Julia Zange - Die Anstalt der besseren Mädchen

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Loretta ist um die Zwanzig, sollte eigentlich studieren, und lebt mit ihrem Freund Malte in Berlin in einer Welt wie aus dem Impressionen-Katalog. Perfekte Wohnung (Altbau, Holzdielen), perfekte soziale Umgebung ("Künstler", "Bohemiens"), perfekter Freund (aufopfernd, Arzt). Nachdem sie einfach nicht mehr in die Uni geht - Kunstgeschichte war natürlich ihr Hauptfach, Klischees wollen bedient werden - ist ihre einzige Beschäftigung das Dekorieren ihres Lebens.
    Dann wird sie schwanger. Es wundert nicht, dass sie, die schon vorher Listen von ihrem Freund brauchte, um den Tag zu meistern, mit dem Kind nicht zurecht kommt.
    Auf der Flucht vor ihrem künstlich-rosaroten Alltag kommt sie in eine Art Mädchencamp, einen Aussteigerbauernhof, in dem endlich alles so schön, zerbrechlich und mädchenhaft daherkommt, wie es ihr ideal erscheint. Schnell fügt sie sich ein in die an "The Beach" erinnernde, von der Außenwelt abgeschottete Gruppe von arbeitslosen jungen Frauen, die ihr eigenes Gemüse anbauen und ihren Lebensunterhalt damit verdienen, schöne Dinge zu basteln.
    Und als Malte sie aus dieser Welt zu befreien versucht, muss sie sich entscheiden zwischen bonbonrosa Utopie mit schimmelblauen Rändern und dem betongrauen Alltag in Berlin.


    Das alles verpackt Julia Zange in eine so dichte, malerische Sprache, dass das Buch zu kleben scheint. Man kann sich nicht davon lösen, und wie sehr man auch die Hauptperson endlich ohrfeigen möchte, wie sehr man sich vor dem Beschriebenen ekeln mag, weglesen kann man auch nicht mehr.
    Zange beschreibt eine Welt, wie viele sie kennen und andere sie idealisieren, und doch tönt immer der Abgrund an, das Dunkle, die Risse in der Fassade. Selbst den netten alten Mann, der Lorettas einziger Anker in der Wirklichkeit zu werden scheint, umgibt etwas Bedrohliches.
    Eigentlich war ich skeptisch, weil die Autorin so jung ist und das Thema so überstrapaziert scheint, aber durch ihre eindringliche Sprache und ihre Beschreibungen schafft Zange es, einen in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen und eine teilweise beißende Satire auf das ideale Leben vieler junger Frauen zu schreiben.
    Nur ein schlüssiges Ende, oder eine Entwicklung von Loretta, bleibt leider aus.


    4ratten

    "A book is to me like a hat or a coat - a very uncomfortable thing until the newness has been worn off." (Charles B. Fairbanks)