04 - Argumente XII bis einschl. XV

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Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von nimue.

  • Ich sehe gerade, dass Kapitel XII in den Einteilungen fehlt, daher platziere ich meinen Kommentar ganz frech hier :zwinker:


    Jedenfalls beginnt es so, wie Kapitel XI für mich war, mit einer Blamage für den Professor. Er will sich lieb Kind bei Roz machen und tritt voll in den Fettnapf, indem er vor lauter vergeistigter Nebelsicht gar nicht merkt, dass Dreadlocks vielfach ein Modeeffekt sind.
    Und der Nebelblick geht weiter: Als Azarya seine Primzahlen feiert, merkt Klapper gar nicht, dass ihm ein intelligentes Kind gegenüber steht. Es philosophiert nicht, es rechnet. Nur Roz und Cass merken, was das Kind draufhat. Klapper versteht unter Bildung offensichtlich auch das, was der Rebbe zu diesem Begriff signalisiert: Bildung ist das Wissen über den Glauben, nicht das, was sonst noch nach unseren Massstäben dazu gehört. Männer müssen nach der Heirat zum Beispiel ein Jahr lang über die Religion lernen, bevor sie in die Familie entlassen werden, um diese nach den gelernten Massstäben zu leiten.


    Da tut sich mir eine echte Krux auf. Einerseits beklagt man, dass so viele Valdener Familien sehr ärmlich leben, andererseits ermöglicht die strikte Religion auch nicht, dass man durch Ausbildung in unserem Sinn die Situation verbessern kann.


    Kapitel XIII fand ich klasse, weil ich diese Zahlenspielereien mag. Was dazugelernt :breitgrins: Ich wusste nicht, was bei Spielereien mit Primzahlen alles drin ist. Kann sein, dass so eine Begabung ziemlich einseitig ist, aber nachdem ich die Zahlenpyramiden kapiert hatte, dachte ich mir, dass die Erkenntnisse über Primzahlen im vorigen Kapitel kein Zufall waren. Azarya hat wirklich Köpfchen. Und ausgerechnet der Mann, der sich für den Klügsten hält, kapiert das nicht. Bezeichnend.


    Zu Kapitel XIV kann ich auf Anhieb nicht viel mehr sagen, als das: Ich fand Cass' Spielerei interessant, wie er Lucindas Theorien dazu benutzt, sich über seine Gefühle klar zu werden. Dass er Lucinda liebt, scheint klar. Aber er will sich mit seinem Seltzer-Gleichgewicht davor wappnen, dass die offenbar so kalkuliert auftretende Lucinda auf eine Liebeserklärung nicht so regiert, wie er es sich erhofft. Und dass er daraufhin kräftig Liebeskummer bekommen könnte. Man kann also ganz rational entscheiden, ob man eine Liebeserklärung macht, oder nicht.


    In Kapitel XV fand ich den Umzug von Klapper in das wesentlich kleinere Büro rätselhaft. Das kann ich mir nicht erklären. Ihr vielleicht? Was hat der Besuch in New Valden bewirkt, dass Klapper sich freiwillig so in seinen Dimensionen beschränkt?


    Ganz aufschlussreich fand ich die chassidische Erzählung über den Wirt und seine Frau. Wenn ich auch nicht kapiere, was Klapper hinterher reininterpretiert. Denn für mich war das eine Geschichte über den Unterschied zwischen Denken und Handeln. Der eine will den Messias haben, die anderen verstehen, dass sie die Zeit bis dahin leben müssen und sehen, dass sie es eigentlich gut haben. Was kann nach der Ankunft des Messias besser werden? Ein Problem der Glaubensvermittlung: Was hat man denn vom Messias? Was kommt denn wirklich, wenn er da ist? Wenn er die Situation der Gläubigen verbessern kann, dann soll er lieber die Störenfriede einsammeln, statt den Gläubigen das Leben wegzunehmen, das sie haben. Eine sehr pragmatische Frau hat der Wirt.

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  • Kapitel XII
    Da ich zu orthodoxen Juden bis jetzt null Kontakt hatte, war diese Beschreibung der Welt von von New Walden interessant für mich.
    Der Rebbe wird sympathisch, gar nicht überhebliche/abgehoben beschrieben, wohingegen sich Klapper für mich weiter disqualifiziert, weil er auf seiner strikten Trennung von Mathematik und Geisteswissenschaften beharrt und das Genie im Kind nicht einmal wahrnimmt bzw gelten lässt.
    Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass sich das Buch mit der Begegnung in New Walden einem Mittelpunkt ( blödes Wort, mir fällt aber kein besseres ein) nähert.


    Kapitel XIII


    Könnte auch „ das Argument vom versteckten Genie“ oder so in der Art heißen


    Kapitel XIV


    Cass ist ja schon niedlich. Ihr ( Lucindas) gefühlsarmes, streng mathematisches Thema mit Emotionen zu verknüpfen ist eine nette Idee.
    Einesteils zeigt es, dass beides eben doch nicht so weit auseinander ist und auch die Gefühle/Geisteswissenschaften Gesetzen unterliegen, andererseits empfinde ich es als eine herrliche Persiflage auf den Versuch, die Welt nur rein mathematisch erklären zu wollen.


    Kapitel XV


    Die Geschichte vom Wirt und seiner Frau ist klasse. Hab mich köstlich amüsiert, wobei sie auf ein Dilemma aufmerksam macht. Längst nicht mehr gilt das alte Ziel/Hoffnung „ nächstes Jahr in Jerusalem“ für alle Juden. Man hat sich wo auch immer gut eingerichtet und braucht keinen Messias mehr.


    Durch Bettinas Aussagen musste ich direkt googeln, was denn die Juden vom Messias eigentlich erwarten, denn das war mir auch nicht exakt klar. Jesus als Messias ist im christlichen Abendland so selbstverständlich geworden, dass ich mir noch gar nicht Gedanken gemacht hatte, was denn eigentlich die Juden erwarten. Immerhin warten sie ja immer noch.


    Hier ist das schön erklärt:


    http://www.judentum-projekt.de…dlagen/messias/index.html

  • Vielen Dank für Deinen Link :winken:


    Ich fand die Lektüre ganz aufschlussreich, weil es keinen Hinweis auf eine Leben nach dem Tod gibt. Im Prinzip scheint mir das so zu funktionieren, dass die Erlösung nicht in einem Leben nach dem Tod stattfindet, sondern sich ganz praktisch auf das Leben selbst bezieht, das man gerade führt. Kommt der Messias, findet das erlöste Leben statt.


    Insofern machen die Valdener das ganz pragmatisch (wenn ich das auch richtig verstanden habe): Wenn der amtierende Rebbe eine messianische Funktion hat und sie ihrem Rebbe folgen, dass führen sie schlicht das bessere Leben, während die anderen brav warten und nicht erkennen, ob schon ein Messias da ist oder nicht und sie warten, warten, warten.


    Das wirft ohnehin eine wichtige Frage auf: Wie erkenne ich überhaupt, dass ein Mensch X der erwartete Messias ist? Sofern ich nicht Valdener bin, jedenfalls.

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  • Das wirft ohnehin eine wichtige Frage auf: Wie erkenne ich überhaupt, dass ein Mensch X der erwartete Messias ist? Sofern ich nicht Valdener bin, jedenfalls.


    Hi


    das ist ja eine intressante Frage. Hm, also jetzt mal nicht nachgeschlagen war ich der Meinung, daß der Messias mit vielen ganz konkreten Hinweisen im Alten Testament angekündigt wird.
    Wenn ich mich richtig erinnre, kommt er aus Bethlehem, aus dem Stammbaum Davids, wird auf einem Esel durch ein bestimmtes Stadttor Jerusalems einreiten und wird sein Königreich errichten.
    Da gibts bestimmt noch mehr Hinweise, müßte man mal googlen.


    Irgendwann war ich mal erstaunt, warum die Juden Jesus als Messias nicht akzeptierten, trotzdem doch so vieles auf ihn zutraf, aber andereseits war nur so der "Umweg" über den Rest der Welt möglich.

    Aber intressant ist es schon, was sich die Juden da zurechtgebastelt haben, das stimmt, man findet nur eine völlig diesseitige Sicht, allerdings paßt vieles von Zuständen auch in Valden nicht auf im AT beschriebne Zustände für ein Königreich unter dem Messias. Denke da an " Lamm neben Löwe, Kind spielt mit Otter etc" , also den genau für dieses Königreich beschriebenen Zuständen, hm, ob die Rebben dann alles nur "kleine Messiasse" sind?

  • Guten Morgen ihr Lieben,


    ich hechele in der Hitze total hinterher, möchte aber trotzdem gerne noch ein bisschen an der Leserunde teilhaben. Vielleicht lest ihr ja sogar noch hier mit :winken:


    Jedenfalls beginnt es so, wie Kapitel XI für mich war, mit einer Blamage für den Professor. Er will sich lieb Kind bei Roz machen und tritt voll in den Fettnapf, indem er vor lauter vergeistigter Nebelsicht gar nicht merkt, dass Dreadlocks vielfach ein Modeeffekt sind.


    Das fand ich aber total witzig. Ich konnte fast spüren, wie Roz kurz vorm Platzen war :breitgrins: Toll, dass sie trotzdem so viel Rücksicht Cass gegenüber genommen hat.
    Klapper ist ein totaler Egozentriker.


    Das Argument von den Primzahlen hat einerseits sehr gut gefallen (wegen Azarya), andererseits empfand ich es als sehr ermüdent (Klappers Gespräch mit dem Rebbe :schnarch: - ich muss ehrlich sein, dass ich da Teile einfach überlesen habe, weil ich sie nicht verstand. Mit dem Judentum und jüdischen Ausdrücken hatte ich bisher auch nichts am Hut und es interessiert mich nicht genug, dass ich jedes Wort hätte nachschlagen wollen).


    Azarya hat wirklich Köpfchen. Und ausgerechnet der Mann, der sich für den Klügsten hält, kapiert das nicht. Bezeichnend.


    Und ich nehme auch an, dass sich Roz geirrt hat, als sie annahm, dass Azarya die Dreiecke von unten nach oben gebildet hat.


    Aber er will sich mit seinem Seltzer-Gleichgewicht davor wappnen, dass die offenbar so kalkuliert auftretende Lucinda auf eine Liebeserklärung nicht so regiert, wie er es sich erhofft. Und dass er daraufhin kräftig Liebeskummer bekommen könnte. Man kann also ganz rational entscheiden, ob man eine Liebeserklärung macht, oder nicht.


    Ich verstehe Cass sehr gut. Es ist doch immer die Frage nach dem "Wer spricht zum ersten Mal das L-Wort aus?" :breitgrins: Entweder Glück oder Hölle - da erscheint mir seine Lösung ziemlich praktikabel - vielleicht teste ich die beim nächsten Mann :elch:


    Liebe Grüße
    nimue