Ulrike Schweikert - Das Herz der Nacht

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Blackfairy71.

  • [size=1]Zwar spielt das Buch im historischen Wien des 19. Jahrhunderts, aber aufgrund der blutsaugenden Darsteller hoffe ich, dass die Einordnung hier richtig ist.[/size]


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    Kurzbeschreibung
    Wien im 19. Jahrhundert. In den Salons des Hofadels und der schönen Fürstin Therese Kinsky wird der Vampir András Petru Báthory von den Damen umschwärmt. Da erschüttert eine grausame Mordserie die
    Kaiserstadt, und András gerät unter Verdacht. Die Schlinge zieht sich zu. Als es fast zu spät ist, erkennt er, dass nicht nur seine Existenz auf dem Spiel steht. Ein Wettlauf beginnt, um die zu retten, die er liebt…


    Rezension


    Die Nacht narrt unsere Sinne gern in ihrer Düsternis. (Seite 117)



    Gefangen in einer lieblosen Ehe und den Konventionen des Wiener Adels, verfällt Fürstin Therese Kinsky nur zu leicht dem Charme des Grafen Báthory; weckt der geheimnisvolle und attraktive Mann doch längst vergessene Gefühle von jugendlicher Leidenschaft.
    Auch Sophie, die blinde Tochter der Pianistin Karoline Wallberg findet Gefallen an András, der nach Tod riecht und nach Einbruch der Nacht bei ihrer Mutter Klavierstunden nimmt.
    Was niemand weiß: András ist ein jahrhundertealter Vampir, der fernab seiner Heimat Transsylvanien eine unauffällige Existenz plant. Doch eine Mordserie, deren Opfer stets mit aufgerissenen Kehlen aufgefunden werden, macht ihm einen grausamen Strich durch die Rechnung, denn der Mörder scheint keineswegs menschlicher Natur…


    In »Das Herz der Nacht« nimmt Ulrike Schweikert ihre Leser mit auf eine schaurig-schöne Reise, die im Wien des 19. Jahrhunderts beginnt und mit dem Großen Brand in Hamburg endet.
    Ausgiebige Recherche und bildstarke Beschreibungen lassen sowohl die damalige Gesellschaft mit ihren prunkvollen Bällen als auch das bunte Treiben in den Straßen und Gassen der Donaumetropole lebendig werden und bieten eine gelungene Kulisse für die Geschichte um den einnehmenden Vampir, dessen menschliche Neigungen ihm zum Verhängnis werden sollen.


    Neben der vortrefflichen Zeichnung der Handlungsorte und des Sittengemäldes des Hofadels, sind der Autorin ihre Figuren besonders gelungen, denn diese sind – anders als in vielen anderen Vampirromanen - nicht bloß blutleere Abziehbilder, sondern überzeugen durch ihre charakterliche Tiefe, die in ihren persönlichen Dramen wurzelt.
    Besonders die scharfzüngige Fürstin Therese wächst dem Leser schnell ans Herz, indem sie mit ihrer offenherzigen Kritik an der Arroganz des Adels für Witz und Schwung sorgt. Ihr ist es nur zu gönnen, dass sie in der Gegenwart von András noch einmal richtig aufblüht.
    Aber auch Karoline und Sophie nehmen den Leser sogleich für sich ein, alleine schon deshalb, weil sich durch ihr Auftreten ein Dreiecksverhältnis entspannt, das den Roman über eine einfache Liebesgeschichte hinausgehen lässt.
    Und auch András ist ein interessanter Charakter, der endlich mal wieder Merkmale eines klassischen Vampirs aufweist, etwa indem er in einem Sarg schläft.


    Die an das 19. Jahrhundert angepasste Sprache runden den Roman und dessen düstere Grundstimmung angenehm ab, jedoch drosseln allzu steife Formulierungen und ausschweifende Beschreibungen der Umgebung phasenweise das Lesetempo.
    Allerdings nicht mehr gegen Ende des Buches, denn während die Geschichte bis zum großen Finale in Hamburg zwar nicht langweilig, aber doch eher ruhig und von unterschwelliger Spannung geprägt war, kommt plötzlich ein Zeitsprung, der sich nicht ganz so nahtlos an die vorangegangene Erzählung anfügen mag, die nunmehr etwas hektisch wirkt und in einer eher unbefriedigenden Auflösung des Rätsels gipfelt.


    Nichtsdestotrotz ist »Das Herz der Nacht« allerdings ein niveauvoller Gruselroman, der Emotionen weckt und so manche angenehme Gänsehaut beschert.


    Wertung: 4ratten

  • Ulrike Schweikert - Das Herz der Nacht


    Zum Inhalt: Das Buch spielt im Wien des 19. Jahrhunderts, zunächst vornehmlich in adeligen Kreisen. Der Vampir András begegnet dort - auf zunächst höchst spektakuläre Weise - der Gräfin Therese Kinsky. Aus der zufälligen Bekanntschaft entwickelt sich schnell eine Freundschaft. Die Gräfin, die in einer lieblosen Ehe lebt, ist fasziniert von dem Vampir. Umgekehrt findet auch er Gefallen an ihrer unkonventionellen Art, denn die Gräfin ist nicht gerade auf dem Mund gefallen und kommentiert das Gebaren das Adels stets treffsicher. Auch durch sie und ihre Vorliebe für Kunst entwickelt sich bei András der Wunsch Klavier spielen zu lernen.
    Dies führt zur Begegnung mit der begnadeten Pianistin Karoline Wallenberg und ihrer unehelichen Tochter Sophie. Obwohl Karoline begabter ist als ihr Bruder Carl, heimst dieser die Lorbeeren in den Wiener Konzerthäusern und Theatern ein. Eine Frau zählt für den Vater nicht, erst recht nicht mit einem unehelichen Kind, das zudem auch noch blind ist. András freundet sich mit Karoline und vor allem auch mit Sophie an. Durch ihre Erblindung erfasst Sophie die Welt mit anderen Sinnen, ähnlich dem Vampir, was die beiden aneinander näher bringt.
    Zeitgleich geschieht in Wien eine Reihe bestialischer Morde, bei denen die Leichen mit aufgerissener und aufgeschlitzter Kehle gefunden werden. Zunächst tappt die Polizei im Dunkeln, doch nach und nach weisen immer mehr Spuren auf András hin...


    Meine Meinung: Endlich mal ein schöner Vampirroman, der zugleich auch ein wunderbarer historischer Roman ist. Das Wien des 19. Jahrhunderts wird so genau und lebensnah beschrieben, dass ich gleich auf der ersten Seite das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Dies gilt sowohl für die Adeligen und ihre Welt, als auch für die Bürger wie Karoline und die Polizisten der Kriminalpolizei.
    Zudem sind alle Personen sehr detailliert ausgearbeitet, so dass man das Gefühl bekommt, sie wirklich kennenzulernen und mit ihnen mitfiebert. Die spitzen Bemerkungen von Therese Kinsky haben mich mehr als einmal zum Lachen gebracht, ebenso wie ihr grobschlächtiger Gatte es einem kalt den Rücken runter laufen lässt. Auch Karoline und Sophie in ihrer beengten Welt sind mir schnell ans Herz gewachsen. Ebenso András, dessen Gefühlswelt zwischen Mensch- und Vampirsein sehr schön dargestellt ist. Einerseits gelüstet es ihn - selbstredend - nach dem Blut seiner Mitmenschen, andererseits hat er stets den Wunsch nach einem normalen Leben.


    Etwas hektisch fand ich das Ende, dass in einer wilden Flucht nach Hamburg führt. Auch hier ist die Stadt und später auch der große Brand wunderbar beschrieben, den Weg dorthin fand ich aber ziemlich abrupt im Vergleich zum doch eher gemächlichen Verlauf des Buchs zuvor.
    Etwas geärgert hat mich die Wendung, als sich auflöst, wer die Morde begeht:


    Insgesamt aber ein sehr schönes Buch und sicher nicht mein letztes von Ulrike Schweikert. Ihr Schreibstil und die schöne Darstellung des historischen Wiens haben mich voll überzeugt.


    4ratten

    :lesen: Naomi Novik - Uprooted

  • Den Inhalt sparr ich mir jetzt einfach mal, denn sowohl Mäusedudler, als auch *Sternenstauner* habe ihn ja bereits trefflich beschrieben.
    Ich beschränke mich auf meine Leseempfindungen.


    Aufgrund des Klapptextes hatte ich ein etwas spannenderes Buch mit einer nicht ganz so differenzierten Liebesgeschichte erwartet. Beides stellte sich beim Lesen des Buches als nicht ganz richtig heraus.
    Während die Geschichte zwischen den Protagonisten sehr schön ausgearbeitet wurde und ich davon sehr positiv überrascht wurde, fand ich die Geschichte rund um die Mordfälle eher langatmig und auch nicht wirklich spannend.
    Nur weil ich die Hauptpersonen allesamt in ihrer Art sympatisch fand habe ich weitergelesen - allerdings recht langsam, weil mich nicht so viel ständig zu diesem Buch zog. Gut, dass ich durchgehalten habe, denn das letzte Drittel des Buches ist spannend und schnell in seinen Ereignissen. Mir hat das sehr gut gefallen. Ich mag auch das Ende, das noch viel Raum für eigene Gedanken zulässt.


    Mir scheint das auch Frau Schweikert mit Andras noch nicht abgeschlossen hat, wenn ich die Leseprobe am Ende des Buches richtig gedeutet habe.


    Wer keinen im "Nackenbeißer-Stil" gehaltenen Vampir-Roman lesen möchte und ein Freund der leiseren Töne, aber nicht zu zart besaitet ist, wird mit "Das Herz der Nacht" viel Freude haben.
    Ich mag halt auch gerne die lauteren Töne, daher bekommt "Das Herz der Nacht" von mir
    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

  • Ich lese das Buch aktuell, bin auf Seite 102 und begeistert bis jetzt. Ich mochte ja schon die Vampirkrimis von Ulrike Schweikert. :smile:

    Ich kaufe keine Bücher. Ich adoptiere sie. :hexe:

  • Wien, 1840. Es beginnt mit einem grausamen Mord an einer jungen Frau in einer kalten, verschneiten Nacht. Es ist nicht das erste Opfer eines brutalen Mörders und wird auch nicht das letzte bleiben.
    Zunächst interessiert das den Grafen Andras Petru Bathory herzlich wenig, denn was gehen ihn die Sorgen und Probleme der Menschen an? Das hat er vor langer Zeit hinter sich gelassen. Sterbliche sind für ihn bestenfalls Nahrung, denen er in den Straßen des nächtlichen Wien begegnet.
    Aber dann trifft er eines Nachts im Prater auf die Fürstin Therese und rettet ihr das Leben, als ihre Pferde mit der Kutsche durchgehen. Ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Gewohnheiten verschont er sie, denn ihre Intelligenz, ihre Sehnsucht und ihr Hunger auf das Leben berühren einen Teil in ihm, den er lange vergraben geglaubt hatte. Gemeinsam besuchen sie literarische und musikalische Veranstaltungen in der gehobenen Gesellschaft von Wien. Therese ist fasziniert von dem "jüngeren" Grafen, der anscheinend doch so viel mehr Lebenserfahrung hat als sie selbst. Das schmeckt allerdings ihrem Ehemann gar nicht. Es ist schließlich etwas anderes, ob er wechselnde Geliebte hat oder ob sich seine Frau in der Öffentlichkeit mit einem anderen und noch dazu sehr attraktivem Mann zeigt.
    Durch Fürstin Therese lernt Andras schließlich die Familie Wallberg kennen. Karoline ist eine begabte Pianistin, die auch eigene Stücke kompiniert. Den Ruhm dafür erntet allerdings ihr Bruder, denn in der damaligen Zeit schickt es sich nicht, dass eine ledige Frau vor Publikum auftritt. Bei einer abendlichen Unterrichtsstunde am Piano kommt er zufällig hinter das Geheimnis der jungen Frau und trifft auf die achtjährige Sophie. Das Mädchen ist blind, aber ihre anderen Sinne sind dafür um so schärfer und sie erkennt etwas in Andras, das die anderen Menschen nicht sehen. Und der Vampir ist fasziniert von der Offenheit und Ehrlichkeit des Kindes und fühlt sich mit ihm verbunden, denn auch er lebt seit mehr als zweihundert Jahren nur in der Dunkelheit. Von Anfang an scheint ein besonderes Band zwischen den beiden zu bestehen.
    Aber dann gibt es weitere Morde und der Täter kommt Andras immer näher und bringt seine untote Existenz in Gefahr. Die Polizei verdächtigt den geheimnisvollen Grafen Bathory schon länger und die Schlinge zieht sich langsam zu. Andras muss auf eigene Faust den Mörder jagen und er ahnt, dass es kein sterblicher Mensch sein kann. Kann er die, die ihm nun etwas bedeuten, beschützen?


    Ulrike Schweikert hat bisher drei Vampirkrimis geschrieben, die im heutigen Hamburg spielen. Hauptfigur ist der Vampir Peter von Borgo. Dies ist ein Teil seiner Vorgeschichte, als er noch den Namen Andras Petru Bathory trug. Diese Bücher haben mir sehr gut gefallen und mich interessierte auch die Vergangenheit von Peter von Borgo. Und da ich historische Vampirromane sowieso gerne lese, war auch dies natürlich eine Pflichtlektüre. Wie gesagt, spielt die Geschichte in Wien, zum Ende hin schlägt sie aber den Bogen nach Hamburg.
    Die Autorin hat intensiv recherchiert und beschreibt die Städte (Wien und auch Hamburg) wunderbar, man sieht die Straßen direkt vor sich und begleitet den Vampir auf seinen Streifzügen. Auch historische Ereignisse und Personen werden in die Geschichte eingebunden, wie z. B. der große Brand von Hamburg 1842. Ich wollte immer schon mal nach Wien und jetzt erst recht. Ein Besuch in der Gruft der Michaelerkirche gehört dann natürlich dazu. *g*


    Das Buch hat mich wunderbar unterhalten, es ist spannend und flüssig geschrieben und ich wollte immer wissen, was als nächstes kommt. Und es wäre schön, weiteres aus der Vergangenheit von Peter von Borgo zu lesen. Der letzte Satz in der Danksagung von Ulrike Schweikert lässt zumindest darauf hoffen, als sie sich bei ihrem Mann für die Unterstützung in Wien bedankt: "...Er hat auch versprochen, mit mir noch weiter in die Vergangenheit von Andras Petru Bathory alias Peter von Borgo zu reisen. Die Spur führt nach Transsilvanien..."


    Wertung: 5ratten

    Ich kaufe keine Bücher. Ich adoptiere sie. :hexe: