Paolo Giordano - Die Einsamkeit der Primzahlen

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Dieses Buch war in Italien ein riesengroßer Erfolg. Warum? Weil es wunderschön traurig ist.
    Ein einziger Tag verändert ein Leben. Alice wird von ihrem Vater "genötigt" Schi zu fahren. Sie mag das überhaupt nicht und auch ihre Gruppenkollegen sind nicht nett. Sie ist 8 Jahre alt und macht sich in die Hose. Dass das extrem schwere Folgen haben würde, daran könnte man ja gar nicht denken, aber das tut es.


    Mattia, ein Junge mit einer behinderten Zwillingsschwester "verliert" seine Schwester im Park und auch dies hat so große Folgen, dass nur noch schwarze Wolken über ihm hängen.


    Die Jahre vergehen und Beide lernen sich auf dem Gymnasium kennen. Sie können nicht voneinander lassen, jedoch mit den Jahren werden die Probleme immer größer und größer.


    Mehr kann man nicht verraten, weil das Buch ist nicht nur wunderschön geschrieben, nein, es ist fesselnd und berührend zugleich. Selten habe ich so ein Buch gelesen. Es hat mir die Nachtruhe geraubt und hie und da ein sniefen entlockt. Ich denke schon, dass dieser Schriftsteller, der erst 26 ist, einen großartigen Weg vor sich hat.


    Ich gebe 5ratten, weil es sich verdient hat.

  • Rezension
    Nach dem Motto »Es waren zwei Königskinder…« erzählt Paolo Giordano in seinem Debütroman, der 2oo8 mit Italiens renommiertestem Literaturpreis Premio Strega ausgezeichnet wurde, die Geschichte von Alice und Mattia, Königskinder oder eben Primzahlen, die eigentlich zueinander gehören, aber sich einfach nicht finden können.


    Beide Charaktere sind Außenseiter. So sehr Alice auch versucht, dazu zu gehören, es gelingt ihr einfach nicht. Ein Unfall in ihrer Kindheit, für den sie ihrem Vater die Schuld gibt, hat sie nicht nur die Beweglichkeit eines ihrer Beine einbüßen lassen, sondern auch einen tiefen Riss in ihrer Seele verursacht. Ihr Bestreben nach Normalität gipfelt in Magersucht, Ärger mit den Eltern und immer weiteren Demütigungen.
    Mattia hingegen grenzt sich selbst von vornherein aus. Nachdem seine behinderte Zwillingsschwester mit sechs Jahren aus seiner Obhut verschwand, kapselt er sich immer mehr ab und verleiht seinem Schmerz heimlich Ausdruck, indem er anfängt, sich selbst zu verletzten.
    Einzig Alice schafft es, nach und nach zu ihm durchzudringen, auch wenn sie lange nur an der Oberfläche kratzt und nicht ganz klar ist, welche Absichten sie dabei hegt.


    Von 1983 bis 2007 begleitet der Leser Mattia und Alice auf ihrem Lebensweg, den letztlich jeder für sich bestreiten soll, ohne dass der Kontakt zum anderen aber völlig abbricht.
    Hierbei rückt der Autor nicht nur seine Figuren in die Rolle der unglückseligen Primzahlen, sondern gibt auch dem Leser das Gefühl, Mattia und Alice über all die Jahre und Seiten hinweg nur sehr bedingt nahe kommen zu können, obwohl er ihn doch erstaunlich tief in ihre traumatisierte Psyche blicken lässt.
    Giordanos Sprache ist schnörkellos und klar, hält den Leser kühl auf Distanz, ist aber gleichzeitig eindringlich und ruft intensive Bilder hervor, wenngleich diese – bestärkt durch die teilweise großen Zeitsprünge – vielmehr Momentaufnahmen darstellen. Augenblicke, in denen Alice aufdringlich und Mattia zu passiv ist, um sympathisch zu sein – und doch fühlt man mit ihnen und verfolgt ohnmächtig, wie die beiden Helden sich in ihr Unglück manövrieren.


    Auch wenn am Ende ein leichter Hoffnungsschimmer aufglimmt, ist »Die Einsamkeit der Primzahlen« definitiv keine Lektüre für schwermütige Zeiten, denn das ungute Gefühl, dass da etwas völlig falsch läuft, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und lässt den Leser aufgewühlt und vor allem traurig zurück.


    FAZIT: Eine tragische (Liebes)Geschichte, die schon nach den ersten beiden Kapiteln schwer im Magen liegt und trotzdem (oder gerade deshalb) schön zu lesen ist.


    4ratten

  • @Sternenstauner:


    Ich frage mich, wo Du da am Ende einen Hoffnungsschimmer siehst; bei Mattia vielleicht schon, aber ich hätte in das Ende Alice betreffend etwas ganz anderes reininterpretiert.

  • Sehr schade, ich hätte das Buch gerne ohne dieses Wissen gelesen :traurig:


    Ja, danke. Ich auch.
    Nutzt doch bitte, bitte, bitte die Spoilerfunktion, so schwer kann das doch nicht sein...

    "Verzicht bedeutet für Frauen die kurze Pause zwischen zwei Wünschen."

    ~ Mario Adorf


  • Nutzt doch bitte, bitte, bitte die Spoilerfunktion, so schwer kann das doch nicht sein...


    Ich persönlich bin mir hier keine Schuld bewusst, da ich nichts Wesentliches verraten habe. Da sagt schon der Titel mehr aus als mein Satz. ;)


    Ehrlich gesagt verstehe ich aber auch nicht, warum ihr das Gefühl habt, Baerbeline hätte schon zu viel gesagt. Ihr wisst doch nach wie vor nicht, was mit Alice und Mattia passiert.
    Ich finde es natürlich schade, wenn euch dieses »Wissen« jetzt in eurer Lektüre beeinflusst, aber ich kann es mir nicht ganz erklären, sorry.

  • Ich persönlich bin mir hier keine Schuld bewusst, da ich nichts Wesentliches verraten habe. Da sagt schon der Titel mehr aus als mein Satz. ;)


    Ehrlich gesagt verstehe ich aber auch nicht, warum ihr das Gefühl habt, Baerbeline hätte schon zu viel gesagt. Ihr wisst doch nach wie vor nicht, was mit Alice und Mattia passiert.
    Ich finde es natürlich schade, wenn euch dieses »Wissen« jetzt in eurer Lektüre beeinflusst, aber ich kann es mir nicht ganz erklären, sorry.


    Naja, ich weiß nun zum Beispiel, dass es wohl kein sog. Happy End geben wird.

  • Oh, ok. Da hatten wir wohl schon von vorneherein andere Erwartungen an das Buch.


    Folgendes kann man so oder ähnlich zwar auch in diversen Besprechungen bekannter Zeitschriften lesen, aber für alle Fälle nutze ich mal lieber die Spoilerfunktion.


    Das macht das Buch (für mich) gerade zu etwas Besonderem.

  • Ok, mit diesem Vorwissen geht man natürlich anders an das Buch heran, das kann ich verstehen.
    Vielleicht versuche ich es dennoch. Manchmal habe ich das Glück und vergesse Spoiler, die ich mal gelesen habe. Allerdings ist das auch ein Grund, weshalb ich immer Angst vor Klappentexten oder solchen öffentlichen Rezis habe. :breitgrins:
    Bei vielen, vielen Büchern wird so leider viel vorweggenommen.

    "Verzicht bedeutet für Frauen die kurze Pause zwischen zwei Wünschen."

    ~ Mario Adorf

  • Da gebe ich dir recht. Ich habe selbst auch nicht selten Pech und erwische irgendwo eine Vorab-Info, die ich noch gar nicht haben möchte.
    Deswegen bin ich froh, dass du nachvollziehen kannst, weshalb ich die entsprechenden Sätze nicht als Spoiler empfunden habe und hoffe, du gibst dem Roman beizeiten trotzdem eine Chance. Es ist wirklich ein tolles Buch.

  • Stimmt schon.... dem Buch sollte man trotzdem eine Chance geben, aber ich mag das auch nicht, wenn man weiß, ob es tragisch ausgeht, oder nicht.
    Ich finde es ja auch schon schlimm, wenn man dauernd erwähnt, wie Klassiker der Weltlitertur enden. In der Annahme: "kennt ja eh jeder"!
    Trotzdem! Lesen!

  • Ich will das Buch auch ganz bald lesen, zum Glück habe ich es noch nicht in meine Umzugskisten verpackt, sondern noch greifbar.
    Bei manchen Büchern erwartet man doch durch Titel und Klappentext auch gar nicht, dass am Ende alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, deshalb empfinde ich es auch nicht als Spoiler, was hier im Thread besprochen wurde.

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de


  • Nutzt doch bitte, bitte, bitte die Spoilerfunktion, so schwer kann das doch nicht sein...


    Nein, es ist nicht schwer, die Spoilerfunktion zu benutzen, aber ich wusste nicht, dass man sie benutzen muss, wenn man rein gar nichts über den Inhalt aussagt. :rollen:

  • Es geht ja nicht um den "Inhalt verraten". Ich denke, es ist schon schlimm, wenn man sagt: Es ist traurig am Schluss. Das will man nicht wissen. Gar nicht. Denk ich halt.

  • Ich finde das ist schon indirekt eine inhaltliche Angabe. Aber ansonsten hab ich gestern in der Bibliothek geschaut ob das Buch verfügbar ist... momentan 5 mal vorbestellt... und das bei allen drei vorhandenen Ausgaben^^ ich seh schon meinen SUB anwachsen im April :breitgrins:

  • Ich könnts Dir borgen, wennst magst. Wär kein Umstand.

  • Auch auf die Gefahr hin, jemanden von Euch die Vorfreude zu vermasseln, poste ich jetzt mal meine Meinung zum Buch (mit der ich offenbar alleine auf weiter Flur stehe):


    Der Leser begleitet Alice und Mattia, zwei aufgrund von Kindheitserlebnissen schwer traumatisierte Menschen in einigen Stationen in deren Kindheit, Pubertät bis hin zum mittleren Erwachsenenalter.


    Alice litt unter der Dominanz ihres Vaters, der keine Schwächen tolerierte und das sensible Kind ständig überforderte. Die daraus resultierende Magersucht mit all ihren psychischen Konsequenzen begleitet Alice durchs Leben und findet sie sich nur schlecht zurecht. Außenseitertum und die Unfähigkeit, Bindungen einzugehen prägen ihr Leben.


    Mattia fühlt sich schuldig am Verschwinden seiner geistig zurückgebliebenen Schwester, eine Schuld, über die er nicht reden kann und die im Borderline-Syndrom endet. Er ist ein begnadeter Mathematiker und flüchtet sich in diese Wissenschaft.


    Außenseitertum, das Trauma eines einmaligen Kindheitserlebnisses (von dem man aber nur andeutungsweise erfährt), soziale Inkompetenz und ein verständnisloses Elternhaus verbinden die beiden, deren Lebenswege - ausgenommen einer gemeinsamen Schulzeit - sich bis zum Schluss nicht kreuzen.


    Als "literarische Sensation" wurde dieses Buch gefeiert. Es kann sich meiner Meinung nach bei diesem Prädikat nur um das Pendant der "Goldenen Himbeere" in der Filmwelt handeln. Es ist mir völlig schleierhaft, was an diesem Buch so - positiv - sensationell sein soll. Zugegeben, die Idee des Titels, Primzahlen sind niemals Nachbarn in der Zahlenreihe, berühren sich nicht und sind grundsätzlich "einsam", ist kreativ und überlässt durchaus ein Spielfeld für einen findigen Schriftsteller. Doch was in diesem Buch geliefert wird, gleicht eher einem - durchaus ambitionierten - Schulaufsatz eines kleinen Strebers. Sehr bemüht, Wortwiederholungen zu vermeiden, immer bedacht auf eine schöne Satzkonstellation und sehr behutsame Wortwahl. Schriftstellerische Kniffe wie Zeitblenden, Zeitsprünge, Metaphern, die, wenn gut angewandt, Raum für eigene Interpretationen lassen, verfehlen in diesem Buch absolut diese Ziel. Alles wirkt bemüht, konstruiert, klischeehaft und absehbar. Ein kleiner erhobener Zeigefinger zum Schluss macht das Buch noch unerträglicher.


    Warum ich das Buch dann gelesen habe? Ich hatte viel Zeit und war schlicht und ergreifend fassungslos, was da als literarische Sensation bezeichnet wird.


    von mir leider nur :1ratten:

    :blume:&nbsp; Herzliche Grüße!&nbsp; :blume: <br />creative