06 - Argumente XXII bis einschl. XXIX

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Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von nimue.

  • Roz hat mir ganz schön Leid getan: Sie berichtet in Kapitel XXIII, dass unter den Onuma die Masern gewütet haben und dass sie ihren kleinen Liebling verloren hat, Tsetse. Wer hat da wohl die Masern eingeschleppt? Ich fand mich an einem Punkt wieder, den ich bei der Onuma-Visite schon einmal hatte: Eine berührungslose Beobachtung gibt es einfach nicht. Mit der Entdeckung des Volkes stoppt deren Abgeschiedenheit und die Versuche, das Volk ursprünglich zu lassen, scheitern früher oder später. Erst impft Roz' Expeditionsleiter heimlich und nun muss er doch ganz erheblich eingreifen, damit ihm sein Forschungsfeld nicht davonstirbt.


    Ich frage mich, ob Goldstein absichtlich so ein Volk in die Story eingebaut hat. Zutrauen würde ich es ihr auf Grund der philosophischen Dichte im Buch durchaus.


    Und Cass denkt so wie ich über die Intelligenz von Azarya: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich der Einzige war, der eine Ahnung hatte, wovon er redet. Sein Vater hat es nicht kapiert. ... Azarya war ganz glücklich, weil er allen Valdenern seine wunderbare Entdeckung mitgeteilt hat, aber er war ganz allein. Es war das Berauschendste und Einsamste, was ich in meinem Leben je gesehen habe." (Seite 339)


    Und schön, dass Cass am Ende des Kapitels sichtbar Distanz zum Übervater Klapper bekommt.


    Im nächsten Kapitel XXV lerne ich insofern dazu, dass ich nun eine Gruppierung mehr kenne, die das Thema Scheidung so unlogisch und eigentlich gesellschaftsschädigend anpackt. Ich denke "die also auch" und lese kopfschüttelnd weiter. Hat dieses Erlebnis Klapper den Hau verpasst, dass er heute glaubt, unbedingt etwas Besseres und Besonderes sein zu müssen?


    Klapper kündigt an der Uni - wie gut für die Uni :breitgrins: Gleichmut und Toleranz sind nicht so ganz die Eigenschaften von Klapper, wenn er keinen anderen Fachbereich in seinen Räumen duldet. Das Problem scheint ja ganz enorm zu sein, wenn just eine Art feindlicher Fachbereich bei ihm einziehen soll. Hirnforschung und Kognitionswissenschaften! Herrje!! Wie entsetzlich. Nun gut, dass Klapper ausflippt, ist das Eine, was ich aber arg fand, war die Szene, als die Arbeitsgruppe brav die Seminarstunden - 2,5 Stunden - absitzt, obwohl Klapper nicht kommt und eigentlich klar ist, dass er auch nicht kommen wird. Die sieben sind für mich symbolisch wie Jünger, die ihrem Vordenker folgen. In diesem Fall blind folgen.


    Vor allem, wenn im Kapitel drauf herauskommt, dass er mit Ausnahme von Cass alle Jünger fallen lassen wird, wenn er an seinen nächsten Bestimmungsort umzieht. Es geht nur um ihn, um niemanden sonst.
    Ich glaube, Roz erfasst Cass' Situation sehr gut, als sie seinen Antrag analysiert.


    Und für Azarya tun sich neue Wege auf: In Kapitel XXVII kommt heraus, dass Cass und seine Mutter den Jungen mit Unterlagen für seine Studien versorgen. Nun darf er einen bedeutenden Professor vom MIT treffen und seine künftigen Optionen besprechen. Klasse!
    Fast scho berührend war es, vom Besuch Azaryas bei Cass zu lesen. Als Cass sich zum Beispiel wundert, dass Azarya sich an den ersten Besuch von Roz und Cass in New Walden erinnert, merkt man an dessen Antwort, welchen Eindruck die "Fremden" bei dem kleinen Bub hinterlassen haben.


    Ich verschwinde im Bett - mache später weiter mit meinem Rekapitulieren....
    Gute Nacht :winken:

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    Einmal editiert, zuletzt von Bettina ()

  • Kapitel XXIII Entzauberung


    ja, mir gings auch so, Roz tat mir leid und sie ist sooo lebendig, sie ist wirklich sehr sympathisch und empathisch und ihr Spruch " die Zerbrechlichkeit der Kinder ist das Furchtbarste an dieser ganzen furchtbaren Welt" geht unter die Haut.
    Und mit der Feststellung " verrückt" und " ich schreibe ganz bestimmt keine Dissertation über die Hermeneutik des kartofel kugl" ( ich breche beim Lesen jedesmal ob dieser Wörter fast wech *ggg*) kommt auch Cass langsam dahin - ist beruhigend.


    Und im Kapitel XXV dachte ich " was für ein aaaaausgewachsener Egozentriker" und bei aller Einsamkeit, die ein Genie durchleben muß, wenn so eine große Egozentrik dazukommt, dann hat das Genie für mich keine positive Quelle und Auswirkung.
    Das disqualifiziert ihn/es für mich arg.


    Und Roz mußte ich für ihre klare Analyse bewundern.


    Kapitel XXVII


    Gabriels pragmatische Einstellung zur jüdischen Religion fand ich intressant.
    Ganz gut auf den Punkt gebracht, was sich da verselbständigt hat:
    Man braucht gar keinen Gott mehr, es kommt nicht auf den Glauben an, sondern nur darauf, alles richtig zu machen und dann ist es gut. Das kommt dem urmenschlichen Bedürfnis, selber machen zu wollen seeeehr entgegen und erklärt eigentlich auch die Ablehnung der Juden Jesus gegenüber.
    Der proklamierte ja, alles selbst getan zu haben und dass nur noch der Glaube an Ihn wichtig sei und nicht mehr das Handeln.
    Bzw also Handeln nur noch als Folge des Glaubens, aber nicht mehr als Option, sich den Himmel selber zu verdienen.


    Kapitel XXVIII


    Hoppla, das Mandelbaum- Gleichgewicht ist hergestellt, Lucinda sag „ ich liebe Dich“ und ist in diesem Kapitel so liebevoll bzw einfühlsam, so zeigte sie sich seither nicht.


    Kapitel XXIX


    Was für ein Drama tut sich in Azaryas Konflikt über seine Zukunft auf.“ Jedes Mal wenn sie Azarya ha –kojdesch rufen, Azarya, der Heilige, klingt es wie Schaufeln voll Erde auf meinem Sarg.“ Wie einengend, wie die persönliche Freiheit raubend, ein Heiliger sein zu müssen, ein Auserwählter, den man nicht ersetzen kann.


    Und wie beeindruckend Azarya argumentiert warum er Rebbe werden muß und wie grandios die Verbindung von Musik und Mathematik, wow!

    Einmal editiert, zuletzt von Feivel ()


  • Kapitel XXVIII


    Hoppla, das Mandelbaum- Gleichgewicht ist hergestellt, Lucinda sag „ ich liebe Dich“ und ist in diesem Kapitel so liebevoll bzw einfühlsam, so zeigte sie sich seither nicht.


    Ja, das scheint ganz automatisch zu gehen und sich sehr natürlich zu ergeben.


    Kapitel XXIX fand ich sehr schön. Ich bewundere Azarya für dieses Musikverständnis. Er kann sich Musik richtiggehend vorstellen und verschiedene Stücke miteinander kombinieren. Das fasziniert mich.
    Wie Feivel schon sagte, zeigt das Gespräch über Azaryas Zukunft ein Drama auf. Die Zukunft ist in Azaryas Augen festgelegt. Im Augenblick scheint er mir wie einer, der die Zeit am MIT mitnimmt und genießt und hinterher brav seinen Dienst als Rebbe antreten wird. Er kann aus seiner Haut nicht raus.


    Das mit den "starren Designatoren" muss ich mir allerdings nochmals durch den Kopf gehen lassen. Wann ist ein Designator wirklich starr? Ich finde die Formulierung "es gibt logisch mögliche Welten..." nicht hilfreich - bezieht sie sich auf andere Kulturen, in denen andere Gesetze gelten und nach denen Cass vielleicht nicht mit Pascale verheiratet ist? Oder meint das wirklich Welten im Sinne von Parallelwelten?


    Und dann dieses Kapitelende :ohnmacht: Azaryas Zukunft steht in diesem einen Satz.

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  • Hallo ihr Lieben,


    ich bin schon eine Weile mit dem Buch durch, aber es ist irgendwie schwer, meine Gedanken in Worte zu fassen. Ich hätte nicht erwartet, dass das Buch so komplex ist. Leichte Lektüre ist wahrlich was anderes.



    ja, mir gings auch so, Roz tat mir leid und sie ist sooo lebendig, sie ist wirklich sehr sympathisch und empathisch und ihr Spruch " die Zerbrechlichkeit der Kinder ist das Furchtbarste an dieser ganzen furchtbaren Welt" geht unter die Haut.


    Roz tat mir wegen Tsetse auch sehr leid. Ich habe mich gleich wieder an mein afrikanisches Patenkind erinnert, das vor etwas mehr als einem Jahr an Malaria starb :traurig: Obwohl ich das Kind nie persönlich kennengelernt habe, war ich sehr sehr traurig - wie musste sich Roz da erst fühlen?


    Ich frage mich, ob Goldstein absichtlich so ein Volk in die Story eingebaut hat. Zutrauen würde ich es ihr auf Grund der philosophischen Dichte im Buch durchaus.


    Ja, ich gehe davon aus, dass dieses Volk Absicht war. Goldstein wirkt auf mich nicht so, als ob es zulassen würde, dass sich ihre Geschichte verselbständigt.



    Im nächsten Kapitel XXV lerne ich insofern dazu, dass ich nun eine Gruppierung mehr kenne, die das Thema Scheidung so unlogisch und eigentlich gesellschaftsschädigend anpackt. Ich denke "die also auch" und lese kopfschüttelnd weiter.


    Du meinst, weil nur der Mann die Scheidung beantragen kann?


    Klapper kündigt an der Uni - wie gut für die Uni :breitgrins: Gleichmut und Toleranz sind nicht so ganz die Eigenschaften von Klapper, wenn er keinen anderen Fachbereich in seinen Räumen duldet.


    Anfangs hatte ich wirklich den Eindruck, dass er einfach ein konfuses Genie ist. Aber irgendwie ist er dafür nicht souverän genug. Zu sehr von sich selbst beeindruckt und zu wenig "Platon": Ich weiß, dass ich nichts weiß. Klarer Fall von Selbstüberschätzung. Für mich inzwischen nur noch ein Schaumschläger, der seine Studenten mit Worten beeindruckt, aber letzten Endes fast nur heiße Luft von sich gibt.


    Vor allem, wenn im Kapitel drauf herauskommt, dass er mit Ausnahme von Cass alle Jünger fallen lassen wird, wenn er an seinen nächsten Bestimmungsort umzieht. Es geht nur um ihn, um niemanden sonst.


    Wobei ich wirklich noch nicht so ganz verstanden habe, worum es Klapper bei Cass eigentlich geht. Nur um dessen jüdische Abstammung?


    Man braucht gar keinen Gott mehr, es kommt nicht auf den Glauben an, sondern nur darauf, alles richtig zu machen und dann ist es gut. Das kommt dem urmenschlichen Bedürfnis, selber machen zu wollen seeeehr entgegen und erklärt eigentlich auch die Ablehnung der Juden Jesus gegenüber.
    Der proklamierte ja, alles selbst getan zu haben und dass nur noch der Glaube an Ihn wichtig sei und nicht mehr das Handeln.
    Bzw also Handeln nur noch als Folge des Glaubens, aber nicht mehr als Option, sich den Himmel selber zu verdienen.


    Diese Aussage finde ich ja sehr schön.


    Hoppla, das Mandelbaum- Gleichgewicht ist hergestellt, Lucinda sag „ ich liebe Dich“ und ist in diesem Kapitel so liebevoll bzw einfühlsam, so zeigte sie sich seither nicht.


    Das kam für mich sehr überraschend.



    Das mit den "starren Designatoren" muss ich mir allerdings nochmals durch den Kopf gehen lassen. Wann ist ein Designator wirklich starr? Ich finde die Formulierung "es gibt logisch mögliche Welten..." nicht hilfreich - bezieht sie sich auf andere Kulturen, in denen andere Gesetze gelten und nach denen Cass vielleicht nicht mit Pascale verheiratet ist? Oder meint das wirklich Welten im Sinne von Parallelwelten?


    http://de.wikipedia.org/wiki/Starrer_Designator


    :spinnen: