Halldór Laxness - Salka Valka

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 2 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von MacOss.

  • Halldór Laxness - Salka Valka

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    Amazon Kurzbeschreibung
    Die junge Salka bekommt vom Leben nichts geschenkt - aber sie erkämpft sich alles: Wohlstand, Respekt und Liebe. Was davon wird Bestand haben? Ein kleines isländisches Fischerdorf ist der Schauplatz dieses breit angelegten Gesellschaftsromans voll starker Charaktere, hitziger Auseinandersetzungen und widerstreitender Gefühle.


    Inhalt und Meinung
    Die Geschichte handelt von dem Mädchen Salka Valka und ihrem Leben in einem kleinen isländischen Fischerdorf um den ersten Weltkrieg herum. Die Erzählung gliedert sich in 2 Teile mit je 2 "Büchern", wobei der erste Teil Salka als Kind bzw. Teenager beschreibt, der 2. Teil dann als junge Frau.
    Die 2 Teile sind sehr unterschiedlich in ihrem Wirken, der erste Teil ist persönlicher, traurig und deprimierend - er zeichnet das harte Leben von Salka und ihrer Mutter als Heimatlose in einem fremden Dorf. Doch schon hier zeigt sich Salka voller Kraft, Willen und Eigeninitiative die sie als "Fels in der Brandung" im ganzen Buch auszeichnet.
    Der 2. Teil ist dann eher allgemeiner, ideologischer Natur - denn hier werden die großen Ideen und Umwälzungen durch den Bolschewismus beschrieben und ihr wirken auf die Menschen im Fischerdorf "am Ende der Welt".
    Das Werk insgesamt hat mir sehr gut gefallen, es ließ wie immer bei Laxness Spielraum für Ideen und Überlegungen zu den einzelnen Personen und zeichnete dabei ein kritisches aber durchaus vorstellbares Menschenbild. Trotz seiner bei der Entstehung bekannten positiven Grundhaltung zum Sozialismus spürt man auch hier schon die kritischen Fragen Laxness. Es wir sehr schnell deutlich, dass er das Ideal immer in Zusammenhang mit den Menschen stellt und ihre Schwächen dabei sehr schnell ein Scheitern verursachen können.


    Ich habe das Buch in einer LR gelesen und muss sagen, dass die Diskussion dort sehr viel zum tieferen Verständnis oder zu verschiedenen Ansichten zu diesem Roman beigetragen haben. Es lohnt sich immer einen Laxness in einer LR zu genießen.


    Von mir gibt es 4ratten.


    Viele Grüße
    schokotimmi


    Amazonlink repariert und Buchstaben im Titel ergänzt. LG, Valentine
    Man sollte eben keine Rezi mit schreiendem Kind im Nacken absenden - Danke Valentine!

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

    Einmal editiert, zuletzt von schokotimmi ()

  • Meine Eindrücke
    Mitten im Winter, kurz nach Weihnachten, gehen die kleine Salka und ihre Mutter Sigurlina in Oseyri am Axlarfjord an Land. Die Reise nach Reykjavik müssen sie abbrechen, da sie nicht mehr genug Geld für das Schiff haben. Doch der Empfang ist alles andere als herzlich. Zwar kommen sie die erste Nacht mehr schlecht als recht unter, aber der Rest des Dorfs tut sich mit den Neuankömmlingen schwer. Salkas Mutter nimmt eine Stelle als Wirtschafterin im Hof von Steinthors alten Eltern an, um sich und der Tochter eine Bleibe zu sichern. Ein geschickter Schachzug des alten Eyjolfur sorgt dafür, dass Salka Unterricht im Lesen und Schreiben beim Dorfbuben Arnaldur bekommt und eines Tages ergreift Salka selbst die Initiative: Um sich ein wenig Einkommen zu sichern, heuert sie in der Fischverarbeitung an.


    Steinthor wird zu Salkas persönlichem Feind - während das Kind glaubt, dass Steinthor ihr die Mutter abspenstig macht, ist dieser eigentlich nur mit Sigurlina zusammen, um dem Kind nahe zu sein. Sigurlina spürt, dass Salka zu einer Konkurrentin um den Geliebten geworden ist, auch wenn Salka das gar nicht will und auch nicht versteht, was in den Köpfen der Erwachsenen vorgeht. Diese Konstellation treibt Sigurlina in den Selbstmord und Steinthor verlässt Oseyri für mehrere Jahre. Dafür kommt Arnaldur wieder, der im Ausland gewesen ist und von dort die Idee des "Bolschewismus" mit ins Dorf bringt und den Einwohnern die neue Wirtschaftsform als Allheilmittel gegen die Armut verspricht. Die herkömmliche Wirtschaftsform im Dorf, die vom lokalen Kaufmann Johann Bogesen geregelt wurde und vielen Einwohnern mindestens ein Existenzminimum verschaffte, scheitert, als das Dorf zunehmend Außenkontakt bekommt und nun ist Abhilfe gefragt.


    Salka steht fortan zwischen den beiden Männern, die unterschiedlicher nicht sein können und die eine entgegengesetzte Auffassung vom Leben mitbringen. Hinzu kommt, dass Arnaldur der Kinderschwarm Salkas ist, während Steinthor Salka als Mädchen missbraucht hat. Im Dorf hat sich Salka in der Zwischenzeit eine unabhängige Position erarbeitet und beide Männer wollen sie auf ihre Seite ziehen.


    Während sich die Geschichte klassisch wie eine Saga um die starke und tatkräftige Salka liest, steckt für meine Begriffe eine Menge mehr dahinter. Stets hatte ich das Gefühl, dass die wesentlichen Hauptpersonen symbolisch für verschiedene Arten der Wirtschaft und Lebensführung stehen. Der kämpferische Steinthor nimmt sich, was er will und braucht, der zu Geld kommt und das gezielt einsetzt, als Partner aber unzuverlässig ist; Arnaldur, der mit neuen politischen Theorien vom besseren Leben für alle ankommt, die beim Realisieren aber schon im Anfangsstadium arge Probleme bereiten, der nicht gerne für sich alleine steht, sondern nur in der Gemeinschaft stark ist. Und dazwischen Salka, gelassen und selbstbewusst, eine Frau, die das Leben nimmt, wie es ist und sich pragmatisch mit allem arrangiert.


    Die Wahrheit liegt also wie so oft in der Mitte. Salka ist an Arnaldur gefühlsmäßig auf immer gebunden, aber zusammen leben können sie dennoch nicht. Der fordernde Steinthor kommt mit seiner Aggressivität jedoch genauso wenig weiter. Beide Systeme wechseln in Gestalt der Personen Steinthor und Arnaldur ab und beide kommen nicht endgültig zum Zug. Laxness verschafft keiner Idee die große Bühne und überlässt das Ende den Lesern. Die Lösung für die Wirtschaft und das Zusammenleben im Dorf muss vom Dorf selber kommen - die alten Wege funktionieren nicht mehr einwandfrei, die neuen Wege lassen sich nicht einfach importieren und ungeprüft übernehmen. Ein unendlich aktuelles Thema, wie ich finde.


    4ratten



    Ich habe das Buch in einer LR gelesen und muss sagen, dass die Diskussion dort sehr viel zum tieferen Verständnis oder zu verschiedenen Ansichten zu diesem Roman beigetragen haben. Es lohnt sich immer einen Laxness in einer LR zu genießen.


    Das unterschreibe ich ohne Einschränkungen :winken:

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    Halldór Laxness (1902-1998)[br]Salka Valka[br]Erstveröffentlichung: 1931[br]Deutsch von Hubert Seelow[br]Verlag: Steidl[br]Taschenbuch[br]478 Seiten


    Wie findet sich eine junge Frau in einer Welt zurecht, die sich im Umbruch befindet? Wie überlebt das junge Mädchen in einer Gemeinschaft, die es zunächst nicht haben und akzeptieren will und das lange Zeit zu den Außenseitern zählt und von den übrigen Kindern gemieden wird? Und wie gewinnt schließlich die junge Frau an Einfluss und lenkt maßgeblich die Geschicke ihrer Dorfgemeinschaft?


    Wie kommt sie mit den Männern um sich herum klar, die alle aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse an ihr haben? Mit dem lüsternen Steinthor, der zwar vorgibt, ihre Mutter heiraten zu wollen, aber doch nur an dem kleinen Mädchen interessiert ist? Mit dem sensiblen und später politisch verblendeten Arnaldur, zu dem sie dennoch so etwas wie Seelenverwandtschaft spürt, und mit dem es fast so etwas wie ein Happy End gibt? Oder mit dem Kaufmann Bogesen, der das Wirtschaftsgefüge im Dorf aufrechtzuerhalten und die Revolution abzuwehren versucht, so lange es geht?


    Und wie gelingt es ihr, über die Runden zu kommen, als schließlich klar wird, dass sich der Lauf der Welt nicht aufhalten lässt und die um sich greifende bolschewistische Revolution auch das kleine isländische Fischerdorf erreicht und dort alles auf den Kopf stellt?


    Laxness schildert all' das in großer epischer Breite, und man merkt ihm schon an, dass er sich da an einem großen isländischen Roman versucht. (Ich kenne leider seine anderen Werke noch nicht.)


    Er legt dabei den Schwerpunkt auf die gesellschaftskritischen bzw. politischen Aspekte der Handlung. Zwar schildert er ausführlich, was der politische Umbruch mit den Protagonisten und den übrigen Dorfbewohnern anstellt, und das ist alles auch sehr lehrreich, aber ich hätte mir ein paar mehr Einblicke in die Köpfe und Herzen der Figuren gewünscht. Das war mir an einigen Stellen zu wenig "Seele". Insbesondere hinsichtlich der Beziehung zwischen Salka und Arnaldur hätte ich mir noch ein wenig mehr erwartet. Klar, dass da jetzt keine Nora-Roberts-Liebesschmonzette draus werden würde - aber ein klein wenig mehr Gefühl hätte ich mir schon gewünscht. :zwinker:


    Ich muss aber dazu sagen, dass mir die Leserunde, in deren Rahmen ich das Buch gelesen habe, großen Spaß gemacht hat und mir die Mitleserinnen bei vielen Dingen, die mir möglicherweise verborgen geblieben wären, die Augen geöffnet und weitergeholfen haben. Vielen Dank noch mal dafür. :winken:


    Das unterschreibe ich ohne Einschränkungen :winken:


    Dito. :breitgrins:
    Von mir gibt's 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Andere Orte im Internet erkundet und für uninteressant befunden.

    Einmal editiert, zuletzt von MacOss ()