Halldór Laxness - Salka Valka

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 131 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von schokotimmi.

  • Auf alle Fälle warten wir auf Dich. Mir geht's genau wie Dir: Ich habe viel mit Lesen der Beiträge zu tun und komme wenig zum Lesen. Und wenn, dann bin ich immer ganz bedröppelt, weil es manchmal bloß ein Kapitel an einem Abend ist. Und lang sind die ja nun wahrlich nicht.


    Also ich habe auch kein Problem mit dem Warten. Ich kann euch auch gut verstehen, wenn man nicht so richtig mitkommt, dann kommt leicht das Gefühl auf man müßte oder braucht nichts mehr schreiben, aber ich finde es interessant zu lesen, wie ihr das so seht. Die LR so ja auch Spaß machen und das Buch gibt es ja mit dem 2.Teil her, dass ihr wieder "aufschließen" könnt.


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Aber dann darf es Sigurlina von ihrer Seite aus auch als reine Zweckgemeinschaft sehen: dann möchte sie sicher gehen, daß sie im Austausch gegen ihre Arbeitskraft auch versorgt ist, mit Wohnung, Essen, Bleiberecht usw. Und ich denke, sie traut Jukki hier nicht. Wenn er sie mit krankem Kind nicht nimmt, wer sagt, daß er sie nicht beim nächsten Problem wieder hinauswirft... Und außerdem denke ich, daß sie nicht in der Lage ist, solche Bedenken sich selber klarzumachen, und dann noch deutlich zu formulieren. Deshalb hält sie ihn so hin.
    Daß Jukkis Denkweise zeit- und schichttypisch ist, möchte ich mal vorsichtig anzweifeln. Selbst wenn wir Liebe mal außen vor lassen. Auch zu dieser Zeit gab es eine Auswahl an möglichen Ehepartnern, und es gab gegenseitige Achtung und Familienzusammenhalt, man stand einander bei, ohne das kleinlich gegeneinander aufzuwiegen (kenne ich jedenfalls so aus meiner Familiengeschichte, und das waren auch einfache Leute, aber womöglich ist das auch wieder nicht repräsentativ).


    Ich schätze, dass Sigurlina das Prinzip der Versorgung begriffen hat und Jukki durchaus geheiratet hätte. Aber dann kam Steinthor wieder und die Vernunft hat völlig ausgesetzt. So, wie es im Buch steht, hat sich Steinthor gar nicht mehr an Sigurlina rangemacht. Eigentlich hätte Sigurlina merken müssen, dass Steinthor kein Interesse mehr an ihr hat und sie war frei für Jukki. Der Tod des Kindes hat nicht nur Steinthor von der Hochzeit befreit, wie er sagt, sondern auch Sigurlina frei gemacht, da Jukki für kein fremdes Baby mehr aufkommen muss und für Salka ohnehin kaum noch aufkommen muss.
    Sigurlina kommt von Steihnthor nicht los. Nun hat sie hat eine blödsinnige Hoffnung darauf, dass sie den einen nicht mehr braucht, weil der andere wiedergekommen ist.


    Unter Strafe steht es wohl schon, sonst könnte bei Steinthors Rückkehr ja niemand versuchen, mit der Anzeige und der Zuchthausdrohung Druck auf ihn auszuüben. Tatsache ist aber, daß es im Dorf niemanden wirklich interessiert, weil Sigurlina und Salka fremd im Ort sind.


    Unter Strafe stand es. Kurz vor Ende des zweiten Teils, wo ich gerade stecke, steht, dass nach der Vergewaltigung zwei Männer zum Bezirksrichter gerannt sind und Steinthor angezeigt haben.
    Wer hat die Verfolgung Steinthors verhindert? Der Propst, der Mann Gottes! Als der selbst erzählt hat, wie er mit dem Bezirksrichter verhandelt hat, hätte ich dem Mann am liebsten gevierteilt. So, wie es scheint, wollte er seinem Dorf einfach eine Schande durch den Prozess ersparen.


    Was will Steinthor eigentlich? Erleben wir einen isländischen Lolita-Effekt?
    Er wird nach seiner Rückkehr Salka gegenüber sehr deutlich mit dem Ring. Er hat sich nur an die Mutter gehalten, um der Tochter nahe zu sein. Ich denke, dass Sigurlina das gar nicht erfassen kann, dass Steinthor die Tochter mehr liebt als die Mutter. Sie versteht Salka zwar irgendwie als Konkurrentin, aber sie will Steinthor immer noch selber haben und hat bei dessen Rückkehr nicht verstanden, dass sie bei ihm völlig ausgespielt hat und sich die Hoffungen gar nicht machen muss.

    ☞Schreibtisch-Aufräumerin ☞Chief Blog Officer bei Bleisatz ☞Regenbogen-Finderin ☞immer auf dem #Lesesofa


  • Unter Strafe stand es. Kurz vor Ende des zweiten Teils, wo ich gerade stecke, steht, dass nach der Vergewaltigung zwei Männer zum Bezirksrichter gerannt sind und Steinthor angezeigt haben.
    Wer hat die Verfolgung Steinthors verhindert? Der Propst, der Mann Gottes! Als der selbst erzählt hat, wie er mit dem Bezirksrichter verhandelt hat, hätte ich dem Mann am liebsten gevierteilt. So, wie es scheint, wollte er seinem Dorf einfach eine Schande durch den Prozess ersparen.


    Was will Steinthor eigentlich? Erleben wir einen isländischen Lolita-Effekt?
    Er wird nach seiner Rückkehr Salka gegenüber sehr deutlich mit dem Ring. Er hat sich nur an die Mutter gehalten, um der Tochter nahe zu sein. Ich denke, dass Sigurlina das gar nicht erfassen kann, dass Steinthor die Tochter mehr liebt als die Mutter. Sie versteht Salka zwar irgendwie als Konkurrentin, aber sie will Steinthor immer noch selber haben und hat bei dessen Rückkehr nicht verstanden, dass sie bei ihm völlig ausgespielt hat und sich die Hoffungen gar nicht machen muss.


    Das der Probst wohl sein Amt als Mann Gottes missversteht, wurde schon von Anfang an deutlich - aber auch hier sehe ich ihn als typisch an. Ich denke es gab und gibt viele seines Standes die Skandale lieber unter den Tisch kehren als sich zu stellen und damit dem Opfern zu helfen.


    Die Idee mit dem Lolita-Effekt hatte ich z.B. gar nicht - für mich war Salka, nachdem man ungefähr wußte wie alt sie ist, einfach schon mehr Frau als Kind. Irgendwo stand ja auch, dass sie sehr reif für ihr Alter war. Ich glaube, Steinthor war einfach an "hübschem, jungem Fleisch" interessiert, und das Salka da eigentlich noch ein Kind ist sieht er einfach nicht - ihre Selbständigkeit und ihr Handeln (z.B. das Arbeiten) sind ja auch recht Erwachsen und reizen tut sie ihn wahrlich nicht.


    Ich wollte mal noch in die Runde fragen, wer ist denn überhaupt noch dabei?
    kaluma und ich warten auf Bettina und MacOss, Aldawen ist raus - was ist mit dem Rest? Laßt euch nicht von den langen Beiträgen abschrecken, der Zweite Teil lockt als "Neubeginn"! :zwinker:


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich wollte mal noch in die Runde fragen, wer ist denn überhaupt noch dabei?
    kaluma und ich warten auf Bettina und MacOss, Aldawen ist raus - was ist mit dem Rest? Laßt euch nicht von den langen Beiträgen abschrecken, der Zweite Teil lockt als "Neubeginn"! :zwinker:


    Saltanah wird sich die Warterei vermutlich mit anderen Büchern überbrücken :zwinker: Oder tippe ich falsch?
    Von Larissa haben wir gar nichts gehört :gruebel: und Jääkaappi fehlt uns noch. Huhu :winken: Wie sieht es bei Dir aus?

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  • Das der Probst wohl sein Amt als Mann Gottes missversteht, wurde schon von Anfang an deutlich - aber auch hier sehe ich ihn als typisch an. Ich denke es gab und gibt viele seines Standes die Skandale lieber unter den Tisch kehren als sich zu stellen und damit dem Opfern zu helfen.


    Nicht nur dem aktuellen Opfer, sondern auch potenziellen Opfern. Aber so weit hat man vermutlich gar nicht gedacht (heute und damals - mir fällt ein, dass der Missbrauch und die Vertuschung durch die Kirche zwar keine Parallele, aber immerhin einen aktuellen Bezug kriegen). Wenn diese Vergewaltigung unter den Tisch fällt, öffnet man anderen Verbrechen die Tür. Warum soll man sich denn Gedanken machen, wenn hinterher keine Sanktionen zu erwarten sind? Das ist jetzt nicht nur im Fall von Salka so, sondern das ist für mich ein grundsätzliches Problem. Offensichtlich ist es so, dass es Zwei-Klassen-Opfer bzw. Zwei-Klassen-Verbrechen gibt. Nicht gut *kopfschüttel*

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  • Saltanah wird sich die Warterei vermutlich mit anderen Büchern überbrücken :zwinker: Oder tippe ich falsch?


    Oh, nicht nur Saltanah macht es so - auch ich habe eine anderes Buch angefangen, nur 210 Seiten dick, ich lese ja nicht so schnell, aber so wie ich das sehe werd ich es wohl gut schaffen. :breitgrins:


    Nicht nur dem aktuellen Opfer, sondern auch potenziellen Opfern. Aber so weit hat man vermutlich gar nicht gedacht (heute und damals - mir fällt ein, dass der Missbrauch und die Vertuschung durch die Kirche zwar keine Parallele, aber immerhin einen aktuellen Bezug kriegen). Wenn diese Vergewaltigung unter den Tisch fällt, öffnet man anderen Verbrechen die Tür. Warum soll man sich denn Gedanken machen, wenn hinterher keine Sanktionen zu erwarten sind? Das ist jetzt nicht nur im Fall von Salka so, sondern das ist für mich ein grundsätzliches Problem. Offensichtlich ist es so, dass es Zwei-Klassen-Opfer bzw. Zwei-Klassen-Verbrechen gibt. Nicht gut *kopfschüttel*


    Du hast schon recht, somit hat das Unrecht einen Fuss in der Tür. Doch auf die Geschichte bezogen ist es wohl so - hier herrscht nun mal eine 2-Klassen-Gesellschaft. Aber wenn ich meinem Klappentext vertrauen darf, gibt es ja noch einen Umbruch. Ich bin gespannt wie der ausschaut und welche Kritikpunkte wir dann ausmachen werden.


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich bin noch da, und wenn zeitlich alles klappt, wie ich's mir für heute vorgenommen habe, komme ich nachher noch ein, zwei Stündchen zum Lesen und melde mich heute abend noch mal... :winken:

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.


  • Ich bin noch da, und wenn zeitlich alles klappt, wie ich's mir für heute vorgenommen habe, komme ich nachher noch ein, zwei Stündchen zum Lesen und melde mich heute abend noch mal... :winken:


    Wie gesagt kein Stress - wir rechnen fest mit dir! :zwinker:


    Viel Spaß beim Lesen und Grüße
    schokotimmi

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  • Ich wusste ja schon immer, dass ich 'ne Leserunden-Schnecke bin. :rollen:


    Ich habe heute die Kapitel 11 bis 15 gelesen, damit das Erste Buch beendet und die ersten beiden Kapitel des Zweiten Buches gelesen.


    Ich schreibe erst mal meine ungeordneten Gedanken auf, bevor ich mich an Eure Beiträge mache. So gehe ich etwas unbefangener und unvoreingenommener an die Sache und kann meine eigenen Eindrücke sortieren, auch wenn ich möglicherweise das Gleiche schreibe wie ihr. Das Dumme ist nur, dass ich Eure Beiträge zu den Kapiteln, die ich noch nicht kenne, lieber noch nicht allzu genau lesen will und daher nur mit zugekniffenen Augen überfliege - und mir daher möglicherweise doch noch das eine oder andere entgeht...


    Salka und Arnaldur lernen sich nun - wie erhofft :zwinker: - näher kennen, und trotz all' ihren anfänglichen Raufereien ist schon die erste Zuneigung erkennbar. Was sich liebt, das neckt sich halt. :breitgrins: Während das ja noch dem Titel des Ersten Buches ("Die Liebe") gerecht werden mag, ist das, was sich zwischen Sigurlina und Steinthor abspielt, beileibe nicht mehr als Liebe zu verstehen. Aber was soll Sigurlina machen, sie befindet sich in einem ziemlichen Abhängigkeitsverhältnis zu dem groben und ungehobelten Trinker, der zudem auch noch ein Auge auf ihre Tochter geworfen hat.


    Sigurlina, strenggläubig wie sie ist, weiß sich offenbar nicht anders zu helfen, als sich der Glaubensgemeinschaft zu offenbaren, und sie gibt ausführlich Auskunft über ihre und Salkas Situation und die Gründe und die Umstände, wie und warum sie in Oseyri gestrandet sind. Wahrlich keine beneidenswerten Lebensumstände. Natürlich steht hier auch wieder der stark religiöse Anstrich und Duktus im Vordergrund, aber ich vermute, dass tut Laxness nur, um dem Leser später im Buch zu zeigen, dass Gottvertrauen eben nicht das Allheilmittel in unglücklichen Lebenslagen ist. Anklänge hat es ja schon gegeben, und auch Salka beginnt im Zweiten Buch, immer stärker an der Gerechtigkeit Gottes zu zweifeln.


    Mit Steinthor und Salka kommt es schließlich, wie es sich ja schon angedeutet hat: Eines Abends, mal wieder schwer alkoholisiert, vergeht er sich an ihr und haut anschließend ab, bevor er dingfest gemacht werden kann. Wie heißt es so bitter im Buch: "Dies war die erste persönliche Erfahrung, die Salka Valka mit der Liebe machte."


    Mit Beginn des Zweiten Buches sind zwei Jahre vergangen, Salka und Arnaldur werden größer und kommen in die Pubertät. Leider nur scheint sich der Junge in die eingebildete Tochter des Kaufmanns Bogesen zu vergucken, die ihm schöne Augen macht, ihn aber letztlich nur benutzt, um über ihn an Zigaretten und Branntwein zu gelangen. Aber verliebte Jungs schalten nun mal jeden Verstand aus. Kein Wunder, dass Salka rasend eifersüchtig wird. Schade nur, dass Verhältnis zueinander so einen tiefen Riss bekommt, als sie bei ihm zu Hause mit ihm spricht und sie sich gegenseitig schlimme Sachen an den Kopf werfen: Sie wirft ihm vor, der Kaufmannstochter nachts Branntwein zu bringen, während er ihr unschönerweise ihre uneheliche Abstammung vorhält, und sowieso wisse ja das ganze Dorf, was damals zwischen Steinthor und ihr passiert sei.


    Kein schöner Moment, um das Buch wegzulegen. Ich bin allmählich ganz eingenommen von der Geschichte. Sie birgt offenbar einiges an Dramatik und zwischenmenschlichen Konflikten. Sowas mag ich. :breitgrins: Und auch Laxness' Schreibweise bzw. das, was Hubert Seelow in der deutschen Übersetzung draus gemacht hat, finde ich sehr angenehm. Bei dem Buch eines isländischen Nobelpreisträgers habe ich härteren Stoff erwartet... :zwinker:



    ich habe nun auch das erste Buch zuende gelesen, was für ein hartes Ende das war, aber auch abzusehen.
    Ich bin gespannt wie Salka sich nun weiter verhält und die Sache verarbeitet. Ob ihre Offenheit und Ehrlichkeit dadurch leidet?
    Außerdem würde mich interessieren wie sich die Mutter verhält, ob sie nun endlich mal Schuldgefühle ihrer Tochter gegenüber bekommt.


    Schuldgefühle ihrer Tochter gegenüber wird sie bestimmt haben. Aber ich halte Sigurlina für zu schwach, dies auch zuzugeben oder Salka gar um Vergebung zu bitten. Ihr dürfte aber durchaus klar sein, was sie ihrer Tochter alles zumutet.



    Ich tendiere dazu, Bogesen kritisch zu sehen. Zwar hilft er hier Salka (die aber für ihr neues Kleid einen hohen Preis bezahlen wird, falls ich Steinthors Reaktion darauf richtig deute), aber das kann er sich gut leisten, noch dazu, als es ihn wirklich nichts kostet. Ein abgelegtes Kleid seiner Tochter. Ich denke mal, er stellt sich hier als ein Gönner dar, vor allem vor sich selbst und sonnt sich in seiner Großzügigkeit.



    Bogesen ist für mich ein typischer Kapitalist - sein ausgeklügeltes Kreditsystem macht alle im Dorf abhängig - wer verdient denn schon Geld um diesen Ort zu verlassen? Alle Leben nur so gut wie es Bogesen zuläßt, von Freiheit keine Spur.
    Da helfen in meinen Augen auch kleine Spenden (wie ein altes Kleid für Salka) nichts.


    Ich weiß immer noch nicht, was ich von Bogesen halten soll. Seine Figur ist ziemlich ambivalent angelegt, und das meiste (Schlechte) erfährt man ohnehin nur aus den Mündern der Dorfbewohner - und von denen haben die wenigsten eine hohe Meinung von ihm, abgesehen vielleicht von Eyolfur. Mich würde es nicht wundern, wenn Bogesen sich am Ende als einer der wenigen anständigen Menschen im Dorf entpuppt.


    Schwer zu sagen, was es ist, (...)


    So lese ich Seite um Seite vor mich hin, ohne daß mein Interesse, was aus den Leuten wird, irgendwie wächst. Sie könnten allesamt auf der nächsten Seite tot umfallen, und ich würde den Roman einfach erleichtert zuklappen.


    Seltsam - das ist bei mir genau umgekehrt. Ich kann's mittlerweile kaum mehr erwarten zu wissen, wie's mit den Dorfbewohnern weitergeht, insbesondere mit Salka und Arnaldur. :zwinker:


    Ich kann das auch verstehen, aber meist geht es mir hier ähnlich wie kaluma - es ist auch mal nett, nicht genau zu wissen warum die Leute dies oder das sagen oderausführen. Bei meinem ersten Laxness hatte ich auch ein wenig Probleme damit (konnte aber nicht genau auf den Punkt bringen, was mich gestört hat), doch nun mag ich den Stil und freue mich über diese Geschichte.


    Jetzt, wo Ihr das so sagt, kann ich das auch für mich bestätigen. Mein Gefühl ist ein ganz ähnliches. Auch ich mag diese Ungewissheit oder auch das Gefühl, nicht immer zu wissen, woran ich bei den handelnden Personen bin.


    Steinthor wird uns wieder begegnen, glaube ich. Dafür ist er eine zu starke Feindfigur, als dass man die ziehen lässt. Ich bin sehr neugierig darauf, wie Salka damit umgehen wird. Sie wird immer stärker und entschlossener.


    Damit rechne ich auch fest. Und ich erwarte Dramatisches. :zwinker:



    Kaluma hat angemerkt, dass die Mutter die Tochter nicht geschützt hat. Ich frage mich jedoch, wie sie das hätte machen können. Ich schätze Sigurlina so ein, dass sie eine Vergewaltigung nie für möglich gehalten hätte. Sie glaubt, wenn sie Steinthor wegen der Schwangerschaft und des Zusammenlebens zur Heirat bringt und ihre Tochter reichlich ausschimpft, erledigt sich das Thema von selber. Sie kann oder will nicht begreifen, dass der Mann hochgefährlich ist. Vielleicht ist sie vor missverstandener Liebe auch zu blind dazu.


    Wie gesagt - ich halte Sigurlina für eine äußerst schwache und einfältige Frau. Aber dass sie nicht hat kommen sehen, was Steinthor mit ihrer Tochter vorhat, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Vielleicht wollte sie es nur nicht sehen.


    --------------


    So, morgen geht's (hoffentlich) weiter. Ich merke, dass mir lange Lesepausen nicht guttun. Und schließlich will ich doch nun erst recht wissen, wie's weitergeht. Habe ich doch durch meine Augeschlitze beim Lesen Eurer Beiträge ein wenig von dem erhaschen können, was mich noch erwartet... :smile:


    Viele Grüße
    M.

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    Einmal editiert, zuletzt von MacOss ()

  • Hallo MacOss,


    wenn ich deinen Beitrag so lese, mit dem Wissen was alles folgen wird, dann beneide ich dich auch ein wenig, dass du es noch vor dir hast. Das 2. Buch ist wirklich mit vielen tragischen Momenten gespickt. Aber nicht alle deine Fragen werden schon beantwortet.


    Besonders deine Meinung bzw. Erwartung zu Bogesen hat mich nachdenken lassen - ich bin mal gespannt wie sich dieser Charakter weiterentwickelt. Ich hoffe dazu erfahren wir im 2. Teil mehr.


    Sigurlina als "schwach" zu bezeichnen gefällt mir gut, das ist auch meine Meinung von ihr. Ich habe schon überlegt ob sie irgendeinen Komplex oder so hat, dass sie immer den falschen Männer verfällt?!


    Ich würde behaupten, du wirst es schwer haben, dass Buch die nächsten 8 Kapitel wegzulegen...


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Ich würde behaupten, du wirst es schwer haben, dass Buch die nächsten 8 Kapitel wegzulegen...


    Na, das hört sich doch gut an. :smile:
    Ich fahre am Sonntag übrigens mit der Bahn nach Hamburg (und abends wieder zurück) - das bedeutet hin und zurück jeweils knapp zwei Stunden Lesezeit. :breitgrins:

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  • MacOss hat Recht, Sigurlina ist schwach und einfältig ...
    Geht die Frau ins Wasser *kopfschüttel*


    Wobei ich ihr für die Einfältigkeit keinen Vorwurf machen möchte. Ich frage mich immer, wie clever und klug man werden kann, in einem Ort mit einer Handvoll Einwohnern, ziemlich abgeschnitten vom Umland, die Hauptstadt Tagesreisen weit weg und tagein tagaus nur Arbeit, um leben zu können. Man kennt nur seine Nachbarn, es gibt kein frisches Blut im Sinne von neuen Eindrücken, neuen Leuten, vielen Nachrichten, einigen Reisen an andere Plätze. Die Schule bringt einem nur das Nötigste bei und in so einer Welt ist alles ganz großartig, was behaupten kann, von woanders zu kommen oder mal woanders gewesen zu sein. Die Regeln schreibt das Überleben und entscheident ist, wie man Wolle bearbeitet, Fisch putzt, aufhängt, wie man Socken flickt etc.


    Die Schwäche allerdings wurde ihr zum Verhängnis, nicht unbedingt die Einfalt. Ich glaube, Sigurlina wäre _immer_ an die falschen Männer geraten. Steinthors Verhalten gab den Ausschlag, der Tod des Kindes aber dürfte den Hauptanteil ausmachen an ihrem Selbstmord. Sie hat immerhin die Schuhe mitgenommen, ein Andenken an das Kind und an Steinthor gleichermaßen. Ein trauriges Ende und der Hammer für mich war, dass Salka die Beerdigung zahlen muss. Immerhin hat sie das Geld ja. Aber ich frage mich, wozu Eyolfur die ganze Zeit Sigurlinas Kirchenbeitrag bezahlt hat!


    Der Arzt war bei der Leichenschau mal wieder auf eine Trip :spinnen:

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  • Hallo,


    ich habe noch nicht weitergelesen, aber noch einige Kommentare:

    Daß es hier außer der Heilsarmee und Steinthor keine Möglichkeit gab, sehe ich hier auch so. Aber inwiefern Salka davon profitiert hat ... Sicher, sie hat einen festen Platz bei Steinunn und Eyolfur, sie kann zur Schule gehen und sogar nebenher ein bißchen arbeiten und ein Konto „ansparen“, aber das wiegt die Erfahrung mit Steinthor ja sicher nicht auf. Von daher würde ich sagen, daß Salka den höchsten Preis bezahlt hat.


    Nein.
    Salka hat insofern profitiert, als sie dann einen Platz zum Leben hatte und nicht direkt verhungert oder erfroren ist. Wie die Dinge mit Steinthor sich weiter entwickeln würden, konnte Sigurlina ja ganz am Anfang wirklich noch nicht absehen.
    Den höchsten Preis hat Sigurlina dann bezahlt, nämlich mit ihrem Leben.



    Nun aber muss ich mit ihm denn wirklich ins Bett steigen - hatte sie an dieser Stelle nicht den Hauch einer Wahl?! Also ich meine die hätte sie gehabt.


    Hatte Steinthor an dieser Stelle eine Wahl? - ich meine, vor allem er hätte eine Wahl gehabt.


    Ich teile McOss´Einschätzung. Ich sehe Sigurlina die ganze Zeit schon als eine schwache, nicht besonders intelligente Frau. (Daß Salka stärker ist, ist ein glücklicher Umstand.)
    Sigurlina ist für mich viel stärker als ein Opfer der Umstände als alle anderen in diesem Buch. Besonders viel Bildung hat sie bestimmt nicht bekommen in ihrem Leben. Es stimmt, sie macht Fehler. Aber sie bezahlt teuer für ihre Dummheit.


    Steinthor dagegen hat viel mehr Freiheitsgrade. Er könnte an vielen Stellen anders entscheiden.


    Wenn wir mal die Verfehlungen der beiden betrachten:
    Was tut Sigurlina?
    - Sie kauft sich Kleidung von Salkas Geld.
    - Sie will Jukki nicht heiraten und sagt ihm das nicht klar.
    Was tut Steinthor?
    - Er nutzt ihre Notlage aus, um Sigurlina in sein Bett zu kriegen.
    - Er ist gewalttätig (z.B. schlägt Sigurlina zu Boden).
    - Er vergewaltigt ein Kind.
    - Er entzieht sich der Verantwortung für sein Kind (ok vielleicht war es nicht seins, aber das hat er ja nicht in Frage gestellt).


    Nein, Steinthor ist für mich ein völlig anderes Kaliber als Sigurlina.


    Eigentlich wollte ich mich da nicht mehr so hineinsteigern. Schließlich gibt es noch andere Personen im Buch. Aber Sigurlina geht mir nicht aus dem Kopf.



    Ich bin allmählich ganz eingenommen von der Geschichte. Sie birgt offenbar einiges an Dramatik und zwischenmenschlichen Konflikten. Sowas mag ich. :breitgrins: Und auch Laxness' Schreibweise bzw. das, was Hubert Seelow in der deutschen Übersetzung draus gemacht hat, finde ich sehr angenehm. Bei dem Buch eines isländischen Nobelpreisträgers habe ich härteren Stoff erwartet... :zwinker:


    Ich vermute du meinst hier die Lesbarkeit? Denn harter Stoff ist es meiner Meinung nach schon - es steckt jede Menge Dramatik drin, wie du selber sagst.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • Ich fahre am Sonntag übrigens mit der Bahn nach Hamburg (und abends wieder zurück) - das bedeutet hin und zurück jeweils knapp zwei Stunden Lesezeit. :breitgrins:


    Oh! Ich schätze, danach ist McOss uns allen viele Kapitel weit voraus und wir werden ihn nie wieder einholen. :zwinker:



    Ich weiß immer noch nicht, was ich von Bogesen halten soll. Seine Figur ist ziemlich ambivalent angelegt, und das meiste (Schlechte) erfährt man ohnehin nur aus den Mündern der Dorfbewohner - und von denen haben die wenigsten eine hohe Meinung von ihm, abgesehen vielleicht von Eyolfur. Mich würde es nicht wundern, wenn Bogesen sich am Ende als einer der wenigen anständigen Menschen im Dorf entpuppt.


    Ein interessanter Gedanke! Auch ich habe ja bei ihm eine gewisse soziale Verantwortung ausmachen können - aber einer der wenigen anständigen Menschen? Ich weiß nicht recht. Mal abwarten.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • Nein.
    Salka hat insofern profitiert, als sie dann einen Platz zum Leben hatte und nicht direkt verhungert oder erfroren ist. Wie die Dinge mit Steinthor sich weiter entwickeln würden, konnte Sigurlina ja ganz am Anfang wirklich noch nicht absehen.
    Den höchsten Preis hat Sigurlina dann bezahlt, nämlich mit ihrem Leben.


    Nein, das konnte Sigurlina nicht wissen. Aber trotzdem bezahlt Salka m. E. den höchsten Preis. Sie ist nämlich nicht schwach genug, sich der widerlichen und demütigenden Erfahrung mit Steinthor durch Selbstmord zu entziehen, obwohl sie mindestens soviel Grund dazu hätte wie ihre Mutter. Statt also den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, wird sie dieses Erlebnis ihr Leben lang mit sich herumschleppen, und deshalb sage ich, daß sie den höchsten Preis bezahlt. Es ist zu jener Zeit und in einer solch abgelegenen Gegend natürlich noch nicht en vogue von Traumatisierung zu sprechen und zugegebenermaßen wirkt Salka auch nicht so – etwas, was ich Laxness im übrigen schon ankreide: Ich finde durchaus, er geht da zu locker-flockig drüber hinweg –, was ja aber nicht heißt, daß sie es nicht ist.


  • Sie ist nämlich nicht schwach genug, sich der widerlichen und demütigenden Erfahrung mit Steinthor durch Selbstmord zu entziehen, obwohl sie mindestens soviel Grund dazu hätte wie ihre Mutter. Statt also den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, wird sie dieses Erlebnis ihr Leben lang mit sich herumschleppen, und deshalb sage ich, daß sie den höchsten Preis bezahlt.


    Ach so war das gemeint. Jetzt verstehe ich es. Wobei man noch überlegen kann, ob Selbstmord wirklich der Weg des geringsten Widerstandes ist. Für Salka meiner Meinung nach nicht - sie möchte leben und ist voller Lebenskraft, und ihr Lebenswille wird durch die Mißbrauchserfahrung nicht zunichte gemacht. (es wäre ja auch noch schöner, wenn Steinthor diese Macht über sie hätte!!)



    Es ist zu jener Zeit und in einer solch abgelegenen Gegend natürlich noch nicht en vogue von Traumatisierung zu sprechen und zugegebenermaßen wirkt Salka auch nicht so – etwas, was ich Laxness im übrigen schon ankreide: Ich finde durchaus, er geht da zu locker-flockig drüber hinweg –, was ja aber nicht heißt, daß sie es nicht ist.


    Daß Laxness darüber in heutigen Kategorien denkt und schreibt, können wir nicht erwarten. Ich finde auch nicht, daß er darüber hinweggeht - siehe Salkas Reaktion, als Arnaldur die Sprache auf das Thema bringt.
    Ich denke, Salka verdrängt ihr Trauma im Alltagsleben ganz massiv und das tun ja viele Mißbrauchsopfer.
    Ich bin gespannt, ob dieses Thema im zweiten Teil noch eine Rolle spielt.

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  • Daß Laxness darüber in heutigen Kategorien denkt und schreibt, können wir nicht erwarten. Ich finde auch nicht, daß er darüber hinweggeht - siehe Salkas Reaktion, als Arnaldur die Sprache auf das Thema bringt.
    Ich denke, Salka verdrängt ihr Trauma im Alltagsleben ganz massiv und das tun ja viele Mißbrauchsopfer.
    Ich bin gespannt, ob dieses Thema im zweiten Teil noch eine Rolle spielt.


    Ich stimme kaluma auf jeden Fall zu - Laxness geht nicht darüber hinweg, ich finde er hat das typisch dargestellt. Salka verdrängt durch ihre Stärke und ihren Lebenswillen dieses "Trauma", aber tief im inneren brodelt es. Die Szene mit Arnaldur sagt da wirklich vieles!


    Viele Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%


  • Ich vermute du meinst hier die Lesbarkeit? Denn harter Stoff ist es meiner Meinung nach schon - es steckt jede Menge Dramatik drin, wie du selber sagst.


    Ja, mit dem "harten Stoff" meine ich die Lesbarkeit. Dem ist glücklicherweise nicht so, das Buch liest sich recht flüssig. Und der Inhalt, ja, der hat sich ja schon gegen Ende des Ersten Buches ziemlich dramatisch entwickelt. Die humorvollen Einsprengsel sind jedenfalls seltener geworden...

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  • Wollt nur mal kurz was sagen - ich verspreche, ich halte mich danach wieder raus aus eurer Leserunde...


    Ich hab Herrn Seelow euren schönen Gruß ausgerichtet und gesagt, dass ihr sehr begeistert von seiner Übersetzung seit. Putzig - der ist vor Stolz glatt 10cm gewachsen!
    Schönen Gruß zurück und Danke schön!

    [center]If I could go back in time, wouldn&#39;t change a damn thing in my life. Love the dumb things we do when we&#39;re young, but the best is yet to come...<br />[/center]

  • Das ist ja schön. :smile: Danke, Cemetry. :winken:
    Und vielleicht ist Herr Seelow jetzt neugierig geworden und schaut auch mal hier vorbei. :zwinker:

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