Halldór Laxness - Salka Valka

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 131 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von schokotimmi.

  • Doch, darauf habe ich schon ein paar Kapitel gewartet, Steinthor war da keine Überraschung.


    Naja, das "Antatschen" und die Blicke sind mir auch nicht entgangen, aber daß er so weit geht - ein elfjähriges Kind!! das fand ich schon heftig. Ich denke, das wollte ich ihm einfach nicht zutrauen.



    Die Liebe der Mutter zu Steinthor? Ich bezweifle, daß Liebe in dem Zusammenhang das richtige Wort ist, das scheint mir eher ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis zu sein, denn Steinthor und die „Verlobung“ mit ihm ist so ziemlich Sigurlinas einzige Rechtfertigung für ihr Auftreten im Dorf.


    Es wird nicht so ganz klar, ob Sigurlina Steinthor wirklich liebt. Ausschließen würde ich es nicht. Immerhin erinnert er sie an einen früheren Geliebten. Außerdem sehnt sich jeder Mensch nach Liebe, und es ist schon manchmal seltsam, wo diese hinfällt.


    Sigurlina tut mir leid. Was hat sie schon vom Leben? Ihre Lage ist wirklich ausweglos, und sie ist tatsächlich abhängig. Ich finde, das wird sehr deutlich und beklemmend herübergebracht.
    Daß sie gerne zu etwas mehr Ansehen kommen möchte, ist auch verständlich.



    kaluma : Danke für die Erläuterung mit der dänischen Kolonie - leuchtet ein.
    Sorry jetzt kommt kurz OT: Da ich vermute dass du nicht aus Paris stammst, ist deine Heimatstadt tatsächlich Leipzig?! Das ist ja was - ich wohne nämlich auch dort - bist du oft hier oder nur noch selten?


    Richtig, ich komme weder aus Paris noch aus Grindavik. :breitgrins:
    Zu deiner Frage schreibe ich dir eine pn, das wird hier sonst zu sehr OT.
    Ich fand es nur einen netten Gedanken, daß zu der Zeit, als meine Großeltern sich kennenlernten, Laxness vielleicht ganz in der Nähe saß und das Buch schrieb, was ich jetzt lese. :breitgrins:



    Salka und Sigurlina sind in mancherlei Hinsicht Abziehbilder für viele andere Isländer. Zuviele Details über sie würden diese Musterfunktion verwischen. Ich fürchte, allzuviele weitere Details werden wir nicht in Erfahrung bringen. Nur soviel jeweils, dass sie immer auch für andere Mütter mit unehelichen Kindern oder zahlreiche Arme stehen können.


    Da hast du natürlich recht. Insofern ist es unwichtig, was vorher war. Die wesentlichen Dinge wissen wir. Und nicht umsonst wurde am Anfang betont, wie unbedeutend die beiden sind.



    Saltanah
    Ist eigentlich dein Buch inzwischen eingetroffen?

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich habe noch ein wenig weitergelesen und nun endlich Arnaldur kennengelernt, der ja im Vergleich zu den anderen Kindern des Dorfes, die schon aufgetaucht sind, etwas außergewöhnlich zu sein scheint. Seine „Unterrichtsstunde“ mit Salka, in der er, statt sie zu unterrichten, sehr viel von sich und seinen Träumen verriet und von seiner Mutter erzählte, die noch irgendwo auf ihn wartet - das fand ich sehr anrührend. Salka scheint auch sehr interessiert an ihm zu sein. Nachtigall, ick hör’ dir trapsen... :zwinker:


    Allerdings geht Salka aufgrund ihrer bisherigen schlechten Erfahrungen mit den anderen Kindern im Dorf bei der ersten Begegnung mit Arnaldur erst mal auf Distanz und überlegt, ob sie handgreiflich werden soll:


    „Es war das erste mal, dass ein gleichaltriges Kind hier aus dem Dorf in Wurfweite, Rufweite und Schlagweite vor ihr stand, es war also nicht verwunderlich, dass sie sich überlegte, ob sie ihm die Knochen zerschlagen könnte.“


    Da musste ich doch erst mal herzlich lachen. :breitgrins:


    An dieser Stelle ist mir auch deutlich geworden, wie sehr das Buch zwischen den ernsten und den heiteren Tönen wechselt. Das Thema und die Erzählweise sind ja grundsätzlich sehr ernst, aber dann gibt es immer wieder solche humorvollen Einsprengsel, die ich so nicht erwartet hätte und die mich anfangs etwas verwirrten. Aber Ihr sagt ja auch, dass Laxness durchaus ironisch schreiben kann:



    Die kuriose Gesellschaft, auf die sie in dem Dorf gleich treffen, hat mich zum Schmunzeln gebracht und gleich wieder das typische Laxness-Feeling erzeugt. Wenngleich ich finde, daß der Text nicht ganz so von Ironie trieft wie in "Fischkonzert" oder "Am Gletscher".


    Und da ich bisher nichts weiter von Laxness kenne, muss ich auch erst mal in seinen „Sound“ hineinfinden...



    Ich hoffe meine Vergleiche mit den anderen Laxness Büchern ist nicht zu nervig, mich reizt es sehr Paralellen zu ziehen oder eventuelle Veränderungen in der Ansicht des Autors zu finden.


    Nein nein, ich finde das durchaus ganz hilfreich. Es ist ja mein erstes Buch von Laxness, und über ihn und sein Werk weiß ich bislang so gut wie gar nichts. Insofern finde ich Verweise zu dem, was er sonst so geschrieben hat, ganz nützlich. Normalerweise mache ich mich immer ausgiebig schlau über einen Autor und sein Werk, bevor ich etwas von ihm lese, aber dazu bin ich in den letzten Tagen und Wochen leider nicht gekommen.



    Gelesen habe ich bis einschließlich Kapitel 3, und bislang bin ich nur mäßig begeistert. Sollte dieser religiöse Ton und die Konfrontation mit der Heilsarmee anhalten, dann werden der Roman und ich keine Freunde, das kann ich jetzt schon sicher sagen.


    So weit ich das bis jetzt einschätzen kann, arbeitet Laxness hier mit dem Mittel der Übertreibung in seiner Schilderung der extremen religiösen Verzückung, die da bei Sigurlina und den übrigen Teilnehmern am Gottesdienst herrscht. Denn später schleichen sich durchaus auch religionskritische Töne im Buch ein. So heißt es an einer Stelle, als Salka erfolglos versucht, im Laden ein Kleid für sich zu erstehen, aber an dem hartherzigen Kaufmann scheitert und in Tränen ausbricht:


    „Wie kam es, daß Gott Gefallen daran finden konnte, sie in diesen Lumpen herumlaufen zu lassen, oder Jesus Christus, der doch immer so gut angezogen war auf den Bibelbildern?“


    Und etwas später:


    „(...) sie glaubte nicht mehr daran, dass Gott oder die Menschen einem halfen, wenn man in Bedrängnis war.“


    Gut, nun kenne ich Laxness’ religiöse oder politische Ansichten nicht, aber die religions- und sozialkritischen Anklänge, die hier und da auftauchen, erwecken in mir schon den Eindruck, als wolle er seinen entsprechenden Argwohn ausdrücken.


    So lässt er auch Eyolfur an einer Stelle sagen:


    „Die wenigen reichen Leute, die ich in meinem Leben gesehen habe, arbeiteten nie etwas, und die größte Armut herrschte immer bei denen, die am meisten schufteten, und ich nehme an, daß das auch in anderen Orten so ist. Aber das Wissen und die Freude, die in einem guten Buch stecken, sind besser als alle Reichtümer, und deshalb würde ich mich an deiner Stelle mehr mit dem Lesen und Schreiben beschäftigen. Und das ist es, was sie am schlimmsten finden, wenn sie merken, daß du Kenntnisse hast.“


    Das hat für mich schon einen Hauch von Sozialismus und Antikapitalismus...



    Das kleine, bedeutungslose Kaff am Ende der Welt ist mir durch frühere Lektüren vertraut. Ob es nun in Laxness-Island oder Nordschweden liegt, macht glaube ich keinen größeren Unterschied. Dessen Bedeutungslosigkeit wird schon auf der ersten Seite durch die Reisenden der 1. Klasse hervorgehoben, die an einer solchen Stelle natürlich nie anhalten würden (sie haben selbstverständlich wichtigere Ziele). Meiner Meinung nach soll uns dies am Ende zu der Erkenntnis bringen, dass auch dort Menschen leben und leiden, ebenso intensiv wie sonstwo, und dass es nicht angeht, einen Ort und seine Bewohner als unwichtig abzuschreiben. Auf die "oberen Zehntausend" mögen sie so wirken, aber für sich selbst und ihre Umgebung sind sie wichtig wie jeder andere Mensch auch.


    Auch das passt zu den sozialkritischen Tönen, die für mich immer deutlicher im Buch werden.


    Was ich auch noch ganz interessant finde, sind die Namen im Buch, all’ die -urs und -sons und -dottirs undsoweiter.



    Hier stellt sich mir die Frage, was der Name "Salka Valka" eigentlich bedeutet. Salka ist ihr Vorname. In "Fischkonzert" haben wir gelernt, daß uneheliche Söhne alle den Namen "Hansson" bekommen. Bekommen Mädchen auch so einen Phantom-Vatersnamen, und was bedeutet nun "Valka"?


    Die Namensgebung im Isländischen finde ich ohnehin faszinierend. Ich glaube, ich werde mal ein paar Recherchen betreiben müssen. Ich stelle immer wieder fest, dass mir das Land doch noch ziemlich unbekannt ist...



    Island war ja dänische Kolonie und so war eben (für manche Isländer) offenbar alles, was von dort kam etwas "Besseres" und Erstrebenswertes und die Dänen a priori bessere Menschen.


    Mal eine dumme Frage von mir dazu: :redface:
    Sind die heutigen Isländer Nachfahren der dänischen Einwanderer? Und gab oder gibt es sowas wie isländische "Ureinwohner"? War Island überhaupt besiedelt, bevor die Dänen kamen? Ich sehe schon, ich muss meine Kenntnisse über das Land kräftig aufmöbeln und erst mal eine ausgiebige Islandrecherche durchführen... :rollen:



    Ich fand es nur einen netten Gedanken, daß zu der Zeit, als meine Großeltern sich kennenlernten, Laxness vielleicht ganz in der Nähe saß und das Buch schrieb, was ich jetzt lese. :breitgrins:


    Das ist ja mal eine interessante Vorstellung... :breitgrins:


    Viele Grüße
    M.

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  • Hallo,


    ich bin noch nicht viel weiter gekommen, aber ich habe mal kurz recherchiert (auf wikipedia).


    Mal eine dumme Frage von mir dazu: :redface:
    Sind die heutigen Isländer Nachfahren der dänischen Einwanderer? Und gab oder gibt es sowas wie isländische "Ureinwohner"? War Island überhaupt besiedelt, bevor die Dänen kamen? Ich sehe schon, ich muss meine Kenntnisse über das Land kräftig aufmöbeln und erst mal eine ausgiebige Islandrecherche durchführen... :rollen:


    Demnach wurde Island im 7.Jh. durch Norweger, sowie anderen Skandinavieren und Kelten besiedelt. Die Dänen waren also nicht die Ersten :zwinker: Weiteres dazu hier.



    Das hat für mich schon einen Hauch von Sozialismus und Antikapitalismus...


    Soweit ich weiß war Laxness zumindest zur Entstehung dieses Romans noch Anhänger marxistisch-kommunistischer Ideen, was deine Vermutung bestätigt.


    So nun werde auch ich mal versuchen das erste Buch zu beenden.


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich bin wieder ein Stückchen weiter gekommen. Das Buch bekomme ich zwar nur in Happen in die Finger, dafür liest es sich aber gut und flüssig. Und der Beginn macht micht neugierig, wie es weitergehen wird. Ich habe schon gesehen, dass es zwei Teile und vier Bücher sind, die Laxness vorgesehen hat und da bin ich vor allem gespannt darauf, wie sich diese Teile unterscheiden werden.


    Den Lehrer des Dorfs finde ich zum Brüllen. Bildung kommt offensichtlich von ganz alleine und er erwartet, dass ein Mädchen, das noch nie eine Schule von innen gesehen hat, aus dem Stegreif schon Bildung beweisen kann in Form von Gedichten und Personenkenntnissen. Gedichte wäre noch sinnvoll gewesen, da solche einen großen Stellenwert haben. Aber welchen armen Schlucker interessieren irgendwelche lebenden Personen, wenn man den ganzen Tag schauen muss, wo man sein Essen herbekommt?
    Wenigstens fällt ihm trotz seines gekränkten Egos ein, dass man einen Bub zum Lernen helfen vorbei schicken kann. Der Bub interessiert mich. Arnaldur scheint ein vergleichbares Schicksal zu haben wie Salka und ich glaube, dass er im Dorf auch eine ähnliche Position hat wie sie. Da er allerdings Reykjavik kennt, weiß er, dass es ein anderes Leben gibt als das im Dorf und scheint sich seinen Weg dorthin bahnen zu wollen.


    MacOss zitierte schon:
    „Die wenigen reichen Leute, die ich in meinem Leben gesehen habe, arbeiteten nie etwas, und die größte Armut herrschte immer bei denen, die am meisten schufteten, und ich nehme an, daß das auch in anderen Orten so ist. Aber das Wissen und die Freude, die in einem guten Buch stecken, sind besser als alle Reichtümer, und deshalb würde ich mich an deiner Stelle mehr mit dem Lesen und Schreiben beschäftigen. Und das ist es, was sie am schlimmsten finden, wenn sie merken, daß du Kenntnisse hast.“


    Arnaldur sieht das offensichtlich genauso, wenn auch mit den Augen eines 13-jährigen.



    Unschön war die nächtliche Begebenheit, bei der Salka aufwacht und mitbekommt, wie der betrunkene Steinthor ihre Mutter im Bett bedrängt. Das mitzuerleben wünscht man keinem kleinen Mädchen.


    Schön ist es für Salka wirklich nicht, aber ich glaube eher, das liegt daran, dass sie - wie es dann heißt - versteht, dass eine Mutter nicht nur Mutter ist, sondern auch Frau. Salka mag Steinthor nicht und das macht es schlimmer. Wäre es jemand, den sie mag, würde sie der Mutter das vielleicht auch "gönnen".
    Irgendwann dürfte jedes Kind merken, dass Männer und Frauen im Bett mehr machen als bloß schnarchen. In den isländischen Behausungen haben teils ganze Familien in einer einzigen Kammer geschlafen, alle Angestellten in einer Kammer zusammen oder eben zwei Leute in einem Bett. Und wenn es nicht anders ging, schlief die Magd neben dem Knecht. Dünne Wände, mickrige Türen... Ich schätze, unsere Vorstellungen und das heutige, hiesige Bild von Familienplanung und Privatsphäre müssten wir im Island dieser Zeit ziemlich schnell an den Nagel hängen.


    Viel schlimmer fand ich, dass Salka Steinthor und Mutter ganz selbstverständlich als Paar sieht (und sie als Verlobte ankündigt), während die anderen im Dorf diese Beziehung nach Strich und Faden missbilligen und sie deshalb auf's Heftigste geärgert wird.



    Salka hat meine Hochachtung dafür, daß sie aus eigenem Antrieb und völlig selbständig in der Fischverarbeitung arbeiten geht. Donnerwetter! Hier erweist sie sich als eigenwillig im positiven Sinn, stark und ausdauernd. Wenn ich bedenke, daß sie nur wenig älter als meine Tochter ist (die zwar auch auf solche Ideen kommt, aber die Umsetzung vielleicht nicht ganz so hinbekommen würde...)


    Der Kaufmann Bogesen überraschte mich positiv, als er Salka Kleidung schenkte. Das hätte ich nicht erwartet. Auf der anderen Seite hat er offenbar ein System von Lohn und Kredit aufgebaut, mit dem er zwar die Menschens des Dorfes versorgt (was öfter lobend erwähnt wird), aber auch in Abhängigkeit bringt, und für seinen eigenen Gewinn sorgt. Eine zwiespältige Angelegenheit, und Bogesen ist damit für mich eine zwiespältige Person. Immerhin scheint er eine Art gesellschaftlicher Verantwortung wahrzunehmen.


    Die Aktion von Salka finde ich auch klasse. Sie kennt es vermutlich nicht anders. Eine Kindheit damals dürfte früh mit Arbeit verbunden gewesen sein. Dass sie sich offensichtlich mit niemandem vorher abspricht, macht es für mich zu etwas Besonderem.
    Und Bogesens Kreditsystem ist in der Tat bemerkenswert. So, wie ich Laxness einschätze, wird das noch eine Rolle spielen. Salka wird irgendwann versuchen wollen, weiterzukommen und muss dann dieses System überwinden, um liquide Mittel zu haben.


    Übrigens, was Bogesen angeht: Es wurde ja schon angesprochen, dass er möglicherweise Isländer ist, der sich einen "eleganteren" dänischen Namen gegeben hat. Erhärtet sich der Verdacht später oder ist Bogensen tatsächlich ein dänischer Einwanderer?


    Widmen wir uns mal Kapitel 10 zu Ende und dann Kapitel 11 :winken:

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  • Demnach wurde Island im 7.Jh. durch Norweger, sowie anderen Skandinavieren und Kelten besiedelt. Die Dänen waren also nicht die Ersten :zwinker: Weiteres dazu hier.


    Danke für den Link. Ich sag' ja: Ausgiebige Islandrecherchen sind für mich erforderlich... :rollen:



    Arnaldur sieht das offensichtlich genauso, wenn auch mit den Augen eines 13-jährigen.


    Arnaldur ist eine sehr interessante Figur, da er so völlig anders angelegt ist als die übrigen, nunja, Gören des Dorfes. Und auch von Salka unterscheidet er sich sehr. Er ist schüchtern und zurückhaltend, sehr belesen und weiß offenbar schon eine ganze Menge. Und er verbringt viel Zeit in seiner Traumwelt - ein wenig hat mich das an die Welt Nangijala der Brüder Löwenherz erinnert.


    Arnaldur könnte glatt zu meiner Identifikationsfigur im Buch werden. Dazu muss er bloß noch ein wenig älter werden. Oder ich jünger. :breitgrins:



    Die Aktion von Salka finde ich auch klasse. Sie kennt es vermutlich nicht anders. Eine Kindheit damals dürfte früh mit Arbeit verbunden gewesen sein. Dass sie sich offensichtlich mit niemandem vorher abspricht, macht es für mich zu etwas Besonderem.


    Und den Anstoß dazu hat für mein Empfinden auch die Begegnung mit Arnaldur gegeben. Der Junge scheint eine positive Wirkung auf Salka zu haben... :zwinker:

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  • Guten Morgen,


    ich habe nun auch das erste Buch zuende gelesen, was für ein hartes Ende das war, aber auch abzusehen.
    Ich bin gespannt wie Salka sich nun weiter verhält und die Sache verarbeitet. Ob ihre Offenheit und Ehrlichkeit dadurch leidet?
    Außerdem würde mich interessieren wie sich die Mutter verhält, ob sie nun endlich mal Schuldgefühle ihrer Tochter gegenüber bekommt. Nach der Aktion mit dem Kleid, wäre es nun endlich mal angebracht.
    Was hat sie überhaupt gedacht, mit dem Pfarrer zu sprechen - ich weiß net recht. Sie scheint schon sehr verzweifelt zu sein. In Ihren Handlungen liegt da wenig Überlegung finde ich. Aber hier sind wir wieder an dem Punkt der Zeit, ich muss mir immer vor Augen führen dass es früher sehr viel anders war.


    Ansonsten bin ich mit dem Buch bis jetzt sehr zufrieden - es ist Laxness Stil, den ich kenne und der mir immer mehr gefällt (Wenn man von den glücklichen Kriegern einmal absieht, die waren nicht so meins).
    Mal sehn wie sich das Verhältnis von Arnaldur und Salka weiterentwickelt, denn das soll ja lt. Klappentext die wesentliche Rolle spielen...


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Lesestand: 10. Kapitel



    Saltanah
    Ist eigentlich dein Buch inzwischen eingetroffen?


    :sauer: Ich hoffe Tag für Tag, dass es doch wohl heute... Dementsprechend langsam lese ich, da mir die schwedische Übersetzung nicht so gut gefällt.



    Die erste Nacht und deren Begebenheiten mit Steinthor haben mir mal wieder gezeigt, wie naiv, blauäugig aber auch egoistisch Sigurlina ist. Warum läßt sie sich denn auf den Typen ein.


    Teilweise bleibt ihr wohl nichts anderes übrig. So "bezahlt" sie eben für Wohnraum und Arbeitsvermittlung. Einen Moment lang dachte ich, Steinthor sei der "edle Arme", der im Gegensatz zu den Reichen selbstlos anderen hilft, aber das ist er eben nicht. Er will was von Sigurlina und das weiß sie auch.
    So zumindest habe ich ihr "wir zwei Mädchen" verstanden. Sie stellt sich damit mit Salka (und umgekehrt*) gleich, die ja eben von Steinthor angetatscht wurde, erwartet also ähnliches "Angetatsche" selbst. Allerdings denke ich auch, dass ihr dies nicht gerade unrecht ist; nur aus Not lässt sie sich meiner Meinung nach nicht auf Steinthor ein. Sie will von ihm (auch), was er von ihr will: jemanden neben sich im Bett, Sex, etwas Wärme und Nähe... Eine größere Auswahl hat sie in dem Kaff ja nicht; sie nimmt, was sie kriegen kann, ebenso wie Steinthor auch. Auch der hat keine tollen Wahlmöglichkeiten, sonst hätte er sich schon längst anderweitig versorgt.
    *Diese Gleichstellung der beiden "Mädchen" bedeutet natürlich auch, dass Salka allmählich auf sexuellem Gebiet verfügbar wird. Betatscht wurde sie von Steinthor schon und ich erwarte demnächst weiteres. Inwieweit Sigurlina diese Parallele auch bewusst zieht, weiß ich allerdings nicht.


    Der Lehrer passt wirklich gut zu Apotheker und Pfarrer. Durch die Art seiner Ausfragung von Salka hat er sich sehr schön bloßgestellt. Großartig übrigens, sie Eyjolf ihn manipuliert und durch seinen Satz: Über Svein Pålssons Poesie kann ich nichts sagen, aber ich habe oft gehört, dass er Kindern ein guter Lehrer sein soll" dazu bringt, Arnaldur vorbeizuschicken. Bevor sein Konkurrent sich dadurch auszeichnet, diesem Kind das Lesen beizubringen...
    Auf ein näheres Kennenlernen dieses Poeten und Frisörs freue ich mich.



    Eine zwiespältige Angelegenheit, und Bogesen ist damit für mich eine zwiespältige Person.


    Ich tendiere dazu, Bogesen kritisch zu sehen. Zwar hilft er hier Salka (die aber für ihr neues Kleid einen hohen Preis bezahlen wird, falls ich Steinthors Reaktion darauf richtig deute), aber das kann er sich gut leisten, noch dazu, als es ihn wirklich nichts kostet. Ein abgelegtes Kleid seiner Tochter. Ich denke mal, er stellt sich hier als ein Gönner dar, vor allem vor sich selbst und sonnt sich in seiner Großzügigkeit.
    Eyjolf zeigte in einem Nebensatz eine andere Seite von Bogesen. In Zusammenhang mit der angeblichen Tugend der Sparsamkeit bemerkt er ganz richtig, dass diese nur für Reiche eine Tugend sein kann, da sie für Arme eine Notwendigkeit ist. Bogesen, meint er weiter, hat diese Tugend gezeigt, als er den Preis für Eyjolfs Netze herabsetzte - wohlgemerkt den Preis, den Eyjolf für seine Netze bei Bogesen gutgeschrieben bekommt. Eyjolf macht damit ein Minus, die Fischer zwar ein Plus (sie zahlen weniger, was man natürlich als "Tugendakt" von Bogesen deuten könnte), aber das größte Plus macht Bogesen selbst, der durch den Wahnsinnsherbstfang einen Gewinn wie selten zuvor machte. (Ende 6. Kap.)

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Ich habe nun die Kapitel 14-16 gelesen.


    Hier gibt es einen Zeitsprung - Steinthor ist verschwunden, aber ich glaube nicht für immer.
    Salka hat sich im Dorf eingelebt und ihren Stand gefunden. Traurig, dass sie eigentlich niemanden hat, dem sie vertrauen kann. In Alli ist sie nun scheinbar auch noch verliebt - das macht es natürlich noch schwerer.


    Tragisch war die Szene als sie an Steinthor erinnert wird - hier zeigt sich wie wenig sie dies verarbeitet hat und Alli war ja nicht gerade feinfühlig. Trotzdem fand ich es sehr lieb, wie er sich von Salka verabschiedet.


    Interessant fand ich die Beschreibung über den ersten Abschied und die erste Liebe - ich überlege dann immer, wie es bei mir war. Kenne ich einen ersten Abschied, eine erste innige Liebe - irgendwie will mir da nie was einfallen. Ich liebe meinen Mann und wir sind auch schon sehr lange zusammen, aber die erste Liebe - war er das wirklich. Ich denke manchmal, die Literatur übertreibt manchmal, oder bin ich zu gefühlskalt (gewesen), um diese ersten Erfahrungen wahrzunehmen?! :hm:


    Das Salka am Ende von Kapitel 16 glaubt Herborg zu sehen finde ich interessant, denn auch sie scheint ja dann nicht so stark zu sein, wie sie sich nach außen hin gibt. Sie ist es anders angegangen und hat sicher auch andere Voraussetzungen gehabt wie Salka, aber scheint sie doch in einer ähnlichen Außenseiterrolle zu stecken.


    Nun bin ich gespannt wie euch der Anfang des zweiten Buches gefallen hat.


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Ich habe nun die Kapitel 14-16 gelesen.


    Durch die habe ich mich auch gerade geschleppt.



    Hier gibt es einen Zeitsprung - Steinthor ist verschwunden, aber ich glaube nicht für immer.


    Ich fände es auch nicht verwunderlich, wenn er noch mal auftauchte. Obwohl das für Sigurlina sicher nicht unbedingt das beste wäre.



    Tragisch war die Szene als sie an Steinthor erinnert wird - hier zeigt sich wie wenig sie dies verarbeitet hat und Alli war ja nicht gerade feinfühlig. Trotzdem fand ich es sehr lieb, wie er sich von Salka verabschiedet.


    Nun ja, wie hätte sie es auch verarbeiten sollen? Ich habe nicht den Eindruck, daß in dem Ort ein ausgebildeter Kinderpsychologe anwesend ist, und für die meisten Dörfler – sofern sie es überhaupt wissen – fällt das wahrscheinlich unter ein von Schulterzucken begleitetes „Kann schließlich passieren“. Und Alli? Nun, der ist ja letztlich auch noch ein Kind, einen wirklichen Vorwurf kann ich ihm nicht einmal machen. Das Medaillon war aber wirklich eine schöne Geste.


    Die Tochter des Kaufmanns ist mir ja schon ziemlich auf die Nerven gefallen. Für was hält die sich eigentlich? Jedenfalls für etwas besseres, nur, weil ihr Vater dank des Fleißes anderer Leute ein bequemes Leben führt. Mich würde allerdings interessieren, warum ihr Vater sie aus Kopenhagen zurückgeholt hat. Nur übermäßige Geldausgaben werden es wohl nicht gewesen sein, auch wenn das für einen sparsamen Kaufmann sicher ein Grund sein kann.


    Was mich gewundert hat: Sigurlina taucht eigentlich gar nicht mehr auf. Sie wird am Rande erwähnt, wenn es um ihren Sohn geht, oder wenn andere über sie reden, aber als Handelnde ist sie verschwunden. Salka scheint sie auch nicht unbedingt zu brauchen, jedenfalls nicht, wenn es um die Bewältigung des normalen Alltags geht. Da dürfte Salka vermutlich sogar besser organisiert sein als ihre Mutter, wenn sie Schule und Arbeit unter einen Hut bringt. Mangelnde Zielstrebigkeit kann man Salka jedenfalls nicht nachsagen, sie spart ja wohl auch konsequent. Hoffentlich macht Bogesen nicht pleite ...

  • Durch die habe ich mich auch gerade geschleppt.


    Das klingt ja nicht gerade begeistert - Laxness scheint nicht so deines zu sein?!



    Was mich gewundert hat: Sigurlina taucht eigentlich gar nicht mehr auf. Sie wird am Rande erwähnt, wenn es um ihren Sohn geht, oder wenn andere über sie reden, aber als Handelnde ist sie verschwunden. Salka scheint sie auch nicht unbedingt zu brauchen, jedenfalls nicht, wenn es um die Bewältigung des normalen Alltags geht. Da dürfte Salka vermutlich sogar besser organisiert sein als ihre Mutter, wenn sie Schule und Arbeit unter einen Hut bringt. Mangelnde Zielstrebigkeit kann man Salka jedenfalls nicht nachsagen, sie spart ja wohl auch konsequent. Hoffentlich macht Bogesen nicht pleite ...


    Nun gut, da es sich um einen neuen Teil handelt, hat mich das Verschwinden Sigurlinas aus dem aktiven Geschehen nicht so sehr verwundert - ich glaube ähnliches schon bei anderen Romanen Laxness so erlebt zu haben.
    Salka ist wirklich sehr selbstständig, hatte ja aber auch von niemanden etwas zu erwarten. Schön fand ich in dem Zusammenhang die Bekenntnis Allis - Salka als Vorbild für die Selbständigkeit. Neben dem Medaillon eine der schönsten Gesten.
    Das Sparen Salkas ist wohl auch dem Grund geschuldet, dass sie für ihr Geld ja nichts bekommt. Ich meine Andeutungen dahingehend gelesen zu haben, finde die Stelle aber nicht wieder.


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Das klingt ja nicht gerade begeistert - Laxness scheint nicht so deines zu sein?!


    Nein, ich glaube nicht. Ich dachte bei den glücklichen Kriegern, es läge vornehmlich an Form und dem etwas abseitigen Inhalt, aber es scheint eher eine allgemeine Laxness-Unverträglichkeit zu sein ...



    Das Sparen Salkas ist wohl auch dem Grund geschuldet, dass sie für ihr Geld ja nichts bekommt. Ich meine Andeutungen dahingehend gelesen zu haben, finde die Stelle aber nicht wieder.


    Das stimmt wahrscheinlich (jetzt, wo Du es sagst, kommt mir auch dunkel so etwas in Erinnerung), aber verschwenderisch würde Salka vermutlich trotzdem nicht werden.

  • @McOss


    An dieser Stelle ist mir auch deutlich geworden, wie sehr das Buch zwischen den ernsten und den heiteren Tönen wechselt. Das Thema und die Erzählweise sind ja grundsätzlich sehr ernst, aber dann gibt es immer wieder solche humorvollen Einsprengsel, die ich so nicht erwartet hätte und die mich anfangs etwas verwirrten.


    Das hast du wunderbar auf den Punkt gebracht :klatschen: - danke! Genauso empfinde ich das auch und habe nur nicht so klare Worte gefunden, das auszudrücken. Und genau so überrascht wie du jetzt war ich, als ich "Am Gletscher" las, mein erstes Buch von Laxness.


    Und genau das ist es auch (verbunden mit der Sozialkritik und Religionskritik, die du auch erwähnst, und die in dieser übertrieben-grotesken Form stattfindet) was mich an Laxness´ Büchern so begeistert. Er trifft damit genau meine Wellenlänge, so etwas kann ich endlos weiter und weiter lesen.
    Und dazu gehört auch seine Wertschätzung der einfachen, ehrlichen, arbeitenden Leute, die immer wieder hindurchschimmert (zum Beispiel in den Personen der beiden alten Leute, Steinunn und Eyolfjur, und in etlichen Personen im "Fischkonzert".):herz:


    Auch ich habe weitergelesen bis zum 16. Kapitel.



    Interessant fand ich die Beschreibung über den ersten Abschied und die erste Liebe - ich überlege dann immer, wie es bei mir war. Kenne ich einen ersten Abschied, eine erste innige Liebe - irgendwie will mir da nie was einfallen. Ich liebe meinen Mann und wir sind auch schon sehr lange zusammen, aber die erste Liebe - war er das wirklich. Ich denke manchmal, die Literatur übertreibt manchmal, oder bin ich zu gefühlskalt (gewesen), um diese ersten Erfahrungen wahrzunehmen?!


    Auch ich habe mich an dieser Stelle des Buches über diesen "ersten Abschied" und seine angeblich herausragende Bedeutung gewundert und darüber nachgedacht. Abschiede gibt es immer wieder in unterschiedlicher Intensität, der erste war vermutlich irgendwann im frühen Kindesalter, man erinnert sich kaum, und zumindest bei mir gab es später schlimmere Abschiede. Und mit der "ersten Liebe" verhält es sich ähnlich. Langer Rede kurzer Sinn: ich kann das nicht nachvollziehen und halte mich aber deshalb keineswegs für gefühlskalt!



    Die Tochter des Kaufmanns ist mir ja schon ziemlich auf die Nerven gefallen.


    Mir auch! Die nächste in der Reihe der illustren Personen der "guten Gesellschaft". Daß sie Arnaldur so benutzt (und vermutlich nach Strich und Faden ausgenommen) hat, nehme ich ihr übel.



    Was mich gewundert hat: Sigurlina taucht eigentlich gar nicht mehr auf. Sie wird am Rande erwähnt, wenn es um ihren Sohn geht, oder wenn andere über sie reden, aber als Handelnde ist sie verschwunden.


    Das ist mir auch aufgefallen. Hat mich allerdings nicht allzusehr gewundert, denn ich habe erwartet, daß die Handlung des Buches sich irgendwann mehr in Richtung Salka verschieben würde. Außerdem ist Sigurlina sehr mit ihrem kränklichen Sohn beschäftigt, infolgedessen immer weniger mit ihrer flügge werdenden Tochter. Und die Entfremdung zwischen den beiden hatte ja schon begonnen, als die Mutter sich mit Steinthor einließ, und wurde sicher dadurch verstärkt, daß die Mutter Salka nicht vor Steinthor schützte.


    Ich denke auch, daß Steinthor irgendwann wieder auftauchen wird.


    Schön fand ich, daß Arnaldur sich vor seiner Abreise bei Salka entschuldigt und ihr das Medaillon geschenkt hat. Offenbar hat er das richtige Gespür dafür, was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind.


    Aldawen


    aber es scheint eher eine allgemeine Laxness-Unverträglichkeit zu sein ...


    Was genau ist es, das dir nicht liegt? (Wenn man mal fragen darf). Ist es der ironische Stil? Oder der Inhalt?
    Dann bin ich gespannt, wie du die "Kinder der Regenmacher" finden wirst. Soweit ich nach dem ersten Kapitel beurteilen kann, das ich ja vor kurzem angelesen hatte, geht es dort auch um das Alltagsleben armer Leute, also ein ganz ähnliches Thema.... ? :gruebel:


    Viele Grüße
    Katja

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    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • Was genau ist es, das dir nicht liegt? (Wenn man mal fragen darf). Ist es der ironische Stil? Oder der Inhalt?
    Dann bin ich gespannt, wie du die "Kinder der Regenmacher" finden wirst. Soweit ich nach dem ersten Kapitel beurteilen kann, das ich ja vor kurzem angelesen hatte, geht es dort auch um das Alltagsleben armer Leute, also ein ganz ähnliches Thema.... ? :gruebel:


    Schwer zu sagen, was es ist, aber es ist nicht einfach die Tatsache, daß es um das Alltagsleben armer Leute geht – das habe ich öfter in Büchern, und es stört mich nicht nur nicht, ich mag dergleichen sogar. Und was die Kinder der Regenmacher angeht: Die erste Hälfte kenne ich als (ich glaube: leicht gekürztes) Hörbuch und fand es großartig. Es hat daher wohl mehr mit dem Stil von Laxness zu tun, der mich einfach nicht anspricht. Er trifft zwar einen Nerv, aber den falschen. Die Ironie, die Ihr ausmacht, kommt bei mir in der Form einfach nicht an.


    Von den Motivationen der Protagonisten erfahre ich zu wenig, ich kann ihre Handlungsweisen, wenn überhaupt, nur versuchen auf Grund äußerer Anzeichen nachzuvollziehen, und das ist mir zu wenig. Denn dabei bekomme ich auch nicht recht mit, was sie wirklich bewegt, und auch nicht, wie sie sich in ihrem eher tristen Alltagsleben arrangieren (jenseits der Äußerlichkeiten, daß man mit der Heilsarmee betet oder ähnliches). So lese ich Seite um Seite vor mich hin, ohne daß mein Interesse, was aus den Leuten wird, irgendwie wächst. Sie könnten allesamt auf der nächsten Seite tot umfallen, und ich würde den Roman einfach erleichtert zuklappen. Ich werde den ersten Teil auf jeden Fall noch zu Ende lesen, aber für den zweiten übernehme ich keine Garantie ...

  • Aldawen
    Ah ja, ich glaube ich verstehe jetzt ungefähr, was dich stört. :pling:


    Gerade dieses Mutmaßen nach den Gründen für die Handlungsweise der Personen hat für mich einen großen Reiz. In der Leserunde zum "Fischkonzert" haben wir darüber ja nach Herzenslust spekuliert... :breitgrins: und vieles wurde erst am Ende klar.



    Ich tendiere dazu, Bogesen kritisch zu sehen. Zwar hilft er hier Salka (die aber für ihr neues Kleid einen hohen Preis bezahlen wird, falls ich Steinthors Reaktion darauf richtig deute), aber das kann er sich gut leisten, noch dazu, als es ihn wirklich nichts kostet. Ein abgelegtes Kleid seiner Tochter. Ich denke mal, er stellt sich hier als ein Gönner dar, vor allem vor sich selbst und sonnt sich in seiner Großzügigkeit.


    Ich meinte damit nicht nur sein Verhalten Salka gegenüber, sondern gegenüber den Dorfbewohnern insgesamt. Ich möchte nicht völlig ausschließen, daß er gute Absichten hat, indem er den Leuten quasi vorschreibt, was sie bei ihm kaufen. Vielleicht will er dafür sorgen, daß sie ihr Geld nicht z.B. für Schnaps und Zigaretten rausschmeißen und dann im Winter nichts mehr haben und hungern müssen. So ist jedenfalls mein Eindruck. Es wird ja irgendwo gesagt (Textstelle finde ich gerade nicht), daß es den Dorfbewohnern relativ gut geht, verglichen mit dem Standard in diesem Landesteil.
    Die andere Seite ist, daß sie damit bevormundet werden und ihre Entscheidungsfreiheit verlieren.



    In den isländischen Behausungen haben teils ganze Familien in einer einzigen Kammer geschlafen, alle Angestellten in einer Kammer zusammen oder eben zwei Leute in einem Bett. Und wenn es nicht anders ging, schlief die Magd neben dem Knecht. Dünne Wände, mickrige Türen... Ich schätze, unsere Vorstellungen und das heutige, hiesige Bild von Familienplanung und Privatsphäre müssten wir im Island dieser Zeit ziemlich schnell an den Nagel hängen.


    Nicht nur im damaligen Island. Ich schätze, in vielen Ländern der Welt ist das heute noch so.



    Die Aktion von Salka finde ich auch klasse. Sie kennt es vermutlich nicht anders. Eine Kindheit damals dürfte früh mit Arbeit verbunden gewesen sein. Dass sie sich offensichtlich mit niemandem vorher abspricht, macht es für mich zu etwas Besonderem.


    Ja, genau. Ich vermute, die Kinder mußten damals eher familiennah mitarbeiten: im Haus mithelfen, im Stall, im Gemüsegarten oder auf dem elterlichen Feld arbeiten. So eine Lohnarbeit aus eigenem Antrieb erscheint mir ungewöhnlich. Wenn Kinder für Lohn gearbeitet haben, denke ich, daß auch damals die Eltern solche Dinge entschieden haben.



    Übrigens, was Bogesen angeht: Es wurde ja schon angesprochen, dass er möglicherweise Isländer ist, der sich einen "eleganteren" dänischen Namen gegeben hat. Erhärtet sich der Verdacht später oder ist Bogensen tatsächlich ein dänischer Einwanderer?


    Ich halte ihn für einen Isländer. Was Annahme eines dänischklingenden Familiennamens betrifft, so kann das (neben der Nachahmung) auch rein praktische Gründe gehabt haben: wer nach Dänemark kommt und keinen Familiennamen hat, wie die Isländer, bekam vielleicht Probleme mit der Verwaltung etc.


    Über Island werde ich auch noch dies und jenes nachlesen (müssen). Was die Einwanderer betrifft, so vermute ich mal, daß die früher eingewanderten Norweger etc. inzwischen im isländischen Volk aufgegangen sind, aber zu Laxness´ Zeiten eben die Erinnerung an die dänische Herrschaft noch recht frisch war und die staatliche Unabhängigkeit noch keine Selbstverständlichkeit.

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    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

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  • Aldawen
    Ah ja, ich glaube ich verstehe jetzt ungefähr, was dich stört. :pling:


    Gerade dieses Mutmaßen nach den Gründen für die Handlungsweise der Personen hat für mich einen großen Reiz. In der Leserunde zum "Fischkonzert" haben wir darüber ja nach Herzenslust spekuliert... :breitgrins: und vieles wurde erst am Ende klar.


    Ich kann das auch verstehen, aber meist geht es mir hier ähnlich wie kaluma - es ist auch mal nett, nicht genau zu wissen warum die Leute dies oder das sagen oderausführen. Bei meinem ersten Laxness hatte ich auch ein wenig Probleme damit (konnte aber nicht genau auf den Punkt bringen, was mich gestört hat), doch nun mag ich den Stil und freue mich über diese Geschichte.


    Bogesen ist für mich ein typischer Kapitalist - sein ausgeklügeltes Kreditsystem macht alle im Dorf abhängig - wer verdient denn schon Geld um diesen Ort zu verlassen? Alle Leben nur so gut wie es Bogesen zuläßt, von Freiheit keine Spur.
    Da helfen in meinen Augen auch kleine Spenden (wie ein altes Kleid für Salka) nichts.



    Mir auch! Die nächste in der Reihe der illustren Personen der "guten Gesellschaft". Daß sie Arnaldur so benutzt (und vermutlich nach Strich und Faden ausgenommen) hat, nehme ich ihr übel.


    Nun die Tochter finde ich auch nervig, aber auch interessant - mich würde interessieren was sie in Kopenhagen so getrieben hat, dass ihr Vater sie zurückholt. Vernünftiges kann es ja nicht gewesen sein, wenn sie sich daheim schon betrinkt. Ich muss da immer an die Kaufmannstochter in "Meine kleine Farm" denken, dass habe ich als Teenie öfter geschaut. :breitgrins:
    Das Arnaldur dabei ausgenutzt wird war ja fast zu erwarten - aber so richtig leid tut er mir auch nicht. Immerhin sieht er es ja recht schnell ein...


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Ich kann das auch verstehen, aber meist geht es mir hier ähnlich wie kaluma - es ist auch mal nett, nicht genau zu wissen warum die Leute dies oder das sagen oderausführen.


    Ich muß es von einem Autor auch nicht in allen Details erklärt bekommen, aber ich will wenigstens in der Lage sein, begründete Mutmaßungen anzustellen. Und das kann ich hier einfach nicht. Ich sollte wahrscheinlich nicht nach Island auswandern, das könnte ein grundsätzliches Mentalitätsproblem sein :zwinker:


    Gestern hatte ich noch die Kapitel XVII bis XIX gelesen. Allerdings ist davon bis heute nicht allzuviel hängengeblieben, was schon zeigt, daß es absolut nicht mein Buch ist. Daß Sigurlina sich mit Heiratsabsichten trägt, hat mich dabei durchaus zunächst einmal gefreut. Der Bräutigam wäre zwar nicht mein Fall gewesen, aber sie kann nicht besonders wählerisch sein. Und vermutlich gibt es schlechtere Exemplare als Jukki. Daß die Hochzeit dann zunächst wegen Sigurlinnis Tod verschoben werden muß und damit Steinthor die „Gelegenheit“ gegeben wird, passend (oder auch unpassend, das ist wohl eine Frage der Perspektive) wieder aufzutauchen, hat mich kaum überrascht. Wie Jukki und Steinthor dann aber – tja, was eigentlich? – kann man sagen, sie rivalisieren um Sigurlina? Naja, jedenfalls nehme ich an, daß man die Art dieses „Umwerbens“ zum Schmunzeln finden kann, ich fand es ermüdend. Man könnte ja ein Wort zu viel sagen :rollen:

  • So, nunmehr bin ich am Ende des ersten Teils angelangt.


    Das war ja alles mehr oder weniger (eher mehr) erwartbar. Daß Steinthor nicht gerade wegen überschäumender Liebe zu Sigurlina zurückgekehrt ist, hatte ich auch nicht vermutet. Natürlich ist er mehr an Salka interessiert. Er versteckt es zwar eine ganze Weile, aber letztlich gelingt es ihm nicht. Verantwortung kann und will er auch nicht übernehmen, nicht mal für sich selbst, auch wenn er das behauptet. Daher war seine erneute Flucht natürlich nur konsequent. Sigurlinas Selbstmord war die logische Folge. Wobei das auch Rückschlüsse darauf zuläßt, wie es wirklich um ihren Glauben bestellt war. Wäre sie darin wirklich gefestigt gewesen, dann hätte sie doch anders reagieren müssen, es war wohl doch nur Ersatzhandlung.


    Das einzige, was mich jetzt wirklich noch interessieren würde: Wo ist Arnaldurs Brief abgeblieben? Hat Steinthor ihn aus dem Mieder gezogen, als er wieder zudringlich wurde? Tatsächlich interessiert mich diese Frage aber nicht genug, um mich an den zweiten Teil zu machen. Ich werde mit dem Ende dieses ersten Teils das Buch endgültig zuklappen. Tut mir leid, weil ich Euch ja quasi zu diesem Roman „gedrängt“ habe, aber ich komme im Moment wegen viel Streß in der Firma sowieso kaum zum Lesen, und das bißchen Zeit möchte ich dann lieber Büchern angedeihen lassen, die mir mehr zu sagen haben. Ich werde aber weiter verfolgen, was Ihr hier so zum Buch schreibt :winken:


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Ich habe auch die Kapitel 17-19 gelesen.


    Sigurlinnis Tod ist traurig, war aber vorhersehbar. :sauer:


    Ich habe mal nachgeforscht, um was es sich bei dieser merkwürdigen "Drüsenkrankheit" handelt, an der so viele Kinder gestorben sind. Interessant, was es früher alles so gab.
    Die damalige Ansicht findet man hier, und die heutige (laut Wikipedia) hier.
    Ich bin ja an sich skeptisch bei seltsamen Krankheiten mit unklaren Ursachen. Meistens gibt es ja doch eine handfeste Ursache. Ohne allerdings medizinische Vorkenntnisse zu haben, hatte ich hier auf eine Infektion wie eine Variante der Tuberkulose getippt, das scheint es aber nicht zu sein. Und dennoch scheint das Krankheitsbild weit verbreitet gewesen zu sein. Der Hinweis auf eine Allergie als Ursache und die Tatsache, daß in dem Haus schon früher vier von sechs Kindern Steinunns daran starben, brachte mich auf den Gedanken, ob vielleicht Schimmelpilze in dem feuchten Haus die Ursache sind - denn die Ernährungssituation scheint ja einigermaßen gut zu sein. Und ein Kind, das sich mit solchen Symptomen herumschlägt, hat dann ja auch keine Abwehrkräfte gegen Infekte mehr.


    Bei der Rede Bogesens auf diesem Fest hatte ich dann auch einen Durchhänger, gebe ich zu. Das war für mich die erste Länge des Buches.
    Witzig - oder eher zynisch - ist die Stelle, wo er sagt, einmal im Monat komme ein Schiff, also könnten doch alle fast immer reisen, wohin sie wollten. Einmal im Monat ist also fast immer, aha. An dieser Stelle konnte ich allerdings nicht mehr schmunzeln. Hier bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Wie denn reisen ohne Geld, und daß niemand welches hat, dafür hat genau Bogesen und kein anderer gesorgt.


    Spannend fand ich, wie Salka am Ende von Kapitel 17 beim Nachhausekommen die trauernde Frau in der Kammer sieht. "Sie hatte diese Frau noch nie gesehen. Sie sah sie auch später nie wieder." Ich frage mich, wer diese Frau wohl war. Eine Klagefrau? Eine Vision? (Die Isländer glauben doch an Elfen und dergleichen Wesen.) Oder war es Sigurlina oder Steinunn, durch die Trauer so verändert, daß sie Salka fremd erscheint?


    Jetzt zu Jukki. Anfangs dachte ich, er ist einfach nur schüchtern und unbeholfen.


    Daß die Hochzeit dann zunächst wegen Sigurlinnis Tod verschoben werden muß


    Nein. Die Hochzeit wurde wegen Sigurlinnis Krankheit verschoben. Sein Tod hat ja im Gegenteil den Weg für die Hochzeit freigemacht.
    Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.


    Daß Steinthor gerade mal zehn Tage nach Sigurlinnis Tod auftaucht, halte ich für keinen Zufall. Und daß Sigurlina dann ausgerechnet in ihrer Trauer von den beiden Bewerbern bedrängt wird, ist auch alles andere als einfühlsam von beiden. Daß sie sich am Ende gegen beide entscheidet (wobei ja Steinthor sie vermutlich weiterhin bedrängen wird :rollen:), ist folgerichtig. Jukki erweist sich denn ja auch als sehr kleinlich und unbarmherzig, als er Sigurlina, die eben ihr Kind verloren hat, nicht mal das Kleid gönnt.




    Ich muß es von einem Autor auch nicht in allen Details erklärt bekommen, aber ich will wenigstens in der Lage sein, begründete Mutmaßungen anzustellen. Und das kann ich hier einfach nicht. Ich sollte wahrscheinlich nicht nach Island auswandern, das könnte ein grundsätzliches Mentalitätsproblem sein :zwinker:


    Ich weiß nicht, ob das die isländische Mentalität ist. Ist das denn bei anderen isländischen Autoren auch so? Ich kenne nur die Krimis von Arnaldur Indriðason als Vergleich, und da verhalten sich eigentlich alle ziemlich begründet...
    Ich denke auch, Laxness spielt ganz gewaltig mit dem Erwartungen seiner Leser und durchbricht und enttäuscht diese bewußt immer wieder. Er stellt absichtlich Gewohntes in Frage. Mir gefällt das. Es bringt mich auch dazu, eigene Schlußfolgerungen zu hinterfragen. Beispielsweise denke ich (wie am Anfang des Buches) "aha, Steinthor ist das Rauhbein mit dem edlen Kern", und später stellt sich heraus, daß es nicht so ist, dann frage ich mich: wie kam ich eigentlich darauf, das zu denken?
    Und dennoch malt Laxness nicht schwarz-weiß. Ich finde, die Personen seiner Geschichten sind fehlbar, aber sie sind menschlich.

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    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

  • Nachtrag:
    An einer Stelle habe ich gestutzt. Und zwar, als Sigurlina zu Steinthor sagt, er hätte "beinahe ein Verbrechen an meinem kleinen Mädchen begangen". Wieso beinahe? Ich dachte eigentlich, er hat es durchaus begangen, wenn hier Vergewaltigung gemeint ist. Will Sigurlina das vielleicht nicht wahrhaben? :gruebel:


    Aldawen


    Tut mir leid, weil ich Euch ja quasi zu diesem Roman „gedrängt“ habe,


    Das braucht dir nicht leid zu tun. :winken:
    Ich zumindest hätte das Buch früher oder später sowieso gelesen.
    Trotzdem schade, daß es dir nicht gefällt und daß du nicht weiter mitliest.

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    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

    Einmal editiert, zuletzt von kaluma ()


  • Spannend fand ich, wie Salka am Ende von Kapitel 17 beim Nachhausekommen die trauernde Frau in der Kammer sieht. "Sie hatte diese Frau noch nie gesehen. Sie sah sie auch später nie wieder." Ich frage mich, wer diese Frau wohl war. Eine Klagefrau? Eine Vision? (Die Isländer glauben doch an Elfen und dergleichen Wesen.) Oder war es Sigurlina oder Steinunn, durch die Trauer so verändert, daß sie Salka fremd erscheint?


    Ich hatte an der Stelle eigentlich auch eher auf eine veränderte Sigurlina getippt. Wo sollte in der Hütte denn wohl noch eine andere Frau herkommen, die Salka in den Jahren nicht aufgefallen wäre? Und dieses völlige Weggetretensein von Sigurlina würde dann auch erklären, warum sie wenig später zur letzten Konsequenz greift.



    Nein. Die Hochzeit wurde wegen Sigurlinnis Krankheit verschoben. Sein Tod hat ja im Gegenteil den Weg für die Hochzeit freigemacht.


    Ich sag's ja: Der Inhalt war nach einem Tag schon wieder quasi aus dem Gedächtnis verschwunden :rollen:



    Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.


    Aber verständlich. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe war von einem rüstigen Vater und einer pflegebedürftigen Mutter die Rede. Er braucht also dringend Hilfe im Haus, und wenn Sigurlina das nicht leisten kann, dann „rechnet“ sich für ihn die Ehe nicht. Reine Menschenfreundlichkeit kann er sich auch nicht leisten.



    Ich weiß nicht, ob das die isländische Mentalität ist. Ist das denn bei anderen isländischen Autoren auch so? Ich kenne nur die Krimis von Arnaldur Indriðason als Vergleich, und da verhalten sich eigentlich alle ziemlich begründet...


    Daß ich hier nicht begründet vermuten kann, ist wahrscheinlich eher ein Problem der Laxness'schen Erzählweise. Daß mir die Mentalität nicht liegt, habe ich auch schon an anderen isländischen Büchern festgestellt. Dank der 1 Jahr=1Land-Challenge der Bookcrosser lese ich ja aus vielen Ländern jeweils mehrere Bücher, wobei ich versucht habe, dabei auch immer möglichst viele Autoren zu mischen, um einen breiteren Eindruck zu bekommen. Mit den Finnen tue ich mich übrigens ähnlich schwer, Ausnahme sind da (bislang) Finnland-Schweden. Auch deswegen mag ich diese Challenge so, es kristallisieren sich zum Teil interessante Lesestrukturen heraus.



    Nachtrag:
    An einer Stelle habe ich gestutzt. Und zwar, als Sigurlina zu Steinthor sagt, er hätte "beinahe ein Verbrechen an meinem kleinen Mädchen begangen". Wieso beinahe? Ich dachte eigentlich, er hat es durchaus begangen, wenn hier Vergewaltigung gemeint ist. Will Sigurlina das vielleicht nicht wahrhaben? :gruebel:


    Das halte ich für sehr wahrscheinlich. Welche Mutter würde sich schon gerne selbst eingestehen, daß der Mann, den sie liebt und als Lebensgefährten betrachtet, ihre Tochter in dem Alter vergewaltigt? Welche Konsequenz würde sie ziehen müssen, wenn sie sich das eingesteht? Und was sollte sie dann tun, zumal in Steinthors Abwesenheit und in diesem abgelegenen Dorf, wo sie immer noch die Fremde ist?



    Trotzdem schade, daß es dir nicht gefällt und daß du nicht weiter mitliest.


    Tja, aber man muß sich einfach auch eingestehen, daß nicht jeder Autor für einen schreibt. Laxness ist es nicht für mich, aber es gibt ja genügend andere :zwinker: