Das Dekameron - Neunter Tag

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Myriel.

  • Emilia ist Königin des Tages und überlässt die Themenwahl den Erzählern. Dies ist der zweite Tag, in dem Wahlfreiheit besteht.


    Filomena erzählt in der ersten Geschichte von der Macht der Liebe. Die Exilanten Rinuccio und Alessandro nehmen Mutproben auf sich, um Madonna Francesca zu gefallen, und bringen sich so in gefährliche Situationen. Francesca aber will sie nur loswerden. Ein krasses Missverhältnis aus Chancenlosigkeit im Begehren und dem Aufwand, den man zur Zielerreichung betreibt, bestimmt die Bemühungen der Männer. Zwischendurch scheint es immer mal ein Erwachen aus der Illusion zu geben, in die man sich aber sogleich wieder selbst versenkt. Ein Beispiel für Verblendung durch Liebe. Schön auch die Argumentationen: Francesca bringt Scheinargumente vor, weil sie die Geschichte beenden will. Die Florentiner bringen Scheinargumente vor, weil sie mitten in der Mutprobe stehen. Wir kennen das aus dem richtigen Leben: Erweist sich ein Projekt als sinnlos, dürfen wir dennoch nicht auf halber Strecke aufgeben, sonst wäre ja alles umsonst gewesen.


    Panfilos Geschichte, die sechste des Tages, handelt einmal mehr davon, was geschehen kann, wenn man sich mit der Oberfläche zufrieden gibt. Panfilo scheint dieses Thema zu gefallen. Pinuccio und Adriano schlafen mit Frau und Tochter ihres Gastgebers, während dieser im selben Raum ist. Sie kommen davon, weil ihm die Erklärungen seiner Frau, Adrianos und Pinuccios ausreichen, wo er besser in die Tiefe gegangen wäre. Ein Rat, den Boccaccio vielleicht für sein Decamerone insgesamt umgesetzt wissen wollte.


    In Laurettas Geschichte, der achten, steht wieder ein Essen im Mittelpunkt, dieses Mal für Ciacco, der von seinem Freund Biondello eingeladen wird, dann aber feststellen muss, dass er am Treffpunkt weder erwartet wird, noch das Mahl von Qualität ist. Er rächt sich, indem er Biondello verprügeln lässt. Die Qualität des Mahls findet am Ende ihren Widerhall in der Qualität der Kommunikation.


    Emilia erzählt die neunte Geschichte des Tages. In einer vergleichsweise sehr langen Einführung lässt sie die Zuhörer wissen, dass „alle Frauen durch Natur, Sitte und Gesetz den Männern unterworfen sind und nach deren Gutbefinden sich zu betragen und einzurichten haben, so daß jede, die Ruhe, Freude und Zufriedenheit mit dem Manne genießen will, dem sie angehört, ihm unterwürfig, duldsam und ergeben sein muß.“ Sie fügt das Sprichwort hinzu: “Ein gutes Roß braucht ebenso die Sporen wie ein schlechtes, und ein gutes Weib hat den Stock ebenso nötig wie ein schlechtes.”
    Emilia ist eine Frau, deren Tanz am Ende eines Tages schon mal betont wird. An dem Tag, dem sie als Königin vorsteht, erzählt sie eine seltsame Geschichte, die etwas Frauenfeindliches an sich hat und eine der grausamsten des gesamten Decamerone ist.


    Die offene Gleichsetzung eines Maultiers und einer Frau in der neunten Geschichte wird in Dioneos Schlusserzählung variiert, indem verschlüsselt eine Frau und eine Stute gleichgesetzt werden. In diesem Zusammenhang findet Dioneo ein Bild für eine unerwünschte Erektion: einer wacht auf, der nicht gerufen worden ist.


    Während die Damen sich über Emilias Geschichte flüsternd austauschen, verstehen sie Dioneos besser, als er gewünscht hatte.

  • Die Freiheit bei der Themenwahl an diesem Tag hat uns wieder einige Geschichten präsentiert, die ich sehr amüsant fand.


    Elisa erzählt in der zweiten Geschichte von einem Kloster mit Nonnen, denen die Liebe Gottes alleine nicht ausreicht. Eine von ihnen hat deshalb einen Liebhaber, auf den ihre Mitschwestern neidisch sind. Die Äbtissin, die die Nonne zurechtweisen soll, wird selbst fast mit einem Priester ertappt und erwischt in der Eile beim Anziehen statt ihres Kopftuches unbemerkt die (Unter-?)Hosen des Mannes. Mit diesem Kopfputz liest sie der jungen Nonne die Leviten, die den Spieß allerdings umdreht und angesichts des Beweisstückes Zugeständnisse von der Äbtissin fordert, die allen Ordensfrauen zugute kommen.
    Na, in diesem Kloster mag es ja lustig zugegangen sein. Es ist natürlich nicht ratsam, sich mit deutlichen Gegenbeweisen auf dem Kopf als unfehlbar hinzustellen und andere anzuklagen. Ob die Äbtissin ihren Verlust an Autorität durch die Bewilligung der Sonderrechte wieder gut gemacht hat?


    Bei der dritten Geschichte klingt schon die Überschrift viel versprechend. Bruno und Buffalmaco machen sich wieder einen Spaß mit Calandrino, der es eigentlich langsam besser wissen sollte. Sie wollen sein Geld auf den Kopf hauen und reden ihm ein, er sei schwanger. Da Calandrino große Angst vor der Geburt hat, hilft ihm ein Arzt und zieht ihm dafür das ersehnte Geld aus der Tasche.
    Eine nette Erzählung, einfach, aber wirkungsvoll. Schön zu lesen, dass Männer eingestehen können, dass ihnen die Schmerzen bei einer Geburt angst machen, aber schade, dass dieses Eingeständnis erst kommt, wenn einer von ihnen selbst diese Erfahrung vermeintlich auf sich zukommen sieht.


    Die vierte Geschichte handelt von Angiulieri, der von seinem spielsüchtigen Freund Fortarrigo um seine Börse erleichtert wird. Fortarrigo, der selbst seine Kleidung verspielt hat, lässt es so aussehen, als hätte Angiulieri die Sachen gestohlen. Schließlich steht Letzterer vor aller Welt als der Betrüger da.
    Man bekommt Mitleid mit Angiulieri, der keine Möglichkeit hat, seine Unschuld zu beweisen. Ein gutes Beispiel dafür, wohin man es mit der erforderlichen Eloquenz bringt und wie man leichtgläubige Mitmenschen mit passenden Argumenten manipulieren kann.


    In der siebten Geschichte erzählt Pampinea von Talano, der träumt, dass seine Frau von einem Wolf angefallen und ihr Gesicht zerfleischt wird. Tags darauf rät er ihr, wegen seines Traumes nicht hinauszugehen, was sie starrköpfig doch macht und prompt vom Wolf angefallen wird.
    Das Verhalten der Frau lässt vermuten, dass die Ehe der beiden ohnehin nicht glücklich ist, so dass es sich bei dem Traum vielleicht sogar um einen Wunschtraum handelt, was Talano gar nicht bewusst war. Wie auch immer, sie hätte dem wohlwollenden Ratschlag ihres Mannes folgen sollen und nicht nur Schlechtes dahinter erwarten. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die beiden sich nicht mehr grün sind.
    Eine weitere Geschichte von Pampinea, in der eine Frau nicht auf ihren Mann gehört hat und deshalb großen Schaden erleidet.


    Das Vorwort zur neunten Geschichte hat mir ein ungläubiges Runzeln auf die Stirn getrieben. Frauen brauchen den Stock, entweder als Bestrafung oder als Abschreckungsmittel für die eigentlich Folgsamen? Was ist das für eine Einstellung - selbst zur damaligen Zeit - bei einer unverheirateten Frau, die ohne adäquates Anstandspersonal mit ledigen jungen Männern in einer abgelegenen Villa zwei Wochen verbringt? Gut, durch die Pest war es eine Ausnahmesituation, aber die Erziehung zu einer solchen Einstellung hat ja lange vorher schon stattgefunden. Das passt nicht ganz zusammen.


  • Das Vorwort zur neunten Geschichte hat mir ein ungläubiges Runzeln auf die Stirn getrieben. Frauen brauchen den Stock, entweder als Bestrafung oder als Abschreckungsmittel für die eigentlich Folgsamen? Was ist das für eine Einstellung - selbst zur damaligen Zeit - bei einer unverheirateten Frau, die ohne adäquates Anstandspersonal mit ledigen jungen Männern in einer abgelegenen Villa zwei Wochen verbringt? Gut, durch die Pest war es eine Ausnahmesituation, aber die Erziehung zu einer solchen Einstellung hat ja lange vorher schon stattgefunden. Das passt nicht ganz zusammen.


    Vielleicht passt es doch zusammen. Es erinnert mich z. B. an die vielen Möglichkeiten zur Selbstversicherung in unerwünschten Situationen. Ein verbreitetes Beispiel ist das Familienoberhaupt, das Frau und/oder Kinder misshandelt, gleichzeitig aber die Bedeutung der Familie für sich und im Allgemeinen überhöht und lobpreist. Derartige Wahrnehmungsdissonanzen sind doch eigentlich weit verbreitet. :smile:

  • Die Erzählungen des neunten Tages können von allen frei gewählt werden, und so wird es diesmal wesentlich abwechslungsreicher.


    In der ersten Geschichte muss sich eine junge Witwe zweier Verehrer erwehren. Trotz der von ihr geforderten Liebesbeweise lassen sich die beiden nicht abschrecken. Nur ein Zufall macht alles zunichte und die Dame kann sich auf die nicht erfüllten Aufgaben berufen. Interessiert hätte mich, was sie gemacht hätte, wenn die beiden nicht gestört worden wären.


    Die zweite Geschichte führt uns in ein Nonnenkloster, in dem es nicht jede so ganz genau nimmt mit der Keuschheit. Gerade die Äbtissin, die zu Gericht sitzt über eine entlarvte Nonne, empört sich darüber, obwohl man ihr nur zu deutlich ansehen kann welchem Laster sie gefrönt hat, als man sie rief. :breitgrins: Also senkte sie ihre erhobene Hand mit dem Stein und spielte lieber Murmeln mit der Beschuldigten.


    In der dritten treffen wir wieder einmal auf B&B&C. Das scheint wirklich eine beliebte Komikergruppe jener Zeit gewesen zu sein. :zwinker: Calandrino ist für jeder Art Spaß ein (unfrei-)williges Opfer.


    Mit der vierten Geschichte konnte ich nicht richtig was anfangen. Ich finde, es war die schlechteste des ganzen Tages.


    Nummer fünf ist eine weitere mit Calandrino. Mir fällt auf, immer wenn der Streich sich bei Calandrino zu Hause abspielt, ist seine Frau die Leidtragende und wird von ihm dominiert. Während es genau anderes herum ist, wenn es außer Haus geschieht. Anders herum würde ich sagen, seine Frau hat in ihrem Heim die Hosen an, aber so...


    Die sechste Geschichte war nun wirklich mal zum Schmunzeln. Dass alles so glimpflich ausging, verdankten sie jedoch nur der Geistesgegenwart der Frau des Wirts. Welche Probleme entstehen können, nur dadurch dass man eine Wiege verstellt.


    In der siebten Geschichte misstraut eine Frau dem Traum ihres Mannes und muss mit den Folgen leben.


    In der achten Geschichte finde ich wird der Streich, wie schon bei der Frau auf dem Turm, unverhältnismässig übertrieben. Das ist wieder nur Rachsucht, die den Ciacco treibt. Der Herr versteht so gar keinen Spaß!

  • Der neunte Tag ... nun ja, etwas besser als die vorherigen Tage war er schon, aber nicht so sehr. Fast nur die gleichen Themen, immer unter dem Hinweis, dass es, egal wie viel man darüber erzählt, immer noch mehr zu erzählen gibt. :rollen:


    Geschichte 1: Liebhaber und die "Streiche", die ihnen gespielt werden. :rollen:


    Interessiert hätte mich, was sie gemacht hätte, wenn die beiden nicht gestört worden wären.


    Das würde mich auch mal interessieren. So einfach sich aus der Affäre ziehen, wäre der guten Frau wohl nicht geglückt.


    Geschichte 2: Diesmal ist es die weibliche Geistlichkeit, die sich nicht beherrschen konnte. Allerdings hätte ich zu gerne die Äbtissin mit der Hose auf dem Kopf gesehen. :breitgrins:


    Geschichte 3: B&B back in action. Obwohl es mittlerweile die 4. (?) Geschichte um das Gespann ist, gefiel sie mir gut, da ständig verschiedene Themen aufgegriffen werden. Diesmal soll ihr Daueropfer Calandrino schwanger sein!! totlach


    Eine nette Erzählung, einfach, aber wirkungsvoll. Schön zu lesen, dass Männer eingestehen können, dass ihnen die Schmerzen bei einer Geburt angst machen, aber schade, dass dieses Eingeständnis erst kommt, wenn einer von ihnen selbst diese Erfahrung vermeintlich auf sich zukommen sieht.


    Ich fürchte, dass die Gesamtheit der männlichen Wesen dieser Welt sich nicht unbedingt an Calandrinos Äußerung gebunden fühlt, da er nicht wirklich das typische Bild eines Mannes (stark, furchtlos, ... ) verkörpert. :zwinker: Für Boccaccio als Autoren hingegen ist es wirklich ein bemerkenswertes Entgegenkommen, dass das Bild, alle Frauen seien schwach, dadurch zunichte macht, dass er anerkennt, was sie bei der Geburt durchmachen müssen. :daumen:


    Die vierte Geschichte gefiel mir ebensowenig wie Yanni und passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zur Stimmung der Gesellschaft. Sie wollen sich doch eigentlich ihres Lebens erfreuen und der trübseligen Atmosphäre durch die Pestepidemie entgegentreten. Allerdings an einem Tag ohne Motto so eine negative Geschichte hervorzuholen, widerspricht dem. Anscheinend empfanden es die anderen jungen Leute ähnlich, denn es heißt am Anfang der fünften Geschichte:

    Zitat

    Als Neifile ihre nicht lange Geschichte beendet hatte und die Gesellschaft, ohne viel über sie gelacht oder gesprochen zu haben, darüber hinwegging, ...


    Fünfte Geschichte und gleichzeitig fünfter Auftritt von B&B. :bang: Diesmal muss aber nicht seine Frau als Unglücksursache herhalten, sondern im Gegenteil: sie richtet ihren Gatten nach dem versuchten Ehebruch ordentlich zu!


    Nummer fünf ist eine weitere mit Calandrino. Mir fällt auf, immer wenn der Streich sich bei Calandrino zu Hause abspielt, ist seine Frau die Leidtragende und wird von ihm dominiert. Während es genau anderes herum ist, wenn es außer Haus geschieht. Anders herum würde ich sagen, seine Frau hat in ihrem Heim die Hosen an, aber so...


    Interessante Beobachtung! Als Pantoffelheld kann man Calandrino aber auch nicht wirklich bezeichnen, sonst hätte er weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit die Hosen an. Merkwürdige Figur!


    In der sechsten Geschichte geht es ja ganz schön zur Sache. Reichlich dreist finde ich es, in einem Raum, in dem fünf Personen sich gleichzeitig aufhalten, zu seiner Geliebten ins Bett zu steigen. Auch die Wirtsfrau scheint in der Sache keine Hemmungen zu haben, auch wenn sie meint, sich zu ihrem Mann gelegt zu haben. Dank ihrer Geistesgegenwart nimmt die Erzählung noch ein glückliches Ende.


    Bei der siebten Geschichte wird wieder das Traummotiv aufgegriffen. Auch wenns Böse klingen mag, aber die Frau tut mir nicht leid. Ihrem Mann ohne jeden Grund eine schlechte Absicht zu unterstellen, wo er sie doch nur warnen wollte ... :grmpf:


    Das Verhalten des Ciacco in der achten Geschichte ist mal wieder ohne jegliches Verhältnis zu dem Streich, dem ihm der Biondello gespielt hat. Anscheinend hat dies Ciacco äußerst persönlich genommen und sich so schwer gekränkt gefühlt, dass nur Gewalt ihn beruhigen konnte. :vogelzeigen:


    Aaah, der König Salomo hat auch einen Auftritt im Dekameron. Obwohl er kaum in Erscheinung tritt, sind seine Ratschläge nicht wirkungslos, allerdings moralisch z.T. stark bedenklich.


    Frauen brauchen den Stock, entweder als Bestrafung oder als Abschreckungsmittel für die eigentlich Folgsamen? Was ist das für eine Einstellung - selbst zur damaligen Zeit - bei einer unverheirateten Frau, die ohne adäquates Anstandspersonal mit ledigen jungen Männern in einer abgelegenen Villa zwei Wochen verbringt?


    Wahrnehmungsdissonanzen hin oder her, das klingt schon fast so ähnlich wie das Stockholm-Syndrom. Wenn sie lange genug geschlagen werden, entwickeln Frauen eine umso engere und liebenswürdigere Beziehung zu ihrem Mann? Wie ging doch gleich das Lied von den Ärzten? :vogelzeigen:


    Die zehnte Geschichte ist mal wieder typisch für Dioneo. Relativ derb geht es zu, als Don Gianni die Frau seines Gevatters in eine Stute verwandeln will.


    In diesem Zusammenhang findet Dioneo ein Bild für eine unerwünschte Erektion: einer wacht auf, der nicht gerufen worden ist.


    Diese Umschreibung hat mich zum Schmunzeln gebracht. Sehr eindeutig, ohne die Sache beim Namen zu nennen. :breitgrins:


    Zum Glück steht nun nur noch der zehnte Tag aus, den ich so schnell wie möglich lesen will, damit ich mich endlich wieder anderer Lektüre widmen kann. So schwierig hätte ich mir das nicht vorgestellt. :schwitz:


  • Aaah, der König Salomo hat auch einen Auftritt im Dekameron. Obwohl er kaum in Erscheinung tritt, sind seine Ratschläge nicht wirkungslos, allerdings moralisch z.T. stark bedenklich.


    Mit König Salomo hätte ich auch nicht gerechnet. Seine Ratschläge mögen ja bei den beiden seine Wirkung gezeigt haben, gut finde ich sie jedoch nur in Bezug auf Melissus. Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr die jungen Damen sich und ihresgleichen herabsetzen. :grmpf: Allein schon der Vergleich mit einem Roß! :rollen:


    Die zehnte Geschichte blieb dann auch gleich dabei, denn da sollte eine Frau in eine Stute verwandelt werden. Über diese Geschichte konnte man nur lachen. :breitgrins: Besonders die Umschreibungen fand ich, wie auch ihr schon, sehr gut gewählt.
    So naiv wie Dioneus dachte sind die Damen eben doch nicht. :zwinker:


    So, ein Tag noch und es ist überstanden! :schwitz:

  • Vielleicht passt es doch zusammen. Es erinnert mich z. B. an die vielen Möglichkeiten zur Selbstversicherung in unerwünschten Situationen. Ein verbreitetes Beispiel ist das Familienoberhaupt, das Frau und/oder Kinder misshandelt, gleichzeitig aber die Bedeutung der Familie für sich und im Allgemeinen überhöht und lobpreist. Derartige Wahrnehmungsdissonanzen sind doch eigentlich weit verbreitet. :smile:


    Ja, das ist die praktizierte Situation, in der es oft nach außen hin seltsam, nach innen aber völlig verständlich erscheint, wenn jemand so ambivalent handelt. Wenn man sich aber rein theoretisch damit befasst, tendiert man doch eher zu einer der beiden Seiten, zumindest kommt es mir so vor. Bei Pampinea hatte ich von Beginn an den Eindruck, dass sie etwas anderes lebt als das, was sie denkt.


  • Ich fürchte, dass die Gesamtheit der männlichen Wesen dieser Welt sich nicht unbedingt an Calandrinos Äußerung gebunden fühlt, da er nicht wirklich das typische Bild eines Mannes (stark, furchtlos, ... ) verkörpert. :zwinker: Für Boccaccio als Autoren hingegen ist es wirklich ein bemerkenswertes Entgegenkommen, dass das Bild, alle Frauen seien schwach, dadurch zunichte macht, dass er anerkennt, was sie bei der Geburt durchmachen müssen.


    Mit dem Mann meinte ich nicht Calandrino, sondern Boccaccio, der durch seine Figur spricht. Der gute Calandrino ist höchstens ein Mann zum Abgewöhnen :zwinker:. Wenn es um die Geburtsschmerzen geht - die nicht umsonst "Wehen" heißen - können Männer nicht mitreden, aber wenn sie es doch einmal tun, geht es nie darum, dass sie es bemerkenswert finden, wie die Frauen die Schmerzen durchstehen, während die werdenden Papas manchmal schon beim Anblick des Blutes umkippen. Wenn ich meine gehässigen fünf Minuten habe, sage ich immer, dass die Menschheit längst ausgestorben wäre, wenn unsere Männer die Kinder kriegen müssten (selbst wenn das anatomisch möglich wäre) :breitgrins:. [/quote]


    Wie ging doch gleich das Lied von den Ärzten?


    Welches Lied meinst Du genau? Ich bilde mir ein, das wäre weiter vorn schon mal zitiert worden.

  • Welches Lied meinst Du genau? Ich bilde mir ein, das wäre weiter vorn schon mal zitiert worden.


    Ich habe mal gegoogelt: Es heißt offenbar "Manchmal haben Frauen". Hier ein Video bei Youtube.

  • Gestern hatte ich an der Uni nicht viel zu tun, da konnte ich auch gleich noch den neunten Tag lesen. Ist schon praktisch, dass es den gesamten Text auch online gibt, da muss ich nicht das Buch rumschleppen und kann für meine Kollegen so aussehen, als würde ich ganz wahnsinnig wichtige, arbeitsrelevante Dinge lesen :zwinker:


    Durch die freie Wahl beim Thema hat mir der neunte Tag wieder etwas besser gefallen, aber auch nur ein kleines bisschen.


    Die zweite Geschichte fand ich ganz nett, aber auch nichts neues, so etwas haben wir doch in umgekehrter Form schon mal in einer anderen Geschichte gelesen, so weit ich mich erinnern kann.


    In der dritten Geschichte treffen wir B&B wieder, die beiden mag ich eigentlich, da sie Calandrino schon ganz witzige Streiche spielen. Er ist ja auch zu dumm, wie kann er nur glauben, dass er schwanger ist?


    Und auch in der fünften Geschichte geht es um B&B. Diese Geschichte fand ich wieder nicht so toll, Calandrinos Frau darf sich zwar ruhig mal etwas durchsetzen, aber von Rache halte ich nicht so viel...



    In der sechsten Geschichte geht es ja ganz schön zur Sache. Reichlich dreist finde ich es, in einem Raum, in dem fünf Personen sich gleichzeitig aufhalten, zu seiner Geliebten ins Bett zu steigen. Auch die Wirtsfrau scheint in der Sache keine Hemmungen zu haben, auch wenn sie meint, sich zu ihrem Mann gelegt zu haben. Dank ihrer Geistesgegenwart nimmt die Erzählung noch ein glückliches Ende.


    Zuerst fand ich es auch ganz schön dreist, dass alle gleich so zur Sache gehen, obwohl noch andere Leute mit im Zimmer sind. Allerdings muss das früher wohl öfter so gemacht worden sein, vor allem in armen Familien, die nur ein Zimmer hatten. Da waren immer die Kinder mit dabei, wenn neue Kinder "produziert" wurden, sonst wäre es wohl bei einem Kind pro Familie geblieben...
    Ich habe nicht damit gerechnet, dass diese Geschichte noch so gut ausgeht, aber die Frau hat da wirklich Geistesgegenwart bewiesen.

    Die Sache mit den Träumen in Geschichte sieben hatten wir ja auch schon mal :rollen:


    Die übertriebene Rache in Geschichte acht hat mich eher wieder genervt...


    Aber das schlimmste am neunten Tag war wohl die Vorrede zur neunten Geschichte. Was hat Emilia sich denn dabei gedacht? Sie ist doch selbst eine Frau, wieso sagt sie also solche Dinge über Frauen?


    Dioneos Geschichte war dann wieder so, wie man es von ihm gewohnt ist: lustig und ein bisschen derb.


    Ich kann es kaum glauben, dass ich nur noch 10 Geschichten lesen muss und das Dekameron dann endlich hinter mir habe! Ab dem sechsten Tag hat mir das Lesen nur noch wenig Spaß gemacht... :sauer:

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  • Ich kann es kaum glauben, dass ich nur noch 10 Geschichten lesen muss und das Dekameron dann endlich hinter mir habe! Ab dem sechsten Tag hat mir das Lesen nur noch wenig Spaß gemacht... :sauer:


    Willkommen im Club. :trinken:
    Allerdings kann ich gar nicht so genau sagen, ab wann sich das Lesen zum Kampf entwickelt hat. Das wurde einfach jeden Tag ein bisschen öder und eintöniger.



    Zuerst fand ich es auch ganz schön dreist, dass alle gleich so zur Sache gehen, obwohl noch andere Leute mit im Zimmer sind. Allerdings muss das früher wohl öfter so gemacht worden sein, vor allem in armen Familien, die nur ein Zimmer hatten. Da waren immer die Kinder mit dabei, wenn neue Kinder "produziert" wurden, sonst wäre es wohl bei einem Kind pro Familie geblieben...


    Na innerhalb der Familie mag es ja noch gehen (und ist gleichzeitig eine Form der Aufklärung :breitgrins: ), aber doch nicht wenn man Gäste beherbergt. [Blockierte Grafik: http://cosgan.de/images/smilie/boese/a050.gif]

  • So, ich nähere mich auch langsam dem Ziel!!!



    Die zweite Geschichte führt uns in ein Nonnenkloster, in dem es nicht jede so ganz genau nimmt mit der Keuschheit. Gerade die Äbtissin, die zu Gericht sitzt über eine entlarvte Nonne, empört sich darüber, obwohl man ihr nur zu deutlich ansehen kann welchem Laster sie gefrönt hat, als man sie rief. :breitgrins: Also senkte sie ihre erhobene Hand mit dem Stein und spielte lieber Murmeln mit der Beschuldigten.


    Diese Geschichte hat mich wirklich amüsiert! Dabei konnte ich mal wieder schmunzeln, obwohl ich die Geschichte von der Grundidee schon aus verschiedenen modernen Sketchen kannte. Die Geschichte scheint damit also zeitlos zu sein. :breitgrins:


    Die sechste Geschichte hat mir am neunten Tag mit Abstand am besten gefallen. Ich musste einfach nur lachen bei dem fröhlichen und teilweise sogar unfreiwilligen Bettentausch. Gut finde ich auch, dass der Ehemann/Vater nichts mitbekommen hat, sonst wäre die Geschichte bestimmt nicht positiv ausgegangen und hätte mir dann wohl den Spaß verdorben...



    In der siebten Geschichte erzählt Pampinea von Talano, der träumt, dass seine Frau von einem Wolf angefallen und ihr Gesicht zerfleischt wird. Tags darauf rät er ihr, wegen seines Traumes nicht hinauszugehen, was sie starrköpfig doch macht und prompt vom Wolf angefallen wird.


    Nachdem ich die ganzen Geschichten im Dekameron von Intrigen, Listen und Lügen gelesen habe, kann ich sogar ein wenig nachvollziehen, dass Talanos Frau nicht an den Traum glaubt... Trotzdem wäre ich wohl nicht in den Wald gegangen!!!



    Emilia erzählt die neunte Geschichte des Tages. In einer vergleichsweise sehr langen Einführung lässt sie die Zuhörer wissen, dass „alle Frauen durch Natur, Sitte und Gesetz den Männern unterworfen sind und nach deren Gutbefinden sich zu betragen und einzurichten haben, so daß jede, die Ruhe, Freude und Zufriedenheit mit dem Manne genießen will, dem sie angehört, ihm unterwürfig, duldsam und ergeben sein muß.“ Sie fügt das Sprichwort hinzu: “Ein gutes Roß braucht ebenso die Sporen wie ein schlechtes, und ein gutes Weib hat den Stock ebenso nötig wie ein schlechtes.”


    Ich habe die ganze Zeit beim Lesen auf eine Wendung gewartet, die gezeigt hätte, dass das zu Beginn Gesagte von Emilia reiner Sarkasmus war... Diese Geschichte hat mir absolut gar nicht gefallen!


    Willkommen im Club. :trinken:
    Allerdings kann ich gar nicht so genau sagen, ab wann sich das Lesen zum Kampf entwickelt hat. Das wurde einfach jeden Tag ein bisschen öder und eintöniger.


    Ich bin immer noch ganz fasziniert, wie ihr die Geschichten so "schnell" hintereinander lesen konntet. Ich schaffe es, wie man wohl merkt :zwinker: nur in ganz kleinen Häppchen! Aber ich schaffe das Buch bestimmt noch dieses Jahr!!! :breitgrins: