Seitenzahl ist auch nicht ganz identisch, aber es ist der gleiche Verlag und vom Groben her die gleiche Coveraufmachung. :rollen:


    Zitat

    Bisher hab ich ihn noch nicht so richtig ins Herz geschlossen.


    Und das geht mir bisher auch so, aber es ist ja auch erst der Anfang des Buches von daher habe ich noch Hoffnung. ;)


  • Bisher hab ich ihn noch nicht so richtig ins Herz geschlossen.


    Ich sehe das momentan auch noch sehr distanziert, wobei mir der Sprachstil sehr zusagt. Der hat so etwas von einem Augenzwinkern in den Sätzen - im übertragenen Sinne natürlich. :zwinker:


    Allerdings habe ich das Buch "von hinten" angefangen und zuerst das Nachwort gelesen, welches mir sagt, ich hätte mich erstmal mit Cervantes Leben selbst befassen sollen.
    Ausserdem stöbere ich nebenbei in den Anmerkungen, die in meiner Ausgabe rund 29 Seiten ausmachen. Bisher verwirren mich die meisten Anmerkungen nur und tragen im einzelnen nicht sonderlich viel zum Verständnis bei.


    Lest IHR eigentlich die Anmerkungen vor jedem Kapitel, beim Lesen des Kapitels oder hinterher?


  • Ist Don Quijote nur ein Opfer der Massenmedien der damaligen Zeit? Ist das nicht alles ein Widerspruch? Diese verschnörkelten Sätze, die er aus seinen Ritterbüchern zitiert - also, wie kann ein so jämmerlicher Haufen wie er (und so wird er doch dargestellt) in diesen Sätzen einen Sinn finden? Ich find das gar nicht so einfach.


    Du darfst aber auch nicht vergessen, dass in der Zwischenzeit 500 Jahre vergangen sind und sich Sprache nun mal kontinuierlich und unaufhaltsam ändert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sich die Leute von damals auch über unsere "komplizierte Ausdrucksweise" wundern und sie nur schwer verstehen. :zwinker:


    Opfer der Massenmedien? Ich würde das jetzt nicht so eng sehen. Don Quijote ist für mich einfach nur ein leidenschaftlicher Leser, der zuviele Ritterromane gelesen hat und nun die Grenzen zwischen Fiktion und Realität nicht mehr unterscheiden kann.



    Lest IHR eigentlich die Anmerkungen vor jedem Kapitel, beim Lesen des Kapitels oder hinterher?


    Ähm...ich hab noch überhaupt keine Anmerkungen gelesen... :rollen: Werde bei Gelegenheit aber mal reinschnuppern.


    So...ich bin jetzt bei Kapitel 6 angelangt und ich bin begeistert. :breitgrins:
    Beim Vorwort hatte ich noch Schwierigkeiten damit mich einzulesen und auch die Sonette habe ich nicht so wirklich verstanden, aber das legte sich beim 1. Kapitel. Jedoch muss ich langsamer lesen und mich wirklich auf das Buch einlassen und mich konzentrieren - dann habe ich auch keine Verständnisprobleme und ich kann die herrliche ironische Schreibweise von Cervantes voll und ganz genießen!


    Laut aufgelacht habe ich schon des Öfteren. Die Aktionen die Don Quijote schiebt sind einfach zum Schreien. Zwar traurig für ihn, da er nicht merkt, was mit ihm geschieht und sich seiner Lächerlichkeit nicht bewusst ist, aber dafür amüsant für die anderen.


    Ich bin schon gespannt wann endlich sein treuer Gefährte Sancho Pansa auftaucht! :breitgrins:

    :leser: [color=#CC0077]<br />Leo Tolstoi - Anna Karenina<br />Geneva Lee - Royal Passion<br />Frank Schätzing - Tod und Teufel<br />Patrick Rothfuss - The Name of the Wind<br />Maggie Stiefvater - The Raven Boys

  • Nach Vorrede und erstem Kapitel will ich mich wenigstens schon mal hier melden, bevor ich für die Lesenacht gleich das Buch wechsle :zwinker:


    Mir hat die Vorrede hervorragend gefallen, was im wesentlichen zwei Gründe hat. Zum einen nutzt Cervantes das Geplänkel mit seinem Freund ganz geschickt, um gleich die richtige Erwartungshaltung beim Leser aufzubauen: Wer einen der üblichen Ritterromane erwartet, die ja zu jener Zeit weit mehr en vogue waren als heutzutage, der bekommt hier schon genügend Hinweise, daß es sich beim Quijote um das völlige Gegenteil handelt, z. B. „Und dies ist um so mehr der Fall, da, wenn ich recht verstehe, dies Euer Buch nicht eines jener Dinge nötig hat, die, wie Ihr sagt, ihm fehlen; denn das Ganze ist nur ein Angriff auf die Ritterbücher (...)“. Wir haben also eine Satire mit Ankündigung :breitgrins: Zum anderen kritisiert er mit dieser Sonett-Plage schlicht und einfach das damalige Marketing, das genau betrachtet bis heute nicht wesentlich anders läuft. Worin liegt denn der Unterschied zwischen einem solchen bestellten oder gar untergeschobenen Sonett und den marktschreierischen Empfehlungsslogans, die (angeblich oder tatsächlich) ein bekannter Schriftstellerkollege einem neuen Roman oder einem Autor allgemein ausspricht und die von den Verlagen auf die Einbände gedruckt werden?


    Die Sonette selbst haben mich auch ziemlich amüsiert, was aber vielleicht daran liegt, daß ich die Inhalte der genannten Ritterromane ein wenig, den Orlando Furioso besser kenne und die typischen Szenen und Übertreibungen schon sehr auffällig sind.



    EDIT: Eine Sache fällt mir noch ein: Ich hoffe ich habe es nicht irgendwo überlesen oder vergessen. Woher kommen die verschiedenen Schreibweise: Don Quijote, Don Quichote, Don Quixote - deutsch, spanisch und?


    Die Reihenfolge wäre wohl eher Deutsch, Französisch, Spanisch.



    Lest IHR eigentlich die Anmerkungen vor jedem Kapitel, beim Lesen des Kapitels oder hinterher?


    Zwischendrin nach Bedarf.


    Du darfst aber auch nicht vergessen, dass in der Zwischenzeit 500 Jahre vergangen sind und sich Sprache nun mal kontinuierlich und unaufhaltsam ändert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden sich die Leute von damals auch über unsere "komplizierte Ausdrucksweise" wundern und sie nur schwer verstehen. :zwinker:


    Nicht nur das, wir haben hier einen doppelten Zeitfilter, da der Originaltext 400 Jahre alt ist, die Tieck'sche Übersetzung 200 Jahre und die Braunfels'sche 160. Beide Zeiten sind uns sprachlich sicher nicht besonders nahe ...


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Zwischendrin nach Bedarf.


    Mir geht es auch so, ich lese die Anmerkungn je nach Bedarf.


    Hallo Ihr Mitlesenden,


    wie ich sehe, seit ihr schon recht fleissig.


    Ich wünsche noch weiterhin viel Spaß beim Lesen


    Gruß


    gretchen :winken:

  • Hallo zusammen,


    hier geht es ja schon recht munter zur Sache. Ich bin jetzt beim 3. Kapitel angelangt.


    Gleich zu Beginn der Vorrede entschuldigt sich Cervantes für seinen "unfruchtbaren und unausgebildeten Geist", der es nicht zu mehr gebracht hat, als einen armseligen Ritter zu schaffen. Viel Selbstbewusstsein scheint er nicht besessen zu haben. Ich frage mich, wie viel Authentisches in diese Geschichte gepackt wurde. Leider fehlt in meinem Buch ein Anhang, daher nerven mich die lateinischen Zitate etwas, die ohne Übersetzung bleiben. Bei den Sonetten habe ich herumgerätselt, wer die Personen sind, die diese Stücke Don Quijote gewidmet haben. Möglicherweise jemand, mit dem er im Lauf der Geschichte noch zu tun bekommt oder historische Persönlichkeiten aus Cervantes' Zeit?



    Dennoch bereitet es mir immer noch Schwierigkeiten, mit dem Ritter mitzufühlen oder ihn gar zu verstehn. Sagen wir mal so: Bisher hab ich ihn noch nicht so richtig ins Herz geschlossen.


    Damit hatte ich überhaupt keine Probleme. Als ich den guten Don Quijote vor meinem geistigen Auge sah, wie er nach klangvollen Namen für sich und seine Angebetete suchte oder sich das Pappdeckelvisier für seinen Helm bastelte, konnte ich gar nicht anders als ihn ins Herz zu schließen. Oder auch, dass er wild entschlossen ist, sich alles schön zu reden, wie z. B. die zwei von der leichten Zunft, die er als "hohe Jungfrauen" tituliert. Das hat etwas kindlich-naives, das ihn einfach liebenswert macht.


    Im 2. Kapitel staunte ich nicht schlecht, als ich las, dass Rosinante ein Hengst ist. Bisher bin ich wegen des für mich weiblich klingenden Namens immer davon ausgegangen, es handele sich um eine Stute :redface:


    Der Humor im Buch gefällt mir gut. Wenn das so bleibt, wird es ein wahres Lesevergnügen.

    Einmal editiert, zuletzt von Doris ()


  • Bei den Sonetten habe ich herumgerätselt, wer die Personen sind, die diese Stücke Don Quijote gewidmet haben. Möglicherweise jemand, mit dem er im Lauf der Geschichte noch zu tun bekommt oder historische Persönlichkeiten aus Cervantes' Zeit?


    Weder noch, es handelt sich um Personen aus den damals bekannten Ritterromanen.

  • Ah, Danke Aldawen.



    EDIT: Eine Sache fällt mir noch ein: Ich hoffe ich habe es nicht irgendwo überlesen oder vergessen. Woher kommen die verschiedenen Schreibweise: Don Quijote, Don Quichote, Don Quixote - deutsch, spanisch und?


    Ich dachte immer, dass "Quixote" Baskisch oder Katalanisch sei, aber nun habe ich gelesen, dass es sich hier um die "alte Schreibung" handelt, also wahrscheinlich frühes Spanisch.

  • Hallo Ihr,


    die Vorrede und Sonetten habe ich hinter mir und ebenso das erste Kapitel.


    Beim Lesen dachte, wann geht es denn endlich los - denn endlos wird erzählt.


    Mit der Schreibweise komme ich gut klar, ich mag sie - vielleicht weil sie nur unwesentlich älter ist als ich :breitgrins:


    Schönen Sonntag


    gretchen

  • Ähm...ich hab noch überhaupt keine Anmerkungen gelesen... :rollen: Werde bei Gelegenheit aber mal reinschnuppern.


    So ist es [bisher] bei mir auch. :rollen: Aber ich werde sie mir auch mal anschauen.



    Oder auch, dass er wild entschlossen ist, sich alles schön zu reden, wie z. B. die zwei von der leichten Zunft, die er als "hohe Jungfrauen" tituliert. Das hat etwas kindlich-naives, das ihn einfach liebenswert macht.


    Ja, ab da an habe ich auch angefangen ihn zu mögen. Es ist total niedlich und irgendwie auch bemitleidenswert. Aber Mitleid ist nicht das schlechteste Gefühl, um anzufangen einen Charakter zu mögen. ;)
    Und ich habe auch zuerst gedacht sein Pferd wäre eine Stute. :rollen:


  • Und ich habe auch zuerst gedacht sein Pferd wäre eine Stute. :rollen:


    Die Rosinante ist eine Stute, da mag sie noch so viel Hengst sein, wie sie will :zwinker: ! Für mich also ist Rosinante eine "Sie", das war sie schon in meiner Kindheit.
    Meine Eltern hatten uns Kindern nämlich unter vielen anderen Büchern auch eine reichlichst illustrierte Kinderfassung von "Don Quijote" gekauft und immer wieder vorgelesen. Von daher habe ich eben ein paar Vorkenntnisse zu Don Quijote. Erinnern kann ich mich noch an die Handlung der ersten Kapitel, also Don Qs Treffen mit den "Jungfrauen" und seinen Ritterschlag, dann natürlich an seinen Kampf mit den Windmühlen, und schließlich die Tötung der Weinschläuche. Letzteres fand ich als Kind trotz erklärender Illustrierung sehr sonderbar. Wein gab es für mich nur in Flaschen und Fässern, nicht in Schläuchen.
    So weit meine Kindheitserinnerungen. Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr Don Quijote schon mal begegnet?


    Nun um Buch:
    Was soll ich sagen - ich bin begeistert! Auch ich hatte einige Befürchtungen was die Zugänglichkeit des Stils betrifft, hatte aber keinerlei Probleme. Das kann natürlich daran liegen, dass ich eine funkelnagelneue Übersetzung lese - eine aus diesem Jahrtausend :smile: . Ich besaß zwar schon eine (ebenfalls schwedische) Taschenbuchausgabe, die sich aber bei genauerer Betrachtung als gekürzt herausstellte. Diese neue Übersetzung ist sehr gut zu lesen, hat zwar keine Anmerkungen aber immerhin ein 30-seitiges Nachwort mit Informationen zu Cervantes' Leben und Zeit. Sehr informativ!
    Die lateinischen Zitate und auch die Erklärung zu Rosinantes Namen sind in Klammern in den Text eingefügt.


    Vorwort:
    Köstlich! Was Cervantes' Freund zu der Angewohnheit sagt, Bücher mit "gelehrten" (gerne fremdsprachigen) Zitaten und massenhaft Anmerkungen zu versehen, gilt auch heute noch, zumindest im Fachbuchbereich. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die Autoren damit (zumindest zum Teil) nur ihre Belesenheit darstellen, sich selbst beweihräuchern und Respekt von anderen erhaschen wollen. Hier bekomme ich endlich den "Beweis" für die Richtigkeit meines Verdachts :zwinker: .
    Aldawens Vergleich der einleitenden Sonette mit das Buch lobenden Zitaten angesehener Autoren, sogenannten "Blurbs", gefällt mir, man kann sie (die Sonette) aber auch gut mit den heute oft vorhandenen einleitenden Zitaten aus bekannten werken der Weltliteratur vergleichen, bei denen mir zumindest oft nicht klar ist, was sie denn nun mit dem Buch zu tun haben (sollen).


    1. Kap.:
    Don Quijotes Vorbereitungen für ein richtiges Ritterleben gefallen mir. Er sucht sich nicht nur eine "passende" Ausrüstung zusammen, sondern auch weiteres Drumherum. Ein richtiger Ritter braucht eben auch eine Angebetete, von angemessenen Namen ganz zu schweigen. Und dann geht's los!



    Ist Don Quijote nur ein Opfer der Massenmedien der damaligen Zeit?


    Der Vergleich gefällt mir! Einem modernen Don Quijote würde man vorwerfen, er habe zu lange vor der Glotze gesessen und sich zuviele Soapoperas angesehen.


    2. + 3. Kap.:
    Don Q. lebt wirklich in einer Traumwelt. Was nicht passt, wird passend gemacht! Er deutet alles so, wie es in seine imaginäre Ritterwelt passt, zur Erheiterung gewisser und zum Schaden anderer Personen.
    Die Pseudozitate aus anderen Ritterromanen, die er von sich gibt, lassen es mich bereuen, bisher keine gelesen zu haben. Nicht jedes alte Buch ist ein anspruchsvoller Klassiker. Unterhaltungsliteratur hat es schon damals gegeben.


    4. Kap.:
    Endlich bekommt Don Q. die Möglichkeit, einem in Not befindlichen Menschen zu helfen. Hier zeigt sich, dass er in seiner Verblendung doch nicht so harmlos ist, wie man anfangs glaubte. Statt dem Jungen zu helfen, verschafft er ihm noch mehr Prügel, denn Don Q. glaubt fest daran, dass sich auch seine Umwelt nach dem moralischen Kodex der Ritterromane verhält, es also nicht nötig ist, die Einhaltung eines Versprechens auch zu überprüfen. Er will Gutes tun, erreicht aber eher das Gegenteil.


    6. Kap.:
    :entsetzt: Aber dass kann man doch einfach nicht tun! Bücher verbrennen :angst: . Nun ja, verständlich ist es ja schon; seine Freunde wollen Don Q. vor weiterem Unheil verschonen, aber es dürfte viel zu spät sein. Der "Schaden" ist schon geschehen.
    Interessant finde ich es übrigens, dass der Priester alle Bücher kennt - auch er ist eine eifriger Leser, der sich aber über die schlechteren Machwerke lustig macht; er steht über solchem Schund, kennt ihn aber selbstverständlich. Dies beweist natürlich, dass die Bücher nicht alleine schuld sind - es muss noch ein entsprechende Persönlichkeit hinzukommen, die aus mangelndem Realitätssinn die Wirklichkeit der Ritterromane für wahr hält.

    Wir sind irre, also lesen wir!


  • So weit meine Kindheitserinnerungen. Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr Don Quijote schon mal begegnet?


    Ja, aber die Erinnerungen sind ausgesprochen dürftig, mit einer Ausnahme: Asterix in Spanien (einer meiner Lieblingsbände), wo Asterix und Obelix ja auch auf Don Quijote und Sancho Pansa treffen und sich Don Quijote, als in den Wegerklärungen seines Knappen an die Gallier das Wort „Windmühlen“ auftaucht, sofort umdreht, um mit erhobener Lanze dagegen anzugehen :breitgrins:



    Köstlich! Was Cervantes' Freund zu der Angewohnheit sagt, Bücher mit "gelehrten" (gerne fremdsprachigen) Zitaten und massenhaft Anmerkungen zu versehen, gilt auch heute noch, zumindest im Fachbuchbereich. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die Autoren damit (zumindest zum Teil) nur ihre Belesenheit darstellen, sich selbst beweihräuchern und Respekt von anderen erhaschen wollen. Hier bekomme ich endlich den "Beweis" für die Richtigkeit meines Verdachts :zwinker: .


    Daran mußte ich allerdings auch denken.



    Don Quijotes Vorbereitungen für ein richtiges Ritterleben gefallen mir. Er sucht sich nicht nur eine "passende" Ausrüstung zusammen, sondern auch weiteres Drumherum. Ein richtiger Ritter braucht eben auch eine Angebetete, von angemessenen Namen ganz zu schweigen. Und dann geht's los!


    Genau! Wo kämen wir denn auch schließlich hin, wenn der Ritter einfach nur Juan oder Pedro hieße und keiner edlen Dame Dienst schuldete. Nein, nein, das hat der Junker schon gut gemacht :zwinker:



    Die Pseudozitate aus anderen Ritterromanen, die er von sich gibt, lassen es mich bereuen, bisher keine gelesen zu haben. Nicht jedes alte Buch ist ein anspruchsvoller Klassiker. Unterhaltungsliteratur hat es schon damals gegeben.


    Warum auch nicht? :breitgrins: Einiges davon dürfte sogar noch erhältlich sein, wenn auch vermutlich eher die „besseren“ wie Ariostos Orlando Furioso oder die Amadis-Romane.


    Bei allem Schmunzeln über den verwirrten Geist des Ritters: Ernst nehmen sollte man ihn schon manchmal, wie die beiden Maultiertreiber während Quijotes Waffenwacht erfahren durften. Den Wirt kann ich gut verstehen, daß er diesen Gast so schnell wie möglich loswerden möchte.


    Schönen Gruß,
    Aldawen


  • Interessant finde ich es übrigens, dass der Priester alle Bücher kennt - auch er ist eine eifriger Leser, der sich aber über die schlechteren Machwerke lustig macht; er steht über solchem Schund, kennt ihn aber selbstverständlich.


    Das fand ich total lustig und ich habe Tränen gelacht! totlach
    Vor allem weil sich Cervantes selbst unter diese Bücher geschummelt und sich ja quasi selber als "bedenklich" eingestuft hat! :breitgrins:

    :leser: [color=#CC0077]<br />Leo Tolstoi - Anna Karenina<br />Geneva Lee - Royal Passion<br />Frank Schätzing - Tod und Teufel<br />Patrick Rothfuss - The Name of the Wind<br />Maggie Stiefvater - The Raven Boys