Halldór Laxness - Salka Valka

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 131 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von schokotimmi.

  • Du hast das wirklich gemacht Cemetry?? Wie schön - danke!
    Ich kann mir vorstellen, daß man sich als Übersetzer über so eine positive Rückmeldung von den Lesern freut, da das Übersetzen ja eine ziemlich mühselige und einsame Angelegenheit ist (denke ich mir jedenfalls).


    LG, kaluma

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.


  • Wollt nur mal kurz was sagen - ich verspreche, ich halte mich danach wieder raus aus eurer Leserunde...


    Hiergeblieben :stillgestanden:



    Ich hab Herrn Seelow euren schönen Gruß ausgerichtet und gesagt, dass ihr sehr begeistert von seiner Übersetzung seit. Putzig - der ist vor Stolz glatt 10cm gewachsen!
    Schönen Gruß zurück und Danke schön!


    Bist Du eine Mitarbeiterin?
    Das wäre ja noch was und gegen eine Übersetzer-begleitete Leserunde habe ich gleich auch nichts einzuwenden :zwinker:


    Mal eine Frage: Haben sich Seelow und Laxness gekannt? :gruebel: Ich komme nur drauf, weil ich in einem Nachwort gelesen habe, dass sich Laxness selbst bei deutschen Übersetzungen engagiert hat. Ich muss nur in den Keller gehen und schauen, in welchen Buch das stand und wer das Nachwort geschrieben hat.
    Und Laxness verstarb 1998, das ist nur 12 Jahre her.


    Bin mal eben im Keller ...

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  • ... bin aus dem Keller wieder zurück. :winken:


    Ich bin fündig geworden und ich freue mich über mich selber, weil ich das zumindest teilweise noch im Kopf hatte und auch mit dem Tipp (fast) richtig lag, in welchem Buch ich suchen muss. Ich zitiere aus dem Nachwort von: Die Islandglocke, Steidl Verlag, Übersetzung und Nachwort Hubert Seelow, ISBN 3-88243-794-4


    Zitat

    Die neue deutsche Übersetzung der Islandglocke ist in dem Jahr, in dem Halldór Laxness seinen neunzigsten Geburtstag feiern konnte, entstanden. Der Übersetzer möchte diese Arbeit auch als Beitrag zu diesem Jubiläum verstanden wissen, als kleines Zeichen der Dankbarkeit für die langjährige Freundschaft mit Halldór und Audur Laxness und in der Hoffnung, dass die Islandglocke im neuen deutschen Gewand ihren Lesern noch mehr Freude bereiten möge als bisher.


    :ohnmacht: Ich bin einen Moment sprachlos :zwinker:


    Auch von mir herzliche Grüße an Herrn Seelow, denn ich glaube, die gute Übersetzung macht sehr viel aus!! Schließlich ist der Stil - jedenfalls für mich - ein besonderer Baustein bei den Laxness-Büchern, die wir hier lesen.

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  • Hi,


    jetzt bin ich aber baff! Das ist ja toll, dass du Grüße ausrichtest an den Übersetzer. Wäe ja was, wenn er hier reinschauen würde. Er ist herzlich eingeladen.


    Wenn sie sich persönlich gekannt haben, konnten sie bestimmte Aspekte der Übersetzung ja sicher abstimmen und diskutieren. Also mich würde das schon interessieren. Ich habe noch nie mit literarischen Übersetzern zutun gehabt.


    Nochmal danke cemetry!


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Bist Du eine Mitarbeiterin?
    Das wäre ja noch was und gegen eine Übersetzer-begleitete Leserunde habe ich gleich auch nichts einzuwenden :zwinker:


    Mal eine Frage: Haben sich Seelow und Laxness gekannt? :gruebel: Ich komme nur drauf, weil ich in einem Nachwort gelesen habe, dass sich Laxness selbst bei deutschen Übersetzungen engagiert hat. Ich muss nur in den Keller gehen und schauen, in welchen Buch das stand und wer das Nachwort geschrieben hat.
    Und Laxness verstarb 1998, das ist nur 12 Jahre her.


    Nein, Seelow ist mein Professor. Ich studiere Nordische Philologie in Erlangen und Seelow unterrichtet Altnordisch, Sprachwissenschaft und alte Literatur. Und ich bin jedes Mal wieder beeindruckt, wie viel dieser Mann weiß!


    Ob er Laxness gekannt hat oder nicht - weiß ich nicht. Ich kann ja mal fragen.


    Aber ja, ich hab die Grüße wirklich ausgerichtet. Wieso auch nicht. Ich weiß ja auch, wie gerne man für sowas gelobt wird - und das wollte ich mir nicht nehmen lassen...

    [center]If I could go back in time, wouldn&#39;t change a damn thing in my life. Love the dumb things we do when we&#39;re young, but the best is yet to come...<br />[/center]


  • Ob er Laxness gekannt hat oder nicht - weiß ich nicht. Ich kann ja mal fragen.


    Den Nachwort nach zu urteilen, das ich oben zitiert habe: Ja. :smile:



    Bist Du eine Mitarbeiterin?


    Wäre ja möglich gewesen... Ich hatte ein bisschen gegoogelt und eine räumliche Nähe zwischen Herrn Seelow und Dir ausgemacht und dann meine Schlüsse gezogen. Naja, die falschen :breitgrins:

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    Einmal editiert, zuletzt von Bettina ()

  • :winken: ,


    nachdem ich nun aus meinem Frühjahrsloch, in dem es mir nur möglich war, leichte Lektüre (Fantasy) zu lesen, aufgetaucht bin, kann ich mich endlich wieder unserer Salka Valka widmen. Ich habe heute morgen Teil 1 beendet.



    Bei der Rede Bogesens auf diesem Fest hatte ich dann auch einen Durchhänger, gebe ich zu. Das war für mich die erste Länge des Buches.
    Witzig - oder eher zynisch - ist die Stelle, wo er sagt, einmal im Monat komme ein Schiff, also könnten doch alle fast immer reisen, wohin sie wollten. Einmal im Monat ist also fast immer, aha.


    Einmal im Monat ist tatsächlich fast immer - zumindest wenn man es mit den Bedingungen vor Einrichtung der Verbindung vergleicht. (Ob man sich die Reise dann leisten kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt.) Mich erinnerte diese Stelle an ein letzthin gelesenes Buch aus Tuvalu, in dem der Autor (ein Einheimischer) den Fortschritt der letzten Zeit lobend beschreibt. Jetzt (80er Jahre) kommt doch tatsächlich wöchentlich ein Flieger aus Australien.
    Ich fand Bogesens Rede hochinteressant, da sie einen Eindruck der Veränderungen der letzten Jahrzehnte gibt.



    Vermutlich wollte Jukki sich nicht mit einem kranken Kind belasten, das nicht seins ist, aber den Großteil der Zeit und Kraft seiner neuen Frau beansprucht, und evtl. noch eine Infektionsgefahr darstellt. Netter Mann, dieser Jukki.


    Aldawen hatte ja schon gut beschrieben, dass man hier nicht unbedingt in den Bahnen von romantischer Liebe denken darf. Diese kommt zwar auch vor (Sigurlina -> Steinthor, Steinthor -> Salka), aber eine Ehe ist doch in erster Linie eine Zweckgemeinschaft; notgedrungen, denn wer so sehr am Existenzminimum (oder darunter) lebt, kann sich keinen unproduktiven Partner leisten. Allerdings habe ich mich gefragt, ob wirklich nur Jukki für die Aufschiebung der Ehe verantwortlich ist, oder ob nicht doch Sigurlina die Krankheit als Vorwand dazu genutzt hat, weil sie vielleicht immer noch hoffte, Steinthor würde zurückkehren.



    Sigurlina hätte also den Heimatort bekommen, in dem sie ohnehin ist. Salka meinte ja schon, dass der Ort sie jederzeit wieder in den Norden zurückschicken könnte.


    Die Sache mit dem Heimatort ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es für uns LeserInnen ist, den kulturellen Hintergrund eines Buches zu kennen. Da Sigurlina als Zugezogene kein Heimatrecht in dem Ort hat, befindet sie sich in ständiger Gefahr "ausgewiesen" zu werden, solange sie sich das Heimtrecht nicht irgendwie erwirbt. Das ist natürlich mit ein Grund dafür, wieso sie sich auf Jukkis Werben einlässt. Leider weiß ich nicht, ob sie das Heimatrecht, wie jemand hier vermutete, durch die Geburt ihres Sohnes erst mal sicherte, kann mir das aber gut vorstellen. Da der Junge aber so kränklich ist (und dann ja tatsächlich stirbt), kann sie sich auf seine "Hilfe" nicht verlassen.
    Anmerken möchte ich hier noch - es hat zwar niemand direkt gesagt, klingt in manchen Beiträgen aber durch - dass Sigurlina ja nicht auf der faulen Haut liegt, sondern durchaus arbeitet, wenn auch keine "Erwerbsarbeit" leistet. Sie schmeißt ja mittlerweile den Hof von Eyjolfur und Steinunn und sorgt so für deren und ihren eigenen Lebensunterhalt. Allerdings ist auch dies eine ständig gefährdete Position. Was passiert, wenn Eyjolfur stirbt? Der Hof wird an den nächsten Erben übergeben und sie selbst fliegt raus.
    Wenn sie jetzt statt dessen um Geld zu verdienen/Konto bei Bogesen zu bekommen in der Fischverarbeitung arbeiten würde, stellt sich die Frage, wo sie wohnen soll. Gibt es im Dorf die Möglichkeit, irgendwo zur Miete unterzukommen? Würde das Einkommen reichen, um Miete zu zahlen?



    Sigurlina verbindet mit Gott offensichtlich die Möglichkeit, sich um gar nichts mehr kümmern zu müssen. Selbst schwanger wird sie gegen ihren Willen :rollen: Gegen ihre Vernunft schon, das hat sie richtig erkannt, aber gegen ihren Willen? Entweder macht sie es sich hier verdammt einfach und erduldet Gottes Willen oder sie hat bei ihren Partnern selber immer wieder Gewalt erlebt.


    Dieses Gespräch zwischen Sigurlina und Salka hat es in sich. Natürlich hat Salka recht, wenn sie ihre Mutter kritisiert, die ihre Eigenverantwortung auf Gott abschiebt, aber gleichzeitig zeigt sie auch eine beachtliche Gefühlskälte. Salka urteilt über ihre Mutter hart, zu hart. Sie outet sich hier als klarsichtige Jugendliche, die aber noch nicht genug Lebenserfahrung hat, um zu verstehen, wieso Menschen nicht immer so handeln, wie es eigentlich am vernünftigsten wäre. Ich erinnere mich da an einige Gespräche mit meinen Eltern, in denen ich mich damals ziemlich daneben benommen habe :redface: .



    Das einzige, was mich jetzt wirklich noch interessieren würde: Wo ist Arnaldurs Brief abgeblieben? Hat Steinthor ihn aus dem Mieder gezogen, als er wieder zudringlich wurde?


    :pling: Natürlich! Steinthor hat den Brief gelesen. Deswegen ist er also abgereist. Er hat nämlich verstanden, dass Salka wegen Arnaldur so glücklich war und dass er selbst bei ihr wirklich keine Chance gegen so einen flotten Jüngling hat.



    Salka steht nun also da und die Aktion vom Probst ist ja dann wohl die Härte. Sie darf für die Beerdigung aufkommen, super. Und dann bekommt der Pfarrer nicht mal eine Rede zusammen - das ist echt ein toller Typ. Passt auch zum Auftritt des Arztes am Fundort. Wirklich ne tolle Gegend.


    Hier schließt sich eigentlich ein Kreis, der damit begonnen hatte, dass die "oberen Zehntausend" des Dorfes Sigurlina bei deren Ankunft so grob abweisen. Nun zeigen sie ihr ihren Mangel an Mitgefühl ein letztes Mal. Arzt, Propst und Handelsmann, wobei letzterer hier durch seinen Sohn vertreten wird (und zu Beginn durch seine Frau; er selbst hat ja durchaus eine gewisse, wenn auch nicht ganz selbstlose Hilfsbereitschaft).

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • ... nachdem ich nun aus meinem Frühjahrsloch, in dem es mir nur möglich war, leichte Lektüre (Fantasy) zu lesen, aufgetaucht bin, kann ich mich endlich wieder unserer Salka Valka widmen. Ich habe heute morgen Teil 1 beendet.


    Saltanah, das kann ich gut nachvollziehen :zwinker:
    Ich komme leider etwas zu wenig zum Lesen, um effizient abwechseln zu können und Passendes zur Stimmung zu suchen *seufz*


    Ich stecke gerade im dritten Buch und habe Kapitel 3 beendet.


    Zunächst überrascht mich der Zeitsprung. Nicht, weil er da ist, denn damit hatte ich gerechnet. Aber ich stecke im finsteren Loch und weiß nicht einmal annähernd, wieviel Zeit seit der letzten Szene im zweiten Buch vergangen ist. Es ist die Rede davon, dass die Heilsarmee schon sehr lange weg ist. Man weiß, dass Salka inzwischen Mararbud gehört, d. h., dass die alten Leute beide verstorben sein müssen. Das war es dann aber auch und es gibt keine Hinweise (und ich bin mir sicher, dass ich keine überlesen habe).


    Nun gut, nehmen wir das so hin und denken uns, das sei auch gar nicht wichtig. Denn das Entscheidende ist, dass es im Dorf inzwischen einen Verein gibt, der ein eigenes Budgetziel verfolgt und der Bogesens System zum Kippen gebracht hat.
    In den ersten drei Kapiteln habe ich dem System jedenfalls hinterhergetrauert, weil es offensichtlich das Dorf am Leben hielt. Nun scheint alles hinüber zu sein und dem Dorf insgesamt geht es schlechter. Die soziale Schere scheint weiter offen. Die Abgeschiedenheit, die das Bogesen-System am Leben hielt, gibt es wohl nicht mehr und die Einflüsse von außen werden immer stärker. Für mich sieht es derzeit so aus, als wäre Bogesen tatsächlich ein cleveres soziales System eingefallen, in dem er sozusagen die Buchhaltung für alle übernimmt.


    In Kapitel 3 nimmt er ziemlich deutlich Stellung Salka gegenüber. Mir fielen im Gespräch zwei Dinge auf. Zum einen, dass er Salka trotz aller Kritik an ihrem modernen Auftreten und ihrem Dasein als Frau als ebenbürtigen Gesprächspartner versteht. Einer anderen Frau gegenüber oder anderen Dorfbewohnern hätte er sich sicher nicht so detailliert geöffnet. Zum anderen scheint die Behauptung zu stimmen, dass er sich nicht gerade dumm und dämlich verdient hat in den Jahren zuvor. Wenn er Salka einen Blick in die Geschäftsbilanzen anbietet, scheint mir die Behauptung zu stimmen... Er hat nicht am Hungertuch genagt, aber Schulden hat er wohl wirklich. Oder habe ich was übersehen? Das Buchhaltungssystem, das er für das Dorf betrieben hat, kann ja nicht komplett unabhängig von seinen eigenen Geschäften gelaufen sein. Während er Schulden gemacht hat, konnte er dem Dorf selbiges ersparen?


    Einmal im Monat ist tatsächlich fast immer - zumindest wenn man es mit den Bedingungen vor Einrichtung der Verbindung vergleicht. (Ob man sich die Reise dann leisten kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt.) Mich erinnerte diese Stelle an ein letzthin gelesenes Buch aus Tuvalu, in dem der Autor (ein Einheimischer) den Fortschritt der letzten Zeit lobend beschreibt. Jetzt (80er Jahre) kommt doch tatsächlich wöchentlich ein Flieger aus Australien.
    Ich fand Bogesens Rede hochinteressant, da sie einen Eindruck der Veränderungen der letzten Jahrzehnte gibt.
    ...


    :pling: Natürlich! Steinthor hat den Brief gelesen. Deswegen ist er also abgereist. Er hat nämlich verstanden, dass Salka wegen Arnaldur so glücklich war und dass er selbst bei ihr wirklich keine Chance gegen so einen flotten Jüngling hat.


    Das Immer ist wohl eine Frage der Perspektive. Für so ein Dorf ist das Schiff der Draht zur Außenwelt, denn ich habe im ganzen Buch bisher noch nie über einen Landweg dorthin gelesen. Einmal im Monat ist dann insofern viel, weil es überhaupt dieses Schiff gibt. Wer gehen will, der hat die Möglichkeit, aber offensichtlich reicht ein Schiff für die paar Hanseln auch, weil man gar nicht sieht, was man woanders soll. Die, die es gerne mal tun würden, haben kein Geld dafür und alle anderen müssen einfach arbeiten. Wenn man nicht weiß, was woanders los ist, kann man auch nichts vermissen.


    Steinthor ist abgehauen, weil er etwas kapiert hat? Ich finde Deine Interpretation gut; das hätte ich nie so gesehen, weil ich Steinthor für viel zu verbohrt ind ieser Hinsicht halte. Ich habe ihn insgeheim noch auf einer Wellenlänge wie Sigurlina. Sie hat nie verstanden, dass die Steinthor nicht gewinnen wird, Steinthor hat nie verstanden, dass er Salka nie gewinnen wird.
    Ich warte darauf, dass der Typ wieder aufkreuzen wird. Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass der tatsächlich vollständig und komplett weg sein sollte.

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  • Einmal im Monat ist tatsächlich fast immer - zumindest wenn man es mit den Bedingungen vor Einrichtung der Verbindung vergleicht.


    Also kann man wohl davon ausgehen, daß es keinen Landweg vom Dorf weg gibt? Ich weiß nicht, wie die Entfernungen in Island sind, und wie unwegsam das Gelände - sonst könnte man sich ja auch zu Fuß oder mit einem Pferd, Pferdeschlitten oder dergleichen aufmachen in Richtung Hauptstadt oder nächste größere Stadt (falls vorhanden). Aber davon ist seltsamerweise nie die Rede.



    Die Sache mit dem Heimatort ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es für uns LeserInnen ist, den kulturellen Hintergrund eines Buches zu kennen. Da Sigurlina als Zugezogene kein Heimatrecht in dem Ort hat, befindet sie sich in ständiger Gefahr "ausgewiesen" zu werden, solange sie sich das Heimtrecht nicht irgendwie erwirbt.


    Über den kulturellen Hintergrund kann man ja zum Glück nachlesen. Ich finde diese Form des Heimatrechts auch völlig logisch, zumal es sich zu der Zeit ja nicht um einen selbständigen Nationalstaat handelte. Nicht ganz klar ist mir, ob man das Heimatrecht auch ganz verlieren kann, konkret: ob Sigurlina das Heimatrecht in ihrem Heimatort im Norden verloren hat, weil sie ja "davongejagt" wurde.



    Anmerken möchte ich hier noch - es hat zwar niemand direkt gesagt, klingt in manchen Beiträgen aber durch - dass Sigurlina ja nicht auf der faulen Haut liegt, sondern durchaus arbeitet, wenn auch keine "Erwerbsarbeit" leistet. Sie schmeißt ja mittlerweile den Hof von Eyjolfur und Steinunn und sorgt so für deren und ihren eigenen Lebensunterhalt.


    Ja, das wird ja im Buch ziemlich deutlich gesagt.



    Wenn sie jetzt statt dessen um Geld zu verdienen/Konto bei Bogesen zu bekommen in der Fischverarbeitung arbeiten würde, stellt sich die Frage, wo sie wohnen soll. Gibt es im Dorf die Möglichkeit, irgendwo zur Miete unterzukommen? Würde das Einkommen reichen, um Miete zu zahlen?


    Ich vermute, das geht nicht. Sonst hätte sie es ja von Anfang an so machen können. Die Fischarbeit ist ja nur Saisonarbeit.



    Dieses Gespräch zwischen Sigurlina und Salka hat es in sich. Natürlich hat Salka recht, wenn sie ihre Mutter kritisiert, die ihre Eigenverantwortung auf Gott abschiebt, aber gleichzeitig zeigt sie auch eine beachtliche Gefühlskälte. Salka urteilt über ihre Mutter hart, zu hart. Sie outet sich hier als klarsichtige Jugendliche, die aber noch nicht genug Lebenserfahrung hat, um zu verstehen, wieso Menschen nicht immer so handeln, wie es eigentlich am vernünftigsten wäre. Ich erinnere mich da an einige Gespräche mit meinen Eltern, in denen ich mich damals ziemlich daneben benommen habe :redface: .


    Solche Ansichten sind für Jugendliche absolut normal, ich würde das nicht als Gefühlskälte bezeichnen, sondern wie du auch sagst auf die mangelnde Lebenserfahrung zurückführen. Ich habe in dem Alter auch manchmal etwas hart geurteilt. :zwinker:



    Da ihr alle offenbar inzwischen soweit seid, werde auch ich jetzt mit dem zweiten Teil anfangen.

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  • Anmerken möchte ich hier noch - es hat zwar niemand direkt gesagt, klingt in manchen Beiträgen aber durch - dass Sigurlina ja nicht auf der faulen Haut liegt, sondern durchaus arbeitet, wenn auch keine "Erwerbsarbeit" leistet. Sie schmeißt ja mittlerweile den Hof von Eyjolfur und Steinunn und sorgt so für deren und ihren eigenen Lebensunterhalt.


    Das ist schon richtig, dafür ist sie ja auch "angestellt" wurden - vllt. habe ich da wirklich etwas zu hart geurteilt, vllt. ist das auch ein neuer Blick auf die Sache mit der Verfügung über Salkas Geld. Vllt. sagt sie sich, ich arbeite für unsere Unterkunft und Salka arbeitet für den Rest?!



    Da ihr alle offenbar inzwischen soweit seid, werde auch ich jetzt mit dem zweiten Teil anfangen.


    Gut, dann lese auch ich weiter...


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich habe nun auch das 3. Kapitel in Buch 3 beendet.



    Zunächst überrascht mich der Zeitsprung. Nicht, weil er da ist, denn damit hatte ich gerechnet. Aber ich stecke im finsteren Loch und weiß nicht einmal annähernd, wieviel Zeit seit der letzten Szene im zweiten Buch vergangen ist.


    So geht es mir auch. Ich schätze mal, es sind 6-10 Jahre, nicht mehr, denn Salka wird als "Mädchen" bezeichnet (oder nennt man unverheirate Frauen in Island auch dann noch so, wenn sie die 20 weit überschritten haben?)
    Die beiden alten Leutchen sind gestorben und Mararbud gehört Salka. Ich frage mich, wer ihr zweimal Geld aus Amerika geschickt hat, damt sie Mararbud kaufen konnte. Eigentlich hat Salka doch keine reichen Leute in ihrem Bekanntenkreis. Steinthor war es wohl kaum. Sollte Arnaldur zu Reichtum gekommen sein?


    Die wichtigste Neuigkeit ist wohl, daß die Bootsbesitzer eine Genossenschaft gegründet haben, und nun Einfluß auf die Gestaltung der Fischpreise nehmen können. Dies scheint aber zu Lasten der armen Leute, der Kätner und Lohnarbeiter zu gehen. "Jeder muß selber sehen, wo er bleibt." Das ist weniger gut. Das wird noch sozialen Sprengstoff geben.
    Natürlich erfahren wir all dies wieder mal indirekt, aus dem Gespräch Salkas mit Gudmundur.


    Daß Gudmundur einren Brief an den König schreibt, finde ich eine gute Idee für jemanden, der sein Lebtag so abgeschieden gelebt hat. Wer die Macht hat, sollte auch soziale Verantwortung wahrnehmen. Allerdings halte ich seine Erfolgschancen für eher gering.



    Für mich sieht es derzeit so aus, als wäre Bogesen tatsächlich ein cleveres soziales System eingefallen, in dem er sozusagen die Buchhaltung für alle übernimmt.


    Ja, und nun ist sein System offenbar durch die Gründung der Genossenschaft zusammengebrochen. Jemand nannte ihn weiter vorne einen Kapitalisten. Mir kommt sein System eher feudalistisch vor. Allerdings glaubte auch ich bisher, daß er die ganze Zeit auch ganz gut in seine eigene Tasche gewirtschaftet hat. Woher mögen seine Schulden kommen. Wirklich nur durch die höheren Fischpreise? Oder hat er sich verspekuliert? Irgendwelche Ausgaben in Dänemark? Wirtschaftskrise?



    Zum einen, dass er Salka trotz aller Kritik an ihrem modernen Auftreten und ihrem Dasein als Frau als ebenbürtigen Gesprächspartner versteht.


    Ja, auch mir ist aufgefallen, daß er sehr offen mit Salka spricht. Überhaupt scheint Salka zu einer angesehenen Person im Dorf geworden zu sein.


    Nun bin ich gespannt auf diesen Kristofer Torfdal, und wann wohl Arnaldur wieder auftaucht.




    Steinthor ist abgehauen, weil er etwas kapiert hat?


    Hm, das kann ich nicht so recht glauben, obwohl auch ich meine, er hat den Brief gelesen.



    Ich warte darauf, dass der Typ wieder aufkreuzen wird. Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass der tatsächlich vollständig und komplett weg sein sollte.


    Darauf bin ich auch gespannt.

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    Einmal editiert, zuletzt von kaluma ()

  • Hallo,


    auch ich habe nun Kapitel 3 im Buch 3 beendet.



    Ich habe nun auch das 3. Kapitel in Buch 3 beendet.



    So geht es mir auch. Ich schätze mal, es sind 6-10 Jahre, nicht mehr, denn Salka wird als "Mädchen" bezeichnet (oder nennt man unverheirate Frauen in Island auch dann noch so, wenn sie die 20 weit überschritten haben?)
    Die beiden alten Leutchen sind gestorben und Mararbud gehört Salka. Ich frage mich, wer ihr zweimal Geld aus Amerika geschickt hat, damt sie Mararbud kaufen konnte. Eigentlich hat Salka doch keine reichen Leute in ihrem Bekanntenkreis. Steinthor war es wohl kaum. Sollte Arnaldur zu Reichtum gekommen sein?


    Die Einschätzung um die 10 Jahre halte ich auch für realistisch - Salka war 13 im letzten Teil und sollte jetzt so Mitte 20 sein. Es wird erwähnt, dass der 1. Weltkrieg vorbei ist und die Revolution in Rußland - also mindestens 4-5 Jahre.
    Woher das Geld aus Amerika gekommen ist würde mich auch interessieren. Es kann doch eigentlich nur Arnaldur gewesen sein, doch von seiner Familie war doch im letzten Teil auch eher von Verschuldung die Rede?!


    Dem System von Bogesen stehe ich immer noch skeptisch gegenüber 8ich war das mit dem Kapitalisten) - klar hat er Angst vor der "Neuen Zeit" mit den neuen Ideen, aber davor kann er sich nicht verschließen. Den Leuten das Denken zu verwähren und die Entscheidungen für sie zu treffen ist keine Lösung. Ich bezweifele auch, dass er wirklich so schlecht dasteht wie er tut. Klar, für seine Verhältnisse kann er sich nicht mit einem Millionär vergleichen, aber im Vergleich zu den ärmsten im Dorf?!
    Meiner Meinung nach gibt es die Möglichkeit anderer solzialer Systeme von denen alle profitieren und die auch mit Verein bzw. Genossenschaft der Fischerei funktionieren. Aber das sagt sich natürlich recht leicht, mit unserem Wissen um die Zukunft.


    Salka scheint ja trotz ihrer Erfolge auch zu den Armen im Dorf ein gutes Verhältnis zu haben - was mich hier immer wieder überrascht ist, wie belesen die meisten der Einwohner zu sein scheinen. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht.


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Hallo Ihr Lieben,


    bitte seht mir nach, dass ich so gnadenlos hinterherhinke. Ich bin zwar schon so kein sonderlich schneller Leser, aber momentan habe ich einfach beruflich und privat einiges um die Ohren und komme kaum in Ruhe zum Lesen. Auch am vergangenen Sonntag auf meiner Bahnfahrt habe ich nur auf der Hinfahrt weitergelesen, weil auf der Rückfahrt die zwei Herren, die vor mir gesessen haben, der Meinung waren, sie müssten den ganzen Großraumwagen an ihrer Unterhaltung teilhaben lassen... :rollen:


    Ich habe nun im Ersten Teil die Kapitel 16 bis 20 gelesen. Arnaldur wird von seinem Vater abgeholt, um in Reykjavik auf die Schule zu gehen. Weil er befürchtet, nie wieder nach Oseyri zurückzukehren, gibt's einen ganz rührenden Abschied zwischen Salka und ihm. Und das, wo sie sich doch geschworen hat, nie wieder ein Wort mit ihm zu reden... :breitgrins:


    Allmählich beginne ich, an Sigurlina zu verzweifeln: Steinthor kehrt zurück, aufgeräumter zwar als vorher und offenbar vom Alkohol losgesagt, aber statt seiner, wie er's verdient hätte, schickt sie den armen Jukki in die Wüste. Verkehrte Welt. :rollen:


    Und dann dieser Bogesen, der lässt mich einfach nicht los. :zwinker:



    Bei der Rede Bogesens auf diesem Fest hatte ich dann auch einen Durchhänger, gebe ich zu. Das war für mich die erste Länge des Buches.


    Die Rede fand ich wiederum ganz spannend. Insbesondere die Stelle, in der er auf die Finanzverflechtungen eingeht, denen er bei der Finanzierung seiner Geschäfte unterliegt:


    "... das Leben ist ein einziges In-der-Kreide-Stehen, und wenn man es genau betrachtet, dann wissen wir nicht, wem das Kapital gehört. Wir schieben nur unsere Zahlen hin und her und leben in dem Glauben, daß das Kapital irgendwo vorhanden ist. Vielleicht ist es nirgendwo vorhanden."


    Das kommt mir doch erstaunlich aktuell vor. :zwinker: Den Bogesen behalte ich jedenfalls im Auge. :breitgrins:


    Ich bin leider immer noch nicht mit dem Ersten Teil durch und ich fürchte, ich werde insgesamt auch noch eine Weile an dem Buch lesen. Tut mir ehrlich leid, aber Ihr braucht auch nicht auf mich zu warten. Im Gegenteil - mit großem Interesse lese ich das, was Ihr so schreibt. Da scheinen ja noch einige interessante Dinge auf mich zuzukommen...


    Viele Grüße :winken:
    M.

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.


  • Die Rede fand ich wiederum ganz spannend. Insbesondere die Stelle, in der er auf die Finanzverflechtungen eingeht, denen er bei der Finanzierung seiner Geschäfte unterliegt:


    "... das Leben ist ein einziges In-der-Kreide-Stehen, und wenn man es genau betrachtet, dann wissen wir nicht, wem das Kapital gehört. Wir schieben nur unsere Zahlen hin und her und leben in dem Glauben, daß das Kapital irgendwo vorhanden ist. Vielleicht ist es nirgendwo vorhanden."


    Das kommt mir doch erstaunlich aktuell vor. :zwinker: Den Bogesen behalte ich jedenfalls im Auge. :breitgrins:


    Was für ein wunderbar ausgewähltes Zitat - ich mochte dir Rede ja auch sehr gern und genaugenommen bringt es Bogesen hier auf den Punkt. Und das kann ich als examinierter BWL auch nicht besser sagen - so ganz weiß doch keiner mehr, wo echtes Kapital steckt - zumindest konnte mir das auch das Studium nicht wirklich beibringen :zwinker:


    Sigurlina ist eine wirklich interessante, wenn auch tragisch-naive Figur. Aber wie soll man sagen, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Ich glaube das ist gemein...


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • ... bitte seht mir nach, dass ich so gnadenlos hinterherhinke. ...


    Du wirst aufholen, denn ich schaffe gerade mal ein Kapitel pro Abend seit einigen Tagen, weil ich dabei einschlafe (die Kinder machen mich gerade platt...). Gestern hatte ich das Kapitel um die Versammlung, bei der die Kommunisten ihre Reden geschwungen haben und das war dann besonders schlaffördernd. Ich hatte einen schweren Hänger und war nahe dran, einen alten Krimi rauszuziehen. *seufz*

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  • Ich stecke inzwischen im vierten Buch, relativ kurz vor Schluss.
    Heißt aber nicht viel, weil ich die letzten Kapitel nur schwer komplett rekapitulieren kann. Mal habe ich ein Kapitel gelesen, mal ein halbes, mal zwei und mal nichts und als ich gerade versuchte, die Eindrück zusammen zu fügen, wurde die unregelmäßige Leserei zum Hindernis. Es ist viel passiert... Meine Kommentare dürften heute Abend etwas wirr ausfallen und repräsentieren bis zu einem gewissen Grad auch meine aktuelle Sortierung des Buchs :zwinker:


    Was ich sehr eindrucksvoll finde, ist das Hin und Her zwischen dem bisherigen Dorfleben und dem Einzug des Kommunismus. Aktuell ist er im Dorf, z. B. in Gestalt eines Konsumvereins, aber zu Beginn hätte er das Dorf den Kopf kosten können. Die Auswirkungen des Streiks fielen im Dorf ungeheuer drastisch aus und ich habe gestaunt, wie lange das durchgehalten wurde. Offenen Auges fast in die absolute Armut rennend und das in einer Region bzw. einem Land, wo das Leben doppelt streng ausfällt. Das Land gibt nicht viel her, alles Mögliche muss aus dem Ausland herangeschifft werden und dann leistet sich das Dorf über mehrere Tage die Niederlegung der Arbeit. Wahnsinn!


    Bis dann das Angebot einer Streikkasse kommt mit einer Sammlung von solidarischen Arbeitern aus anderen Ecken Islands. Bloß nicht Almosen annehmen. Streiken ja, Armut meintewegen, aber bitte kein fremdes Geld annehmen. Lieber die Folgen des Streiks tragen ohne zu wissen, wie man den Winter übersteht.


    Ich erinnere mich an eine Unterhaltung mit einer Isländerin, die uns erzählte, dass da, wo sie wohnte (einige Kilometer nördlich von Reykjavik), auf dem harten vulkanischen Boden nur wenige Zentimeter Erdreich waren, in dem Pflanzen wachsen können. Was ist da ein Gemüsegarten Gold wert, was ist eine Hauswiese wert, auch diese nur "das Viertel einer Kuh" versorgen kann. Wie abhängig ist man dann vom Fisch und ausgerechnet den lässt man liegen uznd gräbt sich selbst das Wasser ab.


    Die Männer, zwischen denen Salka schwankt, symbolisieren genau diese beiden Systeme recht gut. Wobei mir bei Steinthor aufgefallen ist, dass er als Vertreter der alten isländischen Identität voll Stärke und Unabhänigkeit fast genau das tut, was von den Verbrechen noch kolportiert wird: Sie vergewaltigen die Frauen, spießen die Kinder auf...
    Davon war schon in einem anderen Laxness die Rede. War es "Die glücklichen Krieger"?


    Ebenfalls aufgefallen ist mir, wie ungeheuerlich die Propaganda funktioniert. Was einzelne Leute getan haben sollen, dann gemäß einer anderen Quelle doch nie getan haben und nach einer dritten Quelle ist alles anders gewesen. Kein Wunder, dass sich immer seltsame Geschichten bilden und lange erhalten, weil man nie weiß, was stimmt und daher vermutlich einfach das annimmt, was opportun ist und was gerade an Neuigkeiten kursiert.


    Bisher habe ich immer noch nicht den Eindruck, dass das eine System über das andere gehoben wird. Über Bogesen wird wechselweise so vieles erzählt, dass er eine gute und schlechte Figur gleichermaßen bleibt und der Kommunismus bringt einiges, aber auch nicht alles zum Guten. Manch einen Wunsch oder Traum von heute gab es sicher auch schon zuvor - nur unter anderen Vorzeichen. Wer wünscht sich denn nicht eine Dorfstraße, die gut begehbar ist? Oder weniger Armut unter den Kindern? Weniger Krankheiten etc?


    Manmal braucht es vielleicht auch einen neuen Aspekt, damit Leute nachdenken. Zwischendurch wird von einem Arzt erzählt, der bei 80% der Dorfkinder Symptome von Mangelerscheinungen ausmachen wollte, während sich das Dorf für unglaublich gesund hielt. Ich denke, der Arzt hatte vollends Recht. Aber erst mit den kommunistischen Gedanken wird gerne über ein Gesundheitssystem phantasiert, das sich um die Gesundheit der Kinder kümmern soll.

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  • Ich habe das dritte Buch beendet.
    Kann aber aktuell nicht viel dazu schreiben, weil ich einen fetten grippalen Infekt habe und mir außerdem die rechte Hand etwas überlastet habe...


    Das 4. Kapitel war wieder so ganz nach meinem Geschmack: Der berühmt-berüchtigte Kristofer Torfdal kommt ins Dorf, und dann ist er es gar nicht. :breitgrins:


    Dann aber wird es zunehmend verwirrter.
    Dieses Kapitel mit der Versammlung, auf der die unterschiedlichsten Leute ihre Reden schwingen, fand ich sehr aufschlußreich. Und hochinteressant, wie wir immer wieder mit unterschiedlichsten Sichtweisen konfrontiert werden, z.B. über Bogesen und ob er nun diese Beinprothese bezahlt hat oder nicht, oder ob er Politik damit treiben wollte. Aus Bogesen werde ich zunehmend weniger schlau. Auch seine Bankgeschäfte habe ich nicht verstanden.


    Arnaldur ist die reinste Katastrophe. Es gefällt mir gar nicht, wie er sich entwickelt hat. Will er den Leuten wirklich helfen, oder was sind seine Motive?
    Ganz offensichtlich scheint ja der Kommunismus, die Arbeiterbewegung, die sicher berechtigt war als Interessenvertretung für das Wohlergehen der Arbeiter in europäischen Industriestädten, hier im isländischen Dorf überhaupt nicht zu funktionieren. Jedenfalls nicht mit solchen Mitteln wie Streiks. Arnaldur müßte das eigentlich einschätzen können, da er ja von hier stammt - aber er hält an seiner sinnlosen Propaganda fest. Die Empfänglichkeit der Leute für diese Propaganda hat auch mich überrascht.


    Salka, die nie aus dem Dorf herausgekommen ist, sondern nur "ist, was sie ist", denkt noch am vernünftigsten von allen.


    Offensichtlich kommt das Geld für den Kauf von Mararbud also tatsächlich von Steinthor. Ich hätte nicht für möglich gehalten, daß sie solche Beträge von ihm annimmt, nach dem was passiert ist... Doch nach ihrer eigenen Aussage ganz am Ende von Kapitel 12 hat sie mehr Sympathien für ihn, als ich angenommen hätte. Und die Karte von Arnaldur hat sie selber weggeworfen?? (bzw. "absichtlich verloren"). Ob das wohl stimmt... Ich weiß noch nicht, wie ich das einordnen soll...


    So, jetzt mache ich mir einen Tee und gehe wieder ins Bett.

    Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden (R. Luxemburg)

    Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B.

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  • Huhu,


    ich steck noch immer im Kapitel 5, scheinbar habe ich jetzt eine kleine Leseflaute.
    Kapitel 4 war für mich ein wenig verwirrend, ich konnte die ganze Zeit nicht ganz verstehen warum Kristofer Torfdal ausgerechnet in dieses Dorf kommen sollte, aber das Ende hat mich dann in meinem Verdacht bestätigt.


    Ich habe übrigens mal gegoogelt ob dieser Herr Torfdal existiert hat, aber dem ist nicht so - zumindest (ist ja eigentlich auch klar) hat er den Namen nicht einfach übernommen. Gibt es eine Torfdalähnliche Person und wenn ja, wie heißt sie?


    Viel mehr kann ich zu Kapitel 4 eigentlich auch nicht sagen - mitten in Kapitel 5 ist gerade Arnaldur wieder aufgetaucht, mal sehen wie er so geworden ist?!


    Viele Grüße
    schokotimmi

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  • Ich habe übrigens mal gegoogelt ob dieser Herr Torfdal existiert hat, aber dem ist nicht so - zumindest (ist ja eigentlich auch klar) hat er den Namen nicht einfach übernommen. Gibt es eine Torfdalähnliche Person und wenn ja, wie heißt sie?


    Das würde mich auch interessieren, denn genau diese Frage nach einem historischen Vorbild für Kristofer Torfdal habe ich mir auch gestellt. Bei flüchtiger Recherche im Internet habe ich nichts gefunden und leider kann ich Isländisch absolut nicht lesen...
    Also falls jemand weiß, ob es eine "Ikone" der isländischen Arbeiterbewegung gab... ?

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  • Ich bin mit dem Buch inzwischen fertig, aber noch nicht fertig mit Grübeln :zwinker:


    Je mehr ich rekapituliere, umso mehr habe ich das Gefühl, dass Salka, Steinthor und Arnaldur nur Allegorien sind. Es geht gar nicht darum, ob Salka mit Arnaldur glücklich wird oder ob Steinthor sie heiraten darf. Es geht einfach um den Kampf zweier Systeme um das Leben bzw. die Lebensgestaltung.


    Wobei: Bei keinem der Laxness-Romane kam es darauf an, wie sich die Personen privat entwickeln (Familie etc.) Immer stand ein höheres Ziel hinter ihnen. Selbständigkeit, Überleben, Unabhängigkeit ... So nun auch hier. Salka ist an Arnaldur gefühlsmäßig auf immer gebunden, aber zusammen leben können sie dennoch nicht. Steinthor ist unregelmäßig da, aber wenn er da ist, fordert er ein.


    Beide Systeme wechseln in Gestalt der Personen Steinthor und Arnaldur ab und beide kommen nicht endgültig zum Zug.
    So stellt sich mir in diesem Fall am Ende das Buch in der Kurzfassung dar. Jetzt bin ich neugierig, ob ich da irgendeinen nerv bei Euch treffe oder wie Ihr die Geschichte seht.

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