Wolfram Fleischhauer - Der gestohlene Abend

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Weratundrina.

  • Der gestohlene Abend von Wolfram Fleischhauer 

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    ist meiner Ansicht nach das bisher beste Buch des Autors.


    Inhalt: Der deutsche Student Matthias hat sich an der renommierten Eliteuni Hillcrest eingeschrieben um dort ein Jahr Literatur zu studieren. Dabei lernt er Janine kennen, und ist sofort von ihr eingenommen, aber sie ist mit David liiert. Matthias würde gerne anspruchsvolle Kurse belegen, aber das System lässt das nicht zu. Und ausgerechnet sein "Rivale" David setzt sich für ihn ein.


    Meine Meinung: Am Anfang plätschert das Buch gemächlich dahin, man lernt alle Protagonisten kennen und kann sich einen Einblick in das Leben eines Studenten an einer Elite-Uni verschaffen. Dann beginnen die Geheimnisse und man weiß eigentlich nicht mehr worum es eigentlich geht.
    Geht es nun um Shakespeare und die Frage wer W.H. bei der Widmung seiner Sonetten sein soll oder geht es um den verstorbenen De Vander, einem Mann, der an der Uni aufgrund seiner revolutionären Ideen verehrt wird. Man wird hineingezogen in einen Strudel voller Gedanken rund um die Literatur, lernt zahlreiche Klassiker wie Kleist kennen und wird am Ende mit einer fulminanten Auflösung belohnt.


    Ich habe das Buch in drei Tagen gelesen, weil ich es einfach nicht mehr weglegen konnte. Der Stil von Fleischhauer ist ruhig und dennoch extrem mitreißend.
    Mich hat das Buch zudem animiert mich mehr mit den Klassikern zu beschäftigen. So habe ich während dem Lesen noch "Über das Marionettentheater" und "Die Familie Schroffenstein" von Kleist verschlungen. "Die Räuber" sowie eine Biographie von Schiller und Goethe liegen zudem auch noch bereit.


    Ich kann Der gestohlene Abend nur absolut empfehlen. Daher bekommt das Buch von mir 5ratten und einen :tipp:


    Katrin

  • Meine Meinung:


    Für mich war "Der gestohlene Abend" ein ganz besonderes Leseerlebnis - das liegt vor allem daran, dass die Handlung autobiographisch ist und vom Autor selbst erlebt wurde. Die Ich-Perspektive fand ich in diesem Fall als besonders intensives Stilmittel, um dem Leser die Geschichte näher zu bringen. Ganz schön mutig von Wolfram Fleischhauer, der Öffentlichkeit so viel Einblick in seine Vergangenheit und in sein inneres Erleben zu geben.


    Dabei sind die Vorgänge an der Hillcrest Universität in Kalifornien natürlich nicht Wort für Wort nacherzählt, Wolfram Fleischhauer hat aus dem Stoff ein tragfähiges Gerüst für eine spannende, unglaubliche und mitreissende Story gebastelt, in der man nie genau weiß - ist das nun genau so passiert oder hat der Autor in seinem Einfallsreichtum einen erzählerischen Trick verwendet, um die wahren Geschehnisse zu umschreiben?


    Die Handlung hat mich stets in Atem gehalten und mir einen ungewohnten Blick in das Leben einer Universität verschafft. Dabei spielt einerseits das ganz normale Studentenleben mit seinen oft überfrachteten Lerninhalten und dem Ringen nach der besten Kombination an Seminaren eine Rolle, andererseits aber gibt es auch eine Ebene hinter den Kulissen, auf der heftigst intrigiert wird und Machtspielchen gespielt werden.


    Den geisteswissenschaftliche Aspekt in der Geschichte fand ich spannend und höchst brisant, ohne allerdings auf eine ausreichende Wissensbasis zu verfügen, um das Ganze halbwegs zu begreifen. Trotzdem war ich mit der Lektüre nie überfordert, denn Wolfram Fleischhauer hat es verstanden, die literaturtheoretischen Abschnitte so zu schildern, dass sie auch für Laien verständlich und interessant ist.


    Faszinierend fand ich die Charakterzeichnungen der Figuren, von denen die wenigsten Fiktion sind und die meisten tatsächlich existieren. Hier prallen im wahrsten Sinne des Wortes Welten aufeinander, und insbesondere bei der Konfrontation mit lange zurückliegenden Geschehnissen während des Dritten Reiches zeigen so manche Figuren plötzlich ihr wahres Gesicht. Diese Entwicklung fand ich sehr schön ausgearbeitet und letztendlich liegt darin auch die Antwort verborgen, warum Wolfram Fleischhauer heute der ist, der er ist.


    Ein spektaktuläres Buch, das sich auf keinen Fall in eine Schublade pressen lässt; eine Handlung, die viele Anworten enthält, aber noch mehr Fragen aufwirft; ein Roman, in dem der Autor sich selbst wiederspiegelt und Stellung bezieht. Und, wie immer, ein Lesegenuss durch den brillanten Schreibstil, der mich von Beginn bis zum Ende gefesselt hat.


    Das gibt Höchstwertung: 5ratten und ist außerdem ein :tipp:


    Viele liebe Grüße :winken:
    Miramis

    :lesen: Brandon Sanderson - Sturmklänge

  • Hallo zusammen.


    Dieses Buch, übrigens mein erstes von Wolfram Fleischhauer, war mal etwas ganz anderes für mich.
    Einerseits in einem sehr verständlichen Stil geschrieben, lag die Herausforderung zum Mitdenken zum Thema Literatur sehr oft in den sehr gelungenen Dialogen. Es waren gerade diese Dialoge bzw. wandelnde Gedanken, die mich zu fesseln vermochten, da sie niemals langweilig waren und stets neue Denkanstöße in Gang brachten, die ich mir so vielleicht zuvor noch nie gestellt habe. Hierbei überlässt der Autor es dem Leser selbst, welche Richtung dieser hier einschlagen möchte, denn er hinterfragt viel mehr...
    Aber auch die unterstreichende Thematik der Literatur unter dem Nazi-Regim, eine gewisse Handlungswahl, welche gewisse Figuren im Roman vielleicht hatten oder auch die Folgen, all dessen, fand ich hier in einem sehr gelungenen großen Zenario abgehandelt, dass man sich wohl stets richtg hineinversetzen konnte. Ein Zenario, welches keinesfalls spektakulär sondern viel mehr sehr authentisch zum Leser herüber kommt.
    Es fällt mir schwer, auf all die doch so verschiedenen Einzelheiten einzugehen, die dieses Buch für mich so lesenswert machten.


    Weiterempfehlen werde ich dieses Buch sicherlich. Doch vor allem Menschen, von denen ich weiß, dass sie auch gerne auch mal ein bisschen weiterdenken oder neugierig genug sind auch in der Literatur mal wieder neues verknüpft mit dem "alten" zu entdecken.


    Von mir gibt es 4ratten
    Eine Ratte Abzug, da die Liebe ein wenig zu kurz kam und es sich für mich persönlich sicher nicht als verschlingende Urlaubslektüre eignen würde, da sie mir doch lesetechnisch sehr anspruchsvoll erschien. Was für andere sicher eher ein Pluspunkt sein mag. :zwinker:



    Auf alle Fälle ein Buch, welches meine Gedanken wohl immer wieder zum Nachdenken bringen wird.


    Grüssle
    Marion

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • Hallo,


    hier meine Meinung:


    Dieses Buch war mein erstes von Wolfram Fleischhauer und ich habe mich vorwiegend aufgrund der positiven Meinungen zu diesem Autor an sich hier herangewagt. Der Klappentext schien mir vorab nur mittelmäßig verlockend.


    Ich ging also mit nicht allzu hohen Erwartungen an das Lesen, wurde allerdings direkt in die Handlung gesogen und mitgerissen. Die Beschreibungen von Matthias, der an die Hillcrest Universität kommt, zog mich so sehr in ihren Bann, dass ich kaum aufhören konnte zu lesen. Wolfram Fleischhauer hat eine wirklich spannende und mysteriöse Szenerie geschaffen, die den Leser aber auch sprachlich und inhaltlich fordert. Die teilweise langen und tiefgehenden Diskussionen, die geführt werden, finde ich ganz besonders interessant. Die Personen wurden alle so gut beschrieben, dass die Handlung bei mir während des Lesens wie ein Film im Kopf mitlief. Das passiert zwar öfter mal, aber selten so genau und detailgetreu.


    Fazit: Dies wird sicher nicht mein letztes Buch von Fleischhauer gewesen sein. Der Schreibstil, die Spannung und nicht zuletzt die Protagonisten haben mich vollends überzeugt.


    Aus diesem Grund gibt es überraschend begeisterte 5ratten


    Viele Grüße
    Muertia

    :lesen: Rebecca Gablé - Der dunkle Thron<br />SuB: 6 (+16 bereits bestellte Bücher, um den SuB mal ein wenig aufzuwerten)

  • Das klingt ja wieder soooooo toll und niemand, der es zu einem vernünftigen Preis bei Amazon verkauft. :grmpf:


    Falls es jemand abgeben mag... :winken:

    Viele Grüsse,

    Weratundrina :verlegen:


    Help me, help me ~ Won't someone set me free? ~ There's no right side of the bed ~ With a body like mine and a mind like mine

    ~ IDLES ~


  • So, ich bin jetzt im Fleischhauer-Fieber und habe mir dieses neben zwei weiteren von ihm auch gerade bestellt. :klatschen:

    Gruß suray

  • Tja, was soll ich sagen. Ich bin so hin- und hergerissen. Die Geschichte an sich fand ich ich schon spannend und musste/wollte auch immer weiterlesen, aber diesen geistigen Überbau fand ich extrem abgehoben und anstrengend, so dass ich zwischendurch immer wieder innerlich die Augen verdreht habe ob dieser merkwürdigen Literaturtheorie. Und oft habe ich dabei auch nur Bahnhof verstanden - insbesondere bei den Dialogen. Und dann lässt dieser blöde Matthias für diesen ganzen verqueren Theoriekram auch noch Janine sausen. :grmpf: Nee, nee... Da kenne ich Fleischhauer aber wirklich besser!


    Also, von mir dafür dann doch nur
    3ratten

    Gruß suray

  • Bei mir ist es schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe. An Einzelheiten kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Aber mir hat es ziemlich gut gefallen, gerade auch wegen der ganzen Theorien. Zumindest habe ich diese Passagen interessiert gelesen. Allerdings kann ich mich vage erinnern, dass es meiner Meinung nach gegen Ende auch etwas abwegig bzw. zu viel wurde.

  • Matthias ist mehr als happy, als er sich an der kalifornischen Vorzeigeuni Hillcrest eingeschrieben hat, wo hochkarätige Literaturwissenschaftler unterrichten. Er schafft es sogar, einen Platz in einem Seminar zu ergattern, in das ausländische Studenten normalerweise gar nicht aufgenommen werden, und ist sehr fasziniert von den Theorien über den Autoren und das geschriebene Wort, die dort heiß diskutiert werden. Ebenfalls fasziniert ist er von der schönen Janine, die er ein paarmal auf Partys getroffen hat, doch sie ist vergeben, und zwar David, an einen der begabtesten Studenten in Matthias' Jahrgang, der sich immer wieder höchst undurchsichtig verhält.


    Irgendwann beginnt Matthias dann, anhand verschiedener Hinweise zu ahnen, dass David einer möglicherweise unschönen Enthüllung auf der Spur ist, und beginnt nach einem dramatischen Ereignis selbst, dieser Spur nachzugehen ...


    Auf den ersten hundert Seiten hat mich das Buch überhaupt nicht packen können. Mir gefiel zwar die Perspektive eines europäischen Studenten an einer US-Eliteuniversität, doch mischte sich für mich da hauptsächlich Belangloses (die oh so schöne Janine sinnlich auf ein Sofa drapiert :rollen: ) mit verkopften, hochkomplizierten Literaturtheorien. Die waren mir ganz einfach zu hoch, und so gerne ich den Blick in die Seminarräume von Hillcrest mochte - ganz so abgefahrene Theoretisiererei hätte ich wirklich nicht gebraucht.


    Ich war schon kurz davor, das Buch wegzulegen, als sich langsam herauszukristallisieren begann, welcher heiklen Sache David nachgeht. Die Spurensuche in der Vergangenheit drängte dann die Fachsimpeleien à la "Der Autor ist tot" und "Sprache sagt eigentlich gar nichts aus" gottlob weit in den Hintergrund, und spätestens als Matthias selbst anfing, Davids Verdachtsmomenten nachzuspüren, und gleichzeitig deutlich wurde, welche Machtkämpfe hinter den Kulissen von Hillcrest toben, hat mich der Roman doch noch mitgerissen.


    Intelligente Unterhaltung in schöner Sprache, die allerdings ein bisschen zu sehr in literaturtheoretische Ansätze verliebt ist. Von mir aus hätte es gerne etwas früher zur eigentlichen Sache gehen können.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Meine Meinung
    Das war nun tatsächlich für mich der schwächste Fleischhauer Roman, den ich bisher gelesen habe.
    Die Geschichte ist eigentlich nicht uninteressant, aber warum auch immer bleibt sie belanglos und fern für den Leser.


    Die Haupt-Figuren bleiben blass - im Fokus des Interesses steht ja auch irgendwie die Literaturwissenschaft und die Vergangenheit eines Literaturwissenschaftlers. Die Professoren hingegen haben als Nebenfiguren deutlich mehr Charakter. Trotzdem hatte ich Schwierigkeiten der Geschichte mit Interesse zu folgen und obwohl es zwischendurch auch dramatisch wird hatte ich immer den Eindruck von "viel Lärm um nichts". Die Literaturtheorie des Belgiers hat mich dabei noch am meisten fasziniert.


    Der Anfang des Buches liest sich wie eine typische amerikanische College-Story, da war ich noch gut dabei - zumal es ja um Studenten geht, die Literatur studieren. Aber das Interesse lässt dann bald nach. Ausser der Literaturtheorie hat mich an dem Buch dann nichts mehr gereizt. Den Ehrgeiz des deutschen Studenten konnte ich nicht wirklich nachvollziehen.
    Man lebt halt als Deutscher mit der Sekundärschuld. Wühlt da ein Einzelschicksal wirklich so auf und kann man nicht verzeihen und Veränderung akzeptieren? Vielleicht. Mich jetzt nicht so.


    Komme im Endeffekt für gewohnt gute sprachliche Qualität und einen interessanten Ansatz mit nicht fesselnder Ausführung auf
    3ratten

    Viele Grüsse,

    Weratundrina :verlegen:


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    ~ IDLES ~