Alina Bronsky - Scherbenpark

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Über den Autor:


    Alina Bronsky kam 1978 in der russischen Industriestadt Jekaterinburg zur Welt. Sie ist Tochter eines Physikers und einer Astronomin. Sie wuchs auf der asiatischen Seite des Ural-Gebirges sowie in Marburg und Darmstadt auf. Nach Abbruch ihres Medizinstudiums arbeitete sie als Werbetexterin und Zeitungsredakteurin. Sie lebt in Frankfurt. "Scherbenpark" ist ihr erster Roman.


    Weitere Informationen:
    Eintrag bei perlentaucher.de - mit Leseprobe
    Kurzporträt und Interview bei Kiepenheuer & Witsch
    Hompage zu "Scherbenpark"



    Klappentext:


    In diesem sehr heißen Sommer ist Sascha siebzehn, und sie hat nur zwei Träume: Sie will ihrer Mutter ein Buch schreiben, und sie will Vadim töten. Was es mit Vadim auf sich hat, warum Sascha ohne Mutter, aber mit ihrer Großtante lebt, wie die Familie durch ein Verbrechen erschüttert, und berühmt wurde und was es bedeutet in einem Dreiecksverhältnis mit einem Journalisten und seinem sechszehnjährigen Sohn zu geraten - all das erzählt sie mit Herz, Witz und einer Energie, die mitreißt.



    Eigene Meinung:


    "Fürchte diejenigen, die sich schwach fühlen. [...] Denn es kann sein, dass sie sich eines Tages stark fühlen wollen und du dich nie wieder davon erholen wirst."


    Sascha ist 17; die Mutter tot, erschossen vom eigenen Stiefvater. Sie lebt zusammen mit der devoten Großtante Maria, ebenso aus Russland, aus Nowosibirsk, die Deutschkenntnisse ihrerseits mangelhaft, isoliert lebend, ohne viele Perspektiven, einzig für die Kinder, für Sascha, Alissa und Anton lebt sie. Sascha dagegen besucht ein katholisches Gymnasium, hat sehr gute Zeugnisse, spricht fließend Deutsch und hat die besten Chancen, beste Perspektiven auf ein Studium oder eine Ausbildung. Dennoch hat sie nur zwei Ziele: Ihrer Mutter ein Buch zu schreiben und Vadim zu töten. Vadim, der Prügelnde, der schlechte Ehemann, schlechte Vater, Mörder ihrer Mutter und dessen neuen Lebensgefährten. Ihr Leben hat er zerstört, nehmen will sie ihm seines. Minutiös geht sie die möglichen Tötungsmethoden durch: Vergiften? Erschlagen? Erstechen? Es bleibt alles ein reines Gedankenspiel, ein Ausleben von Trauer und Hass; Vergebung oder Verzeihung sind für sie keine in Frage kommenden Alternativen.
    Geradezu schnoddrig ist der Ton in "Scherbenpark", geradezu gewaltgeladen und trotz der doch sehr heiklen und dramatischen Situation, in der die Protagonistin lebt, sarkastisch, beinahe zynisch. Direkt, ohne viel Umschweife, schmissig und altklug reagiert das Mädchen auf seine Umwelt. Die Traurigkeit, die Melancholie sind ein ständiger, aber nicht offenkundig immer genannter Faktor in Saschas Leben. Sie sucht sich ihren Platz in der Welt, in einer Welt der Plattenbausiedlung Solitär, in der gebrochene Existenzen, Russlanddeutsche, die auch nach zehn Jahren weder Deutsch noch mehr ihre Muttersprache Russisch sprechen können, leben. Arbeitslos, ohne viele Perspektiven oder Jobchancen, sind Alkoholismus, Drogen, Missbrauch und Misshandlung ständige Erscheinungen in der Siedlung am Rande von Frankfurt. Und doch bleibt dies nur der Rahmen. Alina Bronsky beschreibt hier weniger eine Milieustudie, als vielmehr die Entwicklung einer Jugendlichen zur jungen Frau, die selbstbewusst und verantwortungsvoll Entscheidungen zu treffen versucht, allein, ohne fremde Hilfe, ohne familiären Beistand.


    Der Roman erscheint witzig, geradezu humorvoll. Die Sprache bleibt, trotz oder sogar wahrscheinlich aufgrund des Milieus in dem Alexandra lebt, direkt, klar, ohne Verschönerungen oder Schnörkel. Im jugendlichen Jargon lässt sie den Leser als stillen Beobachter, nicht zuletzt als Teilhaber, ihre Verbrechen, Taten und Gedanken miterleben. "16-Mal sei das Wort "ich" auf einer Seite vorhanden", beschwert sich David Hugendick in einer ZEIT-Rezension (Link) und man wünscht sich bei Zeiten nicht hinschauen zu müssen, einmal Distanz wahren zu können, die Protagonisten einmal von außen, nicht nur von ihnen betrachten zu können bzw. vielleicht sogar eine andere Perspektive kennen zu lernen, einen anderen Blick nicht nur auf das Geschehen sondern auch auf Sascha selbst.
    Und doch bleibt einem die Figur der Sascha immer sympathisch, immer verständlich in ihren Arten zu handeln und mit ihrer Umwelt zu agieren; sie ist direkt, intelligent, sehr offen und freundlich, aber auch altklug und in gewissen Punkten sehr grausam. Eine Figur mit Ecken und Kanten bleibt Sascha immer und es gelingt der Autorin so, dass die Figur nicht ein Konstrukt bleibt, sondern der Leser sie, ohne großartige Beschreibungen ihrerseits über ihr Äußeres zu erhalten, sehr gut imaginieren und vorstellen kann.


    Die Frage, die beim Lesen immer wieder redundant auftaucht, ist, welches Genre dieser Roman angehören will. Als Milieustudie bedient er sich vieler Klischees, ohne wirklich viele Perspektiven zu offenbaren wirkt das Bild zu allgemein, zu Schwarz-Weiß; Alina Bronsky durchkreuzt, durchmischt die Klischees einer gewaltbereiten, alkoholkranken, arbeitslosen russischen Gemeinde mit einer zur Pazifismus und Unterwürfigkeit neigenden, deutschen Gesellschaft, bricht diese immer wieder auf - Dies wirkt sehr bemüht, sehr mechanisch, ohne viele Details oder Emotionen. Menschliche Schicksale werden nur selten ins Blickfeld des Lesers geführt, und wenn geschieht dies immer durch das negative Auffallen dieser Persönlichkeiten.
    Als Liebesroman, also Sascha im Dreiecksverhältnis zu Volker und Felix, ist dieses Debut auch nicht gut kategorisiert worden, schließlich hat die Protagonistin eine gewisse Affinität sich stark über Sex zu definieren, in diesem Themenbereich, bzw. wenig bis gar nicht emotional zu reagieren. Mag dies auch Maske sein, so wirkt sie eher berechnend, unterkühlt, emotionslos, ohne viel Zeit verbrauchen zu wollen für einen schönen Moment. Aber vielleicht ist gerade diese Emotionslosigkeit auch nur ein Produkt dessen, dass sie, bei der Beobachtung der Ehe ihrer Mutter, eine zu naive, zu liebevolle Einstellung gegenüber dem Mann dazu führt, schluss endlich verraten und verletzt zu werden.
    Also doch ein Entwicklungsroman, meiner Ansicht nach. Sascha entdeckt ein Leben außerhalb des "Solitärs", außerhalb ihres Horizonts, welcher durch einen rauen Alltag geprägt ist. Dabei lernt sie nicht nur die Liebe kenne, auch welche Schwierigkeiten ein Leben mit sich bringen kann, welche Kraft notwendig ist seinen eigenen Weg zu finden und diesen auch zu leben.


    Die Geschichte dessen, dass Alina Bronsky das Manuskript unaufgefordert eingeschickt und beim Verlag Kiepenheuer & Witsch sofort einen Vertrag erhalten hat, mag eine stark übertrieben Darstellung der Ereignisse sein (Aussagen dazu im Buchmesse-Podcast des Literaturcafes) und doch erscheint es bei diesem wirklich starken Debut nicht unwahrscheinlich. Die Sprache bleibt klar, immer direkt, immer auf einem gewissen, sehr jugendlichem Niveau, was das Buch und somit auch die Hauptfigur sehr sympathisch machen.
    Mag auch die Liebesgeschichte für einige Leser daneben, unpassend und am Ende konstruiert erscheinen, so ist sie doch eine lebendig beschriebene Station auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Dennoch, zugegebenermaßen, sind Szenen der Zärtlichkeit sehr harsch, sehr rau, sehr distanziert beschrieben, geradezu emotionslos und unbeteiligt wirkt Sascha, nicht nur beim Akt selbst, sondern auch dann wenn es um die Beschreibung ihrer Gefühle geht.


    Trotzdem, ein gelungenes, interessantes Debut von einer Autorin, von der ich hoffe mehr zu hören.



    Bewertung:


    4ratten

    Einmal editiert, zuletzt von Desdemona ()

  • Ich habe Scherbenpark vor einem Monat gelesen, weil ich in meiner Arbeit (Arbeitskreis für Jugendliteratur) darauf aufmerksam wurde. Davor hatte ich noch nichts von dieser Autorin gehört gehabt. Ich muss sagen, das Buch hat mir sehr gut gefallen.
    Diese Heldin, die so tough und doch auch verletzlich ist und, obwohl sie oft etwas Harsches an sich hat doch zu bedingungsloser Liebe (zu ihren Geschwistern) und wirklichen Gefühlsausbrüchen fähig ist.
    Auch die Beziehungskiste mit ihr, Volker und Felix finde ich sehr interessant. Insbesondere ihr Verhältnis zu Volker ist ja sehr provokativ. Also ich muss sagen ich habe mich dadurch wirklich provoziert gefühlt und mir viele Fragen gestellt. Ist er schuldig? Sollte sie ihn nicht verurteilen?
    Sehr packend ist an dem Buch auch die Darstellung von Gewalt, die das Buch durchzieht wie ein roter Faden.
    Ich muss auch sagen, dass mich das Cover angesprochen hat.
    Das Buch wurde in der Sparte Jugendbuch für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Ich frage mich jedoch, ob es eher ein Jugendbuch oder ein Erwachsenenbuch ist und tendiere es in die Kategorie "für junge Erwachsene" zu stecken.


    Ich gebe dem Buch ebenfalls 4ratten

  • Um Bücher, die das harte Leben deutscher Ghettokinder aus pseudobiographischre Perspektive beschreiben, würde ich normalerweise einen ganz großen Bogen machen, aber der Klappentext versprach eine direkte und vor allem nicht mitleidheischende Herangehensweise und so ist „scherbenpark“ in mein Regal gewandert.


    Die 17jährige Sascha wird im „Solitär“ dem Hochhausblock voller russischer Einwanderer schief angesehen, hauptsächlich wegen der Tragödie, durch die sie ihre Mutter verloren hat. Aber auch vorher schon war sie eher eine Außenseiterin, die eine gute Schulbildung erhielt und nicht zwischen Wodka und Kleinkriminalität in Perspektivlosigkeit versank. Als sie eine Beziehung zu einem Journalisten und seinem 16jährigen Sohn eingeht, ergeben sich so einige Veränderungen in ihrem Leben.


    Das Buch hat mich von Anfang an gefangen genommen. Die Erzählerin Sascha ist hart und direkt, ihre Gefühle hat sie tief in sich begraben und so dauert es auch als Leser ein wenig, bis man glaubt sie zu kenne. Nachvollziehbar sind ihre Entscheidungen trotzdem nicht immer, dazu ist die eigenen Erfahrungswelt zu weit von der Saschas entfernt. „scherbenpark“ ist ein Buch das einen mitnimmt, man schwankt zwischen Bewunderung für die Stärke, die Sascha zeigt und Mitleid. Man möchte sie umarmen und ihr helfen ihre Verantwortung für die eigentlich zu großen Aufgaben, die sie auf sich genommen hat, abzugeben. Der traumatisierte kleine Bruder, die unglückliche, im fremden Land überforderte Pflegemutter und das unterschwellige Gefühl, mit einem anderen Verhalten vielleicht den Tod der Mutter hätte verhindern zu können, sind verständlicherweise zu viel für eine 17jährige, die dann in der Begegnung mit dem Journalisten Normalität sucht.


    Die Autorin nutzt, wenn man es genau bedenkt, so einige Klischees, macht es aber geschickt genug, dass es nicht auf den ersten Blick auffällt, sondern erst merkt, wenn man darüber nachdenkt, dass so einiges zu plakativ ist. Die Sprache ist direkt und ausdrucksstark und in ihrem Stil dem jugendlichen Alter der Ich-Erzählerin angemessen.


    Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, für ein Debüt war es ziemlich gelungen, ich hoffe es gelingt der Autorin über dieses biographisch angehauchte Thema hinauszuwachsen und weitere, anders gelagerte Bücher zu schreiben – deren Lektüre könnte sich durchaus lohnen.


    4ratten

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

  • Geradezu schnoddrig ist der Ton in "Scherbenpark", geradezu gewaltgeladen und trotz der doch sehr heiklen und dramatischen Situation, in der die Protagonistin lebt, sarkastisch, beinahe zynisch. Direkt, ohne viel Umschweife, schmissig und altklug reagiert das Mädchen auf seine Umwelt. Die Traurigkeit, die Melancholie sind ein ständiger, aber nicht offenkundig immer genannter Faktor in Saschas Leben.


    Der Roman erscheint witzig, geradezu humorvoll. Die Sprache bleibt, trotz oder sogar wahrscheinlich aufgrund des Milieus in dem Alexandra lebt, direkt, klar, ohne Verschönerungen oder Schnörkel. Im jugendlichen Jargon lässt sie den Leser als stillen Beobachter, nicht zuletzt als Teilhaber, ihre Verbrechen, Taten und Gedanken miterleben.
    Und doch bleibt einem die Figur der Sascha immer sympathisch, immer verständlich in ihren Arten zu handeln und mit ihrer Umwelt zu agieren; sie ist direkt, intelligent, sehr offen und freundlich, aber auch altklug und in gewissen Punkten sehr grausam.


    Gleichmal zu dem Zitat - wo findest du den Roman witzig? Er war vielleicht auf sarkastische Weise humorvoll, aber ich spürte schon die Bitterkeit dahinter. Ansonsten stimme ich dir zu!


    Ich hab das Buch auch gelesen vor ein paar Monaten. Ich fands gut, auf eine harte Weise. Es ist ziemlich hart und eine gewisse Bitterkeit schwingt schon unterschwellig mit. Wie sie mit anderen Menschen umgeht hat mich teilweise richtig schockiert, aber vielleicht ist das genau das, was das Leben bisher aus ihr gemacht hat... nur das machte sie mir im Laufe des Buches richtigehend unsympathisch, was am Schluss noch etwas umschwankte - da tat sie mir leid; - nur ein einziges Mal - meiner Meinung nach - lässt sie die Mauer fallen und zeigt ihre wahren Gefühle



    Zitat

    illy: Man möchte sie umarmen und ihr helfen ihre Verantwortung für die eigentlich zu großen Aufgaben, die sie auf sich genommen hat, abzugeben.


    Oh ja!!!



    Letztendlich weiß ich nicht wirklich was ich von dem Buch halten soll. Einerseits wars gut zu lesen, spannend, aber andererseits... ziemlich brutal und die Hauptdarstellerin ist sehr ungewöhnlich sag ich jetzt mal. Soll man sie bewundern, für ihre Stärke, nicht mögen oder einfach nur bemitleiden?!
    Es ließ mich am Ende fast ein wenig traurig und ratlos zurück.

    :schmetterling:


    Gott hat dem Menschen die Phantasie gegeben, damit er darüber hinwegsehen kann was er nicht ist und den Humor, damit er ertragen kann, was er ist.

    (Horace Walpole)

  • Was es an diesem Buch zu kritisieren gibt, lässt sich ganz schnell und knapp sagen: die Covergestaltung. Ich finde, dass Beine, die in schwarzen Stiefeln stecken und dabei laufen, nicht sonderlich aussagekräftig sind und auch gar nichts mit dem Buch zu tun haben (denn bei Sascha, der Protagonistin, tippe ich eher auf Sneakers).


    Ansonsten ist das Buch allerdings großartig! Es geht um Sascha, 17 Jahre alt und das, was man landläufig als Russlanddeutsche bezeichnet... Sie wohnt mit ihren kleineren Geschwistern in der Nähe Frankfurts in einer Art Ghetto und ärgert sich regelmäßig, wenn Leute denken, ihr Name wäre ein Jungenname (Sascha ist nämlich die Abkürzung für Aleksander und Aleksandra).
    Schon bald bekommt man mit, dass etwas dramatisches passiert ist: die Mutter und ihr neuer Lebensgefährte wurden vom Ex-Mann umgebracht - in ihrer Wohnung und vor aller Augen. Saschas Stiefvater und Vater der jüngeren Geschwister sitzt seitdem im Knast, aber Sascha hat andere Pläne mit ihm, voller Rachegedanken. Außerdem möchte sie gerne ein Buch über ihre Mutter schreiben, eine Frau, die einerseits klug und freundlich war, andererseits sich immer wieder von den schlechtesten Männern bequatschen hat lassen.
    Und so lebt Sascha weiter in der Wohnung des Grauens, unterstützt von einer Schwester ihres einsitzenden Stiefvaters, die kaum ein Wort Deutsch spricht. Doch Sascha schafft den Spagat zwischen dem eigenen Schulunterricht, dem Kümmern um die Geschwister und den eigenen Plänen und Ideen. Sie liest regelmäßig Zeitung und entdeckt dabei einen undifferenzierten Beitrag zum Mörder ihrer Mutter und sie geht mit all ihrer Wut im Bauch los und besucht die Zeitung und die zuständige Redakteurin...


    Sascha verliebt sich und ihr Leben wird noch schneller als es eh schon war. Sie führt ein Teenager-Leben und ist dabei doch sehr viel erwachsener als man es erwarten würde. Sie wirkt so als wäre sie hart und unnahbar, dabei ist sie intelligent und mitfühlend.
    Die Geschichte ist rasant, es ist nicht viel Zeit, in der die Geschichte spielt. Die Situation der Mutter und ihr Tod wird in Rückblenden erzählt.


    Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen, weil Alina Bronsky echt was zu erzählen hat! Sie schafft es, kein Mitleid für Sascha aufkommen zu lassen, dafür aber jede Menge Verständnis und Mitgefühl.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Liebe Grüße

    Tabea

    Einmal editiert, zuletzt von dubh ()


  • Was es an diesem Buch zu kritisieren gibt, lässt sich ganz schnell und knapp sagen: die Covergestaltung. Ich finde, dass Beine, die in schwarzen Stiefeln stecken und dabei laufen, nicht sonderlich aussagekräftig sind und auch gar nichts mit dem Buch zu tun haben (denn bei Sascha, der Protagonistin, tippe ich eher auf Sneakers).


    Stimmt, ich würde auch eher tippen dass Sascha eher "lockere" Kleidung trägt und keine Stiefel. Und wo wir dabei sind: ich fand sie sehr selbstbewusst, sie würde nicht einfach so laufen, wie wenn sie gehetzt wäre, denn so wirkt es irgendwie.
    Und: Bei welchem Cover hat schon das Bild mit dem Buch zu tun - bei den wenigsten. ;)


    Dass die Geschichte rasant ist finde ich auch. Mir hat sie schon gut gefallen, aber wie bereits erwähnt, für mich wars einfach zu hart; aber das mit Verständnis und Mitgefühl stimmt wohl; schnell gelesen hatte ich es eigentlich auch.


    Liebe Grüße

    :schmetterling:


    Gott hat dem Menschen die Phantasie gegeben, damit er darüber hinwegsehen kann was er nicht ist und den Humor, damit er ertragen kann, was er ist.

    (Horace Walpole)

  • Es ist interessant, wie unterschiedlich Romane oft aufgefasst werden. :smile:


    Die siebzehnjährige Sascha durchlebt einen extrem schwierigen Lebensabschnitt und der Leser wird Zeuge des psychischen Zerfalls der Protagonistin. Man begleitet ein verhärtetes, orientierungslos gewordenes, junges Mädchen, das voller Hass und Ohnmachtsgefühle ist und diese weder kanalisieren noch verarbeiten kann. Daran hindert sie einerseits ihre Art mit den traumatischen Erlebnissen umzugehen, nämlich nichts und niemanden an sich heranzulassen, und andererseits ihre verbliebene Familie: die beiden jüngeren Halbgeschwister, für die sie Verantwortung empfindet, diese jedoch aus Überforderung nicht übernehmen kann und die einfach gestrickte, mütterliche Cousine des Mörders ihrer Mutter, die sich ungeschickt Sascha nähern möchte, von dieser aber aus nachvollziehbaren Gründen abgelehnt wird. Schmerz empfindet sie nicht - nicht einmal so richtig körperlichen.


    Man kommt nur Stück für Stück dahinter, wie verstört Sascha ist, wie sie ihre Umwelt terrorisiert und sie kein Gespür mehr dafür hat, wie sehr sie andere Menschen verletzt. Schließlich kommt es zur Eskalation, die jedoch keine Lösung bringt und für Sascha nur die Flucht bleibt.
    Die Sprache ist der einer intelligenten, hasserfüllten, aus einem sozialen Brennpunkt-Milieu stammenden Siebzehnjährigen angepasst: direkt, stellenweise ruppig, aber nie tumb oder vulgär.


    Was ich vermisst habe (und was die anderen Romane, die ich von Alina Bronsky gelesen habe, auszeichnet), sind Momente, in denen man trotz aller Tragik lachen muss.


    4ratten

    :lesewetter:&nbsp; &quot;Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit&quot; (Morpheus)<br />

    <br />[li]Anthony Powell: &quot;Bei Lady Molly&quot;[/li]<br />

  • Meine Meinung

    Ich habe vor kurzem Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche gelesen. Dieses Buch hatte mir nicht gefallen, deshalb habe ich gezweifelt, ob ich scherbenpark wirklich lesen will. Aber ich habe auch viele begeisterte Stimmen hier zu diesem Buch gelesen, deshalb wollte ich der Autorin eine zweite Chance geben.


    Ich habe selten so unterschiedliche Meinungen von zwei Büchern der selben Autorin gehabt. Ich habe das Gefühl dass alles, das beim ersten Buch nicht gepasst hatte, hier perfekt zusammen passen würde. Dabei war die Geschichte, die die Autorin dieses Mal erzählt hat, viel bedrückender.


    Ich fand den Titel sehr passend. Saschas Leben ist ein Scherbenhaufen und zerfällt immer weiter. Es scheint ihr egal zu sein. Schlimmer noch: es kommt mir so vor als ob sie mit Absicht eine Katastrophe provoziert. Dabei sind es nicht nur ihre jüngeren Geschwister, die die Ereignisse noch nicht verarbeitet haben.


    Das Cover fand ich auch nicht passend zu Saschas Person. Ich musste allerdings mehr an ihren rosa Pullover denken, den sie zu ihren Anfangszeiten in Deutschland anhatte. Aber ich kann mich auch nicht erinnern, dass sie außer diesem Pullover ihre Kleidung wirklich beschrieben hätte.


    Ich werde scherbenpark sicher noch längere Zeit im Gedächtnis behalten. Nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch weil es eine gute Erinnerung daran ist, Autoren immer eine zweite Chance zu geben.

    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.