Nele Neuhaus - Tiefe Wunden

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kirsten.

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    Titel: Tiefe Wunden
    Autor: Nele Neuhaus


    Allgemein:
    477 S.; List; 2007


    Inhalt:
    Hauptkomissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff stehen vor einem Rätsel: was hat die Blutgruppentätowierung der Waffen SS auf der Leiche des Holocaust Überlebenden David Goldberg zu suchen? Der 92 jährige war in seiner Wohnung ermordet aufgefunden worden. Noch seltsamer ist das ihnen der Fall von höchster Stelle plötzlich entzogen wird. Und wann geschieht wieder ein Mord an einem alten Mann und die beiden Ermittler kommen langsam ins Grübeln. Was hat Vera Kaltenberg mit den Toten zu tun, denn mit beiden war sie eng befreundet. Es scheint als ob auch sie etwas zu verbergen hat. Die Spur führt nach Ostpreußen, in das Jahr 1945...


    Meine Meinung:
    Einerseits ist der Roman extrem spannend und man möchte unbedingt wissen wie es weiter geht, andererseits habe ich zu den beiden Ermittlern Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein keinen Zugang gefunden, irgendwie waren mir die beiden ziemlich egal. Ansonsten kommt man aber recht schnell in die Handlung und kann ihr auch dann folgen wenn man bisher keinen weiteren Fall mit den Beiden gelesen hat.
    Das Thema der NS Zeit wurde meiner Meinung nach sehr gut verarbeitet. Die Autorin schafft so eine Verbindung der Vergangenheit mit der Gegenwart, vielleicht sorgt das für den ein oder andren Leser auch für ein besseres Verständnis weshalb das Thema nach wie vor wichtig ist. Außerdem sind einige Begebenheiten sehr realistisch erzählt und man kann sich vorstellen das einige Menschen tatsächlich so gehandelt haben.
    Einerseits kann man Tiefe Wunden natürlich als Kriminalroman lesen, aber gleichzeitig folgt man dem Familiengeheimnis das über den Kaltensees zu schweben scheint und gerade die Figuren dieser Familie haben es mir auch angetan. Frau Neuhaus hat es geschafft mich mit diesen Figuren absolut zu überzeugen! Diese Familie erscheint so undurchsichtig und erst nach und nach erfährt man was hinter dieser Familie wirklich steckt.


    Es gibt allerdings auch ein Problem dass es ein wenig schwierig gestaltet der Handlung konsequent folgen zu können. Größere Lesepausen sind nicht unbedingt ratsam. Es treten extrem viele Figuren auf die in irgendeiner Form mit den Morden in Verbindung stehen, das sorgt aber auch dafür das man leicht den Überblick verliert und so manches Mal die Figuren verwechselt. Man muss schon sehr genau aufpassen damit einem nichts entgeht. Einerseits macht es natürlich auch Spaß die Zusammenhänge zu erraten und ich fand es auch toll das man auf jedes Detail achten musste, hier wird der Leser nicht unterfordert und mit einbezogen. Andererseits ist es schon ein wenig mühsam wenn man ständig überlegen muss wer nun wer ist, da kann leicht ein Knoten im Kopf entstehen.


    Tiefe Wunden punktet jedoch vor allem mit der Lösung des Rätsels und seinen überaus interessanten Figuren die in den Fall verstrickt sind. Mir persönlich hat es hier vor allem Vera Kaltenberg angetan, auch ihr Sohn Elard gefiel mir sehr.
    Zu dem ist der Roman sehr gut recherchiert, man merkt das sich die Autorin Mühe damit gegeben hat und nicht einfach losgeschrieben hat. Die Spannung wird wirklich auf die Spitze getrieben *g* man muss sich schon ein wenig zusammen reisen damit man nicht zu schnell liest, es gibt immer wieder Perspektivwechsel, die sowohl die Ermittler als auch alle Beteiligten mit einschließt, dennoch erfährt auch der Leser
    vieles erst wenn auch Pia und Oliver eine Tatsache erfahren. Denn in vielen Szenen wird einiges nur angedeutet und es ergibt sich erst nach und nach ein Gesamtbild. Im Grunde ist der Leser auch ein Teil des Ermittlerteams.
    Alles in allem ein wirklich spannender Kriminalroman der aber durch die vielen Figuren etwas verwirren kann.


    4ratten

  • Hier kommt noch meine Meinung dazu:


    Klappentext
    Ein 92-jähriger Holocaust- Überlebender wird in seinem Haus im Taunus mit einem Genickschuss getötet. Bei der Obduktion macht der Arzt eine seltsame Entdeckung: Der Arm des Toten trägt die Reste einer SS-Blutgruppentätowierung, wie sie bei Angehörigen der SS üblich war. Dann geschehen zwei weitere Morde, die Hinrichtungen gleichen. Welches Geheimnis verband die Opfer miteinander? Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff ermitteln.


    Meine Meinung
    „Tiefe Wunden“ ist ein sehr komplexer Krimi, der die Gehirnzellen beim Lesen stark fordert und damit geradezu zum Miträtseln drängt. Viele kleine und sehr gut verteilte Puzzleteile bieten immer wieder neue Ansätze für den oder die Täter und das Motiv. Viele Hinweise gilt es zu beachten, die Gespräche und Verhöre gut zu verfolgen, um hinter die Hintergründe der Morde zu kommen und eine Verbindung zu den Geschehnissen in der Vergangenheit zu finden. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einen stutzen lassen und zu neuen Überlegungen führen oder auch auf neue Fährten locken, ohne zu ahnen, ob es richtige oder falsche sind.


    Nicht gerade einfacher machen es dabei natürlich die vielen Personen, die in der Geschichte vorkommen. Deren Motivationen und ihre Verflechtungen untereinander und mit den Opfern herauszufinden, fordert etwas Konzentration, ist aber auch eine Herausforderung, die sehr viel Spaß macht, vor allem, wenn man gerne Rätsel löst. Mir persönlich hat das richtig gut gefallen und ich habe mir schon lange nicht mehr so viel und so intensiv auch außerhalb der Lesezeit den Kopf zerbrochen, wie bei diesem Krimi.


    Und auch wenn ich in einigen Bereichen ein richtiges Gefühl, einen richtigen Ansatz und auch ein paar fast richtige Verdächtigungen hatte, habe ich doch bis zum Ende die Auflösung nicht herausgefunden und wurde mit der Aufdröselung der Personen und der Vorgänge noch richtig überrascht. Das hat mir sehr gut gefallen und ich bewundere jetzt noch die Autorin, dass sie selbst dabei den Überblick behalten und alle Fäden stets sicher im Griff hatte.


    Zusätzlich zu dem sehr spannenden Fall, bietet der Krimi aber auch noch einen interessanten Einblick in fast unglaubliche Vorgänge in Verbindung mit der Nazizeit, die ich so bisher nicht erfahren habe und die sehr gut recherchiert und spannend ein unschönes Kapitel der Geschichte in die Gegenwart bringen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch Leser, die normalerweise keine Krimis lesen, mit diesem Buch eine interessante und spannende Lektüre haben können.


    Der Krimi ist zwar der Dritte in einer Reihe, aber es ist nicht notwendig, die Vorgänger zu kennen, um mit dem Ermittlerduo klar zu kommen. Die Lebensgeschichten der beiden nehmen auch nicht so viel Raum ein, dass man das Gefühl hat, es fehlt einem dabei etwas, und das Wichtigste bekommt man im Laufe des Krimis auch mit. Beide Personen sind mir sehr sympathisch und ich freue mich schon darauf, noch mehr von ihnen zu lesen. Nele Neuhaus ist auf jeden Fall eine Autorin für mich geworden, deren weitere Bücher ich noch lesen werde.


    5ratten

  • Hallo!


    Danke für die Rezis :winken: Das Buch ist direkt notiert, es klingt wirklich unglaublich spannend.


    Liebe Grüße
    Kirsten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • So, mit etwas Verspätung folgen nun auch meine Leseeindrücke zu „Tiefe Wunden“. 
    Anfangs hatte ich an dem Buch nur Interesse, weil es in einem Nachbarort von meiner Heimatstadt spielt und ich regionale Krimis generell sehr gerne lese. Dann habe ich mir den Klappentext durchgelesen und dachte „Schon wieder NS-Zeit? Willst du das wirklich?“. Die Antwort lautet, jaaaaaaaaaa, ich habe es zur keiner Sekunde bereut das Buch gelesen zu haben. Die Geschichte spielt zwar in der heutigen Zeit, hat ihren Ursprung aber in der NS-Zeit und greift nicht die typischen Themen, die in der Schule schon zu genüge durchgekaut wurden auf, sondern hat mir neue Informationen gegeben. „Tiefe Wunden“ ist ein in sich abgeschlossener Kriminalroman, bei dem es nicht von Nöten ist, dass man die vorangegangen Bücher gelesen hat, um sich mit dem Ermittlerteam „zu verstehen“.
    Die Geschichte entwickelt sich sehr schnell und brisant, es gibt kein lahmes Gequatsche oder eine ewig andauernde Vorgeschichte. Es kommt schnell auf den Punkt und man erfährt, direkt worum es geht und tappt doch völligst im Dunkeln. Trotzallem sollte man es nicht zu schnell lesen, wozu es jedoch verleitet, da es doch eine komplexere Personenkonstellation hat. Ich muss ehrlich sagen, dass ich an manchen Stellen schon ein wenig mit den Personen durcheinander gekommen bin und auch mal zurückblättern musste. Deswegen an dieser Stelle auch ein großes Lob an Nele Neuhaus, dass der Krimi in sich schlüssig ist und sie den Überblick behalten hat. (Ich hätte das nicht!) ;)
    Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen und ich werde bestimmt weitere Bücher von der Autorin lesen, es macht auf jeden Fall Lust auf mehr.


    Deswegen bekommt der Krimi auch


    4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    "Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in y

  • Nach den ersten beiden Teilen habe ich nun auch "Tiefe Wunden" verschlungen - und habe das Buch vorgestern völlig beeindruckt zur Seite gelegt. Die Geschichte war deutlich komplexer als in den Vorbänden und es tauchten tatsächlich noch mehr (!) handelnde Personen auf. Trotz einiger Krimierfahrenheit habe ich meine grauen Hirnzellen ganz schön anstrengen müssen, um durchzublicken und nicht den Überblick zu verlieren. Gut gefallen hat mir auch, dass die beiden Kommissare dem Leser noch näher gebracht werden und hier auch noch mehr die private Seite und die Menschlichkeit durchblickt werden kann.


    Zur Handlung wurde schon alles gesagt. Es ist eben ein "altes" Thema, das hier gut aufgearbeitet und einfach mal was anderes ist. Einige Rätsellösungen konnte ich mir übrigens tatsächlich selbst erarbeiten (und das ist bei mir nicht soooo häufig :smile: ), aber größtenteils ist die Auflösung eine richtig große Überraschung gewesen.


    Ich freue mich jetzt auf jeden Fall, noch weitere Bücher der Autorin zu lesen - und noch mehr darüber, dass die nächsten beiden Bände schon jetzt in ihrem Regal auf mich warten.

  • Mein zweites Buch von Nele Neuhaus (hatte zuerst "Schneewittchen muss sterben" gelesen) und muss auch sagen, dass ich mit diesem Buch keinen rechten Zugang zu den beiden Ermittlern bekommen hätte, gerade Bodenstein wirkt distanziert und sehr verschlossen.
    Die Geschichte fand ich sehr gut! Gut recherchiert und darüber hinaus auch gut erzählt, teilweise war ich nur verwirrt und musste kurz nachdenken, welche Person gemeint ist, wen sie kennt und welchen Platz sie in der Geschichte hat. Das Buch sollte wirklich nur alleine und nicht als Zweitbuch gelesen werden. Die Lösung fand ich etwas überraschend, aber auch einleuchtend und alle Handlungsstränge passten am Ende zueinander.


    4ratten


  • Kirsten
    Ich könnte mir gut vorstellen das der Band etwas für Dich ist!


    Oh ja, das war er :daumen:


    Meine Meinung
    Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob mir Tiefe Wunden gefallen würde. Der erste Mord wirkte ein bisschen platt auf mich und wie Holden konnte ich mit den beiden Ermittlern nicht viel anfangen. Aber dann hat mich die Geschichte gefangen genommen und Pia und Bodenstein waren mir egal.


    Ich musste genau hinsehen, um bei den vielen Personen, die alle mit dem Fall in der Gegenwart und in der Vergangenheit zu tun hatten, den Überblick nicht zu verlieren. Die Autorin hat Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander verbunden und gibt dem Leser immer nur kleine Hinweise. Dadurch bleibt die Spannung erhalten und man hat Lust, um weiter zu lesen. Ich wusste bis zum Schluss nicht, wer hinter den Morden steckt und warum alles passiert ist. Immer wieder wurden auch Spuren gelegt, die zwar nicht ins Leere führten, aber zu anderen Erkenntnissen als gedacht.


    Das Einzige, was mich gestört hat war, dass wieder eine Privatperson bei den Ermittlungen mitgemacht und auch wertvolle Ergebnisse geliefert hat. Sonst wäre es der perfekte Krimi gewesen.
    4ratten

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.

  • Meine zweite Meinung

    Beim zweiten Lesen war ich ein kleines bisschen kritischer. Vielleicht lag es daran, dass es eben das zweite Mal war dass ich das Buch gelesen hatte. Ich hatte den Eindruck, dass die Hinweise alle da waren, die Ermittler sie aber übersehen haben.


    Das Ende war mir zu dramatisch, was mir gefühlt oft bei deutschen Krimis auffällt. Ich denke, das ist aber eine persönliche Sache. Die davor Handlung war mir zu ruhig für dieses Ende. Auch die Privatpersonen die mit ermitteln, müssen nicht sein. Und dann kann ich mich noch an ein kilometerweites Schwimmen durch die Ostsee erinnern (waren das wirklich 40km?), das jemand gemacht hat. Das ist eher auch unwahrscheinlich.


    Trotzdem hat mich Nele Neuhaus wieder gut unterhalten.

    3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

    I'm young enough to still see the passionate girl that I sued to be. But I'm old enough to say I got a good look at the other side.