Volker Kutscher - Der stumme Tod

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Titel: Der stumme Tod
    Autor: Volker Kutscher
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch
    ISBN: 978-3462040746
    Seiten: 541
    erschienen: 27. Februar 2009



    Inhalt
    Der zweite Band rund um den Ermittler Gereon Rath spielt auch wieder im Berlin der ausgehenden 20er Jahre. Ohne Wiederholung oder Erinnerung an den ersten Teil der Serie wird der Leser direkt mit dem aktuellen Fall vertraut gemacht. Für Rath gilt es diesmal, den mysteriösen Tod einer Schauspielerin aufzuklären. Der Tonfilm kommt in Mode und die ersten Produzenten stellen ihre Art, Filme zu machen natürlich der Mode entsprechend um. Allerdings ist die Branche hart umkämpft. Rath wird auch diesmal in diverse "Nebenschauplätze" hineingezogen, an denen er mal mehr mal weniger zu tun hat.


    Meine Meinung
    Volker Kutscher bleibt seinem Stil treu. Er lässt Kommissar Gereon Rath in der aus dem ersten Teil gewohnten Weise agieren. Dabei gerät Rath das ein oder andere Mal mit Kollegen und seinen Vorgesetzten aneinander. Meist sind mir Krimireihen ab dem zweiten Teil schon leicht langweilig. Dies war hier ganz und gar nicht der Fall. Die Ereignisse überschlagen sich und man fiebert mit. Die moralischen Fragen, die der Leser auch im ersten Teil bereits für sich beantworten musste, sind auch diesmal wieder allgegenwärtig. Rath ist eben kein aalglatter Saubermann, sondern ein Ermittler mit Format. Allerdings hat er auch einige Schwächen, die er als Polizist wahrscheinlich nicht haben sollte. Aber genau dieser Umstand machte und macht diesen Krimi für mich so lesenswert. Des weiteren liebe ich die Atmosphäre Berlins 1930. Die Beschreibungen der Stadt und der Gegebenheiten dieser Zeit sind wirklich wunderbar und machten es mir sehr leicht, mich in diese mir doch ferne Zeit hineinzuversetzen. Fast so, als wäre man dabei gewesen.
    Die Lösung des Falls war für mich schlüssig und gut gelöst, allerdings hat mir ein wenig der Überraschungseffekt gefehlt. Leider kann ich hier nicht mehr schreiben, ohne zu viel zu verraten.


    Fazit: Ich will unbedingt mehr von Gereon Rath lesen, so schnell wie möglich. Auch wenn mein Wunsch wohl nicht so bald in Erfüllung gehen wird.


    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:



    Viele Grüße
    Muertia

    :lesen: Rebecca Gablé - Der dunkle Thron<br />SuB: 6 (+16 bereits bestellte Bücher, um den SuB mal ein wenig aufzuwerten)

  • Hallo Muertia,


    oh, wie schade, dass Du dieses Buch bereits gelesen hast! Denn auf http://www.leserunden.de findet bald eine Leserunde gemeinsam mit dem Autor Volker Kutscher statt... Schade - aber vielleicht magst Du ja mal vorbeilinsen. Ansonsten hast Du meine Vorfreude auf den 2. Fall schon mal angeheizt, dankeschön! :smile:


    Lieben Gruß
    dubh

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Hi dubh,


    mist, das hatte ich völlig übersehen. Aber ich schaue dann einfach mal bei der Leserunde vorbei.


    Wahrscheinlich hätte ich mit dem Lesen so oder so nicht bis zur Leserunde warten können. Mit diesem
    Buch war es ähnlich wie bei der Lieblingsschokolade: Sie liegt auf dem Tisch, man widersteht eine Weile,
    aber nicht lange genug! :breitgrins:


    Viele Grüße
    Muertia

    :lesen: Rebecca Gablé - Der dunkle Thron<br />SuB: 6 (+16 bereits bestellte Bücher, um den SuB mal ein wenig aufzuwerten)

  • Meine Meinung:


    Vierzehn Tage im Leben des Kriminalkommissars Gereon Rath - daraus hat Volker Kutscher nach "Der stumme Tod" einen weiteren atmosphärisch dichten und spannungsgeladenen Kriminalroman aus dem Berlin der 30er Jahre gemacht.


    Und es ist so einiges los in Raths beruflichem und auch privatem Leben. Privat immer haarscharf am Absturz vorbei, innerlich zerrissen, familiär nicht verwurzelt und immer noch neu in der großen Stadt, bietet Geron Rath das perfekte Bild des einsamen Wolfes, der nicht und niemanden an sich heranlässt. Ein interessanter Charakter, dessen Weg ich gerne verfolgt habe und der sich schwer in eine Schublade pressen lässt, weil er so viele Facetten hat. Auch sein Liebesleben verläuft keinesfalls harmonisch, sondern beschert ihm schlaflose Nächte und verworrene Träume.


    Genauso wie im Privatleben läuft es auch beruflich; Gereon tut sich unendlich schwer mit Vorgesetzten und Kollegen, fügt sich in kein Team so richtig ein und ermittelt am liebsten auf eigene Faust, was ihm natürlich jede Menge Schwierigkeiten einbringt. Durch seine Alleingänge bringt er sich in die verzwicktesten Situationen, die ihn am Ende gar nicht gut aussehen lassen und seine Vorgesetzte schier zur Verzweiflung bringen. Kein Wunder, dass er ständig in Ungnade fällt und von den wichtigen Fällen abgezogen wird...


    Dabei hat er doch gar keinen schlechten Riecher, insbesondere, was die neuesten Mordfälle betrifft, die sich im Berliner Filmmilieu abspielen und sehr gekonnt inszeniert sind. Wir begegnen Filmdivas, Produzenten und Beleuchtern, mittelklassigen Schauspielern und Regisseuren. Die Zeichen der Zeit deuten darauf hin, dass der Stummfilm aus der Mode kommt und der Tonfilm die ganze Welt im Sturm erobert. Kein Wunder, dass hier das Streben nach Ruhm und Erfolg im Vordergrund stehen und so mancher über Leichen geht, um zum Ziel zu kommen.


    Interessanterweise begleitet der Leser den Mörder von Anfang an bei seinen Gedankengängen und erfährt stückchenweise seine Geschichte; diese Erzählweise macht die Auflösung des Falles zwar in gewisser Weise vorhersehbar, nimmt dem Roman aber nichts an Spannung und bringt einen gleichzeitig faszinierend und abstoßend wirkenden Handlungsstrang mit ein, den ich atemlos und mit Schaudern verfolgt habe.


    Nebenbei ist noch eine prominente Persönlichkeit in die Handlung mit eingebaut, für die Gereon Rath aufgrund seiner familiären Verbindungen einen Gefallen erledigen muss; ein nettes Gimmick als Ergänzung zum Hauptfall, wobei mir die Auflösung ein wenig zu glatt ging; aber durch diesen Fall kommt eine weitere Perspektive ins Spiel, die ihren Teil zum Gesamtbild der 30er Jahre lieferte. Überhaupt gefiel mir sehr gut, wie die Atmosphäre und der Zeitgeist der damaligen Jahre eingefangen und geschildert wird.


    Der fulminante Schlussteil wartet noch mit ein paar Überraschungen auf und ist an Spannung kaum auszuhalten, so musste ich mit Gereon mitfiebern. Im Nachhinein gesehen ist der Kriminalfall sehr raffiniert konstruiert und durchdacht. Der ausgefeilte Schreibstil von Volker Kutscher tut sein übriges, um das Buch zu einem intensiven Leseerlebnis zu machen und die Stimmung perfekt zu transportieren. Wer intelligente Kriminalunterhaltung mit einem außergewöhnlichen Setting und interessanten Figuren mag, ist mit "Der stumme Tod" sehr gut beraten. Ich fand den Roman sehr gelungen und freue mich schon auf weitere Fälle mit Gereon Rath!


    5ratten

    :lesen: Caroline Ronnefeldt - Quendel 2: Windzeit, Wolfszeit

  • Und hier meine Meinung:


    Ein wenig enttäuscht war ich schon. Ich hatte mir von diesem 2. Band mehr erhofft. Dennoch finde ich Der stumme Tod durchaus gelungen, auch wenn ich mit dem Thema Film nicht so viel anfangen konnte und dieses Mal für mich auch der Mörder schnell klar war.


    Was mir gefiel war einmal mehr die Beschreibung des Lebens in der Weimarer Republik und der politischen Gruppierungen die aber eher am Rande erwähnt werden, wobei es den Leser schon erahnen lässt was passieren wird. Ich persönlich hoffe das dies in den (hoffentlich) folgenden Bänden der Gideon Rath-Reihe eine Rolle spielen wird. Im Großen und Ganzen stehen jedoch die Morde deutlicher im Mittelpunkt als dies noch bei Der nasse Fisch der Fall war. Zum einen liegt das sicher daran das im Vorgängerband das meiste, was es von Rath zu wissen gibt schon erzählt wurde, so dass Kutscher sich hier ganz auf die Krimihandlung konzentrieren konnte, zum Anderen sicher auch daran das die Morde in einem recht unpolitischen Rahmen passieren. Man erfährt dabei jedoch einiges über die Entwicklung des Filmes in den späten zwanziger Jahren. Mich persönlich hat dabei jedoch mehr interessiert wer für die Morde verantwortlich ist. Hier war die Lösung wie schon erwähnt etwas voraussehbar.


    Insgesamt gesehen empfand ich Der stumme Tod als schwächer, als Der nasse Fisch und hatte Stellenweise auch das Gefühl Kutscher wusste nicht so recht weiter. Ich habe zwar ganz gerne weiter gelesen, hoffe aber das sich der Autor im nächsten Band wieder steigern kann.


    3ratten

  • Holden,


    schade, dass dich dieser zweite Teil nicht ganz so überzeugen konnte. Die Punkte, die du beschreibst, kann ich aber durchaus nachvollziehen. Vor Allem, wenn du mit dem Thema "Film" nicht gar so viel anfangen konntest.


    Viele Grüße,
    Muertia

    :lesen: Rebecca Gablé - Der dunkle Thron<br />SuB: 6 (+16 bereits bestellte Bücher, um den SuB mal ein wenig aufzuwerten)

  • Ich habe den Fall jetzt auch endlich gelesen und hier ist meine Meinung dazu:


    Der erste Fall hat mir schon sehr gut gefallen und diesen zweiten habe ich auch wieder begeistert verschlungen. Mir gefällt dabei sehr gut, wie Volker Kutscher die Atmosphäre der 30er Jahre aufleben und auch immer wieder die politischen Entwicklungen so ganz ohne Wertung mit einfließen lässt. Es erschreckt mich dabei immer wieder, wie zahm der aufkommende Nationalsozialismus dort immer wieder mal im Leben der Menschen seine erste Aufmerksamkeit erhält, aber mehr war es ja noch nicht. Es sind ja nur wir Leser, die wissen, was auf die Menschen noch zukommt, aber nicht die Menschen dort, die das Ganze noch nicht so ernst nehmen.


    Wieder mit vielen kleinen alltäglichen Details wird der Alltag in dieser Zeit deutlich gemacht und man fühlt sich tatsächlich mittendrin. Der Schwerpunkt liegt diesmal natürlich auf der Entwicklung des Films vom Stumm- zum Tonfilm und das fand ich sehr interessant dargestellt. Mir war bisher nicht bewusst, dass die Bereicherung durch den Ton gar nicht allen so gut gefallen haben sollte.


    Natürlich gibt es auch einen Kriminalfall und der war für mein Empfinden wieder sehr interessant, auch wenn der Täter gleich ziemlich eindeutig zu erkennen war. Dessen Schritte parallel zu den Ermittlungen zu verfolgen, war sehr spannend dargestellt. Allerdings habe ich auch kein Problem damit, den Täter früh zu kennen, wenn der Weg zu seiner Aufdeckung ausreichend spannend erzählt wird und das war hier für mich der Fall.


    Viel dazu beigetragen hat mit Sicherheit auch wieder Gereon Raths eigensinnige Art der Ermittlungen. Teamarbeit ist nicht so sein Fall, lieber ermittelt er auf eigene Faust, bringt sich dabei aber immer wieder in Schwierigkeiten. So effektiv sein Handeln im Vergleich zu den eher eingefahrenen Wegen der Einheit auch ist, so kann ich seine Vorgesetzten und Kollegen doch auch verstehen, wenn sie damit ihre Probleme haben. Ich selbst hätte Gereon das ein oder andere Mal geraten, sein Wissen auch mal mit seinem Partner zu teilen, aber so ist er halt.


    Ein für mich spannender und atmosphärisch gelungener zweiter Fall, der mich schon auf den nächsten Fall freuen lässt.


    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Ich war mit dem Buch "relativ" zufrieden. Die Handlung ist soweit originell - das Ende leider einwenig unglaubwürdig.
    Man kann das Buch sehr gut durchlesen - es ist recht spannend und gut leserlich gestaltet.


    Von der damaligen politischen Situation bekommt man diesmal nicht sehr viel mit. Ich finde auch, dass sich die Charktere von G. Rath einwenig gewandelt hat. Er wirkt agressiver,
    distanzloser und vor allem hinterlistig. Erinnerte mich alles eiwenig an die "Mock-Reihe" (u.a. der Kalenderblatmörder, bzw. Gespenster in Breslau)


    Fazit: ein recht gutes Buch. Kann man weiterempfehlen. Leichte Lesekost mit spannendem Hintergrund.

    Opa Pittschikowski aus dem Ruhrrevier, kennt die Blauen Knappen schon seit 1904 - niemals tat er fehlen, nur einmal war er krank - Oma tat er quälen wenn er schon morgens sang:<br /><br />Ob ich verroste und ver

  • Am ersten Band von Volker Kutschers Reihe, um den Polizisten Gereon Rath im Berlin in den späten Jahren der Weimarer Republik, hat mir besonders seine Darstellung des ganz alltäglichen Lebens in der Großstadt gefallen. Er hat die Stimmungen und die verschiedenen Gesellschaftsschichten ganz hervorragend eingefangen, so brauchte ich nicht besonders lange zu überlegen, ob ich den nächsten Band ebenfalls lesen wollte. In „Der stumme Tod“ wirft der Autor einen Blick auf die Filmindustrie im Übergang vom Stumm- zum Tonfilm – eine Entwicklung, mit der nicht jeder glücklich ist.


    Diesmal bekommt man als Leser auch einige Abschnitte aus der Sicht des Mörders präsentiert, was sich eigentlich recht interessant liest. Beim Täter ist Kutscher aber leider der Versuchung aufgesessen, einen psychopathischen Serienmörder zu erschaffen. Davon gibt es meiner Meinung nach aktuell schon viel zu viele und das hätte der Autor nicht nötig gehabt. Auch so bietet die Umgebung jede Menge Platz für interessante Ermittlungen, wobei der Ermittler noch seine eigenen Spuren verfolgt, die sich aus „Privataufträgen“ ergeben. Als diese den wirklichen Fall kreuzen, darf er dann zusehen, wie er vertuscht, dass er den halben Tag nicht gerade mit dienstlichen Dingen beschäftigt ist.


    Kommissar Gereon Rath geht mir in diesem (zweiten) Band noch stärker auf die Nerven als im ersten Buch. Teamarbeit ist offensichtlich gar nichts für ihn, er ermittelt so vor sich hin – allerdings halt auch in seinen Privataufträgen und regt sich dann auf, dass sein Chef stinksauer auf ihn ist. Das Einzelgängerische ist ja nicht das Schlimme, sondern dieses "keiner weiß zu würdigen, wie toll ich arbeite und es ist reine Gehässigkeit vom Chef, wenn ich nicht machen darf, was ich will" Der Mann erscheint mir einfach unbelehrbar und ist eigentlich insgesamt nur erträglich, weil ihm an seinen Freunden wohl wirklich etwas liegt, auch wenn er sie schon manchmal ausnutzt.


    Der dritte Band der Reihe liegt bereits hier und ich werde ihn auf alle Fälle lesen, allerdings sollte Gereon Rath mal ein paar zusätzliche positive Charakterzüge entwickeln, sonst werde ich die Reihe nicht länger durchhalten, so interessant ich Kutschers Berlin auch finde.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

  • Mir hat das Buch gut gefallen, wie auch schon sein Vorgänger: die Handlung ist abwechslungsreich und spannend, die Schauplätze vielfältig. Sehr schön finde ich, daß die Hauptfigur Rath so detailliert dargestellt wird: sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Auch Episoden aus seiner Zeit in Köln fliessen immer wieder ein, ohne daß es langweilig wird.


    Der Leser erfährt durch die Ich-Perspektive des Mörders auch über diese Person viel Persönliches; auch wenn ziemlich früh klar ist, wer der Mörder ist, fand ich die Handlung dennoch spannend bis zum Schluß.


    Allerdings hat mich die mangelnde Teamfähigkeit von Rath sowie seine heimlichen Nebenbeschäftigungen und der daraus immer wieder entstehenden Probleme mit seinen Vorgesetzten diesmal auch ziemlich genervt. Seltsamerweise aber nur in der ersten Hälfte des Buches, danach war es wieder o.k.


    Der dritte Teil steht schon auf der Wunschliste.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Liebe Grüße

    Karin

  • Der zweite Fall um Gereon Rath gefiel mir um Längen besser als der erste ("Der nasse Fisch"). Volker Kutscher hat sich hier meiner Meinung nach von Band 1 zu Band 2 sehr deutlich gesteigert.


    Gereon Rath als sperrige Figur ist man ja nun schon gewohnt: seine Alleingänge, seine manchmal etwas zweifelhaften Methoden.... Das hat mich diesmal nicht so stark gestört wie in Band 1, das akzeptiert man halt irgendwie und sieht darüber hinweg und dann kann man Raths Nachforschungen gespannt verfolgen.


    Das Filmmilieu, in dem die Morde sich abspielten, empfand ich als höchst interessant: die Abläufe, die Technik usw. Das war sehr spannend für mich. Ich wußte auch gar nicht, daß es damals die Meinung gab, der Tonfilm wäre ein künstlerischer Abstieg gegenüber dem Stummfilm. Spannend zu lesen, wer hier welche Meinung vertrat und wer nicht und mit welchen Argumenten und wie sich das alles entwickelte.


    Dazu kam wieder das sehr interessant geschilderte Berliner Lokalkolorit sowie die zeitgeschichtlichen und politischen Einblicke. Das hebt das Buch tatsächlich weit über einen normalen Krimi hinaus.


    Der Kriminalfall als solcher war wieder sehr spannend, auch die Einschübe aus Tätersicht waren interessant, wenngleich man dadurch schon früher als Rath wußte, wer der Mörder ist. Das tat der Spannung jedoch keinen Abbruch, allerdings das Ende war mir ein bißchen allzu Showdown-und-Rettung-in-letzter-Sekunde-mäßig.
    Auch daß Gereon Rath einen Auftrag für eine (später) bekannte politische Persönlichkeit erledigt, und wie problemlos ihm das gelingt, fand ich ein bißchen übertrieben (aber lustig :breitgrins:).


    Ein fast perfekter Krimi
    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Bei den Dreharbeiten zu ihrem neuesten Film wird die bekannte Schauspielerin Betty Winter von einem herabstürzenden Scheinwerfer getroffen und stirbt kurz darauf. Gereon Rath wird zum Tatort geschickt, um die Umstände aufzunehmen, und schöpft innerhalb kürzester Zeit aufgrund von Indizien und Ungereimtheiten Verdacht, dass der bizarre Todesfall kein Unglück war.


    Skurrilerweise ist er (inoffiziell) gleichzeitig einer weiteren Schauspielerin auf der Spur - ein alter Bekannter hat ihn gebeten, ein wenig die Fühler auszustrecken, weil die aufstrebende Mimin Vivian Franck seit Wochen nicht mehr gesehen wurde und der vorgebliche Urlaub allmählich etwas sehr lange zu dauern scheint.


    Und dann kommt auch noch sein Vater mit einem besonderen Auftrag um die Ecke: der Kölner Oberbürgermeister, ein gewisser Konrad Adenauer, wird von Unbekannten erpresst, und die Spur führt nach Berlin.


    Die perfekte Ausgangslage für erneutes Kuddelmuddel in Raths Leben und ordentlichen Ärger mit seinen Vorgesetzten also, weil es naturgemäß schwierig ist, das alles unter einen Hut zu kriegen. Gereons Spürsinn allerdings ist nach wie vor gut ausgeprägt, blöd nur, dass wieder einmal keiner auf ihn hören will.


    Gereon Rath ist ein herrlich unperfekter Krimiheld. Dickschädelig, unorthodox, manchmal geradezu renitent gegenüber Ranghöheren und mit viel Talent, sich selbst das Leben schwer zu machen. Man möchte ihn manchmal an den Schultern packen und durchschütteln (und ich hoffe nicht, dass er jetzt in jedem Band kurz vor der Suspendierung steht) und kann sich einer gewissen Sympathie am Ende doch nicht erwehren.


    Der Fall ist wieder verzwickt und verschachtelt, aber weniger kompliziert als der Vorgänger mit seinen hochkomplexen politischen Hintergründen. Das Filmmilieu, das mitten im Umbruch vom Stumm- zum Tonfilm steckt (den einige Beteiligten überhaupt nicht prickelnd finden), ist eine tolle Kulisse mit schillernden Charakteren und sorgt für farbenprächtiges Kopfkino.


    Überhaupt macht Kutscher das gut mit dem Zeitkolorit und dem Gesellschaftsporträt, man kann so ganz nebenbei wieder einige interessante Dinge lernen. Diesmal gelingen ihm auch die Dialoge besser und zeittypischer und teilweise sogar ziemlich witzig.


    Spannend, authentisch, sehr unterhaltsam. Nur Charlotte Ritter kam mir diesmal ein bisschen zu kurz.


    4ratten

    Be curious, be creative, be patient, be joyful.

    (Agnès Varda)