Charles Palliser – Quincunx

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Inhalt (soweit ich gekommen bin): Zwei Anwälte machen krumme Dinge rund um ein Dokument. Irgendwo auf dem Land lebt der Ich-Erzähler mit seiner Mutter und ein bißchen Personal. Mutter und Amme sind sich in seiner Erziehung selten einig, daher tut er selten das, was er soll, und ärgert die Frauen. Eines Tages kommt ein Landstreicher vorbei, den man verscheuchen kann, der dafür aber nachts ins Haus einbricht. Die Mutter macht sich Sorgen über irgendwelche Feinde. Der Junge lernt bei einem Herrenhaus ein Mädchen kennen, das mit ihm verwandt sein könnte. Man trennt sich von der Köchin statt von der Amme. Man läßt sich von einem Anwalt in spekulative Finanzanlagen hineinziehen.



    Meine Meinung: Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn sich ein Autor bei einem 1000-Seiten-Wälzer etwas Raum dafür nimmt, seine Personen einzuführen und das Panorama für die Handlung zu entwickeln. Aber das war für die ersten gut 100 Seiten doch ein bißchen arg dürftig. Nichts gegen Details, aber jede Pfütze auf dem Sonntagsnachmittagsspazierweg und jeden Baum im Garten muß ich nicht kennenlernen, da wären mir die Personen in ähnlicher Genauigkeit schon lieber gewesen und auch das wäre vermutlich arg übertrieben gewesen.


    Abgesehen davon also, daß der Roman bis zu meinem Abbruchpunkt einfach nur :schnarch:-langweilig war, habe ich mit dem Jungen John und vor allem seiner Mutter noch andere Probleme. Der Junge ist einfach nur eine Nervensäge, dem niemand jemals Grenzen aufgezeigt hat, was er aber selbst als der Erwachsene, als der er hier wohl erzählt, nicht wahrnimmt. Die Mutter dagegen gehört in die von mir wenig geschätzte Kategorie lebensunfähig und lernresistent. Wie sie bei dieser Naivität überhaupt das Alter erreichen konnte, das sie hier ungefähr haben muß, ich schätze mal Ende 20, ist mir ein Rätsel, wie sie unter diesen Umständen an einen Sohn gekommen ist, dagegen eher nicht. Nicht nur läßt sie sich von der Amme ständig so einwickeln, daß sie letztlich genau das Gegenteil von dem tut, was sie eigentlich vorhatte (und deshalb z. B. die Köchin statt der Amme entläßt), nein, sie schmeißt auch ohne Bedenken dem ersten angelegten Geld noch weiteres hinterher, obwohl der Verlust des ersten Betrages ihr eigentlich auch klar ist. Soviel Dämlichkeit auf einen Haufen ertrage ich einfach nicht.


    Verständlicherweise erklärt die Mutter ihrem kleinen Sohn nicht alles aus der Familiengeschichte und über die von ihr sogenannten Feinde, zum erheblichen Teil deshalb, weil er noch nicht alt genug ist, es zu verstehen (mal abgesehen davon, daß sie jahrelang völlig unbehelligt leben und die Reaktionen der Mutter daher eher hysterisch auf mich wirkten). Für mich als Leser ist es aber ziemlich unbefriedigend, am laufenden Band mit dem Spruch der Mutter an den Jungen „Das erzähle ich Dir, wenn Du älter bist“ abgespeist zu werden, auch wenn das hier natürlich der Perspektive des Ich-Erzählers geschuldet ist. Mag ja sein, daß die Idee und Grundkonzeption der Story gar nicht schlecht ist, aber die Perspektive ist dann einfach sch... gewählt. Ganz abgesehen davon bin ich nach dem bisher gelesenen Teil auch nicht sicher, daß die über den Text verstreuten Stammbäume – soweit ich die bisher irgendwie aufgetauchten oder erwähnten Personen darin suche – richtig sind, aber das ist mir jetzt auch egal. Daß der Ich-Erzähler, weil er über seine Kindheit berichtet, dies in der Vergangenheitsform tut, die Einschübe zu anderen Personen, die zeitgleich zur erzählten Zeit des Ich-Erzählers angesiedelt sind, aber im Präsens geschrieben sind und der Autor dabei auch noch auf eine sehr plumpe Art aus seiner Erzählung heraustritt, um den Leser auf Details hinzuweisen, die dieser sonst natürlich übersehen würde :rollen: , spielte dann schon nur noch eine marginale Rolle. Nein, dieser Roman verdient nur ein Prädikat: überflüssig.


    Schönen Gruß,
    Aldawen

    Einmal editiert, zuletzt von Aldawen ()

  • Schließ mich einfach an: überflüssig weil einfach langweilig :smile: Habe es vor Jahren mal gelesen und hab es nochmal versucht weil ich es gar nicht so schlecht in Erinnerung hatte ...


    LG Julia

  • Mir ging es genauso wie Dir - ich glaube, so weit wie Du bin ich gar nicht gekommen wegen akuter Anödung :rollen:

    The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.

    E. L. Doctorow





  • ich hatte das buch im laden auch schon des öfteren in der hand, auch weil ich das cover ansprechend fand und endlich einen ordentlichen einstieg in die historische schiene suche.... aber nach deiner rezi hat sich mein "im buchladen eindruck" bestätigt..... gut das ich es hab liegen lassen....

    Ich bin, was du träumst.<br />Ich wache immer über dich.<br />Ich bin, was deine Hand lenkt.<br />(gez. Seele)

  • Das Buch wurde mir doch wirklich vor einiger Zeit von jemandem empfohlen, der es sehr schätzt. Aber da ich bis jetzt alle Buchempfehlungen dieser Person zum Gähnen fand, scheint sich ja auch hier die Theorie zu bestätigen, und ich lasse wohl besser die Finger von dem Buch :breitgrins:
    Ich habe von Charles Palliser vor Jahren "Die schwarze Kathedrale" gelesen, und es nach zwei Anläufen weggegeben, weil ich es auch einfach nicht geschafft habe.

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