F.M. Dostojewskij - Schuld und Sühne (1. Teil)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 32 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von mohan.

  • Bei euren Gedanken zu Marmeladow stimmte ich voll und ganz zu.
    Ich finde seine selbstmittleidige Art wiederlich. Er stellt sich als armen Kerl hin, obwohl er seine ganze Familie noch weiter runter zieht. Ich habe mich wirklich gefragt, warum er um eine Stelle bittet und dann nach wenigen Tagen so einen Mist macht.
    Das er einfach zusieht, wie seine Tochter sich prostituiert.... unfassbar :entsetzt:

    &quot;Bücher sind Spiegel: Man sieht in ihnen nur, was man schon in sich hat&quot;<br />Carlos Ruiz Zafón<br />:lesen:


  • Ich habe eine Antwort auf meine Frage gefunden. Auf der Such nach dem Personenverzeichnis, ist mir ein Satz im Nachwort förmlich ins Auge gesprungen:


    "Dem deutschen Kulturanteil innerhalb Rußlands wird mit bitterstem Hohn begegnet [...]. Raskolnikows 'deutscher Hut' ist artfremde Kopfbedeckung, die ebenso artfremde Gedanken signalisiert. Mächtig sein wie Napoleon und reich sein wie Rothschild, das sind die Verführungen Europas, die am bedrohlichsten präsent sind. ..." (Horst-Jürgen Gerigk)


    Sehr schön, vielen Dank für die Erklärung. Auch wenn vielleicht noch eine andere Bedeutung gegeben sein könnte, weil ja das enge Umfeld der Verwendung dieser Motive auffällig ist. Aber diese andere Ebene deutet die Erklärung vielleicht auch schon an: "die ebenso artfremde Gedanken signalisiert", was sich auf Raskolnikow beziehen dürfte. Heute kann ich endlich mit dem zweiten Teil beginnen.


    :winken: mohan

    Einmal editiert, zuletzt von mohan ()

  • Ich habe nun den ersten Teil beendet.


    Die Begegnung Raskolnikow's mit dem betrunkenen Mädchen zeigt hier, dass Raskolnikow seine Mitmenschen nicht so gleichgültig sind, wie er es ansonsten gerne darstellt. Er will ihr helfen, merkt aber, dass es keinen Zweck hat. Er ist nicht in der Lage, das Mädchen vor dem gierigen Mann, welcher es auf sie abgesehen hat, zu beschützen.
    Sein Traum in der darauf folgenden Nacht zeigt ebenfalls seine Hilflosigkeit gegenüber diesen - seiner Meinung nach - schlechten Menschen. Er selbst ist der Gnade anderer Menschen, wie seiner Hauswirtin überlassen.
    Im Vergleich zu den relativ langwierigen Vorüberlegungen zum Mord wurde die Tat selbst innerhalb einer Seite abgehandelt. Raskolnikow zögert nicht, er tötet sie ohne dass ihn Zweifel plagen. Diese Rücksichtlosigkeit von Raskolnikow hat mich sehr überrascht, ich hätte eher erwartet, dass er das Unternehmen abbricht und zu einem anderen Zeitpunkt zuschlägt. Noch rücksichtloser ermordet er schließlich Lisaweta, die unerwartet am Ort des Geschehens auftaucht. Nach der Tat war er überraschenderweise noch soweit bei Verstand, dass er seine Spuren getilgt hat und sogar aus der schon auffällig gewordenen Wohnung flüchten konnte. Allerdings handelt er nun nicht mehr komplett gefühllos, sondern bekommt nun, nach dem zweiten Mord, und insbesondere als er die nahenden Menschen hört, Angst und gerät in Panik. Wenn die beiden Männer tatsächlich mit Hilfe des Hausknechtes die Tür aufgebrochen und eingetreten wären, während Raskolnikow noch in der Wohnung gewesen wäre, hätte die ganze Sache sicher kein so - bislang - gutes Ende nehmen können. Ob er den Mut gehabt hätte, auf 3 Männer loszugehen? Mit Sicherheit hätten sie andere Bewohner des Hauses auf die Morde aufmerksam gemacht, bevor Raskolnikow sie hätte stoppen können.


    Die Darstellung Raskolnikow's gefällt mir noch immer recht gut, seine Zweifel und Angst lassen ihn menschlich erscheinen und verwischen den Eindruck eines gnadenlosen Mörders.

    &quot;Eine Welt ohne Magie ist unmöglich. Magie ist das, woran die Menschen glauben, und an irgendetwas werden sie immer glauben.&quot;


  • Ich habe nun den ersten Teil beendet.


    Die Begegnung Raskolnikow's mit dem betrunkenen Mädchen zeigt hier, dass Raskolnikow seine Mitmenschen nicht so gleichgültig sind, wie er es ansonsten gerne darstellt. Er will ihr helfen, merkt aber, dass es keinen Zweck hat. Er ist nicht in der Lage, das Mädchen vor dem gierigen Mann, welcher es auf sie abgesehen hat, zu beschützen.


    Durch deinen Beitrag ist mir etwas Interessantes aufgefallen: Wenn Raskolnikow gute Absichten hat, wie in o.g. Beispiel, und helfen möchte, ist er nicht dazu in der Lage. Wenn er jedoch schlechte Absichten hat (der Mord), sträubt er sich innerlich dagegen und vollbringt das fast perfekte Verbrechen. Hat das etwas zu bedeuten? :schulterzuck:

  • Durch deinen Beitrag ist mir etwas Interessantes aufgefallen: Wenn Raskolnikow gute Absichten hat, wie in o.g. Beispiel, und helfen möchte, ist er nicht dazu in der Lage. Wenn er jedoch schlechte Absichten hat (der Mord), sträubt er sich innerlich dagegen und vollbringt das fast perfekte Verbrechen. Hat das etwas zu bedeuten? :schulterzuck:


    Interessanter Punkt, der Zusammenhang ist mir so noch gar nicht aufgefallen. Ein anderer Aspekt zu der guter Wille-schwacher Körper-Angelegenheit wäre dieser, dass Raskolnikow seine Tat zwar gestehen will (wie im zweiten Teil - hoffe das geht hier in spoilerfreier Variante :zwinker:), aber nicht fähig ist, es zu tun.

    &quot;Eine Welt ohne Magie ist unmöglich. Magie ist das, woran die Menschen glauben, und an irgendetwas werden sie immer glauben.&quot;

  • Hallo Ihr,


    den ersten Teil habe ich nochmals überflogen, da ich damals in der ersten Leserunde bereits soweit gekommen war.


    Auch ich finde, dass sich das Buch sehr gut lesen läßt, ansonsten kann ich mich nur Euch anschließen.


    Das fulminante Ende des ersten Teils hat mich etwas überrascht.


    Liebe Grüße


    gretchen

  • Jetzt habe ich den ersten Teil auch endlich fertig gelesen. Und meiner Mutter und Freundinnen habe ich das Buch direkt schon empfohlen. Mein Vater hatte es mal angefangen, wie er mir erzählt hat, und es dann abgebrochen, weil es ihm zu blutig und brutal war. Also so schlimm finde ich es bisher nicht. Natürlich ist der Mord blutig und brutal, aber ich finde es nicht übermäßig beschrieben oder so. Da gibt es schon ganz andere Sachen. :rollen:
    Ich finde den Stil übrigens total toll, habe ich das schonmal gesagt!? :zwinker: Das ist so eins der Bücher, da lese ich gleich doppelt so schnell. (Dass ich jetzt erst mit dem ersten Teil fertig bin liegt daran, dass ich a) sehr wenig Zeit habe und b) noch andere Bücher nebenbei lese!)
    Raskolnikow ist ja schon eine sehr interessante Persönlichkeit, um es mal vorsichtig auszudrücken. Teilweise kann ich mich sehr gut in ihn hineinversetzen und ich verstehe auch die meisten seiner Beweggründe, nur warum er die Alte jetzt ermordet hat ist mir noch nicht ganz klar. Natürlich hat sie den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen und ihre kleine Schwester unnötig gequält, aber das hatte mit Raskolnikow ja nicht allzuviel zu tun. Und dass er Geld brauchte, um seiner Schwester zu helfen, ist auch verständlich, aber muss es dann gleich Mord sein? Wahrscheinlich war das für Raskolnikow die einzige Lösung, aber ich würde mich nicht auch noch strafbar machen wollen, wenn ich schon so viele andere Probleme hätte. :rollen:
    Also bis jetzt bin ich wirklich begeistert von dem Buch und bin froh, dass ich mich nicht davon hab abschrecken lassen, dass viele es als trocken und langweilig oder eben brutal empfunden haben.
    Lg,
    Sookie


    PS: Eigentlich wäre das doch eine gute Schullektüre... :gruebel:

  • Interessanter Punkt, der Zusammenhang ist mir so noch gar nicht aufgefallen. Ein anderer Aspekt zu der guter Wille-schwacher Körper-Angelegenheit wäre dieser, dass Raskolnikow seine Tat zwar gestehen will (wie im zweiten Teil - hoffe das geht hier in spoilerfreier Variante :zwinker:), aber nicht fähig ist, es zu tun.


    Vielleicht ist es grundsätzlich ja leichter, schlechte Taten zu vollbringen als gute, ein schlechter Mensch zu sein als ein guter. :smile:


  • Ich finde den Stil übrigens total toll, habe ich das schonmal gesagt!? :zwinker: Das ist so eins der Bücher, da lese ich gleich doppelt so schnell.


    Das ist interessant. Bei mir ist es genau andersrum. Isst du auch schneller, wenn es dir gut schmeckt? :zwinker:


    Liebe Grüße,
    mohan :winken:

  • Das ist interessant. Bei mir ist es genau andersrum. Isst du auch schneller, wenn es dir gut schmeckt? :zwinker:


    Manchmal, ja... :redface: :breitgrins: Was ich eigentlich meinte war: Es liest sich leichter als andere Bücher aus der Epoche, finde ich, deswegen geht es schneller. Genießen kann ich es trotzdem! :zwinker: Bei Büchern, wo mir der Stil nicht gefällt, muss ich mich durchquälen, dann dauert es länger, es zu lesen.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich bin noch da, hatte aber bedingt durch eine andere Leserunde wenig Zeit, mich weiterhin um Raskolnikov zu kümmern. Außerdem kam mir ein 4tägiger Kurztrip nach Leipzig dazwischen :breitgrins:


    Den ersten Teil habe ich nun auch komplett gelesen und muss sagen, dass das Buch für mich immer noch sehr interessant und gut zu lesen ist, ich aber die Gedankengänge und den Zwiespalt Roskolinkows nur Häppchenweise verarbeiten kann. Deshalb werde ich mit Sicherheit länger für das Buch benötigen.


    Der Brief der Mutter fand ich heftig und ich habe genau wie Roskolinkow zwischen den Zeilen gelesen und die gleichen Gedankengänge gehabt (wie auch einige von Euch). Letztendlich macht seine Schwester nur in anderer Form genau das, was die Tochter von Marmeladow macht. Sie opfert sich für ihre Familie. Schlimm finde ich dabei, dass durch diesen Brief das Versagen Roskolinkow noch deutlicher wird und es auch im Brief unterschwellig mitwirkt. Denn wenn er Erfolg hätte, müsste seine Schwester diese Opfer nicht bringen. Und auch die Tatsache, dass sein ganzen Leben vorbestimmt wird, er damit fast entmündigt wird und er anscheinend keine eigenen Pläne haben darf, fand ich schon sehr seltsam. Ich bin gespannt, wie er in nächster Zukunft auf seine Mutter und Schwester treffen wird.


    Was das betrunkene Mädchen betrifft, so hat er vielleicht Dunja oder Sonja darin gesehen. Das Schicksal scheint so besiegelt bei allen drei Frauen, so dass er versucht, wenigstens eine zu retten.


    Die Szene mit dem Pferd konnte ich nicht lesen. Bei Tierquälereien schaltet mein Gehirn ab. Deshalb habe ich auch den Zusammenhang nicht ganz verstanden, warum er das geträumt hat. Vielleicht ist das "Erschlagen" der Zusammenhang, denn schließlich erschlägt er die beiden alten Frauen auch auf diese grausame Art und Weise.


    Dass er auf dem Weg der Tat sämtliche Zufälle und abergläubische Begegnungen aufsaugt und für sich einnimmt, finde ich logisch, denn eigentlich will er die Tat vom Gewissen her nicht begehen, und so ist er froh, dass man ihm von außen einen Schubs gibt und ihm gleichzeitig mit seiner Tat Recht gibt. Auch seine Gedankengänge, die sehr alltäglich und banal waren, lenkten ihn von der eigentlichen Tat erstmal ab. Während der Tat hat er mit Sicherheit seinem Gewissen nicht zugehört bzw. den "Mund" verboten, sonst wäre es vielleicht nicht zu der Tat gekommen. Beim ersten Schlag konnte er allerdings nicht mehr zurück und so musste er zwangsläufig alles durchziehen, auch mit den veränderten Bedingungen.


    Ich bin sehr gespannt, wie er nun mit dieser Last, mit seinem Gewissen zurecht kommt, die vermutlich im 2. Teil Inhalt sein werden.


    LG Murkxsi

    Mein Lebensmotto: Leben und leben lassen!

  • Nach einer kleinen Pause lese ich nun auch hier weiter. Aber irgendwie sieht es hier auch recht ruhig aus - hm, obs am Buch liegt, werd ich wohl demnächst erfahren. Hab jetzt auch den ersten Teil abgeschlossen und ich fand den Mord schon recht brutal. So kaltblütig, vor allen Dingen als er dann auch noch Lisaweta umgebracht hat ...


    Na ja, jetzt bin ich mal gespannt, wie das Buch noch weiter geht und werde mich bald dem zweiten Teil widmen und mal schauen, ob ich den Grund heraus finde, warum hier so wenig los ist. ;)


  • Nach einer kleinen Pause lese ich nun auch hier weiter. Aber irgendwie sieht es hier auch recht ruhig aus - hm, obs am Buch liegt, werd ich wohl demnächst erfahren. Hab jetzt auch den ersten Teil abgeschlossen und ich fand den Mord schon recht brutal. So kaltblütig, vor allen Dingen als er dann auch noch Lisaweta umgebracht hat ...


    Na ja, jetzt bin ich mal gespannt, wie das Buch noch weiter geht und werde mich bald dem zweiten Teil widmen und mal schauen, ob ich den Grund heraus finde, warum hier so wenig los ist. ;)


    Leider wirst du den Grund nicht herausfinden, weil sich niemand dazu äußert. :gruebel: Aber vielleicht kommt das ja noch? :smile:


    Das Buch bleibt ausnehmend lesenswert und ist, zumindest soweit ich es gelesen habe, nicht schwieriger als zu Beginn.



    Liebe Grüße,
    mohan :winken: