Philip Kerr - Das Wittgensteinprogramm

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Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von mone.

  • Klappentext:
    Im London des Jahres 2013 wird eine Frau aufgefunden, tot, vergewaltigt und mit obszönen Sprüchen beschmiert. Das ist nicht Besonderes. Sinnlose Morde sind an der Tagesordnung.
    Aber nun hat ein neuer Mörder die Szene betreten. Er ist in die Datenbank des Polizeicomputers eingedrungen und hat die Namen von möglichen Mördern herausgefunden. Jetzt beginnt er, die Männer nach und nach umzubringen.
    Mit Hilfe eines Computerspezialisten und eines Philosophieprofessers arbeitet die leitende Kriminalbeamtin ein Täterprofil des Mannes heraus, der unter dem Decknamen eines der größten Denker des 20. Jahrhunderts sein mörderisches Unwesen treibt.


    Meine Meinung:
    Das war harte Arbeit. 411 Seiten, die die Welt nicht braucht.


    Geschrieben 1995, spielt der Roman im Jahre 2013.
    Lange Haftstrafen gibt es nicht mehr, die Verurteilten werden platz- und kostensparend ins Strafkoma gelegt. Telefon ist auch passé, jetzt gibt es Pictofon (mit Bild).
    Fernsehen hat überlebt, Scotland Yard gibt es auch noch und - ganz absurd - die "gnädige Frau" wurde wiederbelebt.


    Die Hauptpersonen waren mir zu jedem Zeitpunkt des Lesens herzlich egal. Es gibt auch keine Nebenrolle, die mein Interesse oder Sympathie geweckt hätte.
    Chefinspektorin Jakowicz wird derart schlecht beschrieben, daß ich überhaupt keinen Draht zu ihr fand. Auch ihr Männerhass ist nicht nachvollziehbar. Sie wurde von ihrem Vater in irgendeiner Form schlecht behandelt - was geschah, erfährt man aber nicht; ist vermutlich ein großes Geheimnis oder dem Autor ist nichts eingefallen, was man nicht schon hundertmal gelesen hätte...


    Besonders ärgerlich fand ich die abgehobene Sprache; da wurde wirklich kein Fremdwort ausgelassen. Im medizinischen und philosophischen Bereich ist das für Nicht-Akademiker schwierig, ein Glossar hätte geholfen.


    Zur Handlung kann ich kaum was sagen außer "gähn".


    Das ganze Buch fand ich unausgegoren. Philip Kerr hat etliche aktuelle Probleme angeschnitten - leider manchmal nur mit einem Satz und ohne die Thematik weiter zu verfolgen. Dann kann man es auch bleiben lassen. Zwei Beispiele:
    Klima - seit Monaten ist das Wasser rationiert (hat es in England schon gegeben)
    Gesundheitswesen - Patienten im Krankenhaus liegen auf schmutzigen Matratzen auf dem Boden im Flur und betteln Besucher um Geld an, um die Krankenhausrechnung bezahlen zu können (also echt, bei allen Problemen im Gesundheitswesen: wer soll das denn glauben?)


    Fazit:
    Das Buch kommt sofort in die Flohmarktkiste. Ich ärgere mich, es zu Ende gelesen zu haben. Schade um die kostbare Zeit.
    Leider kann man hier nicht 0 Ratten vergeben, daher von mir:
    :marypipeshalbeprivatmaus:


    P.S.:
    Der Roman "Game Over" von Philip Kerr ist wirklich sehr gut!

    Lach, wenn´s zum Weinen nicht reicht.<br /><br />:lesen:

  • :lachen: So verschieden sind die Geschmäcker.
    Ich fand das "Wittgenstein-Programm" vor einigen Jahren ganz toll und die Zukunfswelt, die Kerr entwirft, gar nicht mal so abwegig.
    Seine Idee des Strafkomas (verurteilte Verbrecher werden per Medikament ins Koma versetzt und damit platz- und ressourcensparend aufbewahrt; außerdem sind Justizirrtümer einfacher zu korrigieren) passt in diese Welt sehr gut.
    Die philosophischen Diskussionen fand ich auch sehr interessant, denn der Mörder handelt ja aus seiner Sicht ethisch angemessen.
    An so viel mehr kann ich mich jetzt auch nicht erinnern, dazu müsste ich das Buch noch einmal lesen - aber ich habe es in guter Erinnerung.


    Viele Grüße von Annabas :winken:


  • :lachen: So verschieden sind die Geschmäcker.


    Ja, und das finde ich am allertollsten an den Menschen: daß wir alle so verschieden sind!
    Ist das nicht wunderbar?


    LG
    Mone


    @ holden:
    Danke für den Amazon-Link. Beim nächsten Mal probiere ich es selbst... :redface:

    Lach, wenn´s zum Weinen nicht reicht.<br /><br />:lesen: