Maggie Stiefvater - Lament (Lamento)

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Mungo.

  • Maggie Stiefvater – Lament (The Fairie Queen's Deception, Book 1)


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    Deutsche Ausgabe (ab August 2009): Lamento: Im Bann der Elfenkönigin
    (Ein wenig irritiert mich der Titel der deutschen Ausgabe, denn im Original ist grundsätzlich die Rede von den Fae oder Faeries und das sind doch eigentlich Feen und keine Elfen, oder?)


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    Anmerkung: Der Roman ist im Original ein Young Adult Roman, also ein Jugendbuch. Der deutsche Verlag, Knaur, wird es aber in seinem Programm für erwachsene Leser veröffentlichen. Deshalb packe ich die Rezension mal in dieses Unterforum.


    Inhalt:
    Es gibt romantischere Orte als die Schultoilette, um den Mann seines Lebens kennenzulernen. Doch der siebzehnjährigen Deirdre Monaghan passiert genau das. Sie ist eine talentierte Musikerin, nimmt an Wettbewerben teil und tritt mit ihrer Harfe bei Hochzeiten und Jubiläen auf. Jedes Mal hat sie vorher so schlimmes Lampenfieber, dass sie sich übergeben muss. Doch an diesem Tag, als sie vor einem Talentwettberwerb erneut die Übelkeit übermannt und sie sich auf die Toilette flüchtet, ist da plötzlich der geheimnisvolle Luke, der ihr Mut macht und ihr Selbstvertrauen für ihren Auftritt gibt. Obwohl Deirdre ihm noch nie begegnet ist, kennt sie ihn aus den merkwürdigen Träumen, die sie Nachts immer wieder heimsuchen.
    Von da an beginnt sich Deirdres Leben dramatisch zu verändern: Ständig findet sie an den unmöglichsten Orten Kleeblätter, sie begegnet merkwürdigen Gestalten, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen und entdeckt, dass sie selbst übersinnliche Kräfte zu entwickeln beginnt. Die betörend schönen und grausam verspielten Wesen der irischen Feenwelt scheinen tatsächlich zu existieren und Deirdre gehört zu den wenigen Menschen, die in der Lage sind sie zu sehen.
    Als Deirdre sich in Luke verliebt wird die Lage noch schwieriger, denn der junge Mann verbirgt ein dunkles Geheimnis. In welcher Beziehung steht er zu den Feen, die plötzlich ein merkwürdiges und bedrohliches Interesse an Deirdre zeigen? Kann sie Luke überhaupt vertrauen?


    Kommentar:
    Stephenie Meyer nimmt dich in Acht, hier kommt Maggie Stiefvater! Das war es, was mir in den Sinn kam, als ich die ersten 50 Seiten von „Lament“ gelesen hatte.
    Eigentlich mag ich solche Vergleiche nicht, aber hier kann ich einfach nicht anders, denn „Lament“ ist, obwohl thematisch wie inhaltlich nur ansatzweise ähnlich, im Prinzip das, was auch „Twilight“ war: eine phantastische Teenieschnulze erster Güte.


    Mir gefällt vor allem die Idee, die irische Sagenwelt als Motiv für den Roman zu wählen sehr gut. Es war schön auf alte Bekannte wie Thomas den Barden zu treffen und die Feen nicht als gute, sphärische Gestalten, sondern als trickreiche Wesen mit einem kindlich grausamen Spieltrieb zu erleben. Dass Deirdre Musikerin ist und Musik durchaus eine Rolle in dem Roman spielt, rundet das Bild ab und bildet einen schönen atmosphärischen Rahmen für die Handlung.
    Der Plot von „Lament“ ist gut (besser als der von „Twilight“ übrigens). Die Geschichte hat überraschende Wendungen und die nötigen tragischen Enthüllungen, um den Leser zu fesseln. Da die Autorin wirklich einen Sinn für Dramatik hat, ist die Liebe zwischen Deirdre und Luke schon fast herzzerreißend aussichtlos.
    Der Schluss ist gut gelungen und obwohl eine Fortsetzung folgen wird, kann man das Buch auch als Einzelroman lesen, denn man wird nicht durch einen Cliffhanger gequält.


    Nun zu den Dingen, die mir weniger gefallen haben. Manchmal fehlte mir die emotionale Tiefe, einige Dinge konnte ich einfach nicht mitfühlen. Und nicht immer sind die Entscheidungen und Handlungen der Figuren nachvollziehbar.
    Deirdre hat außerdem leider ganz schöne „Mary Sue“-Ansätze. Sie ist talentiert, aber eher die unverstandene Einzelgängerin und natürlich ist sie eigentlich eine ganz tolle Person. Aus heiterem Himmel entwickelt sie telekinetische und telepathische Kräfte. Es wird zwar erklärt warum sie diese Kräfte hat, aber sie entwickelt sie meistens genau im passenden Moment, sodass die Autorin sie ein, zwei Mal schon recht unelegant benutzt, um die Protagonistin Dinge erfahren zu lassen, die sie eigentlich nicht wissen kann.
    Im Prinzip fehlen dem Buch immer wieder ein paar Seiten, um bestimmte Aspekte zu vertiefen, denn die Geschichte an sich hat absolutes Potential, das aber an einigen Punkten unausgeschöpft bleibt.


    Ich mochte das Buch trotz aller Macken und ich erwarte mit Spannung, was diese Autorin noch schreibt und ob sie die Schwächen ihres Erstlings noch loswird. Wer „Twilight“ mochte, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Die weibliche jugendliche Zielgruppe dürfte es ohnehin lieben. Alle anderen müssen selbst entscheiden, ob Fantasy mit ausgeprägter Jugendromanze ihre Sache ist.


    Übrigens ist die englische Ausgabe sehr hübsch gestaltet. Sie hat fast das Format eines Trade-Paperbacks, ist auf einigermaßen gutem Papier gedruckt und hat vor jedem Abschnitt eine schwarz-weiß-Illustration (Edit: Allerdings sehe ich gerade, dass man das Cover der englischen Ausgabe geändert hat. Gut möglich, dass das auch die übrige Ausstattung betrifft).


    Von mir gibt es:
    4ratten


    Fortsetzung:
    Ballad (irgendwann 2009)

    Einmal editiert, zuletzt von Pandora ()

  • Rezension


    Obwohl die 16jährige Deidre ein musikalisches Ausnahmetalent ist, hat sie vor jedem Auftritt unfassbares Lampenfieber. Als auch diesmal wieder ihr Magen rebelliert und sie sich vor einer wichtigen Aufführung auf’s Schulklo flüchtet, trifft sie dort auf einen Jungen, dem sie noch nie begegnet ist, der ihr aus ihren Träumen aber gut bekannt ist.
    Obwohl ihre Familie dagegen ist, beginnt sie, Luke regelmäßig zu treffen. Plötzlich jedoch tauchen überall vierblättrige Kleeblätter auf und Deidre sieht Dinge, die anderen Sterblichen verborgen bleiben. Deidre erkennt, dass sie in Gefahr ist, doch ihre Gefühle für Luke sind bereits zu stark, um sich von ihm abzuwenden…


    Schon der Einstieg ist irritierend. Dass Deidre Luke aus ihren Träumen kennt, wird gerade mal am Rande erwähnt, sodass ihr recht ungezwungener Umgang miteinander sehr verwunderlich ist. Generell werden übernatürliche Vorkommnisse viel zu schnell hingenommen, ohne sie groß zu hinterfragen. Das erhöht zwar das Erzähltempo, trägt dafür aber nicht gerade dazu bei, der Geschichte besonderen Tiefgang zu verleihen.


    Auch die Charaktere lassen sehr zu wünschen übrig, allen voran derjenige der Hauptfigur. Schnell wird deutlich, dass Deidre ein schüchternes, unsicheres Mädchen sein soll, keine typische Heldin. Doch gerade zu Beginn wirkte sie auf mich einfach nur zickig, ihre Reaktionen waren kaum nachvollziehbar. Ihre größte Angst ist es, gewöhnlich zu sein. Erst als sich der gut aussehende Luke für sie interessiert, fühlt sie sich besonders. Ihr ausgezeichnetes Harfespiel, das ihr eine große Musikerkarriere verspricht und sie alleine dadurch von der breiten Masse abhebt, zählt für sie nicht. Da muss sich schon erst die Feenwelt für ihre Musik interessieren, damit sie erkennt, dass sie scheinbar doch nicht so gewöhnlich ist, wie sie meint.


    Ebenso blutleer und undurchschaubar wie Deidre, die darüber hinaus am Ende eine sehr unliebsame Entscheidung trifft, ist auch Luke. Er soll wohl ein typischer Mädchenschwarm mit anziehender, mysteriöser Seite sein, doch gutes Aussehen und Schmeicheleien reichen nicht, um mir eine Person schmackhaft zu machen. Da kann er noch so oft «hübsches Mädchen» sagen, mich hätte er damit nicht überzeugt. Geschweige denn dass nachvollziehbar ist, wie man sich in wenigen Tagen unsterblich in ihn verlieben kann.
    Am nervigsten ist jedoch Deidres bester Freund James, der in der im Oktober erscheinenden Fortsetzung von der Nebenfigur zum Hauptcharakter avanciert. Leider ist er so gewollt anders und seine Sprüche so dermaßen aufgesetzt, dass er nur noch unglaubwürdig ist.


    Neben der missglückten Figurenzeichnung ist auch die Sprache sehr gewöhnungsbedürftig. Die Dialoge wirken oft sehr unnatürlich. Welches Mädchen will schon «Du hast einen unglaublich süßen Pferdeschwanz, den ich am liebsten ständig anfassen würde. Das ist mir jetzt einfach so rausgerutscht» (Seite 218) hören?
    Zwar bemüht sich die Autorin um eine möglichst poetische Sprache, meist wirken ihre Vergleiche aber eher abgedroschen und sperrig. So zieht die böse Feenfrau «einen Schmollmund, so schön, dass Engel weinten und Blumen verschrumpelten» (Seite 172) und Luke «schlich so leise durch die Tür wie rieselnder Schnee in der Nacht» (Seite 175).


    Auch den Aufbau des Buches kann ich nicht unbedingt als gelungen bezeichnen. Während der Anfang sich etwas in die Länge zieht, geht zum Ende hin alles so schnell, dass man nur noch Bilder an sich vorbeiziehen sieht, ohne den Zusammenhang zu erkennen. Lösungen werden einfach so präsentiert, ohne dass sie sich vorher angedeutet haben oder anschließend erklärt werden. So schwebte mir mehr als einmal ein großes Fragezeichen über dem Kopf. Auch hinsichtlich der Tatsache, dass das Buch in sechs Bücher unterteilt ist. Der Grund dafür hat sich mir bis zum Schluss nämlich nicht erschlossen.


    Störend war darüber hinaus auch, dass immer, wenn von den Feen die Rede war, Wörter kursiv gedruckt waren, die ich im Kopf automatisch betont gelesen habe, ohne dass sie in dem Fall betont werden müssten. So wurde ich manchmal auf einer Seite gleich mehrfach aus dem Lesefluss gerissen.


    Positiv zu erwähnen ist allerdings, dass für den Entwurf des Feenvolkes irische Sagen und Volkslieder herangezogen wurden, die diese Wesen mal in einem anderen, gefährlichen Licht erscheinen lassen.
    Alles in allem war das Buch für mich aber leider trotzdem eine große Enttäuschung. Den zweiten Teil, der im englischen Original Ballad: A Gathering of Faerie heißt, werde ich daher ganz sicher nicht lesen.


    2ratten

  • Hmm, die von dir zitierten Sätze klingen in der Tat schauderhaft. Ich frage mich, ob da eine unglückliche Übersetzung zugeschlagen hat, weil im Englischen fiel mir derartiges nicht auf. Wäre interessant das zu vergleichen. Manchmal fällt es einem in einer Fremdsprache auch nicht so arg auf.


    Ich lese gerade ein anderes Buch der Autorin (Shiver) und mir fällt auch da wieder auf, dass den Figuren Tiefe fehlt. Bei "Lament" hatte ich das ja noch als eine Erstlingsmacke gesehen, aber es scheint sich nicht zu bessern.

    Einmal editiert, zuletzt von Pandora ()

  • Irgendwo habe ich eine Rezension gelesen, in der der gerade die Übersetzung gelobt wurde. Stellt sich nur die Frage, ob der Rezensent tatsächlich beide Ausgaben gelesen hat.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass einem solche Formulierungen weniger auffallen, wenn man sie nicht in seiner Muttersprache liest. Theoretisch könnte ich also ein weiteres Buch der Autorin einfach im Original lesen, aber da ich auch noch andere Kritikpunkte hatte, die du, Pandora, ja jetzt auch mehr oder weniger bestätigst, lasse ich das wohl lieber.
    Wirklich schade, denn die Grundidee war wirklich viel versprechend. In der Tat vergleichbar mit «Twilight», aber besser.

  • Ich habe Lamento auch gelesen und fand es eigentlich ganz gut. Aber die Fortsetzung davon "Ballade", fand ich dann eher langweilig. Die Figuren haben mich einfach nicht mehr interessiert und die weibliche "Hauptelfe" war mir sogar sehr unsympathisch, sodass ich auch der Liebesgeschichte nichts abgewinnen konnte.

    I'm the perfect stranger who knows you too well