Tana French - Grabesgrün/In the woods

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 36 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Minou76.

  • An dieses Buch bin ich im letzten Februar zufällig geraten und kann gar nicht verstehen, dass es bisher noch nicht rezensiert worden ist....


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    Der kleine Ryan spielt mit seinen Freunden im Wald von Knocknaree. Als er Stunden später gefunden wird, sind seine beiden Freunde spurlos verschwunden, Ryan ist voller Blut und kann sich an nichts erinnern. Seine Familie zieht daraufhin weg und Ryan ändert auch seinen Namen. Zeitsprung: Jahre später, Ryan ist inzwischen Polizist und in eben diesem Wald von Knocknaree ist ein kleines Mädchen auf seltsame Weise ermordet worden. Ryan und seine Partnerin übernehmen die Ermittlungen und Ryan sieht sich gezwungen, sich auch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen...


    Mich hat das Buch eigentlich sofort gefesselt. Der Autorin gelingt es virtuos, eine unglaublich spannende Atmosphäre aufzubauen, obwohl eigentlich über weite Strecken des Buches gar nicht viel passiert. Trotzdem habe ich mich niemals gelangweilt. Die Personen waren alle glaubhaft charakterisiert und die Handlung nahm komplett andere Wendungen, als ich eigentlich erwartet hatte. Auf keinen Fall ein 08/15 Thriller.


    Ich vergebe


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


    - keine 5, weil ich mich mit dem Ende zuerst überhaupt nicht anfreunden konnte, zuerst gnadenlos enttäuscht war und es wirklich erst nach einigen Tagen als schlüssig akzeptieren konnte. (Ich weiß, das klingt jetzt seltsam, aber genauer kann ich es nicht beschreiben, ohne zuviel zu verraten).


    Achja, kleine Warnung: die Autorin hat inzwischen ein zweites Buch herausbebracht- "The likeness". Ich habe den Klappentext bei amazon gelesen, als ich "In the woods" noch nicht ganz durch hatte- Fehler. Es nimmt sofort einen Teil der Spannung weg, also Achtung!

    :leser: <br />John Updike - Terrorist<br />M. Lewycka - A short history of Tractors in Ukrainian<br />Bobby Henderson - Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters<br />M. Crichton - Next<br />Steffen Möller - Viva Poloni

    Einmal editiert, zuletzt von Tamiami ()

  • Ich habe dieses Buch am Samstag beendet und muss sagen, dass es mir sehr, sehr gut gefallen hat. Es ist sehr interessant und spannend und die Sprache intensiv, teilweise fast poetisch. Wenn die Autorin den Wald und die Spiele der Kinder beschreibt, ist das so atmosphärisch dicht, dass man meint, die Düfte selbst zu riechen und die Sonne zu spüren. Wirklich stark !


    Auch das Ende fand ich nicht enttäuschend, und ich fühlte mich auch nicht "betrogen", wie ich es schon bei Amazon-Rezis gelesen habe. Ich konnte mich gut damit anfreunden. Wer weiß, vielleicht hat die Autorin auch einen guten Grund für dieses Ende. Immerhin ist ja ihr zweites Buch mit einer der Hauptfiguren dieses Buches gerade erschienen.


    Ich vergebe 5ratten


    für hohen Lesegenuss mit einer, auch psychologisch ausgefeilten Handlung und viel Spannung ohne plump daherkommende Action.

  • Mein persönlicher Eindruck ist sehr negativ, seine Wiedergabe enthält einige Spoiler.


    Ähnlich Agatha Christie in ALIBI, wo der Erzähler lügt und vorgibt, die Wahrheit zu sagen, wartet French mit einem Erzähler auf, der vorgibt zu lügen.



    Rosalind ist wie in einem schlechten Fernsehkrimi als Verdächtige im Todesfall Katy mit Alarmzeichen so stark hervorgehoben, dass es schon fast wie ein Hinweis auf ihre Unschuld gelesen werden muss.



    Wie kann die kleine Katy ihr Tagebuch so lange Zeit im Grunde halb öffentlich in der Ballettschule verstecken, ohne dass dies jemand bemerkt?



    Die Geschichte um Rob und Cassie wird über sehr weite Strecken thematisiert wie eine klischierte Teenieromanze, und diese wird von Erwachsenen durchlebt.



    Der Roman erweckt eine Zeitlang den Eindruck, Erinnerung sei eins seiner Themen, als erzeuge er eine Verbindung zwischen dem zwanzig Jahre zurückliegenden Verbrechen und der Gegenwartshandlung.



    Die Charaktere sind ziemlich dünn. Das Buch steckt voller Klischees und Mängel; es entspricht dem Marketinghype von Verlag und Feuilleton so ganz und gar nicht. Gäbe es unter den Smileys eine Gurke, würde ich erstmals eine bildhafte Bewertung vornehmen.


    Liebe Grüße,
    mohan

    Einmal editiert, zuletzt von mohan ()

  • Ich finde es total spannend, eine so völlig andere Meinung zu dem Buch zu lesen :daumen: Und ich glaub, das Buch von Agatha Christie muss ich mal lesen (ich hab noch nie was von A. Christie gelesen).


    Werbung und Besprechungen habe ich übrigens gar nicht gesehen/gelesen von diesem Buch! Wie gesagt, es war ein Zufallskauf im Februar 2008 auf Malta und ich glaub, es ist auf deutsch auf erst vor einigen Monaten erschienen.

    :leser: <br />John Updike - Terrorist<br />M. Lewycka - A short history of Tractors in Ukrainian<br />Bobby Henderson - Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters<br />M. Crichton - Next<br />Steffen Möller - Viva Poloni

  • @ tamiami: Ich habe bisher auch keine Werbung für das Buch gesehen. Ich fand Deine Rezi und das Thema des Buches ganz spannend, deshalb habe ich es mir über die Bücherei besorgt.


    Das das nicht aufgedeckt wurde, hat mich jetzt nicht so maßlos enttäuscht, dass es meinen Spaß an dem Buch geschmälert hätte. Und wer weiß, vielleicht stolpert Cassie in ihrem nächsten Fall ja evtl. doch über einen Zusammenhang. Wäre doch spannend.

  • Ich liebe halt logische, runde Lösungen....


    Den zweiten Teil werde ich mir auch besorgen, schon weil mir die Atmosphäre so gut gefallen hat. Kostet noch 13,95Euro bei amazon, da werde ich noch einen Tick warten....ich hab auch im Moment noch so einen hohen SUB hier :breitgrins:

    :leser: <br />John Updike - Terrorist<br />M. Lewycka - A short history of Tractors in Ukrainian<br />Bobby Henderson - Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters<br />M. Crichton - Next<br />Steffen Möller - Viva Poloni

  • Wie soll man sich über ein Buch verständigen, ohne ständig zu spoilern? Nachfolgend nehme ich Bezug auf verdeckten Text von Tamiami, der spoilert, und ich werde ebenfalls spoilern.




    Liebe Grüße,
    mohan

  • Naja.....es kommt auf die WG an....ich wohnte auch mal in einer WG. Eigentlich waren wir 8 feste Leute. Davon hatten aber 2 jeweils noch einen Zwilling- ein Austausch wäre mir da also gar nicht zwingend aufgefallen :smile:. Da es ein Wohnheim war und man damit nur höchstens 4 Jahre dort wohnen durfte, hatten wir aber auch öfters Ein- und Auszug, also saßen Leute saßen in der Küche und man wusste nicht, ob sie jetzt Besuch, Dauergäste, Untermieter oder neue Mitbewohner waren (ehrlich, Asche über mein Haupt, aber Asiaten sehen für mich alle SO gleich aus und von denen waren es immer so viele)....aber du hast schon recht, dein Spoiler klingt schon ein wenig....konstruiert....aber ist das nicht irgendwie jedes Buch *rumphilosophier*? :schwitz:

    :leser: <br />John Updike - Terrorist<br />M. Lewycka - A short history of Tractors in Ukrainian<br />Bobby Henderson - Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters<br />M. Crichton - Next<br />Steffen Möller - Viva Poloni


  • Naja.....es kommt auf die WG an....ich wohnte auch mal in einer WG. Eigentlich waren wir 8 feste Leute. Davon hatten aber 2 jeweils noch einen Zwilling- ein Austausch wäre mir da also gar nicht zwingend aufgefallen :smile:. Da es ein Wohnheim war und man damit nur höchstens 4 Jahre dort wohnen durfte, hatten wir aber auch öfters Ein- und Auszug, also saßen Leute saßen in der Küche und man wusste nicht, ob sie jetzt Besuch, Dauergäste, Untermieter oder neue Mitbewohner waren (ehrlich, Asche über mein Haupt, aber Asiaten sehen für mich alle SO gleich aus und von denen waren es immer so viele)....aber du hast schon recht, dein Spoiler klingt schon ein wenig....konstruiert....aber ist das nicht irgendwie jedes Buch *rumphilosophier*? :schwitz:


    Ich habe auch den Großteil meines Studiums in einer WG gewohnt, in der ein reges hin und her herrschte. Aber ich glaube schon, dass man Menschen, mit denen man intensiv zu tun hat, schon nach kurzer Zeit wiedererkennt. :rollen: Und vor allem erfährt man viel über sie. Nun kommt ein "Doppelgänger" und gibt vor, er sei die Person, die man kennt. Und ich merke NICHTS? Da geht es nicht um jemanden, der äußerliche Ähnlichkeiten aufweist. Die andere Person wird gleichsam ersetzt. Wo ist das gemeinsame Wissen, wo sind die gemeinsamen Erfahrungen, die der Ersetzende nicht kennt? Wenn ich die ganze Zeit zuvor nicht im Dauerrausch gewesen bin, merke ich was. Sorry, das kaufe ich der Autorin ich nicht ab. Natürlich werden Geschichten konstruiert. Oder überkonstruiert..., oder fehlkonstruiert. :zwinker:


    Hervorragend, dass ich in diesem Thread noch einen Beitrag schreiben kann, der nicht verdeckt ist. :klatschen:


    Liebe Grüße mit Smiley 4: :klatschen:

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    Adam Ryan hatte als Junge ein traumatisches Erlebnis, seine beiden besten Freunde verschwanden spurlos und er selbst wurde ohne eine Erinnerung an die Geschehnisse mit Blutspuren im Wald aufgefunden. Er hat die Ereignisse verdrängt, seinen Namen geändert und so ziemlich niemandem davon erzählt. So kann es passieren, dass, als genau in dem Dorf, in dem er seine Kindheit bis zu dem Unglück verbracht hat, eine Mädchenleiche gefunden wird, Rob, wie er nun genannt wird, als Ermittler der Mordkommission dort eingesetzt wird. Im Verlauf der Ermittlungen lernt er frühere Bekannte neu kennen und einzelne Erinnerungen an den Sommer vor rund 20 Jahren kommen bei ihm wieder hoch. Die aktuellen Ermittlungen drohen allerdings im Sande zu verlaufen, die wenigen Spuren führen scheinbar alle ins Leere. Aufrecht hält ihn dabei eigentlich nur die enge Freundschaft zu seiner Kollegin, doch zum Ende hin rückt der psychische Zusammenbruch Robs unter der Anspannung das Geheimnis seiner Herkunft zu waren immer näher.


    Das Buch las sich sehr zügig und das Verhältnis zwischen Privatleben und Ermittlungen war für meinen Geschmack sehr schön ausgewogen. Der Kriminalfall war nicht zu einfach, ich hatte nach zwei Dritteln des Buches noch keine Idee, wer der Täter sein könnte. Die Auflösung des Falls war allerdings dann trotzdem ordentlich auf Schlussfolgerungen aufgebaut und nicht aus dem blauen Dunst herbeigezaubert. Der "Held" ist zwar kein strahlender Held, aber die Autorin schafft es tatsächlich ihn zuviel trinken zu lassen, ohne dass das Klischee des Alkoholiker-Bullen bei mir auftaucht. Objektiv betrachtet ist das Ende unbefriedigend, ein anderes mögliches Ende gerät im Laufe der Geschichte zwar in die Erwartung des Lesers, aber die Auflösung, die die Geschichte nimmt, passt zum Buch und ein anderes Ende wäre letztendlich wohl doch an den Haaren herbeigezogen gewesen.


    Das Buch gefiel mir insgesamt jedenfalls ziemlich gut, den Nachfolgeband habe ich mir bereits notiert.


    4ratten

    Einmal editiert, zuletzt von illy ()

  • Mir hat Grabesgrün sehr gut gefallen.


    Vor allem die Geschichte von dem Jungen Adam Ryan, welcher sich als Erwachsener Rob nennt und an den Ort seines Kindheitstraumas zurückkehrt, um einen Mordfall zu lösen.
    Rob, der sich zu viel zumutet, dem seine Vergangenheit im Nacken sitzt und daran hindert mit der Gegenwart und dem aktuellen Fall klar zu kommen, fand ich sehr beklemmend und sehr realistisch.
    Unabhängig davon war der Krimi wunderbar erzählt und vermittelte viel Atmosphäre.


    Der zweite Teil steht schon im Regal und möchte gelesen werden.


    5ratten

  • Sorry, meins wars nicht :sauer:


    Nach vielen Jahren kehrt der Dubliner Ermittler Rob Ryan an den Ort seiner Kindheit zurück. Ein kleines Mädchen wurde ermordet und auf einem historischen Opferaltar inmitten einer Ausgrabungsstätte aufgebahrt. Niemand außer seiner Partnerin Cassie Maddox weiß, dass Rob eigentlich Grund genug hätte, seiner Heimatstadt für immer den Rücken zu kehren, Rob vermutet in dem Verbrechen einen Zusammenhang mit seinen eigenen Erlebnissen. Gemeinsam mit Cassie macht er sich auf eine Reise in die Vergangenheit.


    Tana French erhielt für ihren Erstling "Grabesgrün" mehrere Literaturpreise, unter anderem den Edgar-Allan-Poe-Award, den Macavity Award und den Anthony Award. Ein ausgezeichnetes Buch also? Mir selbst blieb bis zum Schluß der Grund für diese Auszeichnungen verborgen. Natürlich, "Grabesgrün" ist kein schlechtes Buch. Aber es zeichnet sich genausowenig durch etwas besonderes aus.


    Sprachlich bewegt sich die Autorin in der Mittelklasse. Ihre Charaktere - allen voran "Held" Rob Ryan - bleiben konstant farblos wie ein zu lange gekautes Kaugummi. Die Ermittlungen zieeeeehen sich in die Länge und darin könnten viele sogar den Vorteil des Buches sehen. Es ist kein Pageturner, kein Thriller, der atemlose Spannung erzeugt. Wie im echten Leben erzeugt so ein Verbrechen eine lange Reihe von Ermittlungsarbeit und diese zu erklären, sieht sich Tana French in der Pflicht. Leider packt sie einen Tick zu viele unwichtige Details in ihren 600-Seiten-Wälzer, um eine dichte Atmosphäre zu erschaffen.


    Die Auflösung ist so abstrakt, dass sie eigentlich unerwartet sein müsste, aber ich hatte trotzdem schon viele Seiten vor dem Ende ein Gefühl, worauf es hinausläuft. Dennoch verdient die Autorin zumindest dafür einen Pluspunkt. Schade, dass sie viele andere Punkte verschenkt, indem sie den roten Faden nicht weiterverfolgt (oder sich gar für weitere Teile aufspart?). Wer seitenlange Details über Ermittlungsarbeit lesen möchte und wer nichts gegen Klischees und eine sich langsam aufbauende Handlung hat, wird "Grabesgrün" gerne lesen. So ganz schlecht ist es nicht, aber es verlockt mich nicht, ein weiteres Buch der Autorin zur Hand zu nehmen.


    2ratten

    "Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt", schrieb Laschet, "wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das Paradies auf Erden schaffen will."


    Ein Muster-Katholik führt künftig die CDU


    "Sorry, ich sags wie es ist. wer cdu wählt, handelt gesellschaftlich verantwortungslos. cdu-wähler*innen stehen für mich auf einer stufe mit masken- und impfverweigerern. und nein: unwissenheit lass ich nicht gelten. sich zu informieren gehört zur gesellschaftlichen verantwortung. Michael Seemann


  • Ihre Charaktere - allen voran "Held" Rob Ryan - bleiben konstant farblos wie ein zu lange gekautes Kaugummi.


    totlach


    Schöner Verriss :breitgrins:

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Zum Inhalt muss ich nichts mehr groß sagen, aber die Verrisse kann ich ganz und gar nicht teilen und bin wieder mal fasziniert, wie die Meinungen auseinander gehen... ich muss nämlich ein Loblied auf den Roman (und auch den zweiten, für den alles Folgende genau so gilt und für den ich deswegen keinen eigenen Thread aufmache) singen!


    "Grabesgrün" und "Totengleich" sind seit wirklich ewiger Zeit die ersten Bücher, die mich richtig gepackt und in einen Sog gezogen haben und jetzt schon meine Lesehighlights 2010, im Grunde habe ich aber im ganzen Jahr 2009 kein besseres Buch und überhaupt noch nie einen besseren Krimi gelesen.


    Von Klischees konnte ich nichts sehen - gerade das hat mich so begeistert. Ich lese gerne viele Krimis und Thriller, so gerne, dass mir das Muster (Frau, am besten Pathologin oder sonstige Spezialistin auf dem Gebiet ekliger, detailliert beschriebenen Tätigkeit, fängt Mörder im Alleingang, stets unter Gefährdung ihres Lebens, und am Ende gibt es einen schönen Showdown, bei dem die gute Frau fast getötet wird, aber in allerletzter Sekunde Rettung naht) zum Hals raushängt. Hier fand ich es wunderbar erfrischend, zurück zum guten alten Ermittlerteam zu gehen, das jedoch sehr menschelte. Rasen die Ermittler in anderen Thrillern nur so von einem zum anderen Hinweis und schlussfolgern aus jeder gefundenen Faser sofort ganze Szenarien (ein Hundehaar auf der Leiche ist natürlich niemals einfach ein Hundehaar, sondern eines von der seltenen Rasse XY, die nur in Südwales vorkommen und von 3 Züchtern gezüchtet werden... :rollen:), stecken Rob und Cassie hin und wieder wunderbar fest, verzweifeln, ergehen sich in mühevoller, langwieriger Kleinstarbeit, müssen die selben Personen immer und immer wieder befragen. Hört sich öde an, war es für mich aber ganz und gar nicht. Mir, die ich natürlich überhaupt keine Ahnung von Polizeiarbeit habe, kam das sehr viel realitätsnaher vor als alles, was ich sonst in der Richtung gelesen habe.


    Rob, Cassie und die anderen Protagonisten sind weder perfekte Ermittler noch perfekte Menschen, was ich sehr angenehm fand. Fehler werden gemacht, und dazu noch plausibel begründet, Emotionen werden nachvollziehbar geschildert. Generell wurde jeder Faden, der im Laufe der Handlung gesponnen wurde, jeder Hinweis, jedes Detail, wieder aufgenommen und "geklärt", eine Detailliebe, die ich auch ganz großartig fand. Trotzdem wurde mir nie langweilig, ich musste mich ganz im Gegenteil dazu zwingen, die Romane hin und wieder wegzulegen, um nicht zu schnell zu lesen, und um mehr davon zu haben.


    Mit der Idee des zweiten Romans, die hier schon bemängelt wurde, muss man sich anfreunden können, das gebe ich zu. Aber da ich das konnte, hat mich auch diesem Roman nichts gestört. Das Zusammenspiel der Figuren in beiden Romanen gefiel mir ausgesprochen gut, und von "flachen Charakteren" konnte ich auch nichts spüren, ganz im Gegenteil hatten vor allem Rob und Cassie für mich sehr viel Profil, Geschichte, ein breites Spektrum an Emotionen... und über allem lag diese Melancholie, die mich schwer beeindruckt hat, die wunderbare Sprache, die sich so flüssig liest, aber trotzdem niemals verflachte... zwei ganz tolle Bücher und die besten Kriminalromane, die ich bisher gelesen habe.


    Ohne Zweifel gibt es:
    5ratten

  • Ich kann mich swank nur anschließen - ein toller Krimi! Die Stimmung ist zwar grötenteils sehr düster und man sollte das Buch vielleicht nicht unbedingt in eigener schlechter Stimmung lesen, aber es zeigt eben auch, dass die Autorin es schafft einen emotional zu erreichen. Das Thema Kindesmißbrauch und Kindestötung hat mich schon auch heruntergezogen und ein zweites Buch von ihr zu dem Thema hätte ich nicht lesen wollen, aber die Charaktere von Cassie und Rob haben mich so fasziniert, dass ich immer weiterlesen musste. Nur der zum Teil offene Schluss hat mir nicht gefallen. Ich hatte gehofft im zweiten Teil "Totengleich" würde ich eine Antwort bekommen, aber leider ist dies nicht geschehen.


    Von mir für dieses Buch
    4ratten


    Gruß suray

    Gruß suray

  • "In the Woods" von Tana French handelt von der Ermittlung in einem Kriminalfall. Ein 12-jähriges Mädchen, Katy, wird ermordet aufgefunden. Der ermittelnde Detective Ryan erlebte an dem Fundort in seiner Kindheit ebenfalls Schreckliches - seine beiden besten Freunde verschwinden, er bleibt zurück. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen? Warum musste Katy sterben?


    Auf den ersten Seiten hatte ich so meine Zweifel, ob es sich um ein Buch für mich handelt. Die Sprache wirkte steif und relativ anspruchsvoll. Aber kaum begegnet der Leser zum ersten Mal dem Ermittlungsteam Ryan und Cassie, ändert sich das schlagartig. Von da an war die Sprache sehr flüssig und angenehm zu lesen.


    Die Handlung an sich fand ich sehr interessant und vor allem sehr spannend. Es gab so viele mögliche Täter, dass ich bis zum Schluss nicht wusste, wer es war. Daher war das Ende für mich auch sehr überraschend.


    Auch die Charaktere waren ein wichtiger Bestandteil. Die Autorin verlieh ihnen Tiefe und ich konnte sie mir wirklich bildhaft vorstellen. Jeder hat seine Geschichte, seine Stärken und Schwächen. Das führte dazu, dass es mehrere Handlungsstränge gibt: Die Aufklärung des Mordes an Katy, die Beziehung zwischen den Ermittlern und natürlich Ryans Vergangenheit.


    Eine Kritikpunkt habe ich allerdings: Gegen Ende des Buches ging mir einiges zu schnell.


    Außerdem fand ich schade, dass


    Auf jeden Fall handelt es sich hier um einen wahren Buchtipp!


    :tipp: 5ratten

  • Also ich habe gerade Totengleich gelesen, das mir sehr gut gefiel, und hätte da mal ein paar Fragen zu Grabesgrün.


    1. Aus welcher Sichtweise ist es denn geschrieben? Nicht von Cassie, sondern Rob (was ich so herausgelesen habe??) ?


    2. Das Thema mit dem ermordeten Kind und die Hinweise von "Totengleich", dass der Fall so traumatisch war lassen mich auf ein sehr düsteres Buch schließen... ich hab jetzt einige Bedenken das zu lesen. Aber ist es wirklich so schlimm? Bzw. ist es "grauslig" und brutal?
    Ich möchte gern noch weitere Bücher von dieser Autorin lesen, da es mir sehr viel Spaß gemacht hat Totengleich zu lesen, aber bei diesem Buch bin ich doch sehr skeptisch, da ich in der Hinsicht doch sehr sensibel bin was die Themen angeht.


    3. Wieso ist die Inhaltsangabe von Totengleich ein Spoiler??? Ich meine ich kenn das Buch schon, ist es dann weniger spannend Grabesgrün im Nachhinein zu lesen?


    Würd mich freuen wenn wer Antworten hätte für mich.


    GLG

    :schmetterling:


    Gott hat dem Menschen die Phantasie gegeben, damit er darüber hinwegsehen kann was er nicht ist und den Humor, damit er ertragen kann, was er ist.

    (Horace Walpole)

  • Hallo Impulsee,


    zu 1. Ja, es steht mehr Rob im Vordergrund, aber Cassie ist eine weitere Haupfigur.


    zu 2. Es ist ziemlich düster und brutal. Du solltest schon in einer einigermaßen guten Verfassung sein, wenn du es liest, finde ich. Aber es lohnt sich allemal!!!


    zu 3. Na ja, in Totengleich wird ja schon viel über den anderen (ersten) Fall berichtet, aber ich denke man kann das Buch auch ohne Probleme nach Totengleich lesen.


    Viel Spaß beim Lesen! Und beeil dich - im Dezember gibt es den dritten Teil!

    Gruß suray

  • Hallo Suray,


    danke für deine Antwort! Jetzt weiß ich zumindest, auf was ich mich einstellen kann, wenn ich es lese.


    Auf den 3. Teil freue ich mich auch schon :)


    LG

    :schmetterling:


    Gott hat dem Menschen die Phantasie gegeben, damit er darüber hinwegsehen kann was er nicht ist und den Humor, damit er ertragen kann, was er ist.

    (Horace Walpole)

  • Meine Meinung zu dem Buch:


    Habe leider auch erst "Totengleich" gelesen und deswegen ist mir wirklich ein Teil der Spannung abhanden gekommen.
    Trotzdem muss ich sagen, dass Tana French es schafft, bis zum Ende zu verschleiern, wer welche Fäden hinter der Kulisse gezogen hat. Besonders spannend fand ich, dass das Buch aus Robs Sicht geschrieben ist.
    Ein wenig seltsam fand ich das Ende auch, aber so kommt man immerhin dazu, nochmals richtig über das Gelesene nachzudenken.


    Würde dem Buch auch 4ratten geben! Lesenswert!